KarriereSPIEGEL

Beeindruckende Fotos aus der Werkstatt

Der Geigenbauer und sein Geheimnis

Er kann nicht anders, er liebt seine Geigen, seine Bratschen und seine Celli. Deswegen baut Martin Schleske aus Bayern diese Instrumente - und zwar so gut, dass sich Kunden aus der ganzen Welt um ihn reißen.

Janina Laszlo
Von
Samstag, 05.10.2019   11:25 Uhr

Es fing an, da war Martin Schleske sieben Jahre alt. Er spielte zum ersten Mal Geige, nahm die Klänge des Instruments wahr - und kam seither nicht mehr davon los. Heute, Jahrzehnte später, gehören Wölbungshobel, Stecheisen und Ziehklingen zu seinem Alltag.

Denn zehn Jahre, nachdem Schleske zum ersten Mal Geige spielte, spürte er einen Wunsch in sich aufkeimen: den Wunsch, Geigenbauer zu werden. Da war der heute 54-Jährige gerade 17. Er brach die Schule ab, machte eine Ausbildung, holte dann sein Abi nach, absolvierte ein Physikstudium. 1995 eröffnete er in Bayern seine Werkstatt, in einem dreistöckigen Haus in Landsberg am Lech.

Seither hat Schleske unzählige Geigen, Bratschen und Celli gebaut - und auch sich selbst hat er viel aufgebaut. Er hämmert und tüftelt nicht nur, er forscht, macht Schall- und Schwingungsanalysen, entwickelt Rezepturen für Lacke, untersucht Materialien. Alles, um den optimalen Klang zu finden. Seine Instrumente sind das Ergebnis vieler Stunden Arbeit, aber auch seines großen Drangs, immer besser zu werden.

Mittlerweile hat Martin Schleske Kunden aus der ganzen Welt. Akquise betreibt er nicht, obwohl seine Preise weit über dem Durchschnitt liegen. "Die Leute wissen, dass sie hier etwas ganz Besonderes bekommen", sagt er. Wie besonders das ist, hat nun eine Fotografin dokumentiert: Janina Laszlo hat Schleske in seiner Werkstatt besucht.

Fotostrecke

Blick in eine besondere Welt: Der Geige so nah

Dabei sind beeindruckende Fotos entstanden: Laszlo kam nah an den Geigenbauer heran. Sie zeigt, wie er sich mit Hingabe über seine Instrumente beugt, sie zeigt seine Hände, nass-glänzenden Lack, Zeichnungen, Holzverzierungen.

Wohl bei keinem Instrument ist die individuelle Ausführung der einzelnen Bauteile für den Klang so wichtig wie bei der Geige. Angefangen bei der Wahl des richtigen Holzes bis hin zur Spannung der Saiten. "Jedes Instrument ist neu und ich stehe jedes Mal vor der Herausforderung, das Allerbeste zu machen, das ich bisher geschaffen habe", sagt Schleske.

Die Menschen, die zu ihm kommen, hätten teilweise sehr hohe Ansprüche. Viele von ihnen spielten als Solisten, in Orchestern oder seien in der Ausbildung. Die meisten lebten von der Musik. Um die zwei Jahre müssen sie auf ihre neuen Geigen, Celli und Bratschen warten. Im Jahr stellt der 54-jährige Geigenbauer rund 30 Instrumente her, in zwölf Stunden täglicher Arbeit. Dazu sagt er selbst: "Das ist für mich keine Arbeit - das ist mein Leben."

Kunden sind für Schleske auch keine Auftraggeber, er nennt sie Kandidaten. Hat er ein Instrument fertiggestellt, dann überlegt er, zu wem es am besten passen würde. Deswegen will er die Menschen kennenlernen, bevor er ihr Instrument baut.

Im dritten Stock seines Werkstatthauses hat er einen Konzertraum eingerichtet, hier spielen die Musiker die ersten Töne ihres neues Instruments - und überprüfen, ob es sich um ein perfektes Match handelt. "Der Musiker spielt dann nicht mehr das Instrument, sondern das Instrument spielt ihn", sagt Schleske. Er habe das öfters erlebt, erst kürzlich bei einer Frau. Sie musste weinen, als sie ihre neue Bratsche zum ersten Mal ausprobierte.

Und dennoch: Nicht jede Geige gelinge ihm, manchmal müsse er den Bau zwischendrin abbrechen, weil sie nicht so klinge, wie er es sich vorstelle, sagt Schleske. Um ein guter Geigenbauer zu sein, müsse man handwerklich geschickt sein, Stille lieben, sich gut konzentrieren können, viel Liebe zur Musik empfinden - und perfektionistisch sein.

Er hofft, den Job noch lange machen zu können. "Ich kann mir nicht vorstellen, in den Ruhestand zu gehen." Außerdem habe er noch so viele neue Ideen, die er gern umsetzen würde - beispielsweise mit ganz neuen Materialien zu experimentieren. Mit welchen genau, das bleibt sein Geheimnis.

insgesamt 1 Beitrag
Mikrohirn 06.10.2019
1. Leidenschaft für seinen Beruf
hat der Mann und einen sachlich, wissenschaftlichen Hintergrund dazu. Ich wünsche ihm, dass er so lange vom Geigenbau leben kann, wie er das will. Von diesen Charakteren brauchen wir mehr!
hat der Mann und einen sachlich, wissenschaftlichen Hintergrund dazu. Ich wünsche ihm, dass er so lange vom Geigenbau leben kann, wie er das will. Von diesen Charakteren brauchen wir mehr!

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