KarriereSPIEGEL

Klick, klick, krank

Wie ich mich selbst als arbeitsunfähig einstufte

Terminabsprache, Wartezimmer, Arztbesuch? Alles unnötig, ein paar Klicks reichen auch: Ein Hamburger Portal offeriert Krankschreibungen im Internet. Wie seriös ist das Angebot? Ein Selbstversuch.

Alexander Spatari / Getty Images

Krankschreibung per Handy - kein Problem (Symbolbild)

Von
Montag, 01.04.2019   11:46 Uhr

Vier Anläufe brauche ich, bis ich endlich krank bin. Klicke ich Fieber besser über oder unter 38,5 Grad an? Soll ich mir lieber eine verstopfte oder eine laufende Nase attestieren? Und was ist mit Riechstörungen, Schüttelfrost und Heiserkeit? Insgesamt 22 Krankheitssymptome kann ich mit der Maus markieren, um meine angebliche Erkältung zu beweisen.

Die Herausforderung: Längst nicht jede Kombination führt zum Ziel, zu hohes Fieber beispielsweise wird nicht akzeptiert. Bei mir klappt es erst beim vierten Versuch: Ich schaffe es bis zur Krankschreibung und damit zum gelben Schein für den Arbeitgeber.

Was klingt wie ein Computerspiel, ist in Wirklichkeit ein Geschäftsmodell. Seit ein paar Wochen ist die Webseite AU-Schein.de freigeschaltet. Das für Arbeitnehmer möglicherweise verführerische Versprechen: Mit ein paar Klicks kann man hier eine Erkältung beschreiben und bekommt am nächsten Tag eine echte Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung zur Vorlage beim Arbeitgeber.

SPIEGEL ONLINE

AU-Bescheinigung

"Arzt folgt ihrem Wunsch"

Den Arzt sehen oder wenigstens mit ihm telefonieren? Unnötig, die Kommunikation läuft über WhatsApp. Blutdruckmessen, Brust und Rücken abhören, in Augen, Nase oder Ohren schauen, damit ich nicht betrüge? Überflüssig. Zwölf schnelle Fragen, eine PayPal-Überweisung von neun Euro, fertig. Das Ganze ist, beteuern die Betreiber, juristisch wasserdicht.

"Für wie lange fühlen Sie sich arbeitsunfähig?", heißt es im Formular auf der Webseite. Ein bis drei Tage lassen sich ankreuzen, dann folgt das Versprechen: "Arzt folgt Ihrem Wunsch. Heute ist Tag 1 und unveränderbarer Beginn der AU." Ich klicke auf "3 Tage". Dazu noch die Risikofaktoren ausschließen: Ich bin weder schwanger noch war ich kürzlich auf einer Tropenreise. Noch einmal "weiter" - und dann werden die ganzen Informationen zusammen mit meiner Versicherungsnummer an einen Arzt übermittelt. Ob das wirklich so ist, kann ich natürlich nicht überprüfen.

SPIEGEL ONLINE

Screenshot: Einfach ein paar Symptome anklicken

Diagnose: verschnupfter Emoji

Ein paar Stunden später jedenfalls erhalte ich per WhatsApp eine PDF-Datei mit der AU-Bescheinigung. "Liebe/r Patient/in, Nach Prüfung Ihrer Angaben diagnostiziere ich eine Erkältung", heißt es im Begleittext. Ganz neckisch hat der Verfasser - oder die Antwort-Software - noch ein verschnupftes Emoji dazugesetzt.

Unterschrieben ist der Befund von einem "Privatarzt" aus Lübeck - obwohl die Firma, die das Portal betreibt, in Hamburg sitzt. Egal, wahrscheinlich kooperiert das Unternehmen mit dem Arzt. Und wo der sich durch meine Symptome klickt und mich dann von der Arbeit freistellt, ist mir letztlich ja auch egal, da ich ihn ohnehin nicht besuche.

Nur: Im Verzeichnis der niedergelassenen Ärzte in Schleswig-Holstein taucht der Mann gar nicht auf. Ebenso wenig im Lübecker Telefonbuch. Und Google zeigt unter der angegebenen Adresse zwar eine alte, stilvoll renovierte Lagerhalle, in deren Lofts sich offenbar junge Start-ups niedergelassen haben. Ein Arzt aber ist dort auf Anhieb nicht auszumachen.

SPIEGEL ONLINE

Arztgespräch per WhatsApp

Ärztekammer rät von Krankschreibung per Internet ab

Carsten Leffmann kennt das Hamburger Krankschreibungs-Portal. Leffmann ist ärztlicher Geschäftsführer der Ärztekammer Schleswig-Holstein, wo der Lübecker Arzt angeblich Mitglied ist. "Als 'Privatarzt' kann man sich jederzeit und überall niederlassen, dann allerdings auch ausschließlich Privatpatienten oder Selbstzahler betreuen", sagt Leffmann. Voraussetzung: ein abgeschlossenes Medizinstudium, an dessen Ende der Staat die Approbation erteilt hat.

Dann darf man sich Arzt nennen und die Heilkunde am Menschen ausüben. Und das seit vergangenem Jahr unter neuen, juristisch noch nicht ganz ausgeleuchteten Rahmenbedingungen: Da wurde das Fernbehandlungsverbot für Ärzte gelockert. Aber diese Lockerung - und das ist für meine Krankschreibung interessant - ist noch nicht überall umgesetzt: beispielsweise noch nicht im Hamburger Landesrecht und in der ärztlichen Berufsordnung der Hansestadt, sagt Leffmann.

Im Klartext: Hamburger Ärzte dürfen die Online-Krankschreibung derzeit nicht durchführen. Das habe, sagt Leffmann unter Berufung auf Medienberichte, der Anbieter des Portals "zumindest kurzfristig dadurch versucht zu umgehen, dass eine rekrutierte Hamburger Ärztin temporär auf schleswig-holsteinisches Landesgebiet gefahren wurde, um von dort aus die anfallenden ärztlichen Aufgaben auszuführen".

Ich stelle mir vor, wie die Medizinerin im Taxi aus Hamburg herausfährt, in einem heruntergekommenen Café 50 Meter hinter der Stadtgrenze ihren Laptop öffnet, schnell elektronisch ein paar gelbe Scheine ausfüllt und sich dann wieder zurück nach Hause bringen lässt. Die Fahrtquittung reicht sie natürlich bei ihrer Steuererklärung ein. Reine Fantasie, sonst nichts. Und für Fieberträume reichen meine Symptome ja auch gar nicht aus.

Gelber Schein auf "Bestellung"

Die Ärztekammer Schleswig-Holstein jedenfalls habe von einer Nutzung des Angebots wegen der rechtlich fragwürdigen Gesamtsituation abgeraten, berichtet Leffmann. Er habe den Verdacht, dass durch das Anklicken der Buttons mit den Krankheitssymptomen die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung "wohl eher maschinell ausgelöst" werde - man könne den gelben Schein also quasi bestellen.

Im Übrigen, so der Ärztefunktionär, sei ärztliche Berufstätigkeit "im Umherziehen" ohnehin nicht erlaubt, "und das bloße Verbringen einer ärztlichen Person auf Landesgebiet" führe auch nicht automatisch zur Mitgliedschaft in der dortigen Ärztekammer. Der letzte Hinweis von Leffmann gilt dem Datenschutz: Messenger-Dienste seien immer wieder von Datenpannen betroffen, deshalb empfehle sich gerade "bei der Übermittlung sensibler Gesundheitsdaten große Vorsicht".

SPIEGEL ONLINE

Screenshot: Auch der Anbieter spricht von "Bestellung" der Krankmeldung

Wer ist mein Arzt?

Ob die Kammer den Aussteller meiner AU-Bescheinigung kennt, will und darf Leffmann nicht sagen. Aber zum Glück hat der Lübecker einen so ungewöhnlichen Namen, dass ich ihn dann doch ziemlich schnell finde: Er firmiert als Arzt und Heilpraktiker, und zwar - in Hamburg.

Was er auf seiner Website offeriert, klingt, sagen wir mal, interessant. Er beschreibt, dass es ihm um ein nettes, direktes und einfaches Miteinander von Menschen geht. Das lässt mich aufhorchen. Vielleicht macht er es mir ja ganz einfach und schreibt mich noch ein bisschen länger krank, über die ersten drei Tage hinaus?

Ich versuche, den Arzt per Telefon zu erreichen. Aber die Handynummer klingelt nur ins Leere, bevor irgendwann der Anrufbeantworter eine Nachricht verlangt.

Gut, dann gehe ich eben wieder arbeiten. Und schreibe diesen Text.

insgesamt 44 Beiträge
großwolke 01.04.2019
1. Schritt in die richtige Richtung
Vergessen wir für den Augenblick mal die juristischen Feinheiten, und stellen wir uns vor, es gäbe für Alltagsleiden eine Online-Sprechstunde, abgehalten an einem reinen Büroarbeitsplatz anstatt in einer Praxis. [...]
Vergessen wir für den Augenblick mal die juristischen Feinheiten, und stellen wir uns vor, es gäbe für Alltagsleiden eine Online-Sprechstunde, abgehalten an einem reinen Büroarbeitsplatz anstatt in einer Praxis. Kostengünstig, zeitlich effizient, und vor allem erspart es dem Kranken, der sein Leiden relativ gut einschätzen kann, in seinem angeschlagenen Zustand den unnötigen Weg. Wer glaubt, dass er was Ernsteres hat oder sich unsicher ist, geht halt weiterhin in die Praxis. Mir gefällt die Idee jedenfalls sehr.
utfcmac 01.04.2019
2.
Wer blau machen will, der bekommt auch von jedem "normalen" Arzt eine Krankschreibung. Halt Magendarm oder so. Und wer eine fiebrige Erkältung hat, bei dem nach 1-3 Tagen das schlimmste vorbei ist: Warum sollte man sich [...]
Wer blau machen will, der bekommt auch von jedem "normalen" Arzt eine Krankschreibung. Halt Magendarm oder so. Und wer eine fiebrige Erkältung hat, bei dem nach 1-3 Tagen das schlimmste vorbei ist: Warum sollte man sich dafür in ein überfülltes Wartezimmer setzen und am Ende kommt man mit dem gleichen Ergebnis wie beim Online-Arzt nach Hause? Bettruhe und einem gelben Schein...
Raisti 01.04.2019
3.
Wenn ich meinen Hausarzt die gleichen Symptome vorlüge, wird er mich auch krank schreiben. Der einzige Unterschied zu der App ist, das man eventuell mehr Hemmungen hat einem Arzt direkt ins Gesicht zu lügen. Finde es von [...]
Wenn ich meinen Hausarzt die gleichen Symptome vorlüge, wird er mich auch krank schreiben. Der einzige Unterschied zu der App ist, das man eventuell mehr Hemmungen hat einem Arzt direkt ins Gesicht zu lügen. Finde es von daher komisch das man gerade diesen Aspekt so besonders ausleuchtet.
fledermob 01.04.2019
4.
Aprilscherz!
Aprilscherz!
novoma 01.04.2019
5. Max. 3 Tage
Sehr interessant, da kann man sich also für maximal 3 Tage krankschreiben lassen. Dass man nach Gesetz sich für bis zu 3 Tage ohne Attest selbst krankmelden kann, scheint vielen nicht mehr bekannt zu sein. Oder haben so viele [...]
Sehr interessant, da kann man sich also für maximal 3 Tage krankschreiben lassen. Dass man nach Gesetz sich für bis zu 3 Tage ohne Attest selbst krankmelden kann, scheint vielen nicht mehr bekannt zu sein. Oder haben so viele Arbeitsverträge unterschrieben, die eine Attestpflicht schon ab dem ersten Krankheitstag verlangen?

Verwandte Themen

Chronologie der Gesundheitsreformen

1977: Die Kürzungen beginnen
Es dauert fast drei Jahrzehnte, bis es in der Bundesrepublik zur ersten größeren Gesundheitsreform kommt: Mit dem "Kostendämpfungsgesetz" der sozial-liberalen Koalition versucht die Regierung, die Inanspruchnahme von Leistungen zu steuern: Sie führt Zuzahlungen bei Arznei-, Verbands- und Heilmitteln ein - in Höhe des aus heutiger Sicht niedlichen Betrags von einer Mark pro Medikament.
1983: Auch die Rentner müssen zahlen
Mit zwei Reformen zu Beginn der achtziger Jahre werden die Zuzahlungen durch die Versicherten erhöht. Auch für die Rentner sind die rosigen Zeiten vorbei. Konnten sie sich zuvor kostenlos versichern, müssen sie seit 1983 auch einen einkommensabhängigen Beitrag leisten.
1989: Der erste Rundumschlag
Mit dem "Gesundheitsreformgesetz" von Norbert Blüm geht es ans Eingemachte: Die Eigenbeteiligung der Patienten wird weiter erhöht - etwa bei Arzneimitteln, im Krankenhaus und beim Zahnersatz. Erstmals unternimmt die Regierung auch den Versuch, die Kosten für Medikamente mit radikalen Maßnahmen in den Griff zu bekommen, indem sie Bagatallmedikamente aus dem Leistungskatalog streicht und Festbeträge für Arzneimittel einführt. Seither zahlen die Kassen nicht mehr automatisch jeden Preis für Tabletten und Co., sondern nur noch einen Höchstbetrag. Verschreibt der Arzt ein teureres Mittel, muss der Patient die Differenz zahlen. Trotz dieses Rundumschlags an Kosteneinsparungen sind die Beiträge jedoch nur für kurze Zeit stabil.
1993: Die Leistungen werden budgetiert
Gesundheitsminister Horst Seehofer verfolgt mit dem "Gesundheitsstrukturgesetz" 1993 erneut das Ziel, die Beiträge der gesetzlichen Krankenkassen in den Griff zu bekommen. Um den Anstieg der Leistungsausgaben besser zu kontrollieren, werden sie für einen begrenzten Zeitraum budgetiert. Gleichzeitig erhöht die Regierung erneut die Selbstbeteiligung bei Arznei- und Verbandsmitteln. Das Projekt einer Positivliste, die alle erstattungsfähigen Medikamente benennt, scheitert allerdings. Auch deshalb wird das Reformziel stabiler Beiträge erneut nur für wenige Jahre erreicht.
1997: Zahnersatz bitte selbst zahlen
Die "GKV-Neuordnungsgesetze" stehen ebenfalls in der Tradition ihrer Vorgängerinnen: Patienten müssen sich an den Kosten für Arznei- und Heilmittel, Krankenhaushaufenthalte und Fahrten etwa vom Krankenhaus noch stärker beteiligen. Jüngere Jahrgänge bekommen außerdem geringere Kassenzuschüsse beim Zahnersatz.
1999: Rot-Grün wagt den Leistungsausbau
Mit dem "Solidaritätsstärkungsgesetz" bringt erstmals seit rund zwei Jahrzehnten eine Gesundheitsreform wieder ein Mehr an Leistungen. So werden unter anderem die Zuzahlungen für die Patienten gesenkt. Gleichzeitig führt die rot-grüne Koalition aber zur Begrenzung des Ausgabenwachstums erneut Budgets für Arzthonorare, Krankenhäuser und Arzneimittel ein.
2004: SPD und Union bitten zur Kasse
Nachdem die rot-grüne Regierung in den Folgejahren ebenfalls zum Leistungsabbau umgeschwenkt ist, wagt sie in Kooperation mit dem unionsdominierten Bundesrat ähnlich wie 1989 einen Kostendämpfungsrundumschlag: Das "Gesetz zur Modernisierung der gesetzlichen Krankenversicherung" sieht unter anderem vor, dass Patienten eine Praxisgebühr von zehn Euro pro Quartal zahlen müssen, verschreibungsfreie Medikamente gar nicht mehr erstattet werden und die Selbstbeteiligung bei erstattungsfähigen Arznei- und Heilmitteln zehn Prozent der Kosten (maximal zehn Euro) beträgt.
2005: Paritätische Finanzierung am Ende
Aus für ein Prinzip, das seit 1883 in Deutschland bestand: Wurden die Beitäge zur Krankenversicherung zuvor paritätisch finanziert, also jeweils zur Hälfte durch den Arbeitgeber und den Arbeitnehmer, müssen die Versicherten nun einen Sonderbeitrag in Höhe von 0,9 Prozent zahlen.
2009: Der Gesundheitsfonds kommt
Zum Jahresbeginn 2009 ändert sich die Finanzierung der Krankenkassen grundlegend: Konnten die Versicherungen bislang ihren Beitragssatz weitgehend selbst festlegen, wird dieser künftig einheitlich von der Regierung bestimmt. Die Beiträge der Arbeitgeber und Arbeitnehmer mitsamt Steuerzuschuss fließen nun in den Gesundheitsfonds. Die Krankenkassen erhalten dann Pauschalen pro Versichertem von dieser gigantischen Geldsammelstelle. Weitere Änderung: Jeder Bürger muss eine Krankenversicherung abschließen.
2009: Das Krankenhausfinanzierungsgesetz wird umgestellt
Die Finanzierung der Länder für Investitionen, die mit dem Krankenhausfinanzierungsgesetz 1972 eingeführt worden ist, wird auf leistungsbezogene Investitionspauschalen umgestellt. Dazu wird ein Orientierungswert eingeführt und die Anbindung an die Grundlohnsumme abgelöst. Der Orientierungswert berücksichtigt die Kostenstrukturen der Krankenhäuser.
2011: Neue Medikamente werden grundlegend geprüft (AMNOG)
Die Preisgestaltung für neu auf den Markt kommende Medikamente ändert sich mit dem Arzneimittelneurordnungsgesetz (AMNOG) grundlegend. Ein Pharmahersteller kann die Preise für patentgeschützte Medikamente zwar zunächst wie bisher frei festsetzen. Spätestens drei Monate danach muss er allerdings den medizinischen Zusatznutzen seines Medikamentes im Vergleich zu bereits auf dem Markt befindlichen Mitteln nachweisen. Ergibt sich kein Zusatznutzen, unterliegt das Medikament der Festbetragsregelung, bei einem nachgewiesenen Zusatznutzen muss der Pharmahersteller spätestens innerhalb eines Jahres nach Markteinführung mit dem GKV-Spitzenverband Preisverhandlungen führen. Grundlage für die Preisverhandlung ist eine Kosten-Nutzen-Bewertung des Medikamentes, die der Gemeinsame Bundesausschuss (GBA) oder in seinem Auftrag das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) erstellt.
2011: Der Beitragssatz steigt - das GKV-Finanzierungsgesetz
Diese Reform spüren vor allem die Versicherten: Der Beitragssatz in der gesetzlichen Krankenversicherung steigt um 0,6 Prozentpunkte auf 15,5 Prozent des Bruttoeinkommens. Davon zahlen die GKV-Mitglieder 8,2 Prozentpunkte, die Arbeitgeber 7,3 Prozent. Der Arbeitgeberbeitrag wird bei diesem Beitrag eingefroren. Künftige Ausgabensteigerungen sollen über Zusatzbeiträge finanziert werden, die die GKV-Mitglieder allein zu tragen haben. Kann eine Kasse ihre Kosten nicht mit den Zuweisungen aus dem Gesundheitsfonds decken, muss sie - wie bisher - einen Zusatzbeitrag erheben. Die Höhe des Zusatzbeitrages ist künftig nicht mehr limitiert.
2012: Das GKV-Versorgungsstrukturgesetz
Dieses Gesetz stellt dem Gemeinsamen Bundesausschuss der Krankenkassen und Ärzte weitere Aufgaben: Neue Behandlungsmethoden sollen auf ihren Nutzen hin überprüft werden, ohne sie in dieser Zeit der Patientenversorgung vorzuenthalten. Der GBA kann künftig neue nichtmedikamentöse Untersuchungs- und Behandlungsmethoden zeitlich begrenzt und unter kontrollierten Bedingungen erproben, um über eine eventuelle Aufnahme in den Leistungskatalog entscheiden zu können. Ebenfalls im Paket enthalten: Fachärzte werden verpflichtet, gesetzlich Versicherten angemessen und zeitnah Behandlungstermine anzubieten. Seit dem GKV-VStG können Versicherte auf Antrag von ihrer Krankenkasse eine Kostenaufstellung der in Anspruch genommenen ärztlichen und verordneten Leistungen in einem Zeitraum von mindestens 18 Monaten vor Antragstellung erhalten.

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung

TOP