Kultur

WDR-Intendant

Buhrow distanziert sich vom "Framing Manual" der ARD

Sprachgebrauch zu untersuchen, hält Tom Buhrow für richtig. Doch der WDR-Intendant will sich die Formulierungen aus dem umstrittenen Framing-Handbuch für die ARD keinesfalls vorschreiben lassen.

DPA

Tom Buhrow

Sonntag, 24.02.2019   19:29 Uhr

WDR-Intendant Tom Buhrow sieht beim sogenannten "Framing Manual" der ARD manches kritisch. "Es ist normal und richtig, sprachliche Gesetzmäßigkeiten wie 'Framing' zu untersuchen", sagte Buhrow dem "Handelsblatt". Sonst sei man denen ausgeliefert, gerade in einer Zeit, in der verschiedene Gruppen die Medien mit Schimpfworten bombardieren. Dann komme aber der Punkt, an dem Schlussfolgerungen gezogen würden, so Buhrow: "Und da sage ich: Wenn nur noch bestimmte Worte benutzt werden sollen, mache ich nicht mehr mit."

Die Sprach- und Kognitionswissenschaftlerin Elisabeth Wehling hatte 2017 in dem 89 Seiten umfassenden Papier zum Thema "Unser gemeinsamer, freier Rundfunk ARD" zum Beispiel empfohlen, die ARD solle nicht nur Fakten nennen, sondern immer in Form von moralischen Argumenten kommunizieren, wenn sie möglichst viele Menschen dazu bringen wolle, sich hinter die Idee des öffentlich-rechtlichen Rundfunks zu stellen. Wehling rät darin auch, bestimmte Formulierungen (wie etwa "Angebot") aus dem Sprachgebrauch der ARD zu streichen. Die promovierte Linguistin gilt als Framing-Expertin. Darunter verstehen Kommunikationswissenschaftler, dass bestimmte Fragestellungen oder Formulierungen den Rahmen dafür setzen, wie über ein Thema gesprochen wird.

Privatsender gaben "Tritt in den Allerwertesten"

Kritiker warfen der ARD nach Bekanntwerden des Framing-Papiers vor, sie versuche die Diskussion über den öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu manipulieren und gebe Mitarbeitern Sprachregelungen vor. Die Kosten für das "Framing Manual" und die damit verbundenen Workshops lagen der ARD zufolge bei 120.000 Euro. Die Plattform Netzpolitik.org hatte das "Framing Manual" vor rund einer Woche ins Internet gestellt.

"Es handelt sich in dem Papier um Schlussfolgerungen einer Wissenschaftlerin. Ich kenne keinen in der ARD, der diese Begriffe zwanghaft benutzt. Ich schon gar nicht", sagte Tom Buhrow dem "Handelsblatt". "Ich werde natürlich in einen dieser Workshops gehen - mir aber mit Sicherheit nie vorschreiben lassen, was ich zu sagen habe."

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In Wehlings "Framing Manual" werden als alternative Bezeichnungen für Privatsender "profitorientierte/maximierende Sender" und "medienkapitalistische Heuschrecken" genannt. "Von mir werden Sie keine schlechten Beleumundungen der kommerziellen Sender hören", sagte Buhrow dazu. Seine Überzeugung sei: "Wir haben uns gegenseitig besser gemacht."

"Das Aufkommen des Privatrundfunks war ein Tritt in den Allerwertesten für die Öffentlich-Rechtlichen. Ich habe damals mit 34 Jahren die Chance bekommen, ins Ausland zu gehen, weil der Markt dynamischer geworden war", so der WDR-Intendant. "Unsere Qualität macht umgekehrt auch die Privaten besser. Und die deutsche Öffentlichkeit will nun einmal ein bestimmtes Niveau nicht unterschreiten." Der WDR und sein Senderchef Buhrow werden zu Beginn des Jahres 2020 turnusgemäß den ARD-Vorsitz übernehmen.

feb/dpa

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