KarriereSPIEGEL

Mutter von Dschungelcamp-Kandidatin Nathalie Volk

Krankheit vorgetäuscht - Lehrerin verliert Beamtenstatus

Viktorija Volk, Mutter der Dschungelcamp-Kandidatin Nathalie Volk, darf keine Beamtin mehr sein: Sie ließ sich krankschreiben, flog aber zu ihrer Tochter nach Australien. Das Verwaltungsgericht Lüneburg entzog ihr den Beamtenstatus.

DPA

Viktorija Volk (li.) mit ihrer Tochter Nathalie (März 2018)

Von
Freitag, 26.04.2019   14:40 Uhr

Die Mutter von Dschungelcamp-Teilnehmerin Nathalie Volk verliert ihren Status als niedersächsische Beamte und darf nicht mehr als Lehrerin arbeiten. Das hat das Verwaltungsgericht Lüneburg am Freitag entschieden (Aktenzeichen: 10 A 6/17).

Die Pädagogin hatte im Januar 2016 ihre Tochter zu den Dschungelcamp-Dreharbeiten nach Australien begleitet. Dafür hatte die Physik- und Mathe-Lehrerin zunächst Urlaub beantragt. Als dieser Antrag abgelehnt worden war, hatte Volk sich für drei Wochen krankschreiben lassen und war in dieser Zeit nach Australien geflogen.

Später kam heraus, dass sie bereits im Vorfeld einen Vertrag mit RTL abgeschlossen hatte, um dem Sender gegen Honorar mindestens 18 Interviews zu geben - was sie vor Ort auch tat. Nachdem Schüler sie im Fernsehen erkannt und die Schulleitung informiert hatten, begann die Staatsanwaltschaft zu ermitteln.

Angeblich depressiv

Der Vorwurf: Die Pädagogin habe sich das Attest der Ärztin, die ihr für mehrere Wochen Dienstunfähigkeit bescheinigte, mit falschen Angaben erschlichen. Die genannten Symptome einer depressiven Erkrankung habe es so nicht gegeben. Viktorija Volk hatte die Täuschungsabsicht im Strafverfahren zwar bestritten, war aber im März 2018 vom Landgericht Lüneburg zu 5400 Euro Geldstrafe verurteilt worden. Außerdem verlor sie den Job an ihrer alten Schule, dem Gymnasium Soltau.

Im Verfahren vor dem Verwaltungsgericht Lüneburg ging es jetzt um die Frage, ob Volk nach der Geldstrafe noch Beamtin sein kann. In einem Disziplinarverfahren war ihr der Beamtenstatus bereits aberkannt worden; dagegen wehrte sie sich vor Gericht.

"Für uns ist klar, dass Frau Volk sich eines schweren Dienstvergehens schuldig gemacht hat", sagte der Vertreter der niedersächsischen Landesschulbehörde in der Verhandlung. "Sie hat ihre Dienstpflicht mit Füßen getreten." Das Vertrauensverhältnis sei dauerhaft zerstört.

"Dumm" und "dämlich"

Volks Anwalt Michael Gladow hielt dagegen: Seine Mandantin habe ihren Fehler eingesehen, im Umgang mit den Medien habe sie "dumm", möglicherweise auch "dämlich" agiert. Im Übrigen gebe es viel schlimmere Verfehlungen von Lehrern, bei denen der Beamtenstatus trotzdem erhalten geblieben sei. Der Anwalt zählte Fälle auf, in denen Lehrer Kinderpornografie besessen oder über längere Zeit Drogen konsumiert hatten - und trotzdem Staatsdiener bleiben durften.

Das falsche Attest, so Gladow weiter, sei dagegen nur "ein episodenhafter Verstoß" gegen das Beamtenrecht gewesen. Und auch, wenn Viktoria Volk nicht so krank gewesen sei, wie es auf dem Attest stehe, sei sie damals doch zweifellos nicht gesund gewesen. Außerdem: In vielen anderen Bundesländern sei es schließlich auch erlaubt, "dass man sich krank vom Dienstort entfernt".

Der Idee, dass man trotz Dienstunfähigkeit um den halben Erdball fliegen und gegen Honorar für eine Fernsehproduktion arbeiten könne, wollten die Lüneburger Juristen jedoch nicht folgen. Im Urteil heißt es, Viktorija Volk habe durch ihr Verhalten das Vertrauen ihres Dienstherrn und der Allgemeinheit verloren.

Planvoll und berechnend

"Dieses Dienstvergehen wiegt nach Auffassung der Kammer schwer und rechtfertigt den Ausspruch der disziplinarischen Höchstmaßnahme", sagte ein Sprecher. Das Gericht nannte Volks Verhalten eine "planvolle und berechnende Vorgehensweise". Außerdem habe sie ihre fehlende Einsicht auch noch öffentlich gemacht. Sie habe - gegen Anordnungen der Landesschulbehörde - selbst nach Erhebung der Disziplinarklage noch im Januar 2018 ein Interview gegeben.

Volk kann gegen das Urteil in Berufung gehen. Sollte sie auch beim niedersächsischen Oberverwaltungsgericht scheitern, ist ihr Beamtenstatus verloren. Bis zu einer rechtskräftigen Entscheidung bekommt die vom Dienst suspendierte Lehrerin die Hälfte ihres Gehalts, rund 2100 Euro netto.

mit Material von dpa/ngo

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