KarriereSPIEGEL

Studie zu Managerwechseln

Ex und hopp

Die großen Konzerne tauschen ihre Vorstandschefs häufiger aus als früher. Laut einer Studie erfolgte ein Drittel der Wechsel vorzeitig - weil etwa die Leistung nicht stimmte.

Corbis

Dienstag, 19.04.2016   12:47 Uhr

Trotz guter Wirtschaftslage sind die Posten von Vorstandschefs wackeliger geworden. Das hat eine Studie der Beratungsfirma PWC Strategy& ergeben. Die Firma "strategy&" ist bekannt unter dem früheren Namen "Booz & Company". Der Untersuchung zufolge räumten im vergangenen Jahr deutlich mehr Vorstandsvorsitzende der 300 größten Unternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz ihren Chefsessel als im Vorjahr.

Die Fluktuationsquote lag demnach bei 16,7 Prozent, 2014 waren es noch 10,3 Prozent.

Fast ein Drittel der Wechsel erfolgte vorzeitig, noch bevor der Vertrag offiziell abgelaufen war. Die Top-Manager mussten beispielsweise gehen, weil sie die gewünschte wirtschaftliche Performance verfehlten, heißt es. Im Jahr davor lag der Anteil der vorzeitigen Wechsel noch bei zehn Prozent.

In die Studie dürfte auch der Rückzug von VW-Chef Martin Winterkorn eingegangen sein. Er hatte sein Amt wegen der Abgasaffäre im vergangenen Jahr aufgegeben, obwohl sein Vertrag noch bis Ende 2016 weiterläuft.

Die übrigen Chefposten wurden der Studie zufolge wie geplant aufgrund auslaufender Verträge neu besetzt oder wegen Übernahmen und Fusionen.

In der Finanzwirtschaft drehte sich das Postenkarussell besonders stark. Mehr als jeder fünfte der in die Studie einbezogenen Vorstandsvorsitzenden aus dem Banken-, Finanz- und Versicherungswesen wurde ausgetauscht.

Ein weiteres Ergebnis der Untersuchung: Neu eingesetzte Vorstandschefs haben deutlich weniger Zeit, um entscheidende und messbare Ergebnisse zu erzielen als früher. Ihre durchschnittliche Amtszeit in Deutschland, Österreich und der Schweiz verkürzte sich innerhalb von zehn Jahren von 8,3 auf 6,3 Jahre.

Frauenanteil liegt bei einer "homöopathischen Dosis"

Für Frauen ergaben sich durch die höhere Fluktuation im vergangenen Jahr keine größeren Chancen auf einen Chefsessel. Im Gegenteil. Die Quote der mit weiblichen Kandidatinnen nachbesetzten Vorstandsposten sank von 10,3 Prozent auf die "homöopathische Dosis" von 2,2 Prozent, heißt es in der Studie. Im internationalen Vergleich ist das aber keine Ausnahme. Der Anteil von Frauen, die 2015 auf eine Spitzenposition gesetzt wurden, lag weltweit bei 2,8 Prozent.

Dafür werden "Outsider" bei der Neubesetzung von Top-Positionen immer öfter bevorzugt - und zwar weltweit ebenso wie im deutschsprachigen Raum, heißt es von der Beratungsfirma. Rund ein Drittel der neu berufenen Vorstandschefs in Deutschland, Österreich und der Schweiz kam aus anderen Branchen oder Unternehmen.

Externe Kandidaten werden der Firma zufolge häufig in Umbruchphasen begünstigt. "Insbesondere in Industrien, deren Geschäftsmodelle derzeit von einer technologischen oder strukturellen Disruption in Frage gestellt werden, schlägt aktuell die Stunde der externen Kandidaten", sagt Peter Gassmann, Sprecher der Geschäftsführung.

fok/dpa

insgesamt 8 Beiträge
opolix 19.04.2016
1. Manege frei für
... und es wird den Beschäftigten und Inhabern (z.B. Aktionären) fast immer 'Pyrit für Gold' verkauft...
... und es wird den Beschäftigten und Inhabern (z.B. Aktionären) fast immer 'Pyrit für Gold' verkauft...
mapcollect 19.04.2016
2.
Da kann man sich auch prima vorstellen wie nachhaltig und rücksichtsvoll diese Manager wirtschaften werden.
Da kann man sich auch prima vorstellen wie nachhaltig und rücksichtsvoll diese Manager wirtschaften werden.
freemind2010 19.04.2016
3. Mittelfristige Planung
ist aus diesem Grund weder möglich noch vorgesehen. Es werden nur kurzfristige Massnahmen umgesetzt und niemand hat mehr eine 5 oder Gott bewahre 10 Jahressicht im Blick. Früher galten Versicherungsvorstände erst nach 10 Jahren [...]
ist aus diesem Grund weder möglich noch vorgesehen. Es werden nur kurzfristige Massnahmen umgesetzt und niemand hat mehr eine 5 oder Gott bewahre 10 Jahressicht im Blick. Früher galten Versicherungsvorstände erst nach 10 Jahren als etabliert. Dann konnte man feststellen, ob sie gut oder schlecht gewirtschaftet haben. Statt dessen hat man nur noch fachfremde ehemalige Unternehmensberater mit cost-cutting-attitude in der Führungsebene. Still und langsam stirbt hier eine ehemalige Vorzeigebranche.
portlana 19.04.2016
4.
so ist das doch gerade in Aktiengesellschaften seit zigtausend Jahren so. die werden an einem max 2 Jahre gemessen und in der Zeit muss/soll der Gewinn/divende steigen. also macht jeder das gleiche Kosten senken, denn umsätze [...]
so ist das doch gerade in Aktiengesellschaften seit zigtausend Jahren so. die werden an einem max 2 Jahre gemessen und in der Zeit muss/soll der Gewinn/divende steigen. also macht jeder das gleiche Kosten senken, denn umsätze steigern geht nicht mal eben so in 1,2 jahren. Z.b durch forschung betreiben (kostet ja sogar mehr in den ersten Jahren) also sind sie entweder nach 2 jahren weg, weil sie auf egal welche unsinnige/langfristig schädliche Art mehr profit rausgeholt haben/oder weniger verlust, nach mir die sindflutart oder weil es nicht geschafft haben. daher gibt es bei vielen dieser Gesellschaften gar keine langzeitpläne mehr. Der nächste erbt die je nachdem miese Folgen aus den Einsparungen. hat das gleiche problem also wieder kosten senken so geht es mit der dividen erstmal schön aufwärts auf kosten von Qualittät und dadurch oft umsatzverlust und arbeitsplatzverlust
großwolke 19.11.2019
5.
Ist schonmal jemand auf die Idee gekommen, diese Fluktuation auf höchster Ebene gegen das Wirtschaftswachstum aufzutragen? Unternehmen ab einer gewissen Größe sind derartig komplexe Organisationen, da können einzelne doch kaum [...]
Ist schonmal jemand auf die Idee gekommen, diese Fluktuation auf höchster Ebene gegen das Wirtschaftswachstum aufzutragen? Unternehmen ab einer gewissen Größe sind derartig komplexe Organisationen, da können einzelne doch kaum messbaren Einfluss auf die Unternehmensperformance haben. Wenn beispielsweise bei uns der Cheffe grande auf die Idee käme, die Produktionszeiten durch Schichtarbeit zu verbessern, um mehr Ware raushauen zu können, dann wäre der geschwindigkeitsbestimmende Schritt die Planung und Genehmigung der Lagerhalle, die man braucht, um in der heutigen "just-in-time"-Welt die nötigen Bestände für eine stabile Produktionsplanung vorhalten zu können. Damit würde die Idee insgesamt, mit Baukosten und Einlagerung der nötigen Bauteile, mal eben einen siebenstelligen Betrag verschlingen und so ganz nebenbei bis zu zwei Jahren dauern. Und dabei setze ich die nötige Personalaufstockung schon stillschweigend voraus, was aktuell auch schon nicht mehr selbstverständlich klappt. Bin nicht sicher, ob die großen Bosse diese Zeit heute noch bekommen, oder ob die Leute, die deren Leistung beurteilen, inzwischen genauso kurzsichtig sind wie die kennzahlfixierten Controller und Consultants.

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