Gesundheit

Übergewicht und Bluthochdruck bei Kindern

Schwerer Start ins Leben

Wer übergewichtig ist, hat häufiger Bluthochdruck - und damit ein größeres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Eine neue Studie an spanischen Kindern belegt, dass dieses Problem schon sehr früh beginnt.

Kevin Frayer / Getty Images

Trainingskurs für übergewichtige Kinder in China (Archivbild)

Sonntag, 16.06.2019   13:34 Uhr

Für die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist Übergewicht bei Kindern eine der entscheidenden Herausforderungen für die Gesundheitsvorsorge im 21. Jahrhundert. Nach den aktuellsten WHO-Statistiken, sie stammen aus dem Jahr 2016, gelten weltweit 41 Millionen Mädchen und Jungen im Alter von bis zu fünf Jahren als übergewichtig. Fast die Hälfte von ihnen stammt aus Asien, ein weiteres Viertel aus Afrika.

Eine aktuelle Studie aus Spanien zeigt nun, welche möglichen Konsequenzen bereits mit frühem Übergewicht verbunden sind. Forschende um Iñaki Galán von der Universidad Autonoma de Madrid berichten in der Fachzeitschrift "European Journal of Preventive Cardiology", dass Übergewicht schon bei jüngeren Kindern zu einem mehr als zweifach erhöhten Risiko für Bluthochdruck führt.

"Manche Kinderärzte glauben, dass die Folgen von Übergewicht und Fettleibigkeit erst im Jugendalter auftreten, aber unsere Studie zeigt, dass sie sich irren", wird Galán in einer Mitteilung der European Society of Cardiology zitiert, die die Fachzeitschrift herausgibt. Diese Haltung behindere die Vorbeugung und die Kontrolle dieses Gesundheitsproblems.

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Für die Studie waren Daten von mehr als 1500 Kinder im Alter von vier Jahren ausgewertet worden. Sie alle stammten aus der Region Madrid und nahmen an der Langzeitstudie "Longitudinal Study of Childhood Obesity" (ELOIN) teil. Von ihnen wurden Größe und Geschlecht erfasst sowie die Lebensumstände der Mutter und einige andere Faktoren registriert. Außerdem wurden Gewicht, der Bauchumfang und der Blutdruck bestimmt. Dieselbe Untersuchung erfolgte zwei Jahre später noch einmal.

Verschwindet das Übergewicht, normalisiert sich der Blutdruck

Bei der Definition von Übergewicht setzten die Forscher auf einen für Kinder angepassten Body-Mass-Index (BMI) sowie zusätzlich die Messung des Taillenumfangs. Zöge man nur eines der beiden Maße heran, so Galán, würde man 15 bis 20 Prozent der Fälle nicht erkennen.

Die Datenanalyse zeigte unter anderem, dass das Risiko eines Kindes, das mit vier und sechs Jahren übergewichtig oder fettleibig war, zwei- bis zweieinhalbmal so groß war, an Bluthochdruck zu leiden, wie das eines normalgewichtigen Kindes. Anders sah es bei Kindern aus, deren Werte im Alter von vier Jahren über dem Normalgewicht lagen, die aber mit sechs Jahren kein Übergewicht mehr hatten: Ihre Blutdruckwerte waren mit denjenigen Kindern vergleichbar, die in beiden Altersstufen Normalgewicht hatten. Dieser Zusammenhang war nach Auskunft der Forscher unabhängig von Geschlecht oder sozio-ökonomischem Status.

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In einem Kommentar zu der Studie betont Eero Haapala von der Universität Jyväskylä in Finnland, dass Bluthochdruck einer der wichtigsten Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist. Haapala empfiehlt drei Verhaltensweisen, die das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen verringern:

Nach dem Ergebnis der aktuellen Studie würden die ersten beiden Empfehlungen auch schon für kleine Kinder gelten. Auch eine ausreichende Menge an Schlaf sei wichtig. Erst kürzlich hatte die WHO erstmals Empfehlungen veröffentlicht, wie viel sich Kleinkinder bewegen sollten.

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Pizza, Sandwiches und Salat: Das essen Kinder in einer Woche

Galán und Kollegen heben neben der zentralen Rolle der Eltern auch die der Schule hervor. Nötig seien pro Woche drei bis vier Stunden sportliche Aktivitäten auf dem Stundenplan. Außerdem solle das Lehrpersonal auch Aktivitäten in den Pausen im Blick haben. Außerdem seien bewegungsorientierte Angebote der Schulen nach Unterrichtsschluss genauso wünschenswert wie ausgewogene Ernährungsangebote für Hauptmahlzeiten und Snacks.

Martin Hulpke-Wette, der in Göttingen eine Präventionspraxis für Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen betreibt und nicht an der aktuellen Studie beteiligt war, hält die Ergebnisse für sehr wichtig: Sie belegten, was er aus seinem Alltag in der Arztpraxis bereits kenne: dass Übergewicht und Bluthochdruck bereits bei Kindern wichtige Faktoren seien, die die Gesundheit beeinträchtigten. "Die Studie ist aufwendig und gut gemacht", sagt Hulpke-Wette. Lediglich die Blutdruckmessmethode könne zu "Praxisbluthochdruck" führen, also einem erhöhten Blutdruck, weil der junge Patient aufgeregt ist.

Der Göttinger Kinderarzt sieht im Hinblick auf Übergewicht und Bluthochdruck einen dringenden Handlungsbedarf in der Politik: Viele Lebensmittel, vor allem die speziell für Kinder angebotenen, enthielten zu viel Zucker. Das sei den meisten nicht bekannt. "Ich muss bei jedem Patienten eine Ernährungsberatung machen", so Hulpke-Wette. Diabetes Typ II werde fast nur durch Fehlernährung ausgelöst und verursache erhebliche Gesundheitskosten.

chs/dpa

insgesamt 17 Beiträge
Chillmalbesser 16.06.2019
1. Zucker im Supermarkt
Heutzutage ist es wichtig an welche Getränke man Kinder gewöhnt. Unsere Kinder haben wir damals an Mineralwasser gewöhnt. Wenn ich schon diesen ganzen Eistee, süße Limonade und die angeblich gesunden überzuckerten Säfte [...]
Heutzutage ist es wichtig an welche Getränke man Kinder gewöhnt. Unsere Kinder haben wir damals an Mineralwasser gewöhnt. Wenn ich schon diesen ganzen Eistee, süße Limonade und die angeblich gesunden überzuckerten Säfte sehe. Dazu dann noch Süssigkeiten und wenig Bewegung, dann kann ein Kind doch nur fettleibig werden. Zucker macht süchtig. Wenn Kinder schon mit Zucker vollgestopft werden, dann noch viel Zeit vor dem Bildschirm verbringen, ist es doch kein Wunder.
joe_ann 16.06.2019
2. Schuld der Eltern
ich verstehe nicht, wie man der Lebensmittel-Industrie so auf den Leim gehen kann. Mit extra viel Milch, ohne zugesetzten Zucker, ohne künstliche Aromastoffe (es gibt übrigens nur 2 künstliche, die zugelassen sind; z.B. auch [...]
ich verstehe nicht, wie man der Lebensmittel-Industrie so auf den Leim gehen kann. Mit extra viel Milch, ohne zugesetzten Zucker, ohne künstliche Aromastoffe (es gibt übrigens nur 2 künstliche, die zugelassen sind; z.B. auch Extrakte aus Zedernholz sind natürlich)...Und die Leute glauben das und kaufen den Quatsch. Am schlimmsten die ganzen tollen Kinderprodukte. Gibt es bei uns ganz selten und es wird aber auch nicht vermisst. Wenig Verarbeitetes kaufen, damit ist schon viel gewonnen. Apfelschorle(wenn es denn mal sein muss), Frucht-Joghurt, Müsli/Cornflakes und vieles mehr kann man sich gut selbst zubereiten bzw unverarbeitet kaufen. Unsere Kinder bekommen auch fast täglich etwas Süßes (in Maßen und nachdem gefragt wurde) und kratzen trotzdem eher an der Grenze zum Untergewicht (19kg bei 122cm und 15kg bei 105cm). Und ein anderes großes Problem, was mir oft auffällt, ist die fehlende objektive Sicht der Eltern auf ihrer Kinder. Die Röllchen beim Nachwuchs erinnern schon ein wenig an das Michelin-Männchen, aber laut den Eltern sind sie voll normal, wenn nicht sogar dünn.
Nordstadtbewohner 16.06.2019
3. Weniger Übertreibungen
Wie heißt es so schön: Die Dosis macht das Gift. Zucker ist weder schädlich, noch macht es in gesunden Maßen süchtig, auch wenn irgendwelche Esoterikerseiten im Internet so etwas behaupten. Es ist eigentlich wie bei allen [...]
Zitat von ChillmalbesserHeutzutage ist es wichtig an welche Getränke man Kinder gewöhnt. Unsere Kinder haben wir damals an Mineralwasser gewöhnt. Wenn ich schon diesen ganzen Eistee, süße Limonade und die angeblich gesunden überzuckerten Säfte sehe. Dazu dann noch Süssigkeiten und wenig Bewegung, dann kann ein Kind doch nur fettleibig werden. Zucker macht süchtig. Wenn Kinder schon mit Zucker vollgestopft werden, dann noch viel Zeit vor dem Bildschirm verbringen, ist es doch kein Wunder.
Wie heißt es so schön: Die Dosis macht das Gift. Zucker ist weder schädlich, noch macht es in gesunden Maßen süchtig, auch wenn irgendwelche Esoterikerseiten im Internet so etwas behaupten. Es ist eigentlich wie bei allen Dingen des täglichen Lebens und der Kindererziehung: Wenn die Eltern ihren Kinder ein entsprechenden bewussten Umgang mit Lebensmitteln und dem eigenen Körper vermitteln, wird ein Kind weder übergewichtig noch krank.
remedias.cortes 16.06.2019
4.
problematisch ist nicht der Kaffeelöffel Zucker in den Kaffee oder Kakao, sondern die "versteckten Zucker". Auch dort, wo sie es nicht vermuten würden: Leberwurst, Schinken, Senf, Saure Gurken, Rotkraut .....die [...]
Zitat von NordstadtbewohnerWie heißt es so schön: Die Dosis macht das Gift. Zucker ist weder schädlich, noch macht es in gesunden Maßen süchtig, auch wenn irgendwelche Esoterikerseiten im Internet so etwas behaupten. Es ist eigentlich wie bei allen Dingen des täglichen Lebens und der Kindererziehung: Wenn die Eltern ihren Kinder ein entsprechenden bewussten Umgang mit Lebensmitteln und dem eigenen Körper vermitteln, wird ein Kind weder übergewichtig noch krank.
problematisch ist nicht der Kaffeelöffel Zucker in den Kaffee oder Kakao, sondern die "versteckten Zucker". Auch dort, wo sie es nicht vermuten würden: Leberwurst, Schinken, Senf, Saure Gurken, Rotkraut .....die Liste ist lang, Zucker ist ein billiger Fülllstoff und rundet den Geschmack ab. Man gewöhnt sich daran und dann mag man nix mehr ohne. Ich wäre aber dennoch nicht für eine Zucker- sondern für eine Verarbeitungssteuer bei Lebensmittel. Mehr als 5 Inhaltsstoffe braucht kein Mensch.
intercooler61 17.06.2019
5. erfolgreiche Anti-Aufklärung
... wie in den ersten Forenbeiträgen prompt zu besichtigen. Zitat aus dem Artikel: "Diabetes Typ II werde fast nur durch Fehlernährung ausgelöst ..." -- Na klar, bei einem Risiko von 70-80% im Falle von Diabetes II [...]
... wie in den ersten Forenbeiträgen prompt zu besichtigen. Zitat aus dem Artikel: "Diabetes Typ II werde fast nur durch Fehlernährung ausgelöst ..." -- Na klar, bei einem Risiko von 70-80% im Falle von Diabetes II beider Eltern, einer Konkordanz von 60% zwischen Geschwistern und um 90%(!) zwischen eineiigen Zwillingen. Geht's noch? Vielleicht sollte man Approbationen generell befristen und unter den Vorbehalt der regelmäßigen Teilhabe am Stand medizinischer Evidenz stellen. Ich bestreite keineswegs, dass in Fällen einschlägiger genetischer Vorbelastung eine entsprechende Diät das Risiko einer Erkrankung senken oder ihren Beginn hinauszögern und den davon Betroffenen unterm Strich einen Gewinn an Lebensqualität bescheren kann. Nur rechtfertigt das nicht, den Rest der Menschheit mit einer "Zuckersteuer", künstlichen Süßstoffen oder ähnlich wirren Phantasien zu behelligen.

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