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HSBC

Britische Bank zahlt Frauen offenbar 59 Prozent weniger als Männern

Bei der Bank HSBC fällt die Verdienstlücke zwischen Männern und Frauen offenbar extrem groß aus. Einem Bericht zufolge bekommen Mitarbeiterinnen in Großbritannien deutlich weniger Gehalt - und noch viel weniger Boni.

DPA

Logo von HSBC

Donnerstag, 15.03.2018   14:19 Uhr

Männer haben oft die besser bezahlten Jobs. Was in der internationalen Wirtschaft fast überall zutrifft, zeigt sich bei der britischen Bank HSBC besonders extrem. Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, verdienen Frauen bei dem Institut in Großbritannien durchschnittlich 59 Prozent weniger als Männer.

Die Nachrichtenagentur bezieht sich auf einen Bericht zum Gender-Pay-Gap, den Europas größtes Geldhaus noch nicht veröffentlicht habe. Eine Sprecherin habe den Inhalt des Berichts bestätigt, schreibt Reuters. In Bezug auf die Boni, die vor allem den männerdominierten Bereich des Investmentbankings betreffen, beträgt der sogenannte Gender-Pay-Gap demnach sogar 86 Prozent.

Die Gehaltslücke sei die größte, die je von einer britischen Bank bekannt geworden sei und liege vor allem daran, dass dort viel weniger Frauen in Führungspositionen arbeiteten. Mehr als die Hälfe der Beschäftigten seien weiblich, aber nur knapp ein Viertel der Führungsjobs sind von Frauen besetzt.

HSBC erklärte, man habe eine Reihe von Maßnahmen ergriffen, um das zu ändern. Bis 2020 sollen Frauen jede dritte Führungsposition innehaben. Im vergangenen Jahr verdiente HSBC 17,2 Milliarden Dollar - und damit 142 Prozent mehr als im Vorjahr.

Die britische Regierung hat die Finanzunternehmen des Landes verpflichtet, bis April 2018 Daten zum Gender-Pay-Gap zu veröffentlichen. Die Großbanken Lloyds und Royal Bank of Scotland hatten den Gehaltsunterschied in Großbritannien zwischen Männern und Frauen auf 32,8 Prozent und 37 Prozent beziffert. Bei Standard Chartered lag er nach eigenen Angaben bei 30 Prozent, bei Virgin Money bei 32,5 Prozent.

Frauen im Job - das sind die Fakten

Die Politik hat einiges getan, um Frauen bessere Chancen am Arbeitsmarkt zu verschaffen. Hat's geholfen? Der Stand auf einen Blick - in der Infografik.

Der Gender-Pay-Gap ist in Großbritannien auch sonst ein großes Thema. Im Januar hatten sechs der bekanntesten Radio- und Fernsehmoderatoren der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt BBC auf einen Teil ihres Gehalts verzichtet, um darauf hinzuwirken, dass ihre weiblichen Kollegen endlich so gut bezahlt werden wie sie selbst.

Auch in Deutschland gibt es eine geschlechtsabhängige Gehaltslücke, die seit Jahren fast unverändert ist. Werden Frauen und Männer mit vergleichbarer Qualifikation und Tätigkeit verglichen, liegt diese Lücke bei sechs Prozent.

Eine Journalistin hatte das ZDF verklagt, weil der Sender Frauen aus ihrer Sicht bei der Bezahlung benachteilige. Im vergangenen Jahr wies das Berliner Arbeitsgericht ihre Klage ab, weil es keine "ausreichenden Indizien für eine Diskriminierung" erkennen konnte.

lov/Reuters

insgesamt 33 Beiträge
ditor 15.03.2018
1. Die Aktionäre sollten dieser Verschwendung ein Ende machen
Mal nüchtern betrschtet: Ist ja unglaublich wie hier unnötige Ausgaben beim männlichen Personal getätigt werden. Warum verschwendet die Führung soviel Geld wenn es für gleichwertiges Personal für weniger gibt? Hier wird ein [...]
Mal nüchtern betrschtet: Ist ja unglaublich wie hier unnötige Ausgaben beim männlichen Personal getätigt werden. Warum verschwendet die Führung soviel Geld wenn es für gleichwertiges Personal für weniger gibt? Hier wird ein Milliardeneinsparpotential ignoriert.
denk.mal.wieder 15.03.2018
2. Ohne Aussage
Wahrscheinlich verdient die oberste Etage pro Person locker das 50 fache des Mittelbaus. Deshalb ist der Vergleich der Durchschnittsgehälter bei einem solchen Institut absolut sinnlos.
Wahrscheinlich verdient die oberste Etage pro Person locker das 50 fache des Mittelbaus. Deshalb ist der Vergleich der Durchschnittsgehälter bei einem solchen Institut absolut sinnlos.
temp1 15.03.2018
3. vergleichbar?
Wenn ihr Magazin im gleichen Atemzug (der gleichen Online-Ausgabe) Artikel schreibt wie "Frauen verdienen nach wie vor ein Fünftel weniger als Männer" in dem mit fragwürdigen Methoden ohne Berücksichtigung der [...]
Wenn ihr Magazin im gleichen Atemzug (der gleichen Online-Ausgabe) Artikel schreibt wie "Frauen verdienen nach wie vor ein Fünftel weniger als Männer" in dem mit fragwürdigen Methoden ohne Berücksichtigung der anderen Parameter verglichen wird (http://www.spiegel.de/karriere/deutschland-gender-pay-gap-zwischen-maennern-und-frauen-unveraendert-a-1198207.html) warum sollte man diesen Artikel, mit dem gleichen Thema auch nur lesen?
Augustusrex 15.03.2018
4. Eine fiese Frage
"Wissen Sie, warum Frauen seit vielen hundert Jahren unterdrückt werden?" Und hier die fiese Antwort: "Weil es sich bewährt hat." Strafe nicht den Boten.
"Wissen Sie, warum Frauen seit vielen hundert Jahren unterdrückt werden?" Und hier die fiese Antwort: "Weil es sich bewährt hat." Strafe nicht den Boten.
laberbacke08/15 15.03.2018
5.
Ein guter Artikel enthält ja immer auch wenig Hintergrundinfos, die fehlen hier irgendwie also reiche ich das mal nach: Der UK corporate governance code verlangt von UK Unternehmen das sie bis April ein Report zu ihrem Gender [...]
Ein guter Artikel enthält ja immer auch wenig Hintergrundinfos, die fehlen hier irgendwie also reiche ich das mal nach: Der UK corporate governance code verlangt von UK Unternehmen das sie bis April ein Report zu ihrem Gender pay gap veröffentlichen. Es ist also nicht so, dass HSBC jetzt plötzlich freiwillig eine Erklärung dazu veröffentlicht. Andererseits ist eben gut, dass sie jetzt etwas dazu sagen müssen und dann evtl. Maßnahmen ergreifen die dem entgegensteuern. Der gender pay gap ist was anderes als equal pay, d.h. Auch in England ist es verboten einer Frau auf Grund ihres Geschlechts für den gleichen Job weniger zu zahlen als Ihrem männlichen Kollegen. Ein gender pay gap weißt also vor allem erstmal darauf hin, dass es mehr Männer in höheren Positionen gibt. Das dürfte für niemanden eine Überraschung sein. Das auszugleichen wird noch Jahre dauern aber ein Report wie dieser erhöht den Druck auf Unternehmen etwas zu tun...

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Einkommensunterschiede zwischen Männern und Frauen in ausgewählten Berufen

Bürokaufleute
Bürokauffrauen mit bis zu drei Berufsjahren verdienen mit 1782 Euro nur rund 1,7 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen, die auf 1813 Euro kommen. Bei Mitarbeitern mit vier bis zehn Berufsjahren steigt der Rückstand auf 10,7 Prozent.
Industriekaufleute
Industriekauffrauen mit bis zu drei Berufsjahren verdienen im Schnitt 11,5 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen (1962 statt 2216 Euro), in den folgenden Jahren (vier bis zehn Berufsjahre) schwächt sich die Einkommensdifferenz etwas ab; sie beträgt dann noch 10,3 Prozent.
Großhandelskaufleute
In diesem Beruf beträgt der Einkommensabstand der Frauen gegenüber den Männern gut 14 Prozent. In den ersten drei Jahren bedeutet dies einen Rückstand von durchschnittlich 286 Euro, bei Mitarbeitern mit vier bis zehn Berufsjahren wächst er absolut auf 335 Euro.
Buchhalter
In den ersten drei Berufsjahren liegen Frauen acht Prozent hinter den Männern zurück. Bei Mitarbeitern mit vier bis zehn Berufsjahren wächst dieser Rückstand auf 14,9 Prozent. Bei den Frauen steigt das durchschnittliche Einkommen von 2053 auf 2317 Euro, bei den Männern von 2230 Euro auf 2722 Euro.
Bankkaufleute
Bankkauffrauen verdienen in den ersten drei Jahren im Schnitt mit 2462 Euro insgesamt 105 Euro (4,1 Prozent) weniger als Bankkaufmänner. Dieser Abstand wächst in der Gruppe der Beschäftigten mit vier bis zehn Berufsjahren auf 217 Euro (7,4 Prozent).
Sozialpädagogen
Berufsanfängerinnen liegen mit einem Einkommen von 2211 Euro in den ersten drei Berufsjahren im Schnitt 5,6 Prozent vor ihren männlichen Kollegen (2093 Euro). Weibliche Angestellte mit vier bis zehn Berufsjahren verdienen dagegen im Schnitt 9,4 Prozent weniger als männliche Sozialpädagogen.
Mathematiker und Statistiker
Mathematikerinnen starten mit einem kräftigen Einkommensrückstand von 15,7 Prozent gegenüber ihren männlichen Kollegen. Sie verdienen im Schnitt in den ersten drei Jahren 3100 Euro, Männer 3677 Euro. In der Folgezeit (vier bis zehn Berufsjahre) steigern die Frauen ihr Durchschnittseinkommen auf 4237 Euro. Männer verdienen in dieser Zeitspanne im Schnitt 4187 Euro und liegen damit 1,2 Prozent hinter den Frauen.
Juristen
Zu Beginn ihrer Berufskarriere verdienen Juristinnen im Schnitt 7,3 Prozent weniger als Männer. Sie verdienen in den ersten drei Berufsjahren im Schnitt 3207 Euro, rund 252 Euro weniger als ihre Kollegen. Bei Mitarbeitern mit vier bis zehn Berufsjahren wächst der Abstand sogar auf 12,4 Prozent. Juristinnen verdienen dann im Schnitt 3845 Euro, Juristen 4391 Euro.

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