KarriereSPIEGEL

Erfolg beim Neuanfang

So klappen die ersten sieben Tage im neuen Job

Wer sind meine Verbündeten? Welche ungeschriebenen Gesetze gelten? Wie gut es auf der neuen Stelle laufen wird, entscheidet sich oft direkt zu Beginn.

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Freitag, 01.11.2019   19:05 Uhr

Neu in der Firma? Und gleich beginnt das erste wichtige Meeting? Dann sollten Sie jetzt zur Toilette gehen, rät Business-Coach Carmen Michaelis: Schließen Sie die Tür ab, stellen Sie sich breitbeinig hin und reißen Sie siegessicher grinsend die Arme nach oben - wie ein Läufer, der mit Bestzeit das Zielband durchreißt. Yeah! "Power-Posing" ist einer der wichtigsten Tipps, den Michaelis ihren Klienten beim Stellenwechsel an die Hand gibt: "Das baut Stresshormone ab und gibt Selbstvertrauen."

Und Stress bringt ein Neuanfang zwangsläufig mit sich. Als der oder die Neue müssen Sie möglichst rasch herausfinden, welche ungeschriebenen Gesetze in der Firma gelten, wo Verbündete und Gegner sitzen, wo Fettnäpfchen lauern und welche Abläufe Ihnen helfen oder Ihre Arbeit behindern können. Am Anfang stürmen viele neue Eindrücke auf Sie ein - und dazwischen müssen Sie Ihre Rolle im Firmensoziotop finden.

Wahrscheinlich haben Sie sich schon vor dem Vorstellungsgespräch intensiv mit dem Unternehmen befasst. Achten Sie auch auf Kanäle wie Facebook und Instagram, auf Bilder und Kommentare. Auch die Firmenwebsite hilft: Lernen Sie, wer die wichtigsten Personen im Unternehmen sind und wie sie aussehen. Die Geschichte des Unternehmens mit Führungs- und Eigentümerwechseln, Fusionen, Umstrukturierungen prägt die interne Kultur. Und Ihre Stelle? Wer war Ihre Vorgängerin, warum ist sie nicht mehr da - oder wurde die Position ganz neu geschaffen? Dann ist es wichtig zu wissen, auf wessen Veranlassung hin (und wem eine andere Struktur vielleicht lieber gewesen wäre).

Führen Sie ein Logbuch - und überprüfen Sie die Eindrücke nach ein paar Wochen

Wie bewältigen Sie die erste Woche am besten? Doris Brenner, Personalentwicklerin und Karrierecoach, rät, ein Logbuch zu führen: "Halten Sie Ihre Eindrücke fest: Wer ist mir sympathisch? Wo läuft ein Prozess, den ich nicht verstehe? Wo scheint es Intrigen zu geben? Es ist ein guter Abschluss des Tages, Beobachtungen und Gedanken aufzuschreiben. Am Anfang ist es ein großes Problem, dass der Kopf abends weiterraucht. Wenn Sie das Buch zuklappen, ist das auch ein Signal an sich selbst: Jetzt kann ich loslassen." Nach sechs bis acht Wochen schauen Sie, wie sich die Dinge entwickelt haben - und was Sie mit wem noch einmal ansprechen sollten.

Wie kommen Sie am besten an die inoffizielleren Informationen, die nicht im Onboarding-Führer, den Unternehmensgrundsätzen und Qualitätsmanagementhandbüchern stehen? Es mag trivial klingen, aber: Fragen Sie einfach, rät Michaelis. Ohne Scheu vor Direktheit. "Mit wem sollte ich Ihrer Meinung nach noch einen Termin machen? Was hat Ihnen in den ersten Wochen hier besonders geholfen? Was sind aus Ihrer Sicht No-Gos in diesem Unternehmen? Was muss man hier eigentlich tun, um gekündigt zu werden?"

In Meetings schauen Sie öfter mal gezielt in die Runde: Wer tauscht Blicke mit wem? Rollt jemand die Augen, grinst in sich hinein oder verschränkt die Arme? So erkennen Sie Beziehungsgeflechte. "Am wichtigsten ist die eigene Offenheit. Aktiv auf andere zugehen - das ist eine Holschuld", sagt Brenner. "Halten Sie sich aus Intrigen heraus. Stellen Sie die Beziehungen von Anfang an auf eine gute Basis: Sie sind auf Hilfe angewiesen, aber zeigen Sie ruhig, dass Sie auch andere unterstützen wollen. Lassen Sie sich aber nicht die Butter vom Brot nehmen, indem Sie zur Kaffeekocherin werden! Sie haben eine Stellenbeschreibung - beharren Sie darauf, auch interessante Aufgaben zu bekommen." (Wie es laufen kann, wenn es nicht gut läuft, können Sie in unserer Serie über miese Jobstarts lesen.)

Was Sie als neue Führungskraft beachten sollten

Besonders wichtig sind die ersten Tage, wenn Sie Personalverantwortung übernehmen: Als neuer Chef oder neue Chefin stellen Sie jetzt die Weichen für den Erfolg Ihrer Führung. Zuoberst auf Ihrer Agenda sollten Einzelgespräche mit jedem direkten Mitarbeiter stehen. Machen Sie transparent, wie Sie vorgehen werden, rät Michaelis: "Das ist kein offenes Angebot, sondern eine deutliche Ansage: Ich möchte mit jedem von Ihnen ein Einzelgespräch führen, es soll jeweils eine Stunde dauern." Dem neuen Chef müsse klar sein: "Beziehungsklärung geht vor Sachklärung. Bevor man sich in den Sachkontext stürzt, muss man zunächst eine Beziehung aufbauen." Zeigen Sie Interesse und Wertschätzung.

Auch für Führungskräfte gilt: Mit offenen, direkten Fragen bekommen Sie oft die besten Informationen. Fragen Sie die Mitarbeiter, was Ihnen heilig ist - so erkennen Sie auch, welche Widerstände es eventuell zu überwinden gilt, und können Aufwand und Nutzen besser abwägen. Fragen Sie, was gut läuft und was es zu verbessern gäbe. Machen Sie auf keinen Fall Versprechungen, sondern hören Sie erst einmal zu. "Fragen Sie ruhig auch: Was müsste ich tun, um mich hier richtig unbeliebt zu machen?", so Michaelis.

Lassen Sie den Dialog von Anfang an nicht abreißen: Richten Sie frühzeitig ein Feedback-System ein, etwa einen Jour Fixe, an dem Sie gemeinsam über den Stand der Dinge und weitere Ziele sprechen.

insgesamt 7 Beiträge
PantheraOnca 02.11.2019
1. Das ist doch alles quark
Man sollte einfach locker und selbstbewusst an die Sache rangehen und sein Bestes geben. Punkt. Ich denke, wenn man mit Berechnung vorgeht und bei Jedem erstmal überlegt, wie nützlich er einem selbst sein kann wird man in einem [...]
Man sollte einfach locker und selbstbewusst an die Sache rangehen und sein Bestes geben. Punkt. Ich denke, wenn man mit Berechnung vorgeht und bei Jedem erstmal überlegt, wie nützlich er einem selbst sein kann wird man in einem echten Team nicht besonders weit kommen, das ist meine Erfahrung....
upalatus 02.11.2019
2.
'Halten Sie sich aus Intrigen raus'........ Zusammen mit den restlichen Tips ein echter Brüller, der nur von externen naiven Coaches oder dergleichen kommen kann. Postenerhalt nebst Postenausübung in vorgesetzten [...]
'Halten Sie sich aus Intrigen raus'........ Zusammen mit den restlichen Tips ein echter Brüller, der nur von externen naiven Coaches oder dergleichen kommen kann. Postenerhalt nebst Postenausübung in vorgesetzten Hierarchieebenen setzen mancherlei Fähigkeiten und Bedingungen voraus; die kamen im Artikel leider nicht vor. Schade, dass das Satzzeichenlimit hier eine gehörige Gegenrede verhindert...... .
In_Frankreich_lebend 02.11.2019
3. Guter Artikel
Ich finde den Artikel, auch wenn er naturgemäß etwas generell gehalten sein muss, sehr gut. Es werden einige konkrete Tipps gegeben (Tagebuch führen, um Eindrücke zu sammeln und den Tag abzuschließen, Beziehungsaufbau vor [...]
Ich finde den Artikel, auch wenn er naturgemäß etwas generell gehalten sein muss, sehr gut. Es werden einige konkrete Tipps gegeben (Tagebuch führen, um Eindrücke zu sammeln und den Tag abzuschließen, Beziehungsaufbau vor Sachthemen, Einzelgespräche mit Mitarbeitern, etc.) und v.a. öffnet der Artikel die Augen für die immer gegebene "politische" Landschaft in einem Unternehmen. Ich war über 20 Jahre international in der Beratung und musste mich alle 6-18 Monate in z.T. völlig neue Kundenumgebungen und Teams eingewöhnen. Dabei habe ich mir ähnliche Techniken angeeignet und fand sie im Allgemeinen sehr hilfreich. Wie immer macht die Übung den Meister.
meinung2013 02.11.2019
4. 'Halten Sie sich aus Intrigen raus'.
das gilt doch nicht nur für Anfänger. Ich arbeite in einem kleinen Team von Spezialisten, tätig als interne Berater für alle Prozesse des Unternehmens. Vor 3 Jahren kam eine neue, junge Kollegin aus einer [...]
das gilt doch nicht nur für Anfänger. Ich arbeite in einem kleinen Team von Spezialisten, tätig als interne Berater für alle Prozesse des Unternehmens. Vor 3 Jahren kam eine neue, junge Kollegin aus einer Unternehmensberatung. Wenn wir "alten Hasen" ihr Zusammenhänge, historisch gewachsene Strukturen, IT bedingte workarounds erklären wollten, kam sofort die Antwort "Weiß ich schon, kenn ich schon, hab ich schon gemacht". Sie wechselte (zu) schnell die Abteilung und vermittelte eine Freundin. Auch diese Freundin antwortete sofort "Weiß ich schon, kenn ich schon, hab ich schon gemacht". Beide junge Kolleginnen sind nicht mehr im Unternehmen, sie scheiterten daran, dass sie das Unternehmen gar nicht kennen konnten. Während wir "alten Hasen" uns einfach nur zurückzogen, blies ihnen in den anderen Abteilungen erst ein rauer Wind, dann ein Orkan um die Nasen. Ganz schlechter Start. Der Ersatz für die Beiden sind junge Kollegen/Kolleginnen, die bereits ein wenig Berufserfahrung sammeln konnten und den Teamgeist, sowie die Freiheiten in unserem Team sehr schätzen. Verbesserungsvorschläge sind immer herzlich willkommen, werden im Team diskutiert und wenn möglich auch umgesetzt.
haarer.15 02.11.2019
5. Nicht zuviele Wenn und Aber - bringt nichts
Einfach positiv an die Sache rangehen, offen sein und Neugierde zeigen. Selbstverständlich Fragen stellen - aber ohne jeden Unterton. Generell gilt, sich erst einmal zurückzunehmen und zu beobachten. Das weitere regelt der [...]
Einfach positiv an die Sache rangehen, offen sein und Neugierde zeigen. Selbstverständlich Fragen stellen - aber ohne jeden Unterton. Generell gilt, sich erst einmal zurückzunehmen und zu beobachten. Das weitere regelt der gesunde Menschenverstand, sofern man den hat. Wer sich von Anfang an gleich für was Besseres hält und das sofort nach außen trägt, der hat meistens schon verloren.

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