KarriereSPIEGEL

Studie

Die Konzerne mit den meisten Burnout-Kranken

Burnout wird zur Bedrohung - nicht nur für Patienten, sondern auch für die Unternehmen, in denen sie arbeiten. Das zeigt eine exklusive manager-magazin-Studie. In keiner Branche sind Mitarbeiter vor Burnout sicher. Doch es gibt Unterschiede.

Corbis

Ausgebrannt: Burnout-Fälle nehmen in deutschen Unternehmen zu

Von
Donnerstag, 24.05.2012   13:12 Uhr

Die Zahl der Menschen, die unter chronischer Erschöpfung leiden, steigt seit Jahren massiv an - doch die führenden Unternehmen haben das Phänomen lange unterschätzt. Das zeigt Deutschlands erstes Burnout-Ranking, das manager magazin exklusiv in seiner aktuellen Ausgabe veröffentlicht (ab 25. Mai am Kiosk).

Für die Untersuchung haben Experten der Asklepios-Kliniken die Zahl der Beschäftigten mit Burnout in Dax-Konzernen geschätzt, auf Basis der in den Asklepios-Krankenhäusern stationär behandelten Patienten.

Die Ergebnisse sind alarmierend: In keiner Branche sind Mitarbeiter gegen Burnout gefeit. Dennoch sind die Unterschiede zwischen einzelnen Unternehmen groß: So schneidet etwa die Allianz mit bis zu 3400 Burnout-Fällen pro Jahr (bei rund 40.800 Mitarbeitern) schlecht ab, ebenso die Commerzbank (bis zu 3200 Fälle auf 44.500 Mitarbeiter) und die Deutsche Bank (bis zu 1900 Fälle auf 24.800 Mitarbeiter). Eine vergleichsweise niedrige Burnout-Quote zeigen dagegen Volkswagen, Bayer oder Linde.

Die Präventionsprogramme sind zu frisch, um schon zu wirken

Entspannt zurücklehnen kann sich keiner dieser Konzerne: Viel zu lange haben sie die Erkrankung nicht ernst genommen, viele der Präventionsprogramme sind noch zu frisch, um echte Wirkung zeigen zu können. Und von einem strategischen Gesundheitsmanagement, das etwa auch die Risiken analysiert, am Arbeitsplatz psychisch zu erkranken, sind viele Firmen noch weit entfernt.

Dabei zeigen die Zahlen seit langem, dass sich etwas zusammenbraut: Zwischen 2004 und 2010 hat sich die Zahl der Burnout-bedingten Arbeitsunfähigkeitstage über alle Unternehmen hinweg von rund acht auf mehr als 72 pro 1000 Beschäftigte nahezu verneunfacht. Schon heute summieren sich die Gesamtkosten für psychische Erkrankungen auf 27 Milliarden Euro jährlich.

insgesamt 26 Beiträge
markus_wienken 24.05.2012
1. .
Wenn ich mir die Zahlen so ansehe glaube ich eher dass es viele Menschen nicht drauf haben sich in ihrer Freizeit zu entspannen und sich diese auch noch mit Aktivitäten bis zum geht nicht mehr vollpacken, so dass eine [...]
Zitat von sysopCorbisBurnout wird zur Bedrohung - nicht nur für Patienten, sondern auch für die Unternehmen, in denen sie arbeiten. Das zeigt eine exklusive manager-magazin-Studie. In keiner Branche sind Mitarbeiter vor Burnout sicher. Doch es gibt Unterschiede. http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/0,1518,834890,00.html
Wenn ich mir die Zahlen so ansehe glaube ich eher dass es viele Menschen nicht drauf haben sich in ihrer Freizeit zu entspannen und sich diese auch noch mit Aktivitäten bis zum geht nicht mehr vollpacken, so dass eine wirkliche Erholung von der Arbeit nicht mehr gegeben ist.
Lorbeerblatt 24.05.2012
2. Hobbyexperten
Immer diese Hobbyexperten und selbst ernannten Pseudospychologen. Wenn Sie sich die Zahlen der Studie angucken, wissen Sie, dass das Freizeitverhalten schuld ist? Wie man auf den Rückschluss kommen kann, ist mir ein [...]
Zitat von markus_wienkenWenn ich mir die Zahlen so ansehe glaube ich eher dass es viele Menschen nicht drauf haben sich in ihrer Freizeit zu entspannen und sich diese auch noch mit Aktivitäten bis zum geht nicht mehr vollpacken, so dass eine wirkliche Erholung von der Arbeit nicht mehr gegeben ist.
Immer diese Hobbyexperten und selbst ernannten Pseudospychologen. Wenn Sie sich die Zahlen der Studie angucken, wissen Sie, dass das Freizeitverhalten schuld ist? Wie man auf den Rückschluss kommen kann, ist mir ein völliges Rätsel! Es sei denn, Sie haben tiefere Erkenntnisse über das unterschiedliche Freizeitverhalten von Allianz-, Deutsche Bank- und Bayer-Mitarbeitern. Sollten Sie die haben, lassen Sie uns und am Besten auch gleich die Studien-Autoren daran teilhaben. Natürlich kann Freizeitverhalten bzw. Nicht-Erholen-Können auch eine Rolle bei Burnout spielen. Aber deutliche Unterschiede in Fallzahlen von Firma zu Firma deuten doch wohl eher darauf hin, dass da was im Unternehmen im Argen liegt. Dazu müssten aber eigentlich auch die Rentenversicherungen etwas sagen können - als Kostenträger der meisten Maßnahmen.
kfp 24.05.2012
3.
Es gibt diverse Wege, sich zu erholen, und u.U. können passende Aktivitäten sogar deutlich erholsamer sein als das Abgammeln vor der Glotze o.ä. Oft ist aber das Problem weniger, wie man die Freizeit verbringt, sondern [...]
Zitat von markus_wienkenWenn ich mir die Zahlen so ansehe glaube ich eher dass es viele Menschen nicht drauf haben sich in ihrer Freizeit zu entspannen und sich diese auch noch mit Aktivitäten bis zum geht nicht mehr vollpacken, so dass eine wirkliche Erholung von der Arbeit nicht mehr gegeben ist.
Es gibt diverse Wege, sich zu erholen, und u.U. können passende Aktivitäten sogar deutlich erholsamer sein als das Abgammeln vor der Glotze o.ä. Oft ist aber das Problem weniger, wie man die Freizeit verbringt, sondern wieviel man wirklich davon hat. Wenn heute Berufseinsteiger (oder -umsteiger, z.B. wegen Massenkündigungen in Krisen, Fusionen, Rationalisierungsmaßnahmen, Pleiten, ...) jahrelang zwischen Leihfirmen oder anderweitig befristeten Verträgen in Dauerprobezeit auf 250% Leistung gehalten werden, ist es kein Wunder, wenn immer mehr von denen irgendwann schlapp machen. Wenn man dazu auch noch die "Dummheit" begeht, die Familienplanung nicht auf "jetzt ist's leider zu spät" zu verschieben, hat man eh verloren. Unsere Praxis als Familie: Umzug alle ca. anderthalb Jahre, Schlafdurchschnitt 6h pro Nacht, alle früheren Hobbies inzwischen weitgehend abgeschafft. Letzter Urlaub, der länger als anderthalb Wochen dauerte: 2006. Der Rest der Urlaube ging für Umzüge, Bewerbungsgespräche, "Familienbesuche" bei mehrwöchigen Auswärtsprojekten eines Elternteils drauf. Ok, Weihnachten hatten wir zwischen den Jahren normalerweise frei, und 2007 konnten wir uns ganze anderthalb Wochen Quickie-Flitterwochen mit Mühe und Not auch noch genehmigen... - Der letzte "richtige" Urlaub 2009 wurde von der Zeitarbeitseinsatzfirma genehmigt und daraufhin geplant, aber anschließend von der Leiharbeitsfirma kurzfristig gestrichen, da wegen Wirtschaftskrise kurz darauf eine einsatzfreie Zeit abzusehen war... (Da dann der Ehepartner aber wieder verplant war, fiel der Urlaub komplett flach und durfte stattdessen mal wieder der Jobsuche gewidmet werden.) Dieses Jahr hat zumindest einer von uns einen Zweijahresvertrag und ausnahmsweise könnte sogar Geld für die Vertragsverlängerung des anderen um ein Jahr auftreibbar sein. Mal sehen, ob wir uns also diesen Sommer mal 2-3 Wochen ausklinken können, ohne ständig an Bewerbungen u.ä. denken zu müssen. Muss allerdings mit den Kitaferien und anschließender Eingewöhnung in den neuen Kindergarten (die Kita schmeißt die Kleinen mit 3 Jahren raus) abgestimmt werden, dafür gehen vermutlich dann nochmal 1-2 Wochen Urlaub ab...
Wololooo 24.05.2012
4.
Wen wundert es, dass Ingenieure weniger Burnout haben, da sie ja ein Studienfach nach Interesse ausgewählt haben und dabei sogar noch gut verdienen, die Arbeit ist abwechslungsreich und besteht zum Großteil aus [...]
Zitat von sysopCorbisBurnout wird zur Bedrohung - nicht nur für Patienten, sondern auch für die Unternehmen, in denen sie arbeiten. Das zeigt eine exklusive manager-magazin-Studie. In keiner Branche sind Mitarbeiter vor Burnout sicher. Doch es gibt Unterschiede. http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/0,1518,834890,00.html
Wen wundert es, dass Ingenieure weniger Burnout haben, da sie ja ein Studienfach nach Interesse ausgewählt haben und dabei sogar noch gut verdienen, die Arbeit ist abwechslungsreich und besteht zum Großteil aus wertschhöpfenden Tätigkeiten. BWLer hingegen (Banken und Versicherer) studieren um später möglichst viel Geld zu verdienen, landen dann irgendwann im Marketing oder der Buchhaltung und treten auf der Stelle, schubsen als Sachbearbeiter Zahlen in Exceltabellen rum und sind nur ein reiner Kostenfaktor für das Unternehmen, dementsprechend die erste Stelle bei Einsparungsideen des Vorstands.
fpa 24.05.2012
5. Um Gottes Willen
Der erste Kommentar... gleich schon wieder von einem Ignoranten. Schade dass die Studie nicht tiefer gehen konnte. Bei den eher wissenschaftlich/technischen Konzernen wäre es interessant gewesen, ob es auch noch [...]
Zitat von markus_wienkenWenn ich mir die Zahlen so ansehe glaube ich eher dass es viele Menschen nicht drauf haben sich in ihrer Freizeit zu entspannen und sich diese auch noch mit Aktivitäten bis zum geht nicht mehr vollpacken, so dass eine wirkliche Erholung von der Arbeit nicht mehr gegeben ist.
Der erste Kommentar... gleich schon wieder von einem Ignoranten. Schade dass die Studie nicht tiefer gehen konnte. Bei den eher wissenschaftlich/technischen Konzernen wäre es interessant gewesen, ob es auch noch unterschiedliche Zahlen in den verschiedenen Bereichen gegeben hätte. Die Frage steht ja im Raum, ob die zweifelsfreie "End"-Vorraussetzung "beruflicher Streß" alle gleichermaßen trifft, oder ob es es auch "Anfangs"-Vorraussetzungen für BurnOut gibt. In Verdacht stehen dafür biologische Grundlagen mit hohem erblichen, embryonalen und frühkindlichen Anteilen, wie z.B. für ADHS, Schmerzstörungen oder auch für diverse Typen von Depressionen. In der Vorstufe, also bevor diese Vorraussetzungen Störungs- oder gar Krankheits-Charakter annehmen, zeichnen sich die Betroffenen ja eher durch chronische Unterreizung im Ruhezustand aus (Klagen über Langeweile bei gleichzeitig sehr unangenehmer innerer Unruhe). Und nachdem die dann meist als qualvoll erlebte Schulzeit beendet ist, werden in der Berufswahl natürlich gerade solche Tätigkeiten angestrebt, die zunächst besondere Spannung und Reiz versprechen, z.B. emotional bei Lehrern, emotional und Akutstreß bei Sanitätern und anderen Notfall-Berufen, oder aber eben im Vertrieb oder gar im Börsenhandel, und nicht zu vergessen Kunst und Medien. Bei Einzelfällen ist das ja bereits x-mal in Anamnesen nachvollzogen worden. Und selbst im Volksmund -- außer natürlich bei den vielen "selbst-Schuld"-oder-"machs-doch so-wie ich"-Ignoranten -- heißt es: "Ausbrennen können nur die, die vorher auch gebrannt haben". Und die Frage ist: Gab es vielleicht bereits einen typischen Grund für das vorherige Brennen? Naja, irgendwann werden die entsprechenden Statistiken schon noch erhoben werden, die diese Frage aufklären könnten ... ohne damit natürlich bindende Antworten für den konkreten Einzelfall vorzugeben, versteht sich.

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Erschöpfungssyndrom, Anpassungsstörung, Depression, Belastungsstörung, Burn-out - die Volksleiden der modernen Gesellschaft haben viele Namen. Die WHO hat beruflichen Stress zu "einer der größten Gefahren des 21. Jahrhunderts" erklärt. Bis 2030 könnte die Depression die wichtigste Ursache von Krankheitsbelastungen sein - in reichen Ländern ist sie es bereits.
Erschöpfung - ein Massenphänomen
Eine repräsentative Studie von Techniker-Krankenkasse (TK), "FAZ"-Institut und Forsa macht deutlich, welche Ausmaße das Problem inzwischen in Deutschland angenommen hat: Acht von zehn Deutschen empfinden demnach ihr Leben als stressig. Jeder Dritte steht unter Dauerstrom, jeder Fünfte bekommt die Folgen gesundheitlich zu spüren - von Schlafstörungen bis hin zum Herzinfarkt. Stress bestimmt den Alltag in Deutschland immer stärker.

Alarmierend ist der TK zufolge die hohe Zahl von Burn-out-Patienten. 2008 sind demnach "ausgebrannte" Berufstätige fast zehn Millionen Tage krankgeschrieben worden. Damit fehlten rund 40.000 Menschen das ganze Jahr über am Arbeitsplatz. Dies entspricht einer Zunahme von 17 Prozent verglichen mit 2003.
Job ist Stressfaktor Nummer eins
Stressfaktor Nummer eins ist der Job. Das haben die 1014 befragten Personen zwischen 14 und 65 Jahren zu Protokoll gegeben. Jeder Dritte arbeitet am Limit, getrieben von Hektik, Termindruck und einem zu hohen Arbeitspensum. Ein Drittel der Beschäftigten leidet darunter, rund um die Uhr erreichbar sein zu müssen und von Informationen überflutet zu werden.

Berufstätige Eltern geraten der Studie zufolge besonders häufig an ihre Belastungsgrenze. Ihre größte Sorge sei, dass die Familie zu kurz kommt. Doch auch 90 Prozent der Schüler klagen über Stress. Jeder Dritte steht nach eigener Aussage permanent unter Leistungs- und Prüfungsdruck.
Kosten für das Gesundheitssystem
Auch für das Gesundheitssystem ist die Dauerbelastung der Menschen ein ernstzunehmender Kostenfaktor. Mit knapp 27 Milliarden Euro im Jahr stehen die Ausgaben für die Behandlung stressbedingter psychischer Erkrankungen an dritter Stelle der Kostentabelle. Hinzu kommen massive Aufwendungen für Herz-Kreislauf-Krankheiten, unter denen Dauergestresste mehr als doppelt so häufig leiden wie ihre weniger unter Druck stehenden Zeitgenossen.

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