KarriereSPIEGEL

Unbezahlte Arbeit

Frauen arbeiten weltweit mehr als Männer

Haushalt, Pflege, Betreuung und Ehrenämter: Frauen verbringen mit diesen unbezahlten Arbeiten deutlich mehr Zeit als Männer. Eine neue Studie zeigt, wie groß das Missverhältnis ist.

Getty Images/iStockphoto

Eine Frau mit Kindern bei der Hausarbeit (Archivbild)

Montag, 06.05.2019   16:07 Uhr

Frauen sind die wahren Workaholics - zumindest, was unbezahlte Arbeit betrifft. Vier Stunden und 29 Minuten sind Frauen in Deutschland jeden Tag im Schnitt damit beschäftigt. Der Haushalt, das Kümmern um Angehörige und die Vereins- und Wohltätigkeitsarbeit gehören dazu.

Mit diesen 269 Minuten liegen Frauen in Deutschland fast genau im Durchschnitt von 41 untersuchten Ländern. Das geht aus einer Studie der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) und der Europäischen Stiftung zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen hervor.

Wie es um die Männer in Deutschland bestellt ist, verrät die Studie nicht. Aber im Durchschnitt aller 41 Länder arbeiten Frauen 266 Minuten am Tag ohne Bezahlung, Männer gerade mal 108 Minuten.

Unbezahlte Arbeit ist meistens Frauensache

Weltweit werden nach ILO-Angaben 16,4 Milliarden Stunden unbezahlte Arbeit pro Tag geleistet, drei Viertel davon von Frauen. Innerhalb der EU verbringen Frauen in Finnland am wenigsten Zeit damit: im Schnitt 211 Minuten am Tag. In Litauen sind es dagegen 308 Minuten.

Wenn neben den unbezahlten Arbeitsstunden im Haushalt, bei der Pflege und bei gemeinnützigen Aktivitäten auch noch Erwerbsjobs mit ausgewertet werden, sind Frauen ebenfalls deutlich stärker belastet: Sie arbeiten im Schnitt 55 Stunden pro Woche, Männer nur 49.

Die Studie untersucht die Situation von 1,2 Milliarden Arbeitenden in 41 Ländern. Darunter waren die 28 EU-Länder sowie China, Südkorea, die Türkei, die USA sowie einige mittel- und südamerikanische Staaten.

ngo/dpa

insgesamt 123 Beiträge
jujo 06.05.2019
1. ....
Das Frauen mehr tun im privaten Bereich, ich nenne es bewußt nicht unbezahlte Arbeit, ist unbestritten! Das ist bei uns auch so, ich hole aber steitig auf. Küche, Staubsaugen u.s.w. ist für mich kein Problem. Nur mit der [...]
Das Frauen mehr tun im privaten Bereich, ich nenne es bewußt nicht unbezahlte Arbeit, ist unbestritten! Das ist bei uns auch so, ich hole aber steitig auf. Küche, Staubsaugen u.s.w. ist für mich kein Problem. Nur mit der Wäsche ist meine Frau eigen, da muß (!) ich die Finger von lassen. Dafür ist der Rasentraktor mein Spielzeug.
Richard.M 06.05.2019
2. Zu kurz gedacht, wie üblich
Erstmal: aus einer Studie, die X misst, aber nicht Y, eine Klage über das Ungleichgewicht X-Y zu machen, erfordert schon eine gewisse Chuzpe. Aber setzen wir mal als korrekt voraus, dass Frauen mehr im Haushalt leisten als [...]
Erstmal: aus einer Studie, die X misst, aber nicht Y, eine Klage über das Ungleichgewicht X-Y zu machen, erfordert schon eine gewisse Chuzpe. Aber setzen wir mal als korrekt voraus, dass Frauen mehr im Haushalt leisten als Männer. Dann kann das immer noch legitimer Teil der traditionellen Arbeitsteilung sein, bei der der Mann Erwerbstätigkeit nachgeht, die Frau nicht oder in geringerem Maße Geld verdient, dafür mehr "unbezahlte" Arbeit macht und einen Teil des vom Mannes verdienten Geldes für ihre Bedürfnisse ausgibt. Dieses Modell funktioniert für viele Paare sehr gut; eine Studie, die eine Benachteiligung von Frauen belegen möchte, müsste alle Komponenten dieses Systems betrachten. Faktisch ist es wohl so, dass die meisten Konsumentscheidungen von Frauen getroffen werden; dass sie dabei systematisch zu kurz kommen, müsste erstmal bewiesen werden.
quark2@mailinator.com 06.05.2019
3.
Das ist halt das Problem mit den Statistiken. Man kann sie auf 1000 Arten aufstellen und interpretieren. Zum Beispiel ein Ehepaar, das klassisch aufteilt - er arbeitet seine 50..60 Stunden im Job, sie macht den Haushalt, das [...]
Das ist halt das Problem mit den Statistiken. Man kann sie auf 1000 Arten aufstellen und interpretieren. Zum Beispiel ein Ehepaar, das klassisch aufteilt - er arbeitet seine 50..60 Stunden im Job, sie macht den Haushalt, das Einkommen geben beide gemeinsam aus (wobei die Statistik sagt, daß sie etwa 60..70% der Ausgaben kontrolliert, er nur 30..40%). Wenn ich diese Situation nehme und nun aufschreibe, wer wieviel "unbezahlt" arbeitet, dann kommt natürlich genau das raus, was im Artikel steht. Aber das Einkommen wird dennoch gemeinsam ausgegeben. Und im Zweifelsfall lebt frau noch länger und hat am Ende mehr von der Rente. Will ich damit beweisen, daß er in Wirklichkeit der Dumme ist ? Nein, will ich nicht. Mir geht es darum, daß diese Statistiken verdammt schwer zu interpretieren sind und das sie leider gern zu Schnellschüssen mißbraucht werden, um die eigene Agenda zu befördern. Man sollte sorgfältig damit umgehen.
Pfaffenwinkel 06.05.2019
4. Haushalt, Kinder
und die Pflege der Oma sind noch immer überwiegend "Frauensache". Und diese Arbeiten wurden und werden nicht bezahlt. Dank der Technik haben es Frauen heute zwar leichter, aber die Dummen sind sie immer noch.
und die Pflege der Oma sind noch immer überwiegend "Frauensache". Und diese Arbeiten wurden und werden nicht bezahlt. Dank der Technik haben es Frauen heute zwar leichter, aber die Dummen sind sie immer noch.
Die linke Kobra 06.05.2019
5. Vereins- und Wohltätigkeitsarbeit !
"Der Haushalt, das Kümmern um Angehörige und die Vereins- und Wohltätigkeitsarbeit gehören dazu". Wem es nicht langweilig ist, braucht sich nicht bei Vereins- und Wohltätigkeitsarbeit engagieren. Vergessen wurde [...]
"Der Haushalt, das Kümmern um Angehörige und die Vereins- und Wohltätigkeitsarbeit gehören dazu". Wem es nicht langweilig ist, braucht sich nicht bei Vereins- und Wohltätigkeitsarbeit engagieren. Vergessen wurde noch die Mehrarbeit, die durch Kaffeekränzchen mit Kuchenbacken, Volkshochschulkurse, Meditation und Tanz für Frauen entstehen. Auch der Austausch mit der Nachbarin über alles was die Frauen nichts angeht, wurde vergessen.

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