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Gleichberechtigung

Auch in Kulturberufen verdienen Frauen deutlich weniger als Männer

Frauen in der Kulturszene bekommen laut einer Studie 24 Prozent weniger Gehalt als Männer und haben auch weniger zu sagen. Unter dem Slogan "Weil es 2017 ist" soll sich das nun ändern.

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Angela Merkel (M.) beim Empfang zum Thema Gleichberechtigung in der Kunstszene im Bundeskanzleramt

Dienstag, 18.07.2017   15:35 Uhr

Dass Frauen im Schnitt weniger verdienen als Männer ist bekannt. Oft wird dies damit begründet, dass sich Frauen häufiger für Jobs im Kulturbereich entscheiden, die generell geringer bezahlt werden. Doch diese Argumentation greift zu kurz. Denn auch im Kultursektor bekommen Frauen deutlich weniger Gehalt als Männer.

Laut einer Studie des Kulturrates verdienen Frauen in Kultur- und Medienberufen durchschnittlich 24 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen. Sie sind zudem seltener in Führungspositionen von Kulturbetrieben, sitzen seltener in Jurys und bekommen seltener Preise.

"Weil es 2017 ist"

Prominente aus der Kultur- und Medienszene wollen das ändern. Unter dem Slogan "Weil es 2017 ist" haben sie Maßnahmen zusammengestellt, die die Situation verbessern sollen. Am Montagabend wurden die Vorschläge Kanzlerin Angela Merkel übergeben.

Den Empfang im Kanzleramt hatte Kulturstaatsministerin Monika Grütters ins Leben gerufen hatte. "Was Kultur- und Kreativfrauen brauchen, sind bessere Aufstiegschancen, mehr Mitsprache in Gremien und Jurys, faire Bezahlung und eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie", sagte die CDU-Politikerin.

"Defizite klar benennen"

Grütters kündigte als einen konkreten Schritt ein Projektbüro "Frauen in Kultur und Medien" beim Deutschen Kulturrat an, dem Dachverband kultureller Einrichtungen. Dieses soll Daten über die Situation von Frauen in Kulturbetrieben sammeln - als Grundlage für politische Entscheidungen.

"Wir kommen nur voran, wenn wir Defizite klar benennen und durch harte Fakten untermauern können", so Grütters. Zudem werde das Büro ein Mentoring-Programm für Künstlerinnen und Kreative auflegen.

Bei einer Podiumsrunde erklärten prominente Frauen und Männer, was sie für die Gleichberechtigung tun wollen und was sie für wichtig halten: etwa mehr Frauen in den Gremien und Chefetagen, Kinderbetreuung am Filmset oder mehr Professorinnen in Musik und Kunst.

"Eher die Feuerwehrfrau sehen"

Die Schauspielerin Maria Furtwängler fordert, dass mehr Expertinnen in den Medien zu Wort kommen. Die Literaturagentin Elisabeth Ruge möchte sich für mehr Preisträgerinnen, Laudatorinnen und Stadtschreiberinnen einsetzen. Die Komponistin Charlotte Seither kündigte ein Kinderbuch an, in dem Frauen keine Prinzessinnen oder Niedriglohn-Empfängerinnen sein sollen, sondern EU-Kommissarinnen, DAX-Vorstände und Generalmusikdirektorinnen.

Der Regisseur Volker Schlöndorff, der zuletzt Max Frischs Erzählung "Montauk" verfilmt hatte, versprach, in seinem nächsten Film werde es wieder um eine starke Frau gehen. Der Moderator Jörg Thadeusz sagte: "Ich werde mich bemühen, Frauen immer jenseits des Geschlechterklischees wahrzunehmen." Also: Eher die Feuerwehrfrau zu sehen, die sich letztlich in jeder Frau verberge.

koe/dpa

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