KarriereSPIEGEL

Eigen- und Fremdbild im Büro

Ich bin so gut, ich bin der Chef

Der Chef findet sich: prima. Der Rest findet ihn: mittelmäßig. Eine Umfrage zeigt, dass Führungskräfte sich oft selbst viel besser einschätzen, als es ihre Mitarbeiter tun.

Corbis

Chef und Mitarbeiter (Symbolbild)

Mittwoch, 27.04.2016   08:11 Uhr

Wie ist das Führungsverhalten des Chefs? Er findet: ziemlich gut, so unterm Strich. Seine Kollegen finden: Geht meistens gar nicht.

Das klingt wie ein Klischee, wie einer jener Witze, die man mal in der Kantine über die da oben macht. Es stimmt aber leider: Erfahrene Manager schätzen ihr Führungsverhalten deutlich positiver ein, als es Nachwuchskräfte ihren jeweiligen Vorgesetzten attestieren.

Zu diesem Ergebnis kommt eine Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach. Befragt wurden 551 Führungs- und Nachwuchskräfte in der Wirtschaft und im öffentlichen Dienst. Die Nachwuchskräfte sind dabei akademisch ausgebildete Berufsanfänger in den ersten fünf Berufsjahren.

Am weitesten liegen die Bewertungen auseinander, wenn es um die Zuverlässigkeit der Führungskraft geht, also um das Einhalten von Absprachen (84 Prozent positive Eigenbewertung, 55 Prozent positive Fremdbewertung), und bei der Begründung von Veränderungen im Arbeitsumfeld (70 Prozent zu 38 Prozent).

Zudem bescheinigen nur 38 Prozent der Nachwuchskräfte ihrem direkten Chef, offen für Kritik zu sein. Es dominiere nach wie vor das Modell einer hierarchischen Führung. Das führt aus Sicht des Nachwuchses dazu, dass zu wenig Verantwortung delegiert wird - einer der Hauptkritikpunkte.

Nur gut jede dritte Nachwuchskraft fühlt sich von ihrem Vorgesetzten in der Umsetzung der eigenen Fähigkeiten und Potenziale unterstützt. Den jungen Mitarbeitern fehlt es an flexiblen Arbeitszeiten und anderen Möglichkeiten, Beruf und Privatleben unter einen Hut zu bekommen. Das hält viele davon ab, sich selbst um Führungspositionen zu bemühen.

"Es überrascht, wie viele gegensätzliche Ergebnisse die Studie liefert und wie weit die Wahrnehmungen von Führungskräften und Nachwuchs auseinanderliegen", sagt Menno Harms von der Initiative Zukunftsfähige Führung (IZF). Sie hatte die Umfrage in Auftrag gegeben.

mamk

insgesamt 25 Beiträge
fridericus1 27.04.2016
1. Viele Führungskräfte ...
... sind von Speichelleckern umgeben. Entweder, weil sie selber dieses Umfeld heranzüchten oder weil sie es zulassen, dass diese ihr Umfeld bilden. Gleichzeitig ist bei vielen abhängig Beschäftigten die Neigung, offen und [...]
... sind von Speichelleckern umgeben. Entweder, weil sie selber dieses Umfeld heranzüchten oder weil sie es zulassen, dass diese ihr Umfeld bilden. Gleichzeitig ist bei vielen abhängig Beschäftigten die Neigung, offen und ehrlich Kritik am Chef zu üben, verständlicherweise gering ausgebildet. Warum also sollten Führungskräfte wirklich zutreffend wissen, was ihre Mitarbeiter von Ihnen denken?
ronald1952 27.04.2016
2. Was ich so kenengelernt habe,
ist folgendes, als Chef hat man seine Mitarbeiter die auch meist einen Beruf erlernt haben, Fachlich geschult, kompetent in Ihrer Arbeit. Leider ist das bei den meisten Chefs nicht so der Fall. Allzu oft sind Sie nur Chef und [...]
ist folgendes, als Chef hat man seine Mitarbeiter die auch meist einen Beruf erlernt haben, Fachlich geschult, kompetent in Ihrer Arbeit. Leider ist das bei den meisten Chefs nicht so der Fall. Allzu oft sind Sie nur Chef und delegieren, mehr nicht. Und viele dieser Chefs sagen ich bin der Chef und das sagt schon alles.Denn allzu oft gilt nur die Meinung des Chefs, aber die Angestellen Handwerke sind meist immer vor Ort und mal ganz Ehrlich, oft wissen die Arbeiter besser als der Chef was getan werden muss.Man muss den Menschen immer ein wenig Luft zum Atmen lassen und auf jeden Fall auch das Erfolgserlebnis. Ansonsten ist man ein nicht so guter Chef. schönen Tag noch,
td66 27.04.2016
3. Wahrnehmung
Ich ahbe selbst mal ein Führungskräftefeedback durchführen lassen. Meine Erfahrung zeigt, dass Mitarbeiter unterschiedliche Maßstäbe an sich und Ihren Chef setzen und oft falsche Erwartungshaltungen haben. In der [...]
Ich ahbe selbst mal ein Führungskräftefeedback durchführen lassen. Meine Erfahrung zeigt, dass Mitarbeiter unterschiedliche Maßstäbe an sich und Ihren Chef setzen und oft falsche Erwartungshaltungen haben. In der Abschließendne Diskussion wurde dann deutlich, dass der Unterschied der Bewertungen dann doch nicht unterschiedlich war. Nach dem Motto: "Ach ja stimmt, da hst DU ja noch das und das gemacht..."
dipl.inge83 27.04.2016
4. Voraussetzung
Mangelnde Selbstreflexion ist doch zur Personalführung grundlegend notwendig. Wir schaffen das.
Mangelnde Selbstreflexion ist doch zur Personalführung grundlegend notwendig. Wir schaffen das.
curieuse 27.04.2016
5. Nicht wirklich überraschend!
Ich arbeite in einer öffentlichen Verwaltung. In den Umfragen zum Führungsverhalten, die selbstverständlich regelmäßig durchgeführt werden, sind die hohen Chargen ebenso regelmäßig nicht in die Bewertung einbezogen. Die [...]
Ich arbeite in einer öffentlichen Verwaltung. In den Umfragen zum Führungsverhalten, die selbstverständlich regelmäßig durchgeführt werden, sind die hohen Chargen ebenso regelmäßig nicht in die Bewertung einbezogen. Die Damen und Herren sind einfach so hervorragend und von solch eherner Selbstgewissheit, dass sie die Bestätigung durch subalternes Personal nicht brauchen ;-))) Bei der Leistungsbewertung geht es ähnlich zu: Je höher jemand in der Hierarchie und bei der Bezahlung angesiedelt ist, desto besser ist die Beurteilung ihrer/seiner Arbeit durch die/den direkte/n Vorgesetzte/n. Und es dauert Jahre, bis allgemein als Mitarbeiterschinder bekannte Führungspersonen entlassen werden. Natürlich einigt man sich in solchen Fällen auf Aufhebung des Arbeitsvertrags in gegenseitigem Einvernehmen.
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