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Schuld und Bühne - der Guttenberg-Effekt

Hochmut kommt vor dem Fall - und manchmal auch danach. Das zeigt der Fall Guttenberg. Sein scheinbares Schuldeingeständnis wendete er in eine Attacke. Viel zu selbstgerecht, findet Karriereberater Martin Wehrle: Wer im Berufsleben so mit Kollegen umgeht, demontiert sich selbst.

REUTERS

Plagiator Guttenberg, frisch promoviert zum Internetexperten: L'éclat, c'est moi

Freitag, 16.12.2011   09:05 Uhr

Dieter B., Ingenieur, fragt:
"Vor einem halben Jahr habe ich ein großes Projekt in den Sand gesetzt. Seither haftet mir der Stempel des Versagers an. Mein Chef hat mich bei Projekten ins zweite Glied verbannt. Mittlerweile habe ich jedoch meinen Fehler erkannt: Ich war in Gedanken immer schon einen Schritt zu weit und habe meine Kollegen nicht mitgenommen. Sie denken deutlich langsamer als ich, das habe ich zu wenig berücksichtigt.

Gerne würde ich nun ein neues Projekt anpacken, um allen zu zeigen: Ich kann es doch! Denn das, was meine Kollegen als Projektleiter leisten, kann ich sicher übertreffen - das sehe ich als Projekt-Mitarbeiter deutlicher als je zuvor. Stimmen Sie mit mir überein, dass nach einem halben Jahr der richtige Zeitpunkt gekommen ist, um wieder in die erste Reihe zu treten?"

Ihr Fall erinnert mich an Karl-Theodor zu Guttenberg: Ein Mann hat einen Fehler begangen. Er gibt diesen Fehler auch zu. Aber sein Geständnis klingt so halbherzig, dass man sich fragt: Meint er es wirklich ernst? Oder hält er sich für ein Opfer?

Guttenberg hat sich bei seinem "Zeit"-Interview mit dem Büßerhemd kostümiert, um direkt danach in die Robe des Anklägers zu schlüpfen. Da griff er die Universität Bayreuth an und polterte gegen seine CSU-Parteifreunde. Bei Dostojewski hieße das wohl: Schuld und Bühne.

Die Parallele sehe ich in der Art, wie Sie sich über Ihren Fehler äußern. Nach meinem Eindruck schwingt da mit: Erst waren diese Kollegen zu langsam, um mit Ihrem rasanten Denktempo Schritt zu halten. Und nun liefern diese Denkschnecken auch noch Projektarbeit ab, die Sie "sicher übertreffen" könnten. Das klingt für mich eine Spur zu selbstherrlich, nachdem Sie gerade eine Bruchlandung mit einem wichtigen Projekt erlebt haben.

"Ich schon wieder"

Denken Sie an Guttenberg: Wer gescheitert ist und eine zweite Chance will, sollte vorher unzweifelhaft zeigen, dass er seinen Fehler einsieht. Er sollte lang genug Buße tun und dann deutlich machen, was er gelernt hat.

Wissen Ihre Kollegen, dass Sie zu Ihren Fehlern als Projektleiter stehen? Haben Sie offengelegt, welche Konsequenzen Sie daraus ziehen? Und haben Sie wirklich darauf verzichtet, das mangelnde Tempo der Kollegen anzuklagen?

Buße ist ein Ritual, auch in Unternehmen: So mancher, der in der ersten Reihe versagt, muss vorübergehend ins zweite Glied treten. Bei einem größeren Fehler ist ein halbes Jahr zu kurz - warten Sie besser 12 bis 18 Monate ab, um den "Ich-schon-wieder"-Effekt zu vermeiden. Wie wäre es, wenn Sie als einfacher Projekt-Mitarbeiter durch gute Leistungen auf sich aufmerksam machten? Und zwar so lange, bis Ihr Chef und die Kollegen Ihnen signalisieren: "Versuch's noch einmal!"

"Was machen die besser als ich?"

Ein weiterer Tipp: Schauen Sie auf die jetzigen Projektleiter nicht herab, als wären es Leistungszwerge. Fragen Sie sich stattdessen: "Was machen die besser als ich? Wie schaffen sie es, das Tempo auf die Mitarbeiter abzustimmen?" Dieser Blickwinkel hilft Ihnen beim Lernen und beim Reifen, er schiebt der Selbstüberschätzung einen Riegel vor.

So können Sie Ihren Kollegen Respekt zollen - eine Währung, die Sie meist zurückgezahlt bekommen. Das ist die Voraussetzung für einen Erfolg als Projektleiter, denn Sie hängen vom Wohlwollen Ihrer Mitarbeiter ab, da Sie keinen hierarchischen Zwang ausüben können.

Mit dieser Strategie könnten Sie zweierlei verbinden: die symbolische Buße und die praktische Vorbereitung auf Ihr "Comeback". Übereilen Sie nichts! Für jeden, der an sich selbst arbeitet, arbeitet auch die Zeit.

insgesamt 8 Beiträge
Renardmalin 16.12.2011
1. Bestätigung
Weshalb bieten Sie Guttenberg ständig ein neues Forum? Der Mann ist gefährlich!! Bitte lesen Sie den Beitrag "Partei der Angstbürger" auf dieser Seite. Dort stellt Franz Walter sehr zutreffend fest wie [...]
Zitat von sysopHochmut kommt vor*dem Fall - und manchmal auch danach. Das zeigt der Fall Guttenberg. Sein scheinbares Schuldeingeständnis wendete er in eine Attacke. Viel zu selbstgerecht, findet Karriereberater Martin Wehrle: Wer im Berufsleben so mit Kollegen umgeht, demontiert sich selbst. http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/0,1518,803761,00.html
Weshalb bieten Sie Guttenberg ständig ein neues Forum? Der Mann ist gefährlich!! Bitte lesen Sie den Beitrag "Partei der Angstbürger" auf dieser Seite. Dort stellt Franz Walter sehr zutreffend fest wie gefährlich dieser Mensch ist!! Wehret den Anfängen!
spiegel-hai 16.12.2011
2.
der Vergleich zwischen den beiden Protagonisten hinkt. Man kann die Firma des verbannten Projektleiters nicht mit der Bühne der Politik vergleichen. Das geht damit los, daß sie vollkommen verschiedenen Zielen verpflichtet [...]
Zitat von sysopHochmut kommt vor*dem Fall - und manchmal auch danach. Das zeigt der Fall Guttenberg. Sein scheinbares Schuldeingeständnis wendete er in eine Attacke. Viel zu selbstgerecht, findet Karriereberater Martin Wehrle: Wer im Berufsleben so mit Kollegen umgeht, demontiert sich selbst. http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/0,1518,803761,00.html
der Vergleich zwischen den beiden Protagonisten hinkt. Man kann die Firma des verbannten Projektleiters nicht mit der Bühne der Politik vergleichen. Das geht damit los, daß sie vollkommen verschiedenen Zielen verpflichtet sind. Ein Betrieb arbeit am wirtschaftlichen Erfolg eines Betriebs, und daran wird u.a. der Wert eines Mitarbeiters gemessen. Und eine Möchtegernführungskraft muß in das Personalgefüge passen, damit es nicht zu viele Reibungsverluste gibt. Ganz anders in der Politik, wo sich trotz gewisser gemeinsamer Interessen zumeist Einzelkämpfer und Egomanen durchsetzen, deren Platz durch ein komplexes Gefüge von Macht, Einfluß und Beziehungen bestimmt wird. Dies zu beherrschen ist beispielsweise die wirkliche Kapazität von Frau Merkel. Daher unterscheiden sich auch die Methoden. Während der gestürzte Möchtegernprojektleiter vom Goodwill seiner Vorgesetzten abhängt, und sich dazu einer gewissen Demut befleißigen muß, ist dies in Politik (oder auch Showbiz) nicht der Fall. Der "Demütige" erntet niemals Beifall oder wirkliche Anerkennung, weder beim Publikum, das eher zum Nachtreten neigt, noch bei Mitstreitern oder Konkurrenten, vielmehr wird das Vakuum, daß durch die Zurücknahme der Person entsteht, gnadenlos von Konkurrenten ausgefüllt. Daher ist Demut jedenfalls in der Politik keine empfehlenswerte Haltung. Zu Guttenberg verhält sich konsequenterweise nach der bewährten Methode "Angriff ist die beste Verteidigung", und es wird sich zeigen, wie weit er damit kommt.
benutzer10 16.12.2011
3. Dieser Wehrle ...
... nervt schon auf zeit.de wiederkehrend mit seinen banalen Weisheiten. Eines hat er offenbar drauf: Kontakte zu wichtigen Medien herstellen und halten.
Zitat von sysopHochmut kommt vor*dem Fall - und manchmal auch danach. Das zeigt der Fall Guttenberg. Sein scheinbares Schuldeingeständnis wendete er in eine Attacke. Viel zu selbstgerecht, findet Karriereberater Martin Wehrle: Wer im Berufsleben so mit Kollegen umgeht, demontiert sich selbst. http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/0,1518,803761,00.html
... nervt schon auf zeit.de wiederkehrend mit seinen banalen Weisheiten. Eines hat er offenbar drauf: Kontakte zu wichtigen Medien herstellen und halten.
parisien 16.12.2011
4. Genug
Warum muss nun jede Diskussion den Namen des G beinhalten ? Um Aufmerksamkeit zu erringen ? So, wie es bei N.Kroes der Fall war ? Ca suffit, es reicht ,it is enough ,bastante, genoeg,...!!!
Warum muss nun jede Diskussion den Namen des G beinhalten ? Um Aufmerksamkeit zu erringen ? So, wie es bei N.Kroes der Fall war ? Ca suffit, es reicht ,it is enough ,bastante, genoeg,...!!!
Pinon_Fijo 16.12.2011
5. Stimmt nicht
Also zum einen kann es im Berufsleben durchaus passieren, daß man selbst recht hat, obwohl das gesamte Kollegium anderer Meinung ist oder gar gegen einen eingestellt ist. In diesem Fall hilft eigentlich nur noch die Kündigung. [...]
Also zum einen kann es im Berufsleben durchaus passieren, daß man selbst recht hat, obwohl das gesamte Kollegium anderer Meinung ist oder gar gegen einen eingestellt ist. In diesem Fall hilft eigentlich nur noch die Kündigung. Und bedenkt man, daß sich Karrieresprünge ungefähr in 5-Jahre-Schritten vollziehen, halte ich 18 Monate "Bußzeit" in der Industrie für viel zu lange angesetzt.

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