KarriereSPIEGEL

Jobs für Menschen mit Entwicklungsstörungen

Goldman Sachs will Autisten fördern

"Uns ist klar geworden, dass wir viel proaktiver sein müssen": Goldman Sachs will den Anteil von Mitarbeitern mit Entwicklungsstörungen erhöhen. Sie sollen "ihre einzigartigen Stärken und Fähigkeiten" einbringen.

REUTERS

Logo der Investmentbank Goldman Sachs

Mittwoch, 03.04.2019   15:57 Uhr

Goldman Sachs will seine Belegschaft vielfältiger aufstellen: Die US-Investmentbank will künftig mehr Autisten, Legastheniker und Menschen mit ähnlichen Entwicklungsstörungen einstellen und damit die Neurodiversität im Unternehmen fördern.

Diese potenziellen Mitarbeiter verfügten Studien zufolge oft über eine hohe Konzentrationsfähigkeit und Verlässlichkeit, schreibt Personalchef Dane Holmes in einem Post im Karrierenetzwerk LinkedIn.

Trotzdem liege die Arbeitslosigkeit bei Menschen mit Störungen im Autismus-Spektrum bei rund 80 Prozent, so Holmes. Arbeitgeber und Gesellschaft entgehe damit die Gelegenheit, hochtalentierte Arbeitskräfte zu gewinnen.

Anlässlich des Welt-Autismus-Tags habe Goldman daher eine Initiative gestartet, die Betroffenen "die Chance geben soll, ihre einzigartigen Stärken und Fähigkeiten in unser Unternehmen einzubringen".

Anteil in der Belegschaft soll steigen

Ähnliche Angebote gebe es im Unternehmen bereits für Veteranen und für Menschen, die eine längere Arbeitspause eingelegt haben. Etwa drei Viertel der bislang knapp 700 Teilnehmer hätten langfristige Stellenangebote erhalten, sagte Megan Hogan, Vizechefin von Goldman Sachs und verantwortlich für die Rekrutierung.

Die Teilnehmer des Programms sollen zunächst an drei Standorten in den Abteilungen Maschinenbau, Produktionsmanagement und Compliance arbeiten, berichtet der US-Sender CNN unter Berufung auf die Bank. Langfristig sollen Mitarbeiter mit Entwicklungsstörungen ein Prozent der Belegschaft ausmachen.

"Uns ist klar geworden, dass wir viel proaktiver sein müssen", sagte Hogan bei CNN. Andere US-Konzerne wie Goldmans Konkurrent JPMorgan Chase, IBM, Ford und Microsoft sind dem Sender zufolge bereits seit 2017 Teil einer Initiative, die die Inklusion von Menschen mit Behinderungen fördern soll.

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Das Konzept der Neurodiversität zielt darauf ab, Menschen mit Entwicklungsstörungen nicht zu pathologisieren, sondern sie als Ausdruck natürlicher neurobiologischer Vielfalt wahrzunehmen. "Mit dieser Initiative wollen wir auch unsere Mitarbeiter dazu ermutigen, ihre eigenen Geschichten mit uns zu teilen und lernen, wie sie neurodiverse Personen unterstützen können", schrieb Personalchef Holmes.

mes

insgesamt 8 Beiträge
dasfred 03.04.2019
1. Als ob es um Wohltaten ginge
Es gab mal eine Doku über ein Unternehmen, dass nur Autisten beschäftigt, die sich sehr gut auf Zahlen einlassen können und dabei eine Geduld mitbringen, die weit über der unbelasteter Mitarbeiter liegt. Es geht hier auch nur [...]
Es gab mal eine Doku über ein Unternehmen, dass nur Autisten beschäftigt, die sich sehr gut auf Zahlen einlassen können und dabei eine Geduld mitbringen, die weit über der unbelasteter Mitarbeiter liegt. Es geht hier auch nur darum, besondere Fähigkeiten auszubeuten, nicht Behinderte zu fördern.
mail.bst 03.04.2019
2. Autismus ist keine Entwicklungsstörung!
Wenn ich schon die Wertung "Entwicklungsstörung" lese bekomme ich Brechreiz! Autismus ist keine Störung sondern eine andere Eigenart, ähnlich einem nicht so populärem Betriebssystem. Wann wird diese "Verurteilung" [...]
Wenn ich schon die Wertung "Entwicklungsstörung" lese bekomme ich Brechreiz! Autismus ist keine Störung sondern eine andere Eigenart, ähnlich einem nicht so populärem Betriebssystem. Wann wird diese "Verurteilung" endlich aufhören und Autismus als besondere Eigenart angesehen und die Menschen nicht stigmatisiert?! So lange das in den Betonköpfen neurotypischer Wesen ist, und man Rain Man als quasi Autismusstandard sieht, wird sich nichts ändern! Klärt dich einfach mal korrekt über Autismus auf, statt solche Abstrusitäten (ab) zu schreiben.
Gelber Rabe 03.04.2019
3. Es ging wahrscheinlich um SAP,
dort wurden Autisten mit Asperger Syndrom eingestellt, weil sie Fähigkeiten haben, bestimmte Arbeiten besser und leichter zu verrichten, als Neurotypische. Als Behindert würde ich diese Menschen sowieso nicht bezeichnen, sie [...]
dort wurden Autisten mit Asperger Syndrom eingestellt, weil sie Fähigkeiten haben, bestimmte Arbeiten besser und leichter zu verrichten, als Neurotypische. Als Behindert würde ich diese Menschen sowieso nicht bezeichnen, sie sind in mancher Hinsicht einfach anders. Mit Anders sein macht man sich nicht unbedingt beliebt, deshalb fällt es Menschen , die irgendwie "anders ticken" als "Normale" Oft schwer in der Gesellschaft klarzukommen, Menschen sind im Allgemeinen nicht sehr tolerant. Ich kann nichts Schlechtes daran sehen, wenn jemand Gelegenheit bekommt, seine Besonderen Fähigkeiten zu nützen.Es ist eine Win-Win Situation.Der Arbeitgeber bekommt Mitarbeiter, die eine Arbeit machen, die den Meisten schwerfällt. Der Mitarbeiter bekommt eine Arbeit, für die er besonders qualifiziert ist. Was ist schlecht daran, wenn jemand Gelegenheit bekommt, seine Fähigkeiten zu nützen?
omop 03.04.2019
4. Euphemismus...
es geht nicht um die Förderung, sondern um die Maximierung der Unternehmensgewinne. Autisten haben zwar hervorragende Fähigkeiten, dafür aber auch Defizite, die sich in einem Unternehmen auch ggf. sehr nachteilig auswirken [...]
es geht nicht um die Förderung, sondern um die Maximierung der Unternehmensgewinne. Autisten haben zwar hervorragende Fähigkeiten, dafür aber auch Defizite, die sich in einem Unternehmen auch ggf. sehr nachteilig auswirken können..
ex-Kollege 04.04.2019
5. Logisch
Da die Goldman-Sachs-Kultur selbst stark autistische Züge aufweist, ist dieser Schritt nur folgerichtig. Erinnern Sie sich daran als Lloyd Blankflein, damals Chef von Goldman, im Zuge der Subprime-Krise von The Times zu den [...]
Da die Goldman-Sachs-Kultur selbst stark autistische Züge aufweist, ist dieser Schritt nur folgerichtig. Erinnern Sie sich daran als Lloyd Blankflein, damals Chef von Goldman, im Zuge der Subprime-Krise von The Times zu den Zusammenhängen und Verursachern befragt wurde. Seine Antwort: "We're just doing God's work." Autismus wird assoziiert mit Problemen beim wechselseitigen sozialen Umgang und Austausch. Ein verzerrter Blick auf die Realität macht den Umgang nicht einfacher. Jetzt will ich damit aber nicht alle aufrichtigen Autisten moralisch diskreditieren ...

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