Kultur

Tageskarte Küche

Immer schön förmlich bleiben

Wer sagt, dass der Ring nur nach Bayreuth gehört? Als Servierring leistet er auch in der Küche seinen Beitrag zur Hochkultur. Und als Zugabe zu einem neuen Kochbüchlein gibt es die praktische Formhilfe jetzt sogar geschenkt.

Von Hobbykoch
Sonntag, 21.06.2009   09:13 Uhr

Es ist höchste Zeit, an dieser Stelle mal den Hut in den Ring zu werfen für alle Hobbykochschaffenden, die sich trotz knapper Zeit und quengelnden Gästen nicht davon abbringen lassen wollen, ihr Essen in halbwegs ansehnlicher Gestalt auf den Tisch zu bringen.

Den Pichelsteiner mit der großen Kelle in die Suppenschüsseln geschöpft, die Al-Pesto-Spaghetti auf die Pastateller geklatscht, den Fruchtsalat zum Selbernehmen in der Glasschüssel auf den Tisch gestellt - das alles ist okay, weil es den Zwängen des Ernährungsalltages geschuldet ist. Doch ein- oder zweimal die Woche will man es sich und seinen Lieben auch mal etwas schöner machen, die Kerzen anzünden, die Weingläser nachpolieren, die großen Platzteller samt Besteck und Servietten aufdecken. Und genau das ist der Moment für den Ring des Lebens.

Er hat einen Durchmesser von sechs bis zehn Zentimetern, ist zwischen drei und sechs Zentimeter hoch, rund, quadratisch oder multigonal und besteht im besten Fall aus Edelstahl. Wer schon immer wissen wollte, warum die Vorspeise im Sternelokal 18 Euro kostet, obwohl nur Waren im Gegenwert von Viereurozweiundfünfzig auf den Tisch kommen, muss jetzt nicht mehr lange rätseln: Auch die Deko macht's, das Drapieren der Rezeptkomponenten auf dem meist recht großen Teller. Und wenn dann noch das Runde ins Eckige passt ist oder das Eckige ins Runde, dann ist bestimmt ein Servierring zum Einsatz gekommen.

Gerade in Zeiten, in denen sich viele dreimal überlegen, ob sie den schrumpfenden Genuss-Etat in die Gastronomie tragen sollen, schwingt sich auch der Hobbykoch gern zum Herrn der Ringe auf. Wer unsicher ist, ob er seine Kröten in Profi-Spielzeug investieren soll, dem hilft nun das Büchlein "Stilvoll anrichten" - mit zwei Doppelpacks Servierringen (sechs und neun Zentimeter Durchmesser, etwas blechig-scharfkantig). Als Dreingabe für nicht einmal 17 Euro sind sie ein faires Angebot für alle, die zum ersten Mal in den Ring steigen wollen.

Autor Kay-Henner Menge ist Food-Profi und bewährter Kochautor, verdient seine Miete aber in der Versuchsküche der Zeitschrift "essen & trinken". Deren Rezepte sind nicht immer state of the art, aber sie vermeiden weitgehend industrielle Vorprodukte. Und: Sie sind im leicht gehobenen Privatküchenstandard nachkochbar.

Eine Grundqualität, die sich auch durch die 31 Rezepte in "Stilvoll anrichten" zieht. Menge zeigt anschaulich und mit zumeist im gut sortierten Supermarkt erhältlichen Zutaten die Einsatzmöglichkeiten der Servierringe bei Vorspeisen, Hauptgerichten und Desserts. Dabei kommen die Ringe in allen wichtigen Disziplinen zum Einsatz: als Ausstecher ("Geschichtete Ingwercreme mit kandierten Kumquats"), Aufschichthilfe ("Dreierlei Tatar"), Zusammenhalt bröseliger Komponenten ("Avocadocreme auf Knusperboden"), Formgeber für ansonsten lieblos auf den Teller geklatschte Gemüse oder Pürees ("Lammrücken mit Ratatouille"; "Rotweinrisotto mit Kalbsleber") bis hin zur kniffeligen Spalierbildung - hier Anfänger-gerecht demonstriert bei Entenbrust mit einer Kartoffel-Grünspargel-Chartreuse.

"Stilvoll anrichten" ist titelgemäß durchfotografiert und kommt ohne Begleit-Chichi aus. Ein kurzes Vorwort gibt Zusatztipps: die Teller immer vorheizen, denn das Anrichten mit den Ringen braucht seine Zeit, in der Speisen schnell abkühlen können; immer gleich auf dem Servierteller dekorieren, denn beim Umsetzen der Ringe kann die Speise zerstört werden (okay, das Problem lösen Fortgeschrittene mit einer leicht geölten Palette). Wichtig auch der Hinweis, nur wenig Sauce und nicht alles Gemüse/Fleisch auf die Teller zu laden, sondern lieber mit luftig ausdekorierten Kleinkunstwerken die Mitesser beeindrucken - und die zusätzlichen Sattmacher in Schüsseln und Saucieren separat zum Nachnehmen auf den Tisch stellen.

Aber jetzt husch husch in die Küche und mit dem nicht ganz unkomplizierten Caprese-Dekonstruktions-Rezept ringen. Sonst bekommen Sie vom vielen Lesen noch Ringe unter den Augen.


Buch: Kay-Henner Menge: "Stilvoll anrichten". Südwest-Verlag, München 2009, 64 Seiten, 31 Rezepte 16,95 Euro (im Set mit 4 Servierringen); ISBN: 978-3517084855

insgesamt 2 Beiträge
blubbiberlin 21.06.2009
1. ich gähne...
... wir sind mittlerweile in der Mitte von 2009 angekommen... Deswegen verursacht dieser Artikel bei mir nur Langeweile. Hätte der Spiegel vor fünf Jahren darüber berichtet, in Ordnung. Heute? Gibt es ganz andere [...]
... wir sind mittlerweile in der Mitte von 2009 angekommen... Deswegen verursacht dieser Artikel bei mir nur Langeweile. Hätte der Spiegel vor fünf Jahren darüber berichtet, in Ordnung. Heute? Gibt es ganz andere kulinarische Möglichkeiten, von denen der Autor anscheinend noch nichts weiß - und das ist gut so, dann kann die Avant-Garde es noch genießen ohne Touris.
taupe 22.06.2009
2. industrielle Vorprodukte
Zitat "Autor Kay-Henner Menge ist Food-Profi und bewährter Kochautor, verdient seine Miete aber in der Versuchsküche der Zeitschrift "essen & trinken". Deren Rezepte sind nicht immer state of the art, aber sie [...]
Zitat "Autor Kay-Henner Menge ist Food-Profi und bewährter Kochautor, verdient seine Miete aber in der Versuchsküche der Zeitschrift "essen & trinken". Deren Rezepte sind nicht immer state of the art, aber sie vermeiden weitgehend industrielle Vorprodukte. Und: Sie sind im leicht gehobenen Privatküchenstandard nachkochbar. " Ich kann dem Autor Peter Wagner nicht ganz folgen...einerseits plädiert er für Produkte, die nicht industriell vorbehandelt sind, andererseits scheint die Verwendung solcher Produkte in seinen Rezepte ihm keine Probleme zu bereiten. In seinem Rezept für Caprese verwendet er im Basilikumespuma 23 g ProEspuma Fred "nova kuirejo" von Sosa. Hier die Bestandteile: dehydriete Glukose, Dextrose, hydrogenierte pflanzliche Fette, Emulgatoren: E401, E471, E472a, Stabilisatoren: E412, E407, E340, Milchproteine Na, wenn das nicht aus dem Chemielabor der Firma Sosa kommt-:) Ich verzichte lieber auf "Espuma" (was auch schon vor ein paar Jahren trendy war und meiner Meinung nach ausgereizt ist), sondern eine Sauce, deren Bestandteile natürlicher Natur ist. (Aufschäumen kann ich mit dem Rührstab-:)
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