Gesundheit

Kinderlähmung

Unicef startet Impfkampagne gegen Polio in Syrien

Das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen will 1,6 Millionen Kinder in Syrien gegen Polio immunisieren. Am Dienstag hatte die Weltgesundheitsorganisation einen Ausbruch der Infektionskrankheit im Land bestätigt. Aufgrund des Bürgerkrieges sind viele Kinder nicht ausreichend geschützt.

AP/ UNICEF

Polio-Impfung in Syrien: 1,6 Millionen Kinder sollen in den kommenden Wochen die Schluckimpfung erhalten

Mittwoch, 30.10.2013   16:31 Uhr

Damaskus - Nach dem Ausbruch der Kinderlähmung im Nordosten Syriens hat das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (Unicef) mit einer breiten Impfkampagne in der Region begonnen. Allein in Syrien erhalten 1,6 Millionen Kinder unter fünf Jahren in den kommenden Wochen eine Schluckimpfung, wie Unicef am Mittwoch mitteilte. Auch in den Flüchtlingscamps und Notunterkünften in den Nachbarländern Jordanien, Libanon, Irak, Türkei und Ägypten haben demnach bereits breite Impfkampagnen begonnen oder werden vorbereitet.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte am Dienstag zehn Fälle von Kinderlähmung in Syrien bestätigt, obwohl die ansteckende Krankheit dort seit 1999 als ausgerottet galt. Weitere zwölf Fälle werden noch untersucht. "Es ist eine ansteckende Krankheit und durch die Mobilität der Bevölkerung kann sie leicht in andere Regionen gelangen", hatte WHO-Sprecher Oliver Rosenbauer am Dienstag auf einer Pressekonferenz in Genf gesagt. Etwa 4000 Flüchtlinge fliehen täglich vor dem Bürgerkrieg in ihrem Land in die benachbarten Staaten.

Nach UN-Angaben sind in den vergangenen zwei Jahren wegen der unsicheren Lage in dem Bürgerkriegsland eine halbe Million Kinder nicht gegen die hochansteckende und vor allem für die Kleinen lebensgefährliche Infektionskrankheit geimpft worden.

Das Gesundheitssystem in Syrien ist zusammengebrochen

"Wir arbeiten mit Hochdruck daran, die Kinder auch in schwer zugänglichen Orten zu erreichen", zitierte Unicef seinen Exekutivdirektor Anthony Lake während eines Besuchs in einem Gesundheitszentrum der syrischen Hauptstadt Damaskus. Er forderte alle Konfliktparteien auf, den Helfern sofortigen Zugang zu allen noch nicht geimpften Kindern zu ermöglichen.

Laut Unicef ist das Gesundheitssystem in Syrien nach mehr als zwei Jahren Bürgerkrieg weitgehend zusammengebrochen: 60 Prozent der Krankenhäuser und ein Drittel der Gesundheitszentren wurden demnach zerstört oder beschädigt, zahlreiche Krankenschwestern und Ärzte sind geflüchtet. Viele umkämpfte Gebiete seien für Hilfsorganisationen zeitweise nicht zu erreichen.

Noch im April dieses Jahres hatte die WHO erklärt, sie wolle Polio bis 2018 weltweit ausrotten. "2012 gab es weltweit nur 223 registrierte Poliofälle, nach 650 Fällen 2011", hatte Steve Cochi von der US-Seuchenschutzbehörde Centers for Disease Control and Prevention (CDC) bei der Vorstellung des Plans gesagt. "Bis heute gibt es weltweit nur 18 berichtete Poliofälle im Jahr 2013." Doch seither hat es mehrere regionale Ausbrüche etwa in Kenia, Südsudan, Somalia, Äthiopien und Kamerun gegeben.

Impfprogramm

hei/AFP

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