Gesundheit

Ausgleichstraining

Athletik-Workout reizt Grenzen aus

Ob Läufer, Handballer oder Tennisspieler - zusätzliche Athletik-Workouts können für das entscheidende Quäntchen mehr Fitness sorgen. Sportmediziner Markus de Marees erklärt, wie das Training den Körper fordert.

Foto: André Siodla / MEDIA2MOVE
Ein Interview von
Mittwoch, 08.07.2015   07:34 Uhr

Zur Person

SPIEGEL ONLINE: Beim Athletiktaining geht man an seine Grenzen - warum lohnt sich das?

De Marees: Ganz klar, um besser zu werden. Ein Beispiel: Laufe ich seit vier Jahren viermal die Woche immer im gleichen Tempo dieselbe Runde, werde ich nicht schneller. Wenn ich mich immer gleich belaste, halte ich nur den Status quo. Um das zu durchbrechen, muss man neue Reize setzen.

SPIEGEL ONLINE: Und dafür soll ich als Freizeitsportler zum Athleten werden?

De Marees: Wenn das Athletiktraining gut betreut ist und die Übungen regelgerecht ausgeführt werden, kann das eine gute Ergänzung sein. Es macht keinen Sinn, immer das gleiche Training abzuspulen. Der Körper braucht neue Reize, um die Routine zu durchbrechen und neue Adaptationen und eine bessere Leistung zu erreichen. Das gilt selbst für gut Trainierte.

SPIEGEL ONLINE: Und was gilt für weniger gut Trainierte?

De Marees: Grundsätzlich ist ein Athletiktraining auch für Hobbysportler geeignet. Die sollten bloß nicht so hart einsteigen, wenn sie ein intensives Training nicht gewohnt sind. In den ersten Trainingseinheiten sollte man nicht an die eigenen Grenzen gehen, damit der Muskelkater nicht zu groß und man nicht abgeschreckt wird. Außerdem sollte man eine gewisse Grundfitness mitbringen und motiviert sein, das Training durchzuhalten.

SPIEGEL ONLINE: Apropos durchhalten - wie wirkt sich Athletiktraining beispielsweise aufs Lauftraining aus?

De Marees: Ich kann mit Sicherheit nicht plötzlich zehn statt acht Kilometer laufen - dafür muss ich ein spezielles Lauftraining absolvieren. Kurz gesagt: Nur mit Athletiktraining werde ich kein Super-zehn-Kilometer-Läufer, aber mit den zusätzlichen Athletikeinheiten vielleicht ein besserer Läufer.

SPIEGEL ONLINE: Warum?

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Fitness-Übungen: Klassiker und Trends
De Marees: Ein Läufer braucht Allgemeinfitness sowie Rumpfstabilität, damit die in den Beinen produzierte Energie und der Vortrieb nach oben transportiert werden können. Ohne die nötige Rumpfstabilität pendelt der Oberkörper hin und her und ich verbrauche mehr Energie. Ein athletisches Training macht mich auf jeden Fall kräftiger, und davon profitiert man in allen Sportarten.

SPIEGEL ONLINE: Also ist ein Athletiktraining Mittel zum Zweck, um die Grundfitness für eine andere Sportart zu steigern?

De Marees: Es ist eine gute Ergänzung, aber natürlich funktioniert es auch bestens als alleiniges Trainingsmittel für Normalsportler. Wer fit und leistungsfähig sein will und eine gute Figur haben möchte, kann auch dreimal die Woche ein Athletik-Workout absolvieren. Grundsätzlich macht's ein guter Mix, also weder nur die eine noch nur die andere Trainingsform durchführen - Dogmen sind auch im Sport nicht gut.

SPIEGEL ONLINE: Für wen ist es nicht geeignet?

De Marees: In abgeschwächter Form kann das eigentlich jeder durchführen, solange er sporttauglich und orthopädisch belastbar ist. Eine sportärztliche Untersuchung ist für ein solch intensives Training grundsätzlich empfehlenswert. Zudem sollte zu Beginn eine Leistungsbestimmung durchgeführt werden, um darauf aufzubauen und das Training richtig zu dosieren.

insgesamt 5 Beiträge
marenghi 08.07.2015
1.
So eine Art Zirkeltraining, ähnlich Crossfit-WODs, ist deshalb für alle außer fortgeschrittene Athleten nicht geeignet, weil dort komplexe, die Rumpfstabilität und Koordination fordernde Kraftübungen ausgeführt werden. Auf [...]
So eine Art Zirkeltraining, ähnlich Crossfit-WODs, ist deshalb für alle außer fortgeschrittene Athleten nicht geeignet, weil dort komplexe, die Rumpfstabilität und Koordination fordernde Kraftübungen ausgeführt werden. Auf Ausdauer. Ohne oder mit nur geringen Pausen (s. den Bericht der Journalistin, sie sei dauernd "außer Puste" gewesen und schon nach der Hälfte eigentlich platt). Das Ironische ist: So ein Kraftzirkeltraining ist eigentlich eine sehr hochspezialisierte Trainingsform für genauso spezielle Ziele von wie gesagt fortgeschrittenen Sportlern, bei denen die Technik jeder Übung automatisiert ist. Die also auch unter Erschöpfung diese immer technisch korrekt abspulen - und selbst dann ist die Verletzungsrate noch hoch. Alle anderen landen dann in schaurig-amüsanten youtube-Videos (mal auf youtube nach "crossfit fail" suchen). So ein Training wird aber gerade für Anfänger vermarktet - "Abwechslungsreichtum", "sich mal richtig auspowern", "ganzheitlich alle Fähigkeiten trainieren". Für die ist es aber extrem viel besser, die verschiedenen Komponenten risikolos und um einiges effektiver getrennt zu trainieren: Ein systematisches Krafttraining plus ein Sprinttraining oder Ausdauertraining usw. Getrennt voneinander und somit ohne Technikeinbrüche bei verletzungsträchtigen Übungen!
Celegorm 08.07.2015
2.
Und dazu natürlich noch eine angemessene Regeneration. Aber leider herrscht in den Köpfen von Hobbysportlern seit je her der Mythos "viel hilft viel", was zusammen mit der schnell-schnell-Mentalität heutiger [...]
Zitat von marenghiSo eine Art Zirkeltraining, ähnlich Crossfit-WODs, ist deshalb für alle außer fortgeschrittene Athleten nicht geeignet, weil dort komplexe, die Rumpfstabilität und Koordination fordernde Kraftübungen ausgeführt werden. Auf Ausdauer. Ohne oder mit nur geringen Pausen (s. den Bericht der Journalistin, sie sei dauernd "außer Puste" gewesen und schon nach der Hälfte eigentlich platt). Das Ironische ist: So ein Kraftzirkeltraining ist eigentlich eine sehr hochspezialisierte Trainingsform für genauso spezielle Ziele von wie gesagt fortgeschrittenen Sportlern, bei denen die Technik jeder Übung automatisiert ist. Die also auch unter Erschöpfung diese immer technisch korrekt abspulen - und selbst dann ist die Verletzungsrate noch hoch. Alle anderen landen dann in schaurig-amüsanten youtube-Videos (mal auf youtube nach "crossfit fail" suchen). So ein Training wird aber gerade für Anfänger vermarktet - "Abwechslungsreichtum", "sich mal richtig auspowern", "ganzheitlich alle Fähigkeiten trainieren". Für die ist es aber extrem viel besser, die verschiedenen Komponenten risikolos und um einiges effektiver getrennt zu trainieren: Ein systematisches Krafttraining plus ein Sprinttraining oder Ausdauertraining usw. Getrennt voneinander und somit ohne Technikeinbrüche bei verletzungsträchtigen Übungen!
Und dazu natürlich noch eine angemessene Regeneration. Aber leider herrscht in den Köpfen von Hobbysportlern seit je her der Mythos "viel hilft viel", was zusammen mit der schnell-schnell-Mentalität heutiger Wundergläubiger, versinnbildlicht in all den "sixpack challenges" und Co., halt schnell fatal wird. Punkto Gesundheit und langfristigem Erfolg ergibt das quasi das Trainingspendant zur Jojo-Diät: Von null zu jeden Tag Crossfit-Überbelastung - und gleich wieder zurück auf null weil der Körper oder die Motivation schlapp machen..
hschmitter 08.07.2015
3. Gähn
Was mir wohl noch öfter als derzeit Griechenland über den Weg läuft - Artikel, die einem sagen, wie man seinen Körper zu formen hat, damit er besser performt. Und wenn es selbst dem SPON zu viel wird mit diesem Wahn, im [...]
Was mir wohl noch öfter als derzeit Griechenland über den Weg läuft - Artikel, die einem sagen, wie man seinen Körper zu formen hat, damit er besser performt. Und wenn es selbst dem SPON zu viel wird mit diesem Wahn, im 3-Tages-Takt irgendwas Neues oder Altbekanntes als das ultimative Work-out für den in-workenden Menschen zu postulieren, stellt man in einem sensationell neuen Artikel ernüchtert fest, daß täglich 30 Minuten zu Fuß denselben Effekt haben.
Leser161 08.07.2015
4. Ähm
Das Bild ist schon etwas grenzwertig. Oder?
Das Bild ist schon etwas grenzwertig. Oder?
zauberer66 08.07.2015
5. Alles so einfach
Es ärgert mich immer mehr, dass soviele hochdotierte Wissenschaftler auf jede aktuelle Fitnesswelle aufspringen. Bei unserer teils hochbewegungsbefremdeten Gesellschaft, von HIT Trainings, Atlethiktrainings, Crossfit etc als den [...]
Es ärgert mich immer mehr, dass soviele hochdotierte Wissenschaftler auf jede aktuelle Fitnesswelle aufspringen. Bei unserer teils hochbewegungsbefremdeten Gesellschaft, von HIT Trainings, Atlethiktrainings, Crossfit etc als den Wundermitteln zum schnellen Erfolg zu sprechen. Und ja, das Foto spricht schon Bände.......wahrscheinlich kurz vor der Korrekturansage des Trainers geschossen. lol Jegliches Training für Körper oder Geist, erfordert Zeit, Disziplin und Durchhaltevermögen. Ah, Ich geh dann mal schnell Chinesisch lernen in Wort und Schrift!

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