Kultur

Abgehört - neue Musik

Der Roland Kaiser des Hipstertums

Einer muss den Job ja machen: Alex Cameron singt von Typen mit losen Mundwerken. Chelsea Wolfe und Jenny Hval erforschen die Härten der Weiblichkeit, Kindness findet kein Gefühl im Genderkrieg.

Von und
Dienstag, 17.09.2019   17:40 Uhr

Alex Cameron - Miami Memory
(Secretly Canadian / Cargo, seit 13. September)

Alex Cameron macht Karriere mit Liedern über Männer, denen die Welt gehört. Der Songwriter und Unterhaltungsmusiker aus Sydney singt von Typen mit losen Mundwerken und Händen, er eignet sich ihren Slang, ihren Gestus und ihre Geschichten an, springt hinter ihnen auf den Sattel und fährt das Motorrad mit vereinter Manneskraft vor die Wand. Niemand spielt den sleaze bag gerade besser als Cameron - was natürlich auch daran liegt, dass es kaum noch Musiker gibt, die Bock auf diese Rolle haben. Denn es ist ein Scheißjob, den sich der 29-Jährige da aufgehalst hat. Irgendwann wird den Männern, über die Alex Cameron singt, die Welt nämlich nicht mehr gehören. Und dann wird es für ihn auch nichts mehr zu singen geben.

Bis dahin bleibt uns "Miami Memory", das dritte Album von Cameron, mit dem sich der Künstler einmal mehr als König aller Vereinsheimfeten und Matratzenhauseröffnungen bewährt. Gleich der erste Griff in die Tasten ist ein Schlag in die Fresse: Wie kann ein Keyboard nur so stumpf und billig klingen? Wie kann man seinem Publikum schon den ersten Melodieversuch so grobmotorisch reinwürgen? Was soll eigentlich das pseudovirtuose Klaviergeklimper im Hintergrund des Songs? Und wieso bemerkt man das erst, wenn man längst süchtig ist nach "Stepdad", der Liebeserklärung von Cameron an die Kinder der Schauspielerin Jemima Kirke, seine aktuelle, unsterbliche Liebe?

Im Windschatten dieses Auftakts lässt sich "Miami Memory" mit großem Vergnügen über alle Grenzen von Scham und Geschmack hinaustragen. Cameron singt, als sei ihm das ganze Öl aus seinen Haaren in den Mund geflossen. Er fingert unfassbar umständlich an einer Gitarre herum, die auf Höhe seines Rollkragens hängen muss, er belegt seine Tasteninstrumente mit konsequent ranzigen Soundeffekten und schlittert schließlich - mit den Eiern zuerst natürlich - in eine Ode an die Legalisierung der Sexarbeit. "Far from born again", weiß er über seine Protagonistin zu berichten. Denn: "She's doing porn again."

Cameron ist ein Freund des idiotensicheren Reimpärchens, aber auch diese Neigung kann seinen völkerverbindenden Refrains und Melodien nichts anhaben. "Bad For The Boys" heißt sein bisher bestes Stück, es erklingt zur Mitte von "Miami Memory" und verschaukelt den Schunkel-Dylan aus deep cuts wie "If I Ever Go To Houston" mit einer kleinen Kulturgeschichte der toxischen Männlichkeit. Hier liegen sie am Boden, all die Mikes und Phils und Coreys, und Cameron steht über ihnen, höhnisch schnaubend und vielleicht auch etwas selbstgerecht. Darf der das? Kümmert's ihn? Man möchte den Typen zum Roland Kaiser des Hipstertums erklären. Aber die Hipster rennen ja längst zum echten Kaiser aufs Konzert. (8.0) Daniel Gerhardt

Preisabfragezeitpunkt:
17.09.2019, 13:43 Uhr
Ohne Gewähr

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Alex Cameron
Miami Memory

Label:
Secretly Canadian / Cargo
Preis:
EUR 10,65

Jenny Hval - "The Practice Of Love"
(Sacred Bones/Cargo, seit 13. September)

Achtung, Achtsamkeitsübung! "Sieh dir diese Bäume an, dieses Gras, diese Wolken, sieh sie dir jetzt an", suggeriert eine mit viel Hall ausgestattete Stimme auf Englisch zu Beginn von "Lions". Wo Gott ist? Ist der Natur doch gleichgültig! Aber findet man in der Betrachtung der Natur vielleicht zu einer Verortung der eigenen kosmischen Stellung? "I am, all over the place/ I am, out of place/ I am, elsewhere", sagt die Stimme, dazu rattert und flötet längst ein lullender Trance-Beat aus den Neunzigern (man denke: The Orb), der einen zum nächsten Track herüberschweben lässt, durchs Rabbit Hole zu "High Alice", die durch "centuries of art" gleitet. Und futsch ist der feste Boden den Gewissheiten.

Die norwegische Musikerin und Schriftstellerin Jenny Hval gehört schon seit Jahren zu den interessantesten und wagemutigsten Vertreterinnen der Avantgarde-Elektronik, zuletzt erforschte sie ihr Lieblingsthema, die (Un-)Fähigkeit der Menschen, körperlich und emotional zu kommunizieren, in der Rolle eines Vampirs. Ihr fünftes Album führt diese Erkundung auf bisher zugänglichste Art weiter. Hört man nicht genau hin, wirkt "The Practice Of Love" tatsächlich wie ein Yoga-Soundtrack oder Meditationsmusik - und funktioniert auch so.

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In Wirklichkeit aber sind die schmiegsamen, manchmal auch kitschigen Trance-Sounds mit Saxophon, Gebimmel und Glöckchen nur eine gefällige Fassade. Ein mitreißender, euphoriserender Flow, in dem Hval philosophische, verzweifelte Konversationen über Begriffe wie Liebe, Konformität und Identität führt - und letztlich auch über die Schöpfung nachdenkt, über den Umweg ihrer eigenen Kunst. "Ashes To Ashes", der bisher klassischste Popsong in Hvals Werk, lotet aus, wie aus Sprache, Metaphern und Bewusstseinsverknüpfungen Poesie erzeugen.

Tatsächlich sind die meisten Tracks Gespräche, die sie zusammen mit den Künstlerinnen Vivian Wang, Laura Jean Englert und Félicia Atkinson verhandelt.

Andreas Borcholtes Playlist KW 38

SPIEGEL ONLINE

Playlist auf Spotify

 1. Lucy Dacus: Dancing In The Dark

 2. Sofia Portanet: Planet Mars

 3. Shari Vari: Dance Alone

 4. Jenny Hval: High Alice

 5. Perfume Genius: Eye In The Wall

 6. Tove Lo feat. Kylie Minogue: Really Don’t Like U

 7. Ariana Grande, Miley Cyrus, Lana Del Rey: Don't Call Me Angel

 8. Halsey: Graveyard

 9. The Who: Ball And Chain

10. Chelsea Wolfe: American Darkness

Es geht um die Akzeptanz der eigenen Normalität und wie man aus dieser Erkenntnis heraus dennoch Besonderes schaffen kann: "I have to accept that I'm part of this human ecosystem, but I'm not the princess and I'm not the main character", sagt sie im ätherischen Spoken-Word-Titelstück.

"Thumbsucker" reflektiert die Adoleszenz als letzte Zeit, in der man sich für anders hielt, herausragend und speziell. Der Körper wird mit den Händen erforscht wie ein Gärtner, der in der Scholle gräbt, im Intimbereich ebenso wie im Mechanischen, wenn der Daumen, der thumb, versucht, seine Passform im Mund zu finden. Doch mit dem Erwachsenenalter, der Erfahrung, kommt auch die Erkenntnis, dass man eben qua Biologie und Geburt doch nur ein "Accident" ist, wie ein Song heißt.

"Ordinary" ist dann auch der Titel des zunächst flüsternden, dann auf einem Beat beherzter nach Akzeptanz tastenden Schlussstücks. Ein safe space für alle, die vom selbstvermarktenden Sichtbarkeitsheischen auf Twitter und Instagram gestresst sind. (8.2) Andreas Borcholte

Preisabfragezeitpunkt:
17.09.2019, 13:45 Uhr
Ohne Gewähr

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Jenny Hval
The Practice of Love

Label:
Sacred Bones / Cargo
Preis:
EUR 11,17

Kindness - "Something Like A War"
(Female Energy/Cargo, seit 6. September)

Robyn will alle Tränen dieser Welt weinen. Das ist ihr großes Versprechen an die Tanzfläche, ihr ewiges Mission Statement, das der schwedische Popstar nun auch in offizieller Songform zu Protokoll gegeben hat. "Cry Everything" heißt ein Stück auf "Something Like A War", dem dritten Album des Londoner Produzenten Kindness. Robyn singt es gemeinsam mit ihrem langjährigen Freund und Kreativpartner: Chöre umgarnen die beiden, der Bass verbiegt sich elastisch, Synthies imitieren Streicher, alle geben wirklich alles. Aber es fließt einfach nichts.

Ausgerechnet jetzt bleibt Robyns Tanzfläche trocken, zum ersten Mal ist ihr Hoffen, Bangen und Sehnen nicht die Antwort. Es kann kein Zufall sein, dass dies auf einem Album von Kindness passiert.

Abgehört im Radio

Mittwochs um 23 Uhr gibt es beim Hamburger Web-Radio ByteFM ein Abgehört-Mixtape mit vielen Songs aus den besprochenen Platten und Highlights aus der persönlichen Playlist von Andreas Borcholte.

Alan Bainbridge hat weltbewegende Songs mit Solange Knowles und Kelela, Blood Orange und natürlich auch Robyn geschrieben. Auf sein erstes eigenes Album, das diesen selbst gesetzten Maßstäben gerecht wird, wartet die Welt noch immer. "Something Like A War" folgt dem inzwischen gewohnten, demonstrativ weit gefassten Pop-Begriff, der die erwähnten Künstlerinnen und Künstler eint: Auch auf einem Kindness-Album ist alles denkbar, was in figurbetonte Kleidung passt und nicht nach chauvinistischer Rock- oder Rap-Geschichte riecht. Was die butterweichen Bässe und Bläser, die geschliffene Musikalität aller Mitspieler und Bainbridges artigen Gesang zusammenhält, ist ihre fast schon geschmacklose Geschmackssicherheit.

Und natürlich ein Programm. Bainbridge plädiert für andere Formen des Zusammenlebens, er singt von Gleichheit und Grenzenlosigkeit in allen Gender, Race- und Class-Belangen. Die allumfassende Ernsthaftigkeit, mit der er diese Anliegen verfolgt, kennt man bereits von seinen früheren Alben, hinzu kommt als neues Feature eine immerhin gemäßigte Gewaltbereitschaft.

Softness As A Weapon" heißt ein verschachtelter Disco-Track auf "Something Like A War", und tatsächlich sind es die weichsten aller vorstellbaren Kissen, mit denen Bainbridge auf die alte Welt und ihre Ordnung eindrischt. Ein guter Mensch und Musiker. Warum bloß kriegt er nicht eine Träne aus uns heraus? (6.2) Daniel Gerhardt

Preisabfragezeitpunkt:
17.09.2019, 13:46 Uhr
Ohne Gewähr

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Kindness
Something Like a War

Label:
Female Energy / Cargo
Preis:
EUR 11,22

Chelsea Wolfe - "Birth Of Violence"
(Sargent House, ab 13. September)

Als sie anfing, ihren Song "American Darkness" zu schreiben, sagt Chelsea Wolfe, hatte sie eine alte Filmszene im Kopf, in der eine Witwe in ihrer Blockhütte sitzt, und irgendwann nicht mehr auf die Rückkehr ihres Liebsten wartet, sondern mit seinem Geist tanzt: "All my old ways have started kickin' in/ And my bad days are comin' round again/ Left here in American darkness", singt Wolfe dazu mit ihrer immer leicht schwindsüchtigen, heliumschwangeren Sopranstimme, die Musik dazu ein trunkener, durch dickes Glas gefilterter Walzer.

Wolfe bleibt auf ihrem sechsten Album bei dieser einsamen Frau, deren Schicksal durch die Jahrzehnte transzendiert, von der Pionierzeit über den Bürgerkrieg, Welt- und Vietnamkrieg bis in die Gegenwart. In fiebrigen, von Schwirren und Sausen begleiteten Folksongs erzählt sie, wie sich aus der Einsamkeit und Isolation allmählich eine Kämpferin formt, zerrissen zwischen Göttin und Kriegerin und dem Anspruch, alles und nichts zugleich zu sein, wie es "Be All Things" heißt.

Nach Ausflügen in den (sehr guten) Noise- und (recht schlimmen) Pathosrock auf ihren beiden letzten Alben "Abyss" und "Hiss Spun" kehrt Wolfe damit zurück zu ihren Gothic-Folk-Anfängen ihres Debüts "The Grime And The Glow". Die Songs seien in einem Rausch der Erschöpfung nach ihrer letzten Tournee entstanden, in einem schnell zusammengebastelten Studio in ihrem Haus im Norden Kaliforniens, produziert und atmosphärisch abgemischt von ihrem langjährigen Partner Ben Chisholm.

Entstanden sind brüchige Lieder, die nach Staub und schwarzer Krume riechen, die nur scheinbar schwächelnd nach primaler Triebhaftigkeit tasten, dann aber vehement tiefer graben, wie im sich verdichtenden "Erde" (Wolfe ist norwegisch-deutscher Abstammung). Gewalt, davon singen die Frauen in diesen getragenen, ausufernden Schlafwandlerinnen-Balladen, ist in die DNA der USA eingeschrieben, man findet sie entlang der "Mother Road" des Eröffnungsstücks, auf dem dunklen "Highway" der Verlorenheit.

Diese in Literatur, Kunst und Pop tradierte Motivik, die über Jahrhunderte hinweg männlich konnotiert war, deutet Chelsea Wolfe mit ihrer bisher zwingendsten Musik ins Feminine. Sie führt in ein "Dirt Universe" voller Raben und mystischer Natur - und moralischen Abgründen, in der auch frau "deranged for Rock'n'Roll" und pretty deadly sein kann. Für alle, denen Lana Del Reys "Norman Fucking Rockwell" zu fröhlich ist. (7.8) Andreas Borcholte

Preisabfragezeitpunkt:
17.09.2019, 13:48 Uhr
Ohne Gewähr

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Chelsea Wolfe
Birth of Violence

Label:
Sargent House / Cargo
Preis:
EUR 10,29

Wertung: Von "0" (absolutes Desaster) bis "10" (absoluter Klassiker)

insgesamt 13 Beiträge
ambulans 17.09.2019
1. ziemlich
eigenwillige auswahl diesmal; no 1 (alex cameron) wird schon recht unfair (musik für möbelhaus-eröffnungen, von/für männer, denen die welt bald nicht mehr gehört? - was für ein unsinn) angetextet, anhörbar ists jedenfalls; [...]
eigenwillige auswahl diesmal; no 1 (alex cameron) wird schon recht unfair (musik für möbelhaus-eröffnungen, von/für männer, denen die welt bald nicht mehr gehört? - was für ein unsinn) angetextet, anhörbar ists jedenfalls; no 2 (jenny hval) erinnert mich an eine laurie anderson, die auf nem whisky trail in den schottischen highlands irgendwie verloren gegangen ist; no 3 (kindness) - mit sibambaneni (schöner, verschachtelter synthie-bass) kann ich durchaus leben; no 4 (chelsea wolfe) - hier hat meister A.B recht: wem lana del rey zu "fröhlich" (A.B. ist schon ein scherzkeks) ist, der ist hier richtig aufgehoben. P.S.: wenn ich mal so drauf bin, gönne ich mir etwa 16 HP oder woven hand ... mfg, dr. ambulans (alle kassen)
Papazaca 17.09.2019
2. Es geht doch in erster Linie um Musik, oder?
Alex Cameron hat wirklich was zu sagen - das Interview im Stück ist ungewöhnlich und sehr gut. Nur musikalisch ist das alles nix. Sollte Alex eher Journalist werden? Kann er deutsch? Jenny Hval macht Sphären-Musik mit [...]
Alex Cameron hat wirklich was zu sagen - das Interview im Stück ist ungewöhnlich und sehr gut. Nur musikalisch ist das alles nix. Sollte Alex eher Journalist werden? Kann er deutsch? Jenny Hval macht Sphären-Musik mit softer Stimme, dezentem Rhythmus, unterlegt mit einem kryptischen Video. Musikalisch ist es nicht gerade spannend, vielleicht hat sie ja viel zu sagen ...... Kindness ist so belanglos, das ich hohen Respekt vor dem Kritiker habe. Es ist immer schön, "aus einem musikalischem Wenig" sprachliche Wunder zu texten. Respekt. Diese drei musikalischen Höhepunkte haben mich seelisch so mitgenommen, das ich jetzt lieber in meine Lieblingskneipe gehe, ein Weizen trinke und Fußball sehe. .....
.patou 17.09.2019
3.
Mit Alex Cameron hatte ich schon beim vorherigen Album Probleme, wo er so viele widerwärtige und erbärmliche Personen durchaus glaubhaft verkörpert, dass für mich die Linie zwischen ironischer Distanzierung und ungefiltertem [...]
Mit Alex Cameron hatte ich schon beim vorherigen Album Probleme, wo er so viele widerwärtige und erbärmliche Personen durchaus glaubhaft verkörpert, dass für mich die Linie zwischen ironischer Distanzierung und ungefiltertem Sprachrohr verwischt war. Wenn er auf dem aktuellen Werk das Gegenteil propagiert und sich zum Sprachrohr von Frauen macht, habe ich Probleme ihm das abzunehmen, auch wenn sein Album durch den biographischen Hintergrund der aktuellen Beziehung flankiert ist. Eine unangenehm voyeuristische Schlagseite bekommt die Geschichte für mich dann, wenn er Lieder über die Scheidungsdetails seiner prominenten Freundin und die Beziehung zu deren Kindern veröffentlicht. Musikalisch allerdings extrem eingängig. Ich überlege schon die ganze Zeit, woran mich die Songs erinnern. Wenn das schon vor zwei Wochen erschienene Album von Kindness, jetzt erst besprochen wird ... wie wäre es noch mit den neuen Werken von Devendra Banhart oder Gruff Rhys? Letzteres ist zwar durch den großteils walisischen Gesang etwas unzugänglicher, aber durchaus interessant.
freddykruger 17.09.2019
4. @ambulans, .patou, Papazaca
Na endlich alle wiedervereint. Mir gefällt kaum etwas hier mit Ausnahme von Chelsea Wolfe. Werd mir mal das komplette Album anhören. Mich interessiert aber ehr die neue Exhorder. Nach The Law von 1992 wird endlich das dritte [...]
Na endlich alle wiedervereint. Mir gefällt kaum etwas hier mit Ausnahme von Chelsea Wolfe. Werd mir mal das komplette Album anhören. Mich interessiert aber ehr die neue Exhorder. Nach The Law von 1992 wird endlich das dritte Album veröffentlicht.
Papazaca 18.09.2019
5. @.patou Wirklich Interessantes (Chelsea)! But not for me ..
Patou, was Du alles über über Alex Cameron weißt! Ich wußte gar nicht, das es ihn gibt. Die für mich musikalisch interessanteste Scheibe ist Chelsea Wolfe. Allerdings ist dieser Depri-Pathos-Rock nichts für mich. Zu [...]
Zitat von .patouMit Alex Cameron hatte ich schon beim vorherigen Album Probleme, wo er so viele widerwärtige und erbärmliche Personen durchaus glaubhaft verkörpert, dass für mich die Linie zwischen ironischer Distanzierung und ungefiltertem Sprachrohr verwischt war. Wenn er auf dem aktuellen Werk das Gegenteil propagiert und sich zum Sprachrohr von Frauen macht, habe ich Probleme ihm das abzunehmen, auch wenn sein Album durch den biographischen Hintergrund der aktuellen Beziehung flankiert ist. Eine unangenehm voyeuristische Schlagseite bekommt die Geschichte für mich dann, wenn er Lieder über die Scheidungsdetails seiner prominenten Freundin und die Beziehung zu deren Kindern veröffentlicht. Musikalisch allerdings extrem eingängig. Ich überlege schon die ganze Zeit, woran mich die Songs erinnern. Wenn das schon vor zwei Wochen erschienene Album von Kindness, jetzt erst besprochen wird ... wie wäre es noch mit den neuen Werken von Devendra Banhart oder Gruff Rhys? Letzteres ist zwar durch den großteils walisischen Gesang etwas unzugänglicher, aber durchaus interessant.
Patou, was Du alles über über Alex Cameron weißt! Ich wußte gar nicht, das es ihn gibt. Die für mich musikalisch interessanteste Scheibe ist Chelsea Wolfe. Allerdings ist dieser Depri-Pathos-Rock nichts für mich. Zu mindestens jetzt noch nicht. Ein afrikanischer Freund meinte mal, Musik ist nur Musik, wenn man drauf tanzen kann. Auf Chelseas "Stehgeiger-Blues" möchte ich nicht tanzen. In dem Video kam auch ein Priester vor, der fegte. Alles etwas morbide. Breitet sich in den USA zunehmend Hoffnungslosigkeit aus? Musik als Früh-Indikator für gesellschaftliche Befindlichkeiten? Ich höre gerade ein altes Schätzchen von UB 40, "Signing off". So lange "alte Schätzchen" aus den gefühlten 500 oder 1000 besten Platten des Rock/Pop besser sind, als die hier vorgestellten Scheiben sind, stellen sich die Fragen: War die Musik früher besser? Oder übersieht die Auswahl unserer SPON-Kritiker die wirklich guten Scheiben von heute? Fakt für mich ist: Ich freue mich fast immer über "Abgehört", aber es kommt für mich dabei relativ wenig rum. War die meiste Musik auch früher so belanglos? Wahrscheinlich liegt die Wahrheit dazwischen: Momentan scheinen wir nicht gerade in einer Blütezeit des Rocks zu leben. Aber ob die Auswahl des SPON der Vielfalt von Musik gerecht wird? Kaum mal Salsa, brasilianische Musik, afrikanische Musik, Blues, Jazz, Neue Musik, ja selbst klassische Musik: Fehlanzeige. Gut, zum Schluß könnten die Schuldigen die Leser bzw. Hörer des SPON sein: Eher ältere Herrschaften, für Neues nicht aufgeschlossen, hören immer nur ihre alten Roxy Musik Scheiben und schwärmen von damals. Ist das so? Wie gesagt, ich würde das Konzept von "Abgehört" überdenken, die Kampfzone erweitern, aus diesem zu engen Korsett ausbrechen. Und auch Reissues besprechen. Musik ist mehr als uns "Abgehört" momentan suggeriert. Die "Blutleere" ist offensichtlich. Liebe SPON-Redaktion, geht mal in Euch! Erinnert mich alles an Hausmänner- oder Hausfrauen-Sex, immer die große Bärennummer am Dienstag-Abend. Ihr seid besser, ganz sicher!!!
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