Kultur

"Sex and the City"

Zu scharf für den Vorabend?

Die geplante Wiederholung der US-Erfolgsserie "Sex and the City" im Vorabendprogramm von ProSieben ruft die Jugendwächter auf den Plan. Zu viel Erotik in Wort und Bild, lautet der Vorwurf, dabei hat der Sender die schärfsten Folgen bereits gezähmt.

Mittwoch, 12.07.2006   14:55 Uhr

Berlin - Es habe bereits mehrere Beschwerden von Zuschauern gegeben, die allzu offenherzige Szenen um Liebe und Sex und damit einen Verstoß gegen Jugendschutzbestimmungen befürchteten, sagte die Sprecherin der Kommission für Jugendmedienschutz (KJM), Verena Weigand. Die KJM werde sich mit dem Thema beschäftigen. "Eine Prüfung kann aber immer erst nach Ausstrahlung der jeweiligen Folge stattfinden", fügte sie hinzu.

ProSieben wollte ab Mittwoch um 18 Uhr wöchentlich die Geschichten rund um die New Yorker Freundinnen Carrie (Sarah Jessica Parker), Miranda (Cynthia Nixon), Charlotte (Kristin Davis) und Samantha (Kim Cattrall) wiederholen. Zuletzt war auf diesem Sendeplatz die Telenovela "Lotta in Love" zu sehen gewesen, die aber wegen schlechter Zuschauerzahlen auf den Sonntagmorgen (10 Uhr) verlegt wurde.

Vorsorglich hat der Sender für die Ausstrahlung von "Sex and the City" im Tagesprogramm mehrere Folgen bereits entschärft und Dialogpassagen oder Bildszenen mit eindeutig sexuellem Inhalt gestrichen. Daran werde weiter gearbeitet, sagte eine Sprecherin. Die Freiwillige Selbstkontrolle Fernsehen (FSF) nahm auf Antrag von ProSieben eine Prüfung mehrerer Folgen vor. Einige seien auch nach der Bearbeitung zunächst noch nicht für das Tagesprogramm geeignet gewesen, sagte FSF-Prüferin Claudia Mikat.

Die ProSieben-Sprecherin betonte, "mit ein paar kleinen chirurgischen Schnitten an einigen Episoden" seien bei den Prüfungen bislang "nahezu alle Folgen" für das Tagesprogramm freigegeben worden. Die Zuschauer kämen also voll auf ihre Kosten und könnten sich über die vier New Yorkerinnen am Vorabend freuen. Die zweite Folge der ersten Staffel werde allerdings nicht gezeigt, fügte sie hinzu. Darin geht es unter anderem um einen "Modeljäger", der die sexuellen Aktivitäten mit seinen Eroberungen heimlich filmt.

Bei der FSF lagen zunächst keine Beschwerden vor. "Ich glaube aber, da werden noch einige kommen", sagte Mikat. "Die Serie hat ja selbst für uns Erwachsene Sexualität auf eine neue Art thematisiert." Allerdings seien die einzelnen Folgen sehr unterschiedlich zu bewerten. "In manchen ging es nur um Freundschaft und Verliebtheit, in anderen stärker um Sex", erklärte sie.

ProSieben hatte bereits zwischen September 2001 und dem Finale im Dezember 2004 die 94 Folgen von "Sex and the City" gezeigt. Im vergangenen Jahr liefen Wiederholungen - die Episoden wurden bislang noch nicht vor 20 Uhr ausgestrahlt.

Zu Spitzenzeiten hatte die Serie bis zu 4,5 Millionen Zuschauer vor die Fernseher gelockt. Sie konnten miterleben, wie die schuhvernarrte Carrie und ihre Freundinnen in satirisch überspitzten Dialogen kein Thema rund um Männer, Liebe und die wichtigste Nebensache der Welt ausließen. Auch Oralsex, Masturbation, Penisgrößen, Potenzprobleme und Geschlechtskrankheiten kamen dabei zur Sprache.

Marina Antonioni, ddp

Mehr im Internet

© SPIEGEL ONLINE 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung

TOP