Kultur

Der Fall Relotius

Unbekannter gibt sich vor Medien als Fälscher-Journalist aus

Ein unbekannter Mann bot deutschen Medien unter dem Namen Claas Relotius Interviews an. Der RBB-Sender Radioeins hat gemeinsam mit dem NDR-Magazin "Zapp" den Betrugsversuch offengelegt.

Dienstag, 08.01.2019   17:40 Uhr

Der SPIEGEL hatte am 19. Dezember 2018 offengelegt, dass Claas Relotius in großem Umfang Geschichten gefälscht und manipuliert, dass er die Leser sowie seine Kollegen getäuscht hat. Auch andere deutsche Medien, für die Relotius zuvor als freier Journalist tätig war, sind von Fälschungen und Manipulationen betroffen.

Nun hat sich ein Unbekannter am Telefon und per E-Mail als Relotius ausgegeben und diversen Medien Interviews angeboten. Auch das RBB-Programm "Radio Eins" wurde von dem falschen Relotius kontaktiert. Die Redaktion habe aber an der Echtheit gezweifelt und daraufhin die Kollegen vom NDR-Medienmagazin "Zapp" sowie auch den SPIEGEL kontaktiert. Der Anwalt des echten Claas Relotius bestätigte schließlich, dass es sich um einen Dritten handelt.

"Radio Eins" ging zum Schein auf das Angebot ein, um den falschen Relotius in einem Interview zur Rede zu stellen. Der SPIEGEL war vorab von der Aktion informiert, als Vertreterin der Redaktion wurde während der Aufzeichnung des Interviews die stellvertretende Chefredakteurin Susanne Beyer zugeschaltet, die die Identität des falschen Relotius sofort in Frage stellte - woraufhin dieser das Gespräch beendete und auflegte. Hören Sie hier einen Radioeins-Bericht mit Tonaufnahmen des Anrufers.

Laut RBB und NDR hatte sich der vermeintliche Relotius eine E-Mail-Adresse mit dem Namen Claas Relotius bei einem deutschen Anbieter angelegt. In einer E-Mail habe er dann vorgegeben, auf eine Interviewanfrage zu reagieren, die bei Relotius' Adresse beim SPIEGEL angekommen sei. Er könne sich vorstellen, "zu allen Vorwürfen Stellung zu nehmen und über meine Arbeit beim SPIEGEL wie auch über meine Zukunft (u.a. ein Buchprojekt) zu sprechen".

Der Anwalt des echten Claas Relotius aus der Kanzlei Unverzagt von Have erklärte, auch andere Medien hätten bereits zu einem angeblich von seinem Mandanten angekündigten Interview nachgefragt. "Es handelt sich offenbar um einen Dritten, der - aus welchen Gründen auch immer - unter der vorgeblichen Identität unseres Mandanten Interviews anbietet", schrieb der Anwalt an die "Zapp"-Reporter und stellte klar: "Unser Mandant beabsichtigt derzeit keinerlei öffentliche Auftritte oder Interviews zu erteilen." Wer hinter dem Täuschungsversuch der Medien steckt, ist bislang unklar.

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red

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