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Vier von zehn neuen Mitarbeitern werden befristet eingestellt

Wer eine neue Stelle anfängt, der bekommt zunächst gern mal einen Vertrag, der auslaufen kann. Arbeitsmarktforscher haben ausgewertet, welche Unternehmen besonders oft auf Befristungen zurückgreifen.

Bernd von Jutrczenka / DPA

Azubi in Berlin: Nach der Lehre ein befristeter Vertrag?

Dienstag, 10.09.2019   12:59 Uhr

Vier von zehn neuen Mitarbeitern werden in Deutschland befristet eingestellt. Das geht aus einer am Dienstag veröffentlichten Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg hervor. Darin steht: Vor allem größere Betriebe nutzen die Möglichkeit einer Befristung. Dagegen greifen Kleinstbetriebe mit weniger als zehn Beschäftigten, bei denen die Regelungen des Kündigungsschutzgesetzes nicht gelten, seltener darauf zurück.

Im Jahr 2018 gab es insgesamt 3,87 Millionen sozialversicherungspflichtige Neueinstellungen, von denen 38 Prozent befristet waren, heißt es in der IAB-Studie. Befristete Neueinstellungen werden demnach nicht nur zur Deckung eines vorübergehenden Arbeitskräftebedarfs genutzt, sondern auch als "verlängerte Probezeit". Denn mit 85 Prozent beruht die große Mehrheit der befristeten Neueinstellungen auf einem längerfristigen Bedarf des Unternehmens.

Außerdem verzichten Unternehmen bei befristeten Neueinstellungen häufiger auf Berufserfahrung als Einstellungsvoraussetzung. Insbesondere für Helfertätigkeiten nehmen Betriebe der Studie zufolge Befristungen vor. Die Studie beruht auf Daten der IAB-Stellenerhebung, für die mehr als 10.000 Unternehmen regelmäßig befragt werden.

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Der Prozess zur Besetzung einer Stelle ist bei befristeten Jobs im Vergleich zu unbefristeten Stellen 14 Tage kürzer - und es wird weniger Geld für Stellenanzeigen oder Personalvermittler investiert. Auf alle Beschäftigten bezogen arbeitet jeder zwölfte Arbeitnehmer in Deutschland befristet, Auszubildende sind dabei ausgenommen.

lov/dpa

insgesamt 78 Beiträge
_oliver_ 10.09.2019
1. sozial ungerecht, gehört abgeschafft
Befristete Arbeitsverträge sind sozial ungerecht. Menschen die sich eine Existenz aufbauen wollen, werden so lange in einer Warteschleife gehalten, bis man sie nicht mehr braucht. In der Zwischenzeit kann nicht geplant werden [...]
Befristete Arbeitsverträge sind sozial ungerecht. Menschen die sich eine Existenz aufbauen wollen, werden so lange in einer Warteschleife gehalten, bis man sie nicht mehr braucht. In der Zwischenzeit kann nicht geplant werden für die Zukunft, also weder eine Immobilie erworben werden noch die bewusste Entscheidung für einen Kinderwunsch getroffen werden. Wer gute Arbeit macht, soll sie auch behalten dürfen und für seine Zukunft vorsorgen können. Eine Frechheit wie hier unternehmerisches Risiko auf Menschen ausgelagert wird, die dadurch nie Vermögen aufbauen können, weil Planungssicherheit nicht vorhanden ist und jeder Umzug wieder Geld kostet. Ein Unternehmer geht bewusst Risiken ein, die sich meistens auch auszahlen. Aber der Sinn hinter einer abhängigen Beschäftigung ist doch gerade, dass man diese Risiken nicht eingehen muss. Sonst kann man sich ja gleich selbstständig machen.
Sleeper_in_Metropolis 10.09.2019
2.
Ich sehe in dieser Praxis kein Problem, laufen doch die meisten dieser anfänglichen Befristungen letztlich auf einen unbefristeten Vertrag hinaus. Ist in dem Unternehmen, in dem ich arbeite genau so : Jeder neu eingestellte [...]
Ich sehe in dieser Praxis kein Problem, laufen doch die meisten dieser anfänglichen Befristungen letztlich auf einen unbefristeten Vertrag hinaus. Ist in dem Unternehmen, in dem ich arbeite genau so : Jeder neu eingestellte erhält erst mal zwei auf jeweils ein halbes Jahr befristete Verträge, im Anschluß daran dann i.d.R. einen unbefristeten Vertrag. Sollte es bei einem Kandidaten doch mal zu unerwarteten Problemen kommen, muß sich das Unternehmen nicht mit aufwändigen Kündigungs- und ggf. Abfindungsregelungen herumschlagen, der Vertrag läuft dann einfach aus und fertig.
SusiWombat 10.09.2019
3. Fachkräftemangel also
Da verlängert man die Probezeit und schafft keinen Anreiz zum Bleiben? Komisch.
Da verlängert man die Probezeit und schafft keinen Anreiz zum Bleiben? Komisch.
stolte-privat 10.09.2019
4. Eine einmalige Befristung...
...von maximal 6 Monaten sollte genügen. Dann kann man beiderseits feststellen, ob der Mitarbeiter zum Job passt und umgekehrt. Alles andere ist Lohn- und Sozialdumping. Leider wird solch eine Praxis auch noch vom Staat [...]
...von maximal 6 Monaten sollte genügen. Dann kann man beiderseits feststellen, ob der Mitarbeiter zum Job passt und umgekehrt. Alles andere ist Lohn- und Sozialdumping. Leider wird solch eine Praxis auch noch vom Staat unterstützt. Firmen wie VW nutzen das weidlich aus und behandeln die Mitarbeiter dann jahrelang als "Manövriermasse", die hin und her geschoben und bei Flaute einfach entlassen werden. Eine Zukunfts- oder gar Familienplanung ist dabei nicht drin, auch die Gehälter sind eher mickrig.
Botox 10.09.2019
5. Befristung hat nichts mit Probezeit zu tun......
Den während der befristung muss der Arbeitgeber keine Tariflöhne zahlen, sondern nur den entsprechenden Mindstlohn. Auf den Baustellen sieht man fast nur noch "Befristete" . Tariflöhne werden nur selten gezahlt.
Den während der befristung muss der Arbeitgeber keine Tariflöhne zahlen, sondern nur den entsprechenden Mindstlohn. Auf den Baustellen sieht man fast nur noch "Befristete" . Tariflöhne werden nur selten gezahlt.

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