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Wann eine Trennung der richtige Schritt ist

Jede Kleinigkeit verursacht einen Riesenstreit - oder ein Paar lebt nur noch nebeneinander her wie in einer WG: Wann der Zeitpunkt gekommen ist, sich aus einer unglücklichen Beziehung zu verabschieden.

Paul Simcock/ Tetra images/ Getty Images

Symbolbild

Freitag, 10.05.2019   15:31 Uhr

Trennungen tun weh. Familien und Freundeskreise brechen auseinander, das Leben wird umgekrempelt, die Stabilität ist erst mal weg. Mancher hält es deshalb viel zu lange in einer Beziehung aus, die nicht mehr funktioniert.

Experten raten deshalb, auch die Chancen in der Trennung zu sehen:

"Wer sich aus einer destruktiven Beziehung verabschiedet, spürt nach einer Trennung oft eine große Erleichterung", sagt die Paartherapeutin Nadja von Saldern aus Berlin, die zu diesem Thema ein Buch mit dem Titel "Glücklich getrennt" geschrieben hat.

Sind Paare nicht mehr glücklich miteinander und bleiben trotzdem zusammen, stauen sich oft Aggressionen auf. "Es wird gelogen, beleidigt, verletzt. Man steht permanent unter Strom", sagt Beziehungscoach Sandra Hinte aus Sinzheim.

Andere Paare leben eher wie in einer Art Wohngemeinschaft nebeneinander her. "Krümel-Beziehungen" sagt Hinte hierzu. Denn jeder bekommt nur noch Krümel und nie die ganze Torte. "Da muss man sich schon fragen, wie authentisch man noch ist und welche Bedürfnisse man permanent unterdrückt." Beide Partner verbauen sich die Chance, in einer erfüllten Partnerschaft mit Nähe und Sexualität zu leben.

Buchautorin Heike Blümner ("Schluss jetzt") berichtet von älteren Menschen, die sich heute fragen, warum sie sich nicht oder wenigstens nicht viel früher getrennt haben. Sie trauern der vergeudeten Lebenszeit nach. "Manchmal sollte man einfach gehen", so das Fazit von Blümner.

Wann ist der Zeitpunkt gekommen?

Am Anfang, wenn die ersten Gedanken an eine Trennung aufkommen, kann eine Art Tagebuch helfen. Wer an seiner Beziehung zweifelt, trägt hier ein, wann es ihm in der Beziehung gut geht und wann schlecht.

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Ein Warnzeichen ist, wenn Paare immer wieder erbittert über Kleinigkeiten streiten. Denn oft ist dies ein Ventil, um den Ärger über ganz andere, viel größere Konflikte abzulassen.

Weitere Fragen, die man sich stellen sollte: Was sind meine Denk- und Verhaltensmuster? Was könnte ich in der Beziehung falsch gemacht haben? Und wie könnte es besser laufen?

Natürlich ist das Gespräch mit dem Partner einer der wichtigsten Schritte. So haben beide die Chance, sich zusammen zu entwickeln, vielleicht auch mithilfe eines Coaches oder Therapeuten. Nutzt dies alles nichts und es kommt zur Trennung, hat dieses viele Nachdenken und Reden auch einen großen Vorteil. "Man kann sich selbst sagen, dass man alles versucht hat. Das mindert oder verhindert sogar Schuldgefühle", sagt Hinte.

Ein Merkspruch, den Blümner in ihrem Buch Lesern mitgibt: "Wenn die Frage 'Gehen oder Bleiben?' mehr Zeit beansprucht als die Planung des nächsten Urlaubes", müsse man gehen.

Höchstwahrscheinlich wird die Trennung trotzdem mit negativen Gefühlen einhergehen - Selbstzweifel, Angst vor Einsamkeit etwa. Doch negative Gefühle werden natürlich bei und nach der Trennung kommen. Am häufigsten ist die Angst vor der Einsamkeit, auch Selbstzweifel stellen sich oft ein. Je besser der frisch Getrennte damit umgehen kann, umso schneller wird er mit seiner neu gewonnenen Autonomie glücklich und zufrieden werden.

Sicher ist auf jeden Fall: Niemandem geht es nach einer Trennung für immer schlecht. "Ich kenne keinen, der gesagt hätte: 'Es war ein Riesenfehler'", sagt Blümner.

Klar bleiben, sich auf sich selbst konzentrieren

Wie man eine Trennung verkraftet, hängt auch stark davon ab, wie diese verlaufen ist. Allerdings sind friedliche und vernünftige Trennungen eher selten. Meist dreht wenigstens einer der beiden zumindest zeitweise durch.

Der Verlassene verwechselt vielleicht seine Verlustangst mit Liebe und umschmeichelt den Partner - und wird kurz darauf wütend und ausfallend. Es wird gedroht, zum Beispiel, dass der andere die Kinder nicht mehr sehen darf. "Das Problem ist, dass auch der andere, der eigentlich gehen will, oft nicht klar bleibt", erklärt von Saldern. Er macht die wechselnden Gefühlsausbrüche seines Partners mit, auch wegen seiner eigenen Unsicherheit. Die Angelegenheit wird dadurch immer destruktiver.

Wer sich wenigstens einigermaßen vernünftig trennen will, sollte daher möglichst klar in seinen Aussagen und Zielen bleiben, auch wenn das schwer ist. "Man sollte sich auf sich selbst konzentrieren und nicht aus der Fassung bringen lassen", sagt Blümner.

wbr/Sabine Maurer, dpa

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