KarriereSPIEGEL

Schikane am Arbeitsplatz

Wie Sie Ihren Chef verklagen

2. Teil: So munitionieren Sie sich

Corbis

Von
Mittwoch, 30.05.2012   11:11 Uhr

Jedes Mal, wenn Ihr Chef Sie belästigt, beleidigt oder mobbt: Notieren Sie Datum, Uhrzeit, Gesprächskontext, den ungefähren Wortlaut und - sofern vorhanden - Zeugen. Sammeln Sie belastendes Material wie Faxe, Papiere oder E-Mails. Verstauen Sie das Protokoll und die Belege stets an einem sicheren Ort. Schließlich wollen Sie nicht, dass Ihr Material in falsche Hände gerät.

Auch wenn es Ihnen schwerfällt: Begeben Sie sich auf keinen Fall auf das Niveau Ihres Chefs. Erstens sitzt er am längeren Hebel. Zweitens rechtfertigt eine Beleidigung nie eine Beleidigung. Drittens kann Ihnen bei möglichen Beschwerden gegen Ihren Chef vorgehalten werden, dass Sie sich auch nicht besser verhalten.

Wenn Sie schriftlich gegen Ihren Chef vorgehen, sollten Sie sich von einem Anwalt beraten lassen. Aber Vorsicht! "Es gibt viele Anwälte, die arbeitsrechtliche Fälle übernehmen, obwohl sie mit dem Arbeitsrecht wenig vertraut sind", sagt Arbeitsrechtler Nägele. Prüfen Sie also stets genau die Vita Ihres Rechtsvertreters: Wie viele Jahre Erfahrung hat er mit Arbeitsrecht? Wer empfiehlt die Kanzlei?

Ein guter Ausgangspunkt für Ihre Anwaltssuche ist das Juve-Handbuch. Darin listet der gleichnamige Fachverlag Porträts der renommiertesten deutschen Kanzleien auf. Vielleicht verfügt Ihre Bibliothek über ein Exemplar.

Alternativ können Sie sich an die Anwaltskammer in Ihrer Region wenden, die verpflichtet ist, Ihnen Fachanwälte für Arbeit zu empfehlen. Deren Vita sollten Sie dann zwar noch einmal selbst überprüfen. Sie können aber immerhin sicher sein, dass Ihnen Fachleuten genannt werden, die sich eingehend mit dem Thema Arbeitsrecht beschäftigt haben.

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Analyse von Mobbingfällen: Experten zeigen Fehler auf

Bevor Sie den offiziellen Weg gehen, sollten Sie zunächst Ihr Umfeld genau beobachten. Gibt es noch andere Kollegen, die Ihr Chef immer wieder quält? Gibt es Kollegen, die versuchen, Sie in Schutz zu nehmen, wenn Ihr Chef es mal wieder auf Sie abgesehen hat?

Versuchen Sie, sich mit anderen Menschen zusammenzutun. Wenn Ihr Chef Sie und andere zum Beispiel immer wieder im Meeting quält, können Sie unter Kollegen Ihres Vertrauens eine Art Verteidigungspakt anregen - sich also gegenseitig zu schützen, wenn einer von Ihnen in die Mangel genommen wird. Sie können andere auch bitten, die Quälereien Ihres Chefs zu bezeugen, sofern Sie sich zu einer offiziellen Beschwerde durchringen.

insgesamt 34 Beiträge
honschi 30.05.2012
1.
Sehr interessanter Artikel, leider existiert bei uns im Unternehmen weder ein Betriebsrat noch eine Personalabteilung an die ich mich wenden könnte. Diese Konstellation ist bei den großen Discountern üblich.
Sehr interessanter Artikel, leider existiert bei uns im Unternehmen weder ein Betriebsrat noch eine Personalabteilung an die ich mich wenden könnte. Diese Konstellation ist bei den großen Discountern üblich.
Asirdahan 30.05.2012
2. ohne
Was heißt, ständige Schikanen und Beleidigungen? Schon eine einzige Beleidigung muss ich nicht hinnehmen. Am Ende läuft doch alles darauf hinaus, ob und wie ich mich wehre. Dann kann ich das auch gleich nach der ersten [...]
Zitat von sysopCorbisWas tun, wenn der Vorgesetzte einem Mitarbeiter den Job zur Hölle macht? Ständige Beleidigungen und Schikanen muss niemand ohnmächtig hinnehmen. Es gibt Auswege aus dem Dilemma: Mit Strategien von der Anti-Mobbing-Allianz bis zur Klage können Sie sich wehren. http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/0,1518,835344,00.html
Was heißt, ständige Schikanen und Beleidigungen? Schon eine einzige Beleidigung muss ich nicht hinnehmen. Am Ende läuft doch alles darauf hinaus, ob und wie ich mich wehre. Dann kann ich das auch gleich nach der ersten Beleidigung tun. Jeder muss wissen, welchen Druck er aushält. Ich persönlich bin immer dafür, auch dem Chef auf Augenhöhe zu begegnen. Wer mich beleidigt, der bekommt auch von mir scharfe Worte zu hören. Anders kann es zwischen erwachsenen Menschen nicht ablaufen. Das allererste Schlucken einer Demütigung ist der fatale Abstieg in die Unterwürfigkeit. Der Chef hat in Grenzen das Recht, mir meine Arbeit vorzuschreiben. In Grenzen, damit meine ich, wenn ich ein Spezialgebiet bearbeite, von dem er keine Ahnung hat, dann sollte auch er sich in Bescheidenheit üben. Im Umgang zwischen Mensch zu Mensch hat er sich mir gegenüber höflich zu verhalten, auch wenn er mich kritisiert. Etwas anderes muss ich mir nicht gefallen lassen. Leider ist die Situation auf dem Arbeitsmarkt in manchen Branchen derart, dass die Arbeitnehmer sich ins duldende ohnmächtige Schweigen verkriechen müssen, bis sie platzen. Dann ist es meistens zu spät für eine vernünftige Regelung.
talackova 30.05.2012
3. Warum gleich verklagen
Abmahnunen an den Arbeitgeber sind ein wunderbaren Mittel, um aus der dreimonatigen Sperre für Arbeitslosengeld bei eigener Kündigung herauszukommen.
Zitat von sysopCorbisWas tun, wenn der Vorgesetzte einem Mitarbeiter den Job zur Hölle macht? Ständige Beleidigungen und Schikanen muss niemand ohnmächtig hinnehmen. Es gibt Auswege aus dem Dilemma: Mit Strategien von der Anti-Mobbing-Allianz bis zur Klage können Sie sich wehren. http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/0,1518,835344,00.html
Abmahnunen an den Arbeitgeber sind ein wunderbaren Mittel, um aus der dreimonatigen Sperre für Arbeitslosengeld bei eigener Kündigung herauszukommen.
ernstmoritzarndt 30.05.2012
4. Artikel sehr problematisch
a.) Mobbing stellt eine drastische Missachtung der Arbeitnehmerrechte dar und gehört geahndet. b.) Wenn ein Chef denn verurteilt wird zur Unterlassung (das ist im Artikel falsch dargestellt) wird verurteilt zur Unterlassung bei [...]
a.) Mobbing stellt eine drastische Missachtung der Arbeitnehmerrechte dar und gehört geahndet. b.) Wenn ein Chef denn verurteilt wird zur Unterlassung (das ist im Artikel falsch dargestellt) wird verurteilt zur Unterlassung bei Meidung von Ordnungsgeld bis zu € 250.000,-- ersatzweise ordnungshaft oder Ordnungshaft. c.) Das ist zu kurz gekommen: Es muß Material gesammelt werden, auf die gründlichste Art und Weise, das hat extrem substantiell zu geschehen, Zusammenhänge zwischen einzelnen Vorgängen herstellen. Immer wieder: substantielles Material. Es gibt bisher kaum erfolgreiche Mobbingprozesse. Diese bleiben meistens wegen unvollständiger Materialsammlungen stecken. Am besten ist es, wenn ich eine "Linie" des Fehlverhaltens darstellen kann, wie im Falle des bekannten Leiturteils des Thüringischen LAG. Ohne die Entscheidung läuft nichts. d.) Unterstützung von Kolleginnen/Kollegen meistens sehr problematisch. Die haben Angst, selbst in die Schußlinie zu geraten.
john789 30.05.2012
5. gekündigt, arbeitslos und dann?
Was wird wohl der zuständige Bearbeiter der Arge sagen? Man habe selbst gekündigt, also erstmal 3-monatige Streichung der Arbeitslosenhilfe!! Etwaige "Beweise", die man über den Chef gesammelt hat, werden nicht [...]
Was wird wohl der zuständige Bearbeiter der Arge sagen? Man habe selbst gekündigt, also erstmal 3-monatige Streichung der Arbeitslosenhilfe!! Etwaige "Beweise", die man über den Chef gesammelt hat, werden nicht anerkannt, also muss man doch wieder klagen, diesmal gegen die Arge, um an sein Recht zu kommen. Da kann man auch gleich gegen den eigenen Chef klagen. So oder so, es geht an die Substanz, finanziell wie psychisch. Darf man entsprechendes, eindeutiges Verhalten seines Chefs eigentlich heimlich filmen? Nicht zur Veröffentlichung, sondern den Film dann einem Notar oder so zur Aufbewahrung geben bis zur Gerichtsverhandlung?

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