KarriereSPIEGEL

Bilanz 2017

Arbeitnehmer haben 668 Millionen Arbeitstage gefehlt

In der Produktion, im Baugewerbe, in Schulen und Kitas: An diesen Arbeitsplätzen sammeln Angestellte die meisten Fehltage an, so eine Studie. Wer Einfluss darauf hat, wo und wann er arbeiten kann, ist gesünder und braucht weniger Erholung.

Getty Images/Westend61

Arbeitnehmerin beim Arztgespräch

Von
Mittwoch, 12.12.2018   15:47 Uhr

Wegen psychischer Erkrankungen sammelten Arbeitnehmer im vergangenen Jahr rund 107 Millionen Fehltage an. Das führte zu Produktionsausfällen von rund 12,2 Milliarden Euro. Zehn Jahre früher lagen die Fehltage wegen psychischer Erkrankungen noch bei 48 Millionen.

So steht es im noch nicht veröffentlichten Bericht "Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit", der an diesem Mittwoch im Kabinett vorgelegt wird. Er wirft einen Blick auf die Bedingungen, Anforderungen und Folgen von Arbeit. Und er zeigt, welche Berufskrankheiten und Arbeitsunfälle es gibt und wie weit verbreitet sie sind.

Demnach haben Arbeitnehmer in Deutschland im vergangenen Jahr krankheitsbedingt insgesamt rund 669 Millionen Arbeitstage gefehlt. Das sind etwas weniger als die 675 Millionen Fehltage im Jahr 2016. Die "Bild" hatte den Bericht zuerst publik gemacht.

Die meisten Fehltage sammelten Angestellte im produzierenden Gewerbe an (20,6 Tage), an zweiter Stelle stehen Mitarbeiter des Baugewerbes mit 19,5 Tagen, dicht gefolgt von Erziehern und Lehrern (19,4 Tage).

Arbeitsunfälle

Wegeunfälle

Die Zahl der Unfälle auf dem Weg zur Arbeit ist im vergangenen Jahr hingegen um 9,5 Prozent angestiegen. Im Jahr 2017 gab es somit insgesamt 193.150 Wegeunfälle. Davon waren 286 tödlich.

Berufskrankheiten

Gesundheitliche Beschwerden

In vielen Unternehmen wird die Arbeit mehr und mehr digitalisiert. Dies sorgt dem Bericht zufolge zwar für mehr Abwechslung und einen größeren Handlungsspielraum, allerdings auch dafür, dass die Arbeit ansteigt. Mitarbeiter müssen somit immer mehr Aufgaben bewältigten. Beschäftigte, bei denen neue Technologien eingeführt wurden, sind am häufigsten von Schmerzen im unteren Rücken, in den Armen, Händen oder Knien betroffen.

Arbeitsplatzumgebung

Mehr als die Hälfte der Vollzeitbeschäftigten gibt an, häufig im Stehen zu arbeiten. Ein Viertel davon findet dies belastend. Ein Sechstel der Befragten berichtet davon, unter Zwangshaltungen zu arbeiten, das findet die Hälfte davon belastend. Vor allem die ältesten Beschäftigten (55 Jahre und älter) finden solche Arbeiten belastend.

Arbeitsorganisation

Wer Einfluss darauf hat, wo und wann er arbeiten kann, ist gesünder und braucht weniger Erholung. Wer allerdings viel arbeiten muss, wird auch häufiger krank: Etwa 18 Prozent aller Vollzeitbeschäftigten geben an, 48 Stunden und mehr pro Woche zu arbeiten. Knapp die Hälfte der Beschäftigen steht unter starkem Termin- und Leistungsdruck.

Soziales Arbeitsumfeld

Mehr als drei Viertel der Beschäftigten arbeiten häufig gut mit den Kollegen zusammen. Etwa 58 Prozent der Befragten erhält häufig Hilfe und Unterstützung vom direkten Vorgesetzten. Bleibt die Hilfe aus, schadet das der Gesundheit. Fast die Hälfte aller Befragten erlebt die mangelnde Unterstützung durch Vorgesetzte und Kollegen als belastend.

Mit Material von AFP

insgesamt 37 Beiträge
Garak 12.12.2018
1. Die Arbeitgeber und ihre Sparwut sind die Verursacher!
Egal wohin man schaut, immer weniger Mitarbeiter müssen immer mehr Arbeit leisten. In meinem Betrieb ist es mittlerweile so das oft 1/3 der Mitarbeiter krank sind (Überlastung, Depressionen, Rücken und Knieprobleme) weil der [...]
Egal wohin man schaut, immer weniger Mitarbeiter müssen immer mehr Arbeit leisten. In meinem Betrieb ist es mittlerweile so das oft 1/3 der Mitarbeiter krank sind (Überlastung, Depressionen, Rücken und Knieprobleme) weil der Arbeitgeber den Mitarbeiterbedarf zu knapp kalkuliert. Das führt dann natürlich dazu das die verbliebenen Mitarbeiter noch mehr belastet werden und ständig in anderen Arbeitsgruppen aushelfen müssen. Die Folge sind dann noch mehr Kranke da man ja nicht nur seine eigene Arbeit machen mit weniger Kollegen erledigen muss, man "darf" ja zusätzlich noch anderen überlasteten Arbeitsgruppen helfen. Und wenn man dann nach Monaten der Überlastung auch krank wird schließt sich der Kreis und diejenigen die dann am Arbeitsplatz sind haben dann halt Pech gehabt. Aber anstatt die Arbeit stressfreier zu gestalten sagen die Arbeitgeber geht doch solange sich die "dummen" Mitarbeiter auspressen lassen.
aurichter 12.12.2018
2. Einfach
mit den Überstunden und Zeitkonten, die als zinslose Darlehen den AG gewährt werden, kurzerhand verrechnen. Dann passt es wieder.
mit den Überstunden und Zeitkonten, die als zinslose Darlehen den AG gewährt werden, kurzerhand verrechnen. Dann passt es wieder.
Hartmut Schwensen 12.12.2018
3. Es ist gehört zu den seltenen Ereignissen,
wenn der Klassenlehrer meines Kindes mal einen Monat ohne "Erkrankung" durchsteht. Schön auch der Satz einer ehemaligen Lehrerin, sie können noch nicht so viel krank sein, da sie noch nicht verbeamtet sein.
wenn der Klassenlehrer meines Kindes mal einen Monat ohne "Erkrankung" durchsteht. Schön auch der Satz einer ehemaligen Lehrerin, sie können noch nicht so viel krank sein, da sie noch nicht verbeamtet sein.
Roethig.hb 12.12.2018
4.
…und machten 800 Mio bezahlte und 900 Mio unbezahlte Überstunden (in 2017). Wen wundert es, dass das der eine, oder andere auf Dauer nicht „wuppen“ kann ?
…und machten 800 Mio bezahlte und 900 Mio unbezahlte Überstunden (in 2017). Wen wundert es, dass das der eine, oder andere auf Dauer nicht „wuppen“ kann ?
nadelstich 12.12.2018
5.
668 Millionen Fehltage bei 44,5 Millionen Beschäftigten. Ergibt einen Median von 15 Fehltagen p.P. p.a. Zu Beachten ist vor allem: Beschäftigung ist auf Rekordhoch. Gleichzeitig steigt das durchschnittliche Alter der [...]
668 Millionen Fehltage bei 44,5 Millionen Beschäftigten. Ergibt einen Median von 15 Fehltagen p.P. p.a. Zu Beachten ist vor allem: Beschäftigung ist auf Rekordhoch. Gleichzeitig steigt das durchschnittliche Alter der Beschäftigten von Jahr zu Jahr. Es ist nur logisch das da auch die Fehlzeiten steigen. Man muss schon blind sein um diesen Zusammenhang nicht erkennen zu können. 15 Fehltage pro AN p.a. ist jetzt nichts worüber man zwingend stolpern muss. Als Unternehmer würde ich mit deutlich mehr Kalkulieren. In den NL braucht man erst ab dem dritten Fehltag "den gelben Schein" bringen. Vorher geht das auch ohne. Soll mir keiner erzählen dass das keiner ausnutzt ... Wenn man überlegt wie viel Arbeitszeit beim Kaffee holen, Rauchen oder "am Drucker warten und Whatsapp checken" drauf geht. Das sind ganz klar mehr wie 1,25 Arbeitstage pro Monat. Aber es ist abzusehen wohin die Diskussion sich hier drehen wird; "Die pöhsen Ausbeuterunternehmer" ; "früher/ im Sozialismus war alles besser"; "Arbeit nervt es ist Zeit für bedingungsloses Grundeinkommen..."

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