Gesundheit

Barre-Training

Fitness von der Stange

Der Trend stammt aus Hollywood: Barre, das Training an der Stange, hat inzwischen auch in Deutschland viele Anhänger gefunden. Dabei werden einzelne Muskelpartien gestärkt und der Körper geformt.

Alexander Heinl/ TMN

Barre-Workout in Berliner Studio

Mittwoch, 13.12.2017   14:31 Uhr

Ein Workout im Ballettraum: Beim Barre wird die Fitness an der Stange trainiert. Bekannt wurde der Sport, als weibliche Hollywoodstars vor einigen Jahren begannen, Trainingsfotos von sich in sozialen Medien zu posten. Von Kalifornien kam der Trend nach Deutschland.

Hier sind besonders Tanzstudios erfreut über die neue Fitnesswelle, die neue Kunden an die Stange bringt. "Die Schwelle ist viel niedriger als beim Tanzen", bestätigt Tessa Temme vom Institut für Tanz und Bewegungskultur an der Kölner Sporthochschule.

Im Trainingsraum des Berliner Studios "Becycle" geht es nach einem kurzen Aufwärmprogramm direkt an die Stange. Den Blick zum Spiegel gerichtet, die Füße leicht nach außen gedreht, beugen die jungen Frauen ihre Knie. Rauf auf die halbe Spitze, in die Kniebeuge und wieder zurück. Noch einmal und noch einmal.

Mehr Fitnesstraining als Ballett

Hat das wirklich etwas mit Ballett zu tun? "Ich bezeichne es eher als Fitnesstraining an der Ballettstange", sagt Victoria Henze, die als Sportlehrerin und Tänzerin arbeitet und nebenbei den Barre-Kurs bei "Becycle" gibt.

Der Fokus der ganzen Stunde liegt eher darauf, den Körper zu formen. Die Stange dient als Hilfe - etwa, um den Oberkörper darauf abzulegen, während die Teilnehmerinnen ihre Pomuskeln mit abwechselnd nach hinten gehobenem Bein trainieren.

Trainiert wird auch mit weichen Gymnastikbällen, die etwa bei der Kniebeuge zwischen die Beine geklemmt werden. Oder speziellen Gummibändern, die an den Füßen befestigt werden, um die Beinmuskulatur noch mehr zu fordern. Nach dem Stangentraining geht es in Henzes Stunde noch zum Bauchmuskeltraining auf die Matte. Danach folgt eine kurze Entspannungsübung.

Wie genau das Training aufgebaut ist, hängt sehr vom Lehrer ab. Feststehende Übungen gibt es nicht, sagt Barbara Heiner, die ein Buch zum Barre-Training geschrieben hat und in München selbst Stunden gibt. Heiner hat eine Yogalehrer- und eine Pilates-Ausbildung und richtet ihr Barre-Training auf einen Bewegungsfluss aus.

Kriti k an der Stange

Ihr Fokus ist weniger die Ausbildung einer perfekten Silhouette als vielmehr ein gesunder Körper, sagt sie. Die Stange habe einen ganz entscheidenden Vorteil: "Sie bringt uns in eine aufrechte Haltung." Und man komme in Positionen, die ohne Festhalten nicht so ohne Weiteres möglich wären.

Tessa Temme von der Sporthochschule widerspricht: Sie hält den Umgang mit der Stange für problematisch. Im Tanztraining sei sie dafür gedacht, Dinge zu üben, für die man noch Unterstützung brauche - "immer mit dem Ziel, sich irgendwann von der Stange zu lösen."

Beim Barre hingegen gehört das Training an der Stange zum Konzept. "Die Teilnehmer lernen also nie, die Übungen frei im Raum zu schaffen." Eine bedauerliche Einschränkung, findet die Tänzerin und Sportwissenschaftlerin. Schließlich wird der wichtige Gleichgewichtssinn so weniger trainiert.

Andererseits freut sie sich über den Trend. Denn anders als etwa beim Crossfit oder hochintensivem Intervalltraining geht es beim Barre nicht in erster Linie um Schweiß, sondern um ein Gefühl für den Körper und die Bewegung. Ein großer Vorteil sei beispielsweise, dass barfuß trainiert werde

Bei der Kurswahl Zeit lassen

Barbara Heiner rät Einsteigern, sich bei der Suche nach dem optimalen Kurs Zeit zu lassen. Manche Lehrer verwenden schnelle Musik und legen den Fokus eher auf Fitness, andere gestalten das Training sehr tänzerisch. "Aus meiner Sicht lohnt es sich, mehrere Angebote auszuprobieren", sagt Heiner.

Anfänger sollten vor allem auf die Qualifikation des Lehrers achten. "Das ist beim Barre besonders wichtig", sagt Temme. Dreht jemand etwa die Füße weiter nach außen als seine Hüften es zulassen, drohen Knieprobleme.

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Idealerweise ist der Trainer gelernter Gymnastiklehrer, Sportwissenschaftler oder wurde an einer Kunsthochschule oder staatlich anerkannten Akademie zum Tänzer ausgebildet.

Obwohl sich auch Ausdauerelemente ins Barre-Workout integrieren lassen, ist es den Expertinnen zufolge ratsam, zusätzlich etwas für Herz und Kreislauf zu tun. "Das Barre-Training findet ja drinnen statt, deswegen bietet es sich an, für die Ausdauer draußen walken oder joggen zu gehen", sagt Heiner.

Teresa Nauber, dpa/brt

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