KarriereSPIEGEL

Frust im Job

"Hauptsache, ihr werdet billiger"

4. Teil: Neuer HR-Zirkel - Club mit kämpferischen Tönen

Brainpool / Willi Weber
Von Eva Buchhorn und
Montag, 20.02.2012   10:49 Uhr

Auf Anfrage räumt die HVB Kostensenkungen und Stellenabbau ein; letzterer solle jedoch möglichst durch Fluktuation gelöst werden und betreffe "ausschließlich zentrale Stabseinheiten". Zudem habe man zuletzt zahlreiche "Topkandidaten" von außen gewinnen können. Die Talententwicklung soll künftig "breiter aufgestellt" werden, gerade auch bei der internen Stellenvermittlung.

Das Gegensteuern zeigt: Bisweilen ist es eben wichtiger, in der täglichen Personalarbeit Ergebnisse zu liefern als hochtrabende Strategien zu verkünden.

Immerhin - einige Personalmanager beginnen zu verstehen. Zwischen blassen Administratoren und theorie- sowie werteverliebten Gutmenschen formiert sich seit einiger Zeit eine neue Fraktion: die pragmatischen Arbeitstiere.

Zu ihnen gehören Manager wie Airbus-Personalchef Joachim Sauer (51) oder Ursula Schütze-Kreilkamp, 51, Leiterin der Führungskräfteentwicklung der Rewe-Gruppe. Sie haben mit ein paar Seelenverwandten im vergangenen Jahr einen neuen HR-Zirkel ins Leben gerufen, den Bundesverband der Personalmanager (BPM). Der Club fällt durch ungewohnt kämpferische Töne auf.

Sauer wettert fröhlich gegen detailverliebtes "Overengineering im HR-Management" und plädiert für entscheidungsfreudigen "Mut zur Lücke". Schütze-Kreilkamp wendet sich gegen die "Gedanken- und Interesselosigkeit" mancher Kollegen, die den Anspruch der Wertschöpfung ins Gegenteil verkehren, "weil sie sich von mediokren Coachs und Trainern das Geld der Firma aus der Tasche ziehen lassen".

Hinter so viel Schelte für die eigene Branche mag auch ein gut Teil geschickte Selbst-PR stecken. Trotzdem kommt die Polemik an - auf 2750 Mitglieder ist der BPM in einem knappen Jahr gewachsen, vor allem Mittelstandspersonaler strömen herbei.

"Wer couragiert handelt, setzt sich dem Widerstand aus"

Bei der Suche nach Leitbildern wird wohl immer wieder ein Name fallen: Thomas Sattelberger, 62, im Mai 2012 scheidender Personalvorstand der Deutschen Telekom. Er hat sich spätestens mit seinem Engagement für die Frauenquote als einziger deutscher HR-Mann in die A-Promi-Riege deutscher Konzernmanager katapultiert.

Der kernige Schwabe, so schien es, hat beide Seiten seiner Aufgabe vollends verinnerlicht: Er stand harte Personalabbaurunden ebenso wacker durch, wie er für gute Ausbildung und Talentförderung streitet. Beobachter wollen einen Hang zur Eitelkeit bemerkt haben, Gewerkschaftern ging er ohnehin auf die Nerven. Um den Schlaf hat ihn all das nicht gebracht: "Wer couragiert handelt, setzt sich dem Widerstand aus."

Doch halt: Auch in der obersten Führung bleibt der Personalexperte wie kein anderer Topmanager in einer schwierigen Doppelrolle - Mitarbeiter erwarten Initiativen zu ihren Gunsten, Vorstandskollegen wollen Rückendeckung fürs Business. Zwischen beiden Seiten muss sich der Personaler täglich neu entscheiden. Sattelberger trifft die Abwägung so: Er sei "erstens Vorstand, zweitens Personalvorstand und drittens Arbeitsdirektor". Genau in dieser Reihenfolge.

Das klingt markig und entschieden und hat - im Rückblick - ja auch zum Erfolg geführt. Zum Trost für weniger selbstsichere Naturen sei darauf verwiesen, dass auch dem Telekom-Titanen nicht alles im Handumdrehen gelang. Bei der Besetzung zweier Vorstandsressorts mit weiblichen Kandidaten in diesem Jahr musste seine Abteilung passen. Die Telekom-Frauen waren offenbar noch nicht vorstandsreif.

Würden die Zeichen der Zeit aus ökonomischen Gründen nicht ohnehin in Richtung Frauenquote weisen, hätte Sattelberger seine Initiative allerdings nie durchgesetzt - und wohl gar nicht erst ergriffen.

Der ökonomische Druck, der den Frauen zupass kam, könnte, so paradox das klingt, auch der Stimmung der Mitarbeiter aufhelfen. Demografischer Druck und Fachkräftemangel werden die Unternehmen zwingen, stärker auf zufriedene und leistungsbereite Mitarbeiter zu achten. Notfalls auch ohne Personalmanager.

insgesamt 12 Beiträge
der_rookie 20.02.2012
1. Hm
Wann hören Journalisten endlich auf Trends zu behaupten ohne auch nur ein Indiz zu liefern. Im Einleittext steht prominent platziert "immer weniger Menschen sind im Job glücklich". Wo im Text finde ich den [...]
Zitat von sysopBrainpool / Willi WeberDie Zahl der Beschäftigten in Deutschland ist hoch wie nie - doch immer weniger Menschen sind im Job glücklich. Das liegt auch daran, dass viele Personalmanager ihre Aufgabe falsch begreifen. Ein Blick auf die verborgenen Problemzonen der deutschen Wirtschaft. http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/0,1518,806993,00.html
Wann hören Journalisten endlich auf Trends zu behaupten ohne auch nur ein Indiz zu liefern. Im Einleittext steht prominent platziert "immer weniger Menschen sind im Job glücklich". Wo im Text finde ich den Vergleich zu früher? Merke: "Immer mehr" ist nicht gleichbedeutend mit "Viele". Manchmal wirkt es auf mich als ob sich ein Journalist zum ersten Mal ernsthaft mit einem Thema auseinandergesetzt hat (musste ja den Artikel schreiben), damit ihm zum ersten Mal die Zustände aufgefallen sind. Da diese ihm früher nicht bewusst waren denkt er früher war es wohl nicht so schlimm, also wird alles immer schlimmer.
spügel 20.02.2012
2.
Das kommt nun mal davon, das man früher mit weniger Arbeitseinsatz das doppelte verdient hat. Und wenn es einem auf seinem Arbeitsplatz nicht mehr gefallen hat, konnte man mit dem Wissen kündigen, das man in zwei Wochen etwas [...]
Zitat von der_rookieWann hören Journalisten endlich auf Trends zu behaupten ohne auch nur ein Indiz zu liefern. Im Einleittext steht prominent platziert "immer weniger Menschen sind im Job glücklich". Wo im Text finde ich den Vergleich zu früher? Merke: "Immer mehr" ist nicht gleichbedeutend mit "Viele". Manchmal wirkt es auf mich als ob sich ein Journalist zum ersten Mal ernsthaft mit einem Thema auseinandergesetzt hat (musste ja den Artikel schreiben), damit ihm zum ersten Mal die Zustände aufgefallen sind. Da diese ihm früher nicht bewusst waren denkt er früher war es wohl nicht so schlimm, also wird alles immer schlimmer.
Das kommt nun mal davon, das man früher mit weniger Arbeitseinsatz das doppelte verdient hat. Und wenn es einem auf seinem Arbeitsplatz nicht mehr gefallen hat, konnte man mit dem Wissen kündigen, das man in zwei Wochen etwas besseres gefunden hat. Mit Verlaub, Ihnen geht es wohl zu gut, wenn Ihnen das bisher nicht in brüllender Lautstäke aufgefallen ist.
gsm1800 20.02.2012
3. Kein Inflationsausgleich?
Danke Chef, dafür mache ich doch gerne unbezahlte Überstunden.
Zitat von sysopBrainpool / Willi WeberDie Zahl der Beschäftigten in Deutschland ist hoch wie nie - doch immer weniger Menschen sind im Job glücklich. Das liegt auch daran, dass viele Personalmanager ihre Aufgabe falsch begreifen. Ein Blick auf die verborgenen Problemzonen der deutschen Wirtschaft. http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/0,1518,806993,00.html
Danke Chef, dafür mache ich doch gerne unbezahlte Überstunden.
wurmfortsatz 20.02.2012
4. Dienstleistungstrend
Deutschland entwickelt sich zur Dienstleistungsgesellschaft. Ein alter Hut. Damit sind nicht mehr die teuren Maschinen (die regelmäßig durch TÜV und Firmen selbst) gepflegt und gehegt wurden das Kapital der Firma, sondern [...]
Zitat von sysopBrainpool / Willi WeberDie Zahl der Beschäftigten in Deutschland ist hoch wie nie - doch immer weniger Menschen sind im Job glücklich. Das liegt auch daran, dass viele Personalmanager ihre Aufgabe falsch begreifen. Ein Blick auf die verborgenen Problemzonen der deutschen Wirtschaft. http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/0,1518,806993,00.html
Deutschland entwickelt sich zur Dienstleistungsgesellschaft. Ein alter Hut. Damit sind nicht mehr die teuren Maschinen (die regelmäßig durch TÜV und Firmen selbst) gepflegt und gehegt wurden das Kapital der Firma, sondern die Mitarbeiter. Nur leiten solche Firmen immernoch die Managertypen, die Stahlfirmen geleitet haben. Oder Banken. Bei ersteren ist die Maschine und icht der Mensch wichtig, bei letzteren ist der Mensch das ja auch nicht. Erst wenn in der Firmenleitung klar wird, dass ein Dienstleister nur so gut ist, wie seine Mitarbeiter und nicht wie sein Sortiment, kann das klappen! Eine Klobrille gibt es überall. Aber wenn sie für vielleicht 50 Cent mehr von einem Verkäufer mit Lust und Wissen verkauft wird ist das allemale einen 2. Besuch wert statt in einer leeren großen Halle mit 100 Klobrillen verschiedenster Formen und Größen völlig hilflos zu stehen.
The Captain 20.02.2012
5. Gute Arbeit, schlechte Arbeit
So sieht's aus. Heute mutiert der eigene Arbeitsplatz immer öfter und immer schneller zu etwas, was wie eine "unglückliche Ehe" wirkt. Man ist zwar absolut unglücklich damit, aber mal eben Scheiden ist nicht, denn [...]
Zitat von spügelDas kommt nun mal davon, das man früher mit weniger Arbeitseinsatz das doppelte verdient hat. Und wenn es einem auf seinem Arbeitsplatz nicht mehr gefallen hat, konnte man mit dem Wissen kündigen, das man in zwei Wochen etwas besseres gefunden hat. Mit Verlaub, Ihnen geht es wohl zu gut, wenn Ihnen das bisher nicht in brüllender Lautstäke aufgefallen ist.
So sieht's aus. Heute mutiert der eigene Arbeitsplatz immer öfter und immer schneller zu etwas, was wie eine "unglückliche Ehe" wirkt. Man ist zwar absolut unglücklich damit, aber mal eben Scheiden ist nicht, denn die Konsequenzen, meist finanzieller Natur, sind kaum zu bewältigen. Sich vom ungeliebten Arbeitsplatz zu trennen, weil man: [_] überlastet ist (60+ Stundenwoche über Monate hinweg) [_] an Burnout leidet [_] mit den Kollegen nicht auskommt [_] andauernd unterfordert ist [_] eigentlich nur wegen des Arbeitsamtes die Stelle angenommen hat [_] die Bezahlung unterirdisch ist [_] man nicht ewig und drei Tage pendeln mag [_] usw. usf. ... ist meistens nicht möglich, weil nix anderes in Aussicht steht. Dazu die Sperre von 3 Monaten vom Arbeitsamt, da heutzutage prinzipiell alles zumutbar ist und das Verursacherprinzip gilt: wird man gekündigt, gibt's keine Sperre. Ich hab gegenwärtig das fast schon unfassbare Glück, Arbeitsbeginn und -ende selbst festlegen zu können, aber die allermeisten Leute, die ich kenne, kennen feste Arbeitszeiten und Schichtbetrieb. Dazu ist die Arbeit angemessen bezahlt und kein körperlich belastender Knochenjob - durchaus ein Sechser im Lotto. Aber ich kenn das auch anders, inkl. Nachtschicht (Praktikum Industriereiniger) und knallharte verordnete Überstunden (Maschinenbau/Servicetechniker) ... und da möchte ich nicht wieder hin.

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