KarriereSPIEGEL

Hunde im Büro

Der tut nix, der will nur Wurst

Viele Deutsche nehmen ihren Hund mit ins Büro - sogar 15 Bundestagsabgeordnete wollten ihre Vierbeiner mitbringen. Aber was, wenn das Tier auf den Boden kotzt? Fünf Herrchen und Frauchen erzählen vom Job-Alltag mit flauschigen Kollegen.

Protokolliert von Steve Przybilla
Freitag, 20.06.2014   10:59 Uhr

Sie heißen Zotta, Paulchen oder Bubu, und ihr Beitrag zur Arbeitsleistung ist überschaubar: Wenn sie im Büro sind, schlafen sie. Oder holen Teebeutel aus dem Müll. Für manche sind sie trotzdem, oder vielleicht gerade deshalb, die liebsten Kollegen.

Arbeitgeber dürfen generell das Mitbringen von Hunden an den Arbeitsplatz verbieten - das hat das Düsseldorfer Arbeitsgericht vor Kurzem erst wieder bestätigt und die dreibeinige Hündin Kaya aus einer Werbeagentur verbannt. Sie soll Mitarbeiter so böse angeknurrt haben, dass die sich gar nicht mehr in das Büro ihres Frauchens trauten. Abgelehnt wurde im letzten Jahr auch die Bitte von 15 Bundestagsabgeordneten, die ihre Vierbeiner mit ins Hohe Haus bringen wollten - in ihre Büros, wohlgemerkt, nicht ins Plenum.

Hunde mit zur Arbeit bringen: Kann das gut gehen? Und wenn ja: Wie? In vielen Betrieben taucht die Frage früher oder später auf, gestellt von Angestellten und Vorgesetzten, manchmal auch von Tierschützern und Arbeitsrechtlern. Statt theoretische Antworten zu liefern, lassen wir Frauchen und Herrchen zu Wort kommen, für die der "Kollege Hund" bereits Alltag ist.

privat

Julia Müller, 27, arbeitet als Projekt- und Marketingleiterin bei Etiket Schiller in Plüderhausen

"Unsere Geschäftsführerin hatte früher einmal selbst einen Hund. Deshalb war sie sofort einverstanden, als ich um Erlaubnis gefragt habe. Seitdem ist meine Zotta immer mit im Büro. Zotta ist ein Golden Doodle, ein Mix aus Golden Retriever und Großpudel, und war damals elf Wochen alt. Natürlich bin ich mit ihr in die Hundeschule gegangen. Aber wie Welpen so sind, passierten am Anfang ein paar lustige Dinge: Als wir von einer Besprechung zurückkehrten, lag bei meinem Kollegen nur noch das Brotpapier auf dem Schreibtisch. Zotta hatte ihm das Frühstück gemopst.

Ansonsten ist sie total lieb, döst im Büro und freut sich, wenn sie jemand streichelt. Der Arbeitsalltag mit Hund ist so entspannt, dass sich nach mir eine weitere Kollegin einen Hund angeschafft hat. Und auch die Chefin hat inzwischen wieder einen. In der Mittagspause gehen wir alle zusammen Gassi."

Radio Teddy

Bettina Lexow, 38, ist Moderatorin bei Radio Teddy in Potsdam

"Meine Tochter wollte schon immer einen Hund. Aber ihn neun Stunden alleine lassen, das hätte ich nicht übers Herz gebracht. Als meine Chefin davon Wind bekam, hat sie direkt angeboten, dass er mit zur Arbeit kommen darf. Und so hatten wir plötzlich einen Studio-Hund. Paulchen ist ein reinrassiger Mischling, eine Kreuzung aus Collie, Schäferhund und Terrier. Mein Programmchef sagte: 'Wenn er mitkommt, muss er auch eine Aufgabe erfüllen.' Also kam Paulchen schon mit fünf Monaten auf Sendung. Wir machen mit ihm jede Woche ein Hörspiel und einen Fotoroman, den wir online stellen.

Weil wir ein Kindersender sind, bekommen wir regelmäßig Anrufe, ob es Paulchen wirklich gibt. Er hat sogar eigene Autogrammkarten. Oft kommen Kinder vorbei und dürfen ihn streicheln. Morgens ist es aber nicht ganz leicht, ihn aus den Federn zu bekommen: Er ist Langschläfer - und unsere Sendung beginnt um 5.30 Uhr. Nur gut, dass wir Paulchens Bellen aufgenommen haben."

privat

Stefan Kirschner, 29, ist Geschäftsführer der Emil Schmidt GmbH in Solingen

"Als Familienunternehmer haben wir unsere Hunde seit jeher mit ins Büro genommen, die Mitarbeiter kennen das gar nicht anders. Und für Janosch, unseren vierjährigen Bordercollie, ist es sowieso das Normalste der Welt. Außerdem ist er der perfekte Kundenbetreuer: Jeder, der ins Büro kommt, wird freudig begrüßt und beschnüffelt. Manchmal müssen wir ihn sogar zurückhalten, weil er zu viel schmusen möchte.

Zum Glück hatten wir noch keine ängstlichen Kunden. Wenn ihm langweilig ist, kommt Janosch manchmal auf lustige Ideen: Kürzlich ist er mit mir ins Lager gelaufen und hat dort einen Karton geklaut, mit dem er spielen wollte. Das sind aber Ausnahmen. Die meiste Zeit liegt er brav auf seiner Decke und schläft. Wenn der Feierabend näher rückt, hat unser Hund dafür das perfekte Gespür. Dann läuft er von Büro zu Büro, damit wir wissen: Jetzt wird's langsam Zeit zu gehen."

privat

Jessica Bote, 34, (2. v. l.) ist Marketingleiterin vom Deerberg Modeversand in Hanstedt

"Niemand freut sich so sehr, zur Arbeit zu gehen, wie Pina, unsere einjährige Golden-Retriever-Hündin. Morgens holt sie sich bei den Kollegen erst mal ihre Leckerlis ab. Danach schleppt sie stolz ihre Kuscheltiere herbei. Pina durfte schon als Welpe mit zur Arbeit kommen. Meine Kollegen und ich haben sie zusammen erzogen. Wir sind in die Küche gegangen, damit sie lernt, auch mal alleine zu bleiben. Natürlich hat sie erst mal gebellt, aber da mussten wir durch.

Heute macht sie per Handzeichen 'Sitz', 'Platz' und 'Rolle' - der neueste Trick, den unsere Auszubildende ihr beigebracht hat. Pina stellt auch Unfug an, jeden Tag. Sie holt alte Taschentücher und Teebeutel aus dem Müll, um darauf rumzukauen. Oder sie springt in den Firmen-Teich, kommt klitschnass zurück und schüttelt sich im Büro. Die nächsten Stunden riecht es dann kräftig nach Hund."

privat

Isabel Boergen, 35, ist Projektassistentin bei der Schweisfurth Stiftung München

"Bubu bellt nicht, schon gar nicht im Büro. Eine Tierschutzorganisation hat ihn mir vermittelt, einen ganz lieben, kleinen, schwarzen Mischling. Am Anfang hatte er vor allem Angst: Menschen, Fahrräder, Autos. Doch im Büro hat er sich schnell an den Alltag gewöhnt. Der geregelte Tagesablauf tut ihm gut: Jeden Morgen fahre ich 20 Minuten zur Arbeit, während er neben dem Fahrrad läuft. Wenn ich dann am Schreibtisch sitze, ist er erst mal ausgepowert.

Kritisch wird es nur, wenn Bubu krank wird. Er ist sehr verfressen und schnappt sich Dinge, die er nicht verträgt. Deshalb kotzt er öfter mal ins Büro - keine angenehme Sache, weil alles ins Holzparkett läuft und ich dann erst mal putzen muss. Einmal war Bubu so krank, dass er das Haus nicht verlassen konnte. Zum Glück konnte ich vom Home Office aus arbeiten."

insgesamt 78 Beiträge
sponcon 20.06.2014
1. Ist ja alles ganz gut und schön!
Wahrscheinlich aber nur im sinne der Hundehalter. Was wenn andere Tiere gehalten werden? Darf ich meine Ratte mitbringen oder meinen Chinchilla? Selbst ist es mir passiert, dass ich beim Betreten eines Geschäftes plötzlich [...]
Zitat von sysopRadio TeddyViele Deutsche nehmen ihren Hund mit ins Büro - sogar 15 Bundestagsabgeordnete wollten ihre Vierbeiner mitbringen. Aber was, wenn das Tier auf den Boden kotzt? Fünf Herrchen und Frauchen erzählen vom Job-Alltag mit flauschigen Kollegen. http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/job-mit-hund-wenn-vierbeiner-im-buero-erlaubt-sind-a-975489.html
Wahrscheinlich aber nur im sinne der Hundehalter. Was wenn andere Tiere gehalten werden? Darf ich meine Ratte mitbringen oder meinen Chinchilla? Selbst ist es mir passiert, dass ich beim Betreten eines Geschäftes plötzlich den Hund des Ladensbesitzers in meinem Bauch hängen hatte. Hat das liebe Tierchen noch nie gemacht, sagte der Ladenbesitzer. Hat meinem Bauch auch nicht geholfen und der Hund wollte sich auch nicht entschuldigen, der Ladenbesitzer auch nicht. Können wir wirklich sicher sein, dass unsere "lieben Tierchen" genauso denken und handeln wir wir es uns vorstellen, zu jeder Zeit, an jedem Ort?
Eisbär 20.06.2014
2. Aus der Sicht eines Unternehmers ...
... bei uns bringen aktuell drei Mitarbeiter ihre Hunde mit ins Büro, das tut dem Betriebsklima keinen Abbruch, im Gegenteil. Ich kann es nur empfehlen!
... bei uns bringen aktuell drei Mitarbeiter ihre Hunde mit ins Büro, das tut dem Betriebsklima keinen Abbruch, im Gegenteil. Ich kann es nur empfehlen!
wrobel2 20.06.2014
3. Optional
Sowas kann man sich auch nur in einem Büro leisten ..... Für was braucht man da noch ne Kita? Wenn ich einen Hund mit auf die Arbeit nehmen darf, dann kann ich doch auch die Kinder mitnehmen! Ja ist schon schwer..
Sowas kann man sich auch nur in einem Büro leisten ..... Für was braucht man da noch ne Kita? Wenn ich einen Hund mit auf die Arbeit nehmen darf, dann kann ich doch auch die Kinder mitnehmen! Ja ist schon schwer..
archetype9 20.06.2014
4. Was für ein Mist...
wo sind denn dann in der gesetzlichen Regelung andere Haustiere??? Und dieser alternative Quatsch setzt sich ja jetzt immerhin soweit fort dass Hunde auf Flügen in und aus den USA als emotionale Begleiter in der Kabine einen [...]
wo sind denn dann in der gesetzlichen Regelung andere Haustiere??? Und dieser alternative Quatsch setzt sich ja jetzt immerhin soweit fort dass Hunde auf Flügen in und aus den USA als emotionale Begleiter in der Kabine einen freien Sitzplatz neben ihrem Besitzer bekommen...Man kann die Triebe von Tieren in Stresssituationen nicht kontrollieren und genau dies ist das Problem...Und am Ende heult dann der Besitzer rum weil man den lieben Hasso dann mit Müh und Not daran hindern konnte einem an die Wade zu gehen...
Erda 20.06.2014
5. Es kotzen auch Menschen im Büro!
Der Autor hat keine Ahnung von Tieren. Ein Hund kotzt nicht unter dem Schreibtisch höchstens im Büroflur, denn ein Hund hält seine Umgebung sauber und im Übrigen, ich hatte selber öfter meinen großen Hund unter meinem [...]
Zitat von sysopRadio TeddyViele Deutsche nehmen ihren Hund mit ins Büro - sogar 15 Bundestagsabgeordnete wollten ihre Vierbeiner mitbringen. Aber was, wenn das Tier auf den Boden kotzt? Fünf Herrchen und Frauchen erzählen vom Job-Alltag mit flauschigen Kollegen. http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/job-mit-hund-wenn-vierbeiner-im-buero-erlaubt-sind-a-975489.html
Der Autor hat keine Ahnung von Tieren. Ein Hund kotzt nicht unter dem Schreibtisch höchstens im Büroflur, denn ein Hund hält seine Umgebung sauber und im Übrigen, ich hatte selber öfter meinen großen Hund unter meinem Schreibtisch liegen, weder sah man ihn noch hörte man ihn. Nur wenn die Damen auf ihn aufmerksam wurden und ihn betütelten, dann legte er sich vor Freude auch einmal auf den Rücken. Und mittags ging es zum Spaziergang in die Taunusanlage. Ansonsten, es kotzten in den besten Jahren bei Betriebsfeiern schon auch mal die Kolleginnen und Kollegen aber das war noch zu Zeiten der "Deutschland AG" wo die Altvorderen noch Zigarren, Zigaretten und Remy bei Besprechungen auftischten. Mit anderen Worten, die glorreichen 50er bis 80er Jahre in denen Globalisierung ein Fremdwort war.

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