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Fachjargon-Quiz

Versteh den Anwalt

Jeder Beruf pflegt ein eigenes Fachchinesisch. Anwälte aber, dafür sorgt das Jurastudium höchst zuverlässig, reden besonders seltsam. Bestsellerautor Ralf Höcker verrät, wie Advokaten ticken und wie man ihre Geheimsprache im Alltag zum eigenen Vorteil nutzt.

DPA

Stumme Statue: Anwaltsdeutsch ist eine Fremdsprache

Mittwoch, 30.03.2011   12:30 Uhr

KarriereSPIEGEL-Klassiker

Manche Dinge ändern sich (fast) nie: Wie man eine interessante Bewerbung schreibt. Wie man im Vorstellungsgespräch einen guten Eindruck hinterlässt. Die besten zeitlosen Artikel aus dem KarriereSPIEGEL präsentieren wir Ihnen in loser Folge.

Warum formulieren Anwälte so merkwürdig? Zu Beginn des Jurastudiums ist eigentlich noch alles in Ordnung. Angehende Juristen können im ersten Semester durchaus ganz normale Sätze bilden, die jedes Kind versteht. Das ändert sich jedoch sehr schnell.

In der Uni wird ihnen als erstes eine Geheimsprache eingebläut, was dazu führt, dass Jurastudenten sich ab dem dritten Semester nur noch mit anderen Jurastudenten blendend verstehen. Beim Bier mit den Kommilitonen können sie sich dann köstlich über die neueste Rechtsprechung zum Vermögensschadenbegriff amüsieren.

Als junge Anwälte müssen sie später nur noch einige typische Advokatenfloskeln hinzulernen. Schon ist die sprachliche "déformation professionnelle" vollendet, die höchste Stufe der juristischen Sprachverhunzung erklommen. Die familiäre Vorprägung kommt häufig erschwerend hinzu. Denn wie in nur wenigen anderen akademisch geprägten Berufen, etwa bei Medizinern, bilden Juristen über Generationen hinweg regelrechte Dynastien: Großvater, Vater, Sohn - alles Anwälte.

Anwaltsdeutsch ist eine Fremdsprache für Menschen, die zu oft eine Überdosis Staub beim endlosen Blättern im Schönfelder inhaliert haben. Für alle Nichtjuristen: Das ist jene brikettartige Gesetzessammlung, die Examenskandidaten als Notkissen dient, wenn sie beim nächtlichen Pauken in der Unibibliothek der Schlaf übermannt.

Was ein Anwalt wirklich sagen will und wie man ihm am besten antwortet, ist für Mandanten schwer zu enträtseln. Gelingt es aber doch, lässt sich Anwaltsdeutsch im Alltag höchst nutzbringend einsetzen. Denn wer seine Rechte kennt und sie genauso verdreht formuliert einfordern kann wie ein Advokat, der ist klar im Vorteil.

Raus mit der Sprache! Zum Anwalts-Quiz ...

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