Kultur

Stripper-Film "Magic Mike XXL"

Für jede was dabei

Jung, alt, schwarz, weiß, homo, hetero: In "Magic Mike XXL" haben die Stripper für alle ein aufmunterndes Wort und einen aufreizenden Hüftschwung parat. Eine grandiose Nummernrevue, die durch tolle Auftritte, aber auch klugen Witz besticht.

Von
Donnerstag, 23.07.2015   20:02 Uhr

Kurz vor ihrem allerletzten Auftritt auf der Stripper-Convention von Myrtle Beach finden sich die Tänzer um Magic Mike zu einem Kreis zusammen. Die Hände sind schon in die Mitte gestreckt, um sie sogleich gemeinsam jubelnd in die Höhe zu reißen, da raunzt sie ihr MC an: "It's not bro-time, it's showtime!" Dabei ist doch das Tolle an den "Magic Mike"-Filmen, dass sich showtime und bro-time bei ihnen eben nicht ausschließen, dass fürs Rumkumpeln genauso viel Platz ist wie fürs Klamotten runterreißen.

Im ersten Teil von 2012, noch unter der Regie von Steven Soderbergh und mit Matthew McConaughey an Bord, lag der Fokus noch stärker auf der sanften Sozialkritik. Auf der Höhe seines Ruhms als Stripper wollte Mike (Channing Tatum, der mit dem Film seine eigene Vergangenheit als "male entertainer" aufarbeitete) aufhören, auf Schreiner umsatteln, eine Familie gründen. Doch Banken, falsche Showbiz-Freunde und Frauen, die sich für ihn nur nachts und nackt interessierten, wollten diesen Sinneswandel nicht mitmachen. Erst ausziehen, dann aufsteigen - das war in der neo-feudalen Unterhaltungsindustrie die eine wirklich obszöne Begierde.

Warner Bros.

Den Trip nach Myrtle Beach nutzen Mike (Channing Tatum) und Ken (Matt Bomer) für lange Gespräche darüber, was sie von ihrem Leben wollen

Die Fortsetzung "Magic Mike XXL", bei der Soderberghs Assistent Gregory Jacobs die Regie übernommen hat, setzt drei Jahre nach dem ersten Teil ein. Mike scheint seinen Traum von damals nun zu leben: Er wohnt in einem schönen, selbstgestalteten Haus, die Werkstatt für die eigenen Möbel ist gleich angeschlossen. Doch seinem einzigen Angestellten kann Mike die Krankenversicherung nicht bezahlen, und von der Frau, die er heiraten wollte, ist nur ein Post-it im Eisfach übrig geblieben. Als ihn die Stripper-Truppe von damals (u.a. mit Matt Bomer, Joe Manganiello und Kevin Nash) unter einem Vorwand zu einer Poolparty lockt, erscheinen ihm die Exzesse von einst noch fremd.

Später am Abend, als er zu Hause wieder in der Werkstatt steht, stellen sich die Dinge schon anders da. Dann erklingen aus dem Radio die ersten Takte von Ginuwines "Pony", dem Song, zu dem Mike einst strippte. Ein Lächeln huscht über sein Gesicht, er dreht ein paar Pirouetten, setzt ein Rohr in Hüfthöhe auf, ahmt das Bespringen seiner Werkbank nach - und sowohl Mike als auch dem Kinopublikum ist klar: Dieser Mann muss mit auf die Abschiedstour der alten Stripper-Kollegen.

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Auf ihrer Reise machen die Stripper Stopp in einer Drag-Queen-Show und lassen es sich nicht nehmen, auch kurz zu tanzen

Was dann folgt, lässt sich schwerlich als Handlung qualifizieren. Vielmehr reiht sich auf der Reise von Tampa, Florida, nach Myrtle Beach, South Carolina, Begegnung an Begegnung - sowohl mit verflossenen Lieben und neuen Flirts als auch mit Kollegen, von denen sich die Jungs noch ein paar Moves abschauen können. Doch wie bei jeder Nummernrevue ist nicht entscheidend, wie überzeugend die Rahmenhandlung ist, sondern wie gut die einzelnen Nummern sind. Und die sind bei "Magic Mike XXL" wirklich top.

Strip für die Tankstellen-Kassiererin

Channing Tatum ist ein grandioser Tänzer, dem zu Recht die meisten und längsten Auftritte zufallen. Er verbindet Kraft, Akrobatik und Geschmeidigkeit, auf dass man nur staunen kann. Gleichzeitig ist er nicht mehr das emotionale Zentrum des Films, sondern lässt seinen Kollegen, allen voran Joe Manganiello ("True Blood") den Vortritt, um als Tänzer und Schauspieler zu brillieren. Manganiello gehört denn auch eine wunderbare Szene, in der er eine trübsinnige Tankstellen-Kassiererin aufzuheitern versucht. Er entledigt sich seines T-Shirts, räkelt sich an einem Kühlschrank, gießt sich lasziv Wasser über den Kopf - doch die einzige Reaktion, die er erhält, ist der Jubel seiner Kollegen, die von draußen seinen Auftritt verfolgen.

In dieser Szene zeigt sich der kluge Witz der "Magic Mike"-Filme besonders gut: Die Klischees männlicher Hetero-Erotik werden in ihrer Überhöhung offengelegt. Gleichzeitig wird aber weder Performer noch Publikum der Spaß an eben deren Inszenierung genommen. So entsteht ein Raum für aufgeklärte Freude darüber, was man so alles nur mit einem goldenen Lamé-Slip bekleidet anstellen kann.

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Spiel mit den Klischees: Auf der Stripper-Convention inszeniert Richie (Joe Manganiello) für eine Zuschauerin eine Hochzeit

Noch schöner ist, dass die "Magic Mike"-Macher den Raum so groß aufziehen, dass er wahrhaftig vielfältig ist - innerhalb wie außerhalb der Filmerzählung. Mit Donald Glover und Jada Pinkett Smith sind zwei Schwarze in schön saftigen Rollen zu sehen. Der homosexuelle Matt Bomer spielt einen Hetero-Herzensbrecher, die bisexuelle Amber Heard spielt eine Bisexuelle, die gerade nicht auf Männer steht ("Not in my boy phase right now, sorry"). Und die Jungs um den magischen Mike lassen es sich eh nicht nehmen, im Drag-Queen-Club genauso ausgelassen zu feiern wie im Haus einer vornehmen Ü-50-Dame.

Am Ende, als die Stripper-Truppe nur noch in Unterhose auf der Bühne in Myrtle Beach steht, bricht der herbeigesehnte "Dollar-Tsunami" über sie herein. Als Publikum ist man dagegen mitgerissen von der Großherzigkeit, mit der "Magic Mike XXL" Spaß und Begehren verbindet.

Sehen Sie hier den Trailer zu "Magic Mike XXL":

Magic Mike XXL

USA 2015

Regie: Gregory Jacobs

Drehbuch: Reid Carolin

Darsteller: Channing Tatum, Matt Bomer, Joe Manganiello, Amber Heard, Donald Glover, Jada Pinkett Smith

Produktion: Warner Bros., Iron Horse Entertainment

Verleih: Warner Bros.

Länge: 115 Minuten

Start: 23. Juli 2015

FSK: ab 12 Jahren

insgesamt 7 Beiträge
alban 23.07.2015
1. Also Bitte
Liebe Frau Hannah Pilarczyk, ich muss gestehen dass ich erst einmal Ihren Nachnamen kopieren musst um sicher zu sein diesen nicht falsch zu schreiben. Aber um auf Magic Mike zurück zu kommen. Ich habe den Film noch nicht gesehen [...]
Liebe Frau Hannah Pilarczyk, ich muss gestehen dass ich erst einmal Ihren Nachnamen kopieren musst um sicher zu sein diesen nicht falsch zu schreiben. Aber um auf Magic Mike zurück zu kommen. Ich habe den Film noch nicht gesehen aber den ersten Teil. Also wenn Channing Tatum sich tänzerisch nicht stark verbessert hat, ist Ihre Aussage schwach und Sie haben in Ihrem ganzen Leben noch keinen guten Tänzer gesehen. Dass Ihnen der Waschbrettbauch und die Bizeps gefallen dass mag ich glauben, schliesslich sind Sie eine Frau und er körperlich gesehen ein Adonis. Aber um ein guter Tänzer zu sein müssen Sie ein paar Jahre Ballett-, Modern-und vielleicht auch Jatzunterricht genommen haben und dass nicht bei Ihrem Nachbarn um die Ecke (Es sei denn er heisst Mikhail Barishnykov). ERST dann können sie sich einen guten Tänzer nennen. Ich glaube nicht das Tatum dass getan hat, auch wenn er in einem Musikvideo seinen ersten grossen Auftritt hatte. Um tänzerisch einigermassen gut auszusehen braucht man nicht viele Schritte kennen, schauen Sie sich die Musikvideos von Madonna etc. an. Also was lernen wir, wenn Sie Gute Tänzer sehen wollen gehen sie ins Theater und nicht in den Stripp Club.
kanadasirup 23.07.2015
2. Option
"Eine grandiose Nummernrevue, die durch tolle Auftritte, aber auch klugen Witz besticht." Ach ja? Hier meine Meinung: Eine sexistische platte Nummernshow voller steroid-aufgeblähter Pseudo-Models. Man stelle sich [...]
"Eine grandiose Nummernrevue, die durch tolle Auftritte, aber auch klugen Witz besticht." Ach ja? Hier meine Meinung: Eine sexistische platte Nummernshow voller steroid-aufgeblähter Pseudo-Models. Man stelle sich den Film mit Frauen als Hauptdarstellerinnen vor - würde das wohl akzeptiert werden?
bernd.stromberg 24.07.2015
3.
Um meinem Posting eine Information vorwegzunehmen: ich bin Amateurkraftsportler und, auch wenn das insgesamt etwas anderes ist, durchaus auch Bodybuilding interessiert. Das Bild das dieser Film vermittelt ist sexistisch und [...]
Um meinem Posting eine Information vorwegzunehmen: ich bin Amateurkraftsportler und, auch wenn das insgesamt etwas anderes ist, durchaus auch Bodybuilding interessiert. Das Bild das dieser Film vermittelt ist sexistisch und ungesund. Wenn ein Film abgemagerte Models auf dem Laufsteg zeigen würde wäre der Aufschrei riesig. Hier wird aber ein Idealbild von Männern vermittelt, das noch schwerer zu erreichen ist. Jeder der sich auf dem Gebiet des Bodybuilding auskennt wird bestätigen: es braucht neben unfassbarer Disziplin bei der Nahrungsaufnahme auch endlos viel Trainingseinheiten UND zu guter letzt auch eine gute Genetik um solche "Sixpacks" herausarbeiten zu können. Das messen mit zweierlei Maß finde ich so grausam. Wenn eine Frau sich mit einem strengen Diätplan auf Modelmaße bringt (was die meisten Männer ohnehin unattraktiv und zu dünn finden) dann ist def Aufschrei riesig von wegen falsche Rollenbilder und der Mann sei schuld daran. Wenn Männer das selbe tun und dazu auch noch 3h täglich Training machen müssen um gestählte, perfekt definierte Körper mit reichlich Muskelmasse bei gleichzeitig wenig Prozent Körperfett zu erreichen dann ist das plötzlich ganz super, nahezu 100%er aller Frauen finden es total super und keinen störts...
horstlarkin 24.07.2015
4. immer das alte
nichts neues
nichts neues
fiftysomething 24.07.2015
5. Man denkt ja manchmal,
die Amis.....die haben doch nichts Böses im Sinn. Halllooo!!! Diese Filme werden gemacht, um Geld zu verdienen. Diese Stripper -Kultur konnte auch nur entstehen, weil die amerikanische Kultur an der Oberfläche so hochmoralisch [...]
die Amis.....die haben doch nichts Böses im Sinn. Halllooo!!! Diese Filme werden gemacht, um Geld zu verdienen. Diese Stripper -Kultur konnte auch nur entstehen, weil die amerikanische Kultur an der Oberfläche so hochmoralisch daherkommt, die Triebe dann in irgendwelchen dunklen Kaschemmen sublimiert.... Und das Frauen mit diesen aufgepimpten, steroidgefüllten Körpern ihr langweiliges Sexleben aufpeppen...wenn es einen Markt dafür gibt... Natürlich wird der bedient. Das unrealistische Modelmaße uns von morgens bis nachts unsere Fehlbarkeit und Fettleibigkeit vor Augen führen....die Industrie hat sicher null Interesse, uns vom Konsumieren abzuhalten. Nach diesem Film rennen wieder alle in die Fitnesscenter, weil sie den Schmarrn glauben, dass Frauen wirklich 24/7 so einen Körper neben sich haben wollen. Vor allem, wenn sie selbst übergewichtig sind.... Dann lieber in so nen Film rennen und sich ne Ladung Nachos reinhauen....
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