KarriereSPIEGEL

Fotoserie über Goldschmied

"Ich will erspüren, was die Kunden wollen"

Wer heiratet, besucht häufig einen Goldschmied. Gerd Weickmann hat sich darauf spezialisiert, Schmuckstücke für diesen besonderen Tag herzustellen. Die Fotografin Janina Laszlo hat ihn in seiner Werkstatt besucht.

Janina Laszlo
Von
Dienstag, 01.10.2019   21:40 Uhr

Gerd Weickmann hat eine Lupenbrille auf der Nase, mit der er die kleinen Ösen einer Goldkette besser erkennen und miteinander verbinden kann. Es ist eine feinmotorische Tätigkeit, für die man viel Geduld braucht, für den Goldschmied gehört sie aber mit zu den schönsten Momenten seiner Arbeit.

Nach der Fachoberschule und dem Zivildienst fing der heute 55-Jährige eine Ausbildung zum Goldschmied an, arbeitete erst in anderen Werkstätten, bis er sich 1996 erst mit einer Kollegin und zwei Jahre später allein selbstständig machte. Seitdem hat er einen kleinen Laden mit integrierter Werkstatt, im Münchener Stadtteil Neuhausen.

Für ihn erfüllte sich damit einen Kindheitstraum. Schon als kleiner Junge fühlte er sich in seinem Element, wenn er handwerklich tätig und kreativ sein konnte. "Als Goldschmied kann man seine eigenen Ideen umsetzen bis hin zum fertigen Schmuckstück", sagt er dem SPIEGEL. Er stellt Ringe, Ketten, Ohrschmuck und Anhänger her, mal fein, mal massiv, er habe nicht nur einen Stil.

Fotostrecke

Löten, glühen, walzen: In einer Goldschmiedewerkstatt

Für die Arbeit brauche man handwerkliches Geschick, man müsse offen sein für Inspirationen aus dem Alltag. Außerdem sei es wichtig, dass man sich immer wieder neue Techniken aneigne - was Weickmann aber auch gern tut. Jeden Tag steht er je nach Auftragslage um die zehn Stunden in seinem Laden oder der Werkstatt. Fotografin Janina Laszlo hat ihn dort besucht.

Mittlerweile hat sich Weickmann auf Trauringe spezialisiert. Besonders die Beratung, den Menschen zuzuhören und ein passenden Schmuckstück für sie zu finden, sei hierbei wichtig. "Ich will erspüren, was die Kunden wollen. Sie sollen glücklich nach Hause gehen." Das Internet habe keinen negativen Einfluss auf seine Arbeit: "Das, was die Leute bei mir bekommen, können sie nicht online bestellen." Der persönliche Kontakt stehe bei ihm im Vordergrund, das würden seine Kunden auch zu schätzen wissen.

Viele Jahre sei es nicht einfach gewesen, von der Arbeit zu überleben. "Jeden Monat musste ich die Spannung ertragen, ob ich denn auch genügend Aufträge bekomme." Doch die Liebe zu seinem Beruf habe ihn immer wieder motiviert. Die Leute würden nun vor allem auf Empfehlung kommen und seinen Stil schätzen.

Mehr im Internet

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung

TOP