Kultur

Abgehört - neue Musik

Hardcore-Verletzlichkeit

Die US-Trompeterin Jaimie Branch ist die neue Punk-Priesterin des Jazz. Außerdem: Big Thief entführen zum Kuscheln in die Ur-Höhle, Carla dal Forno flötet auf Berlin, Sufjan Stevens kann auch Ballett.

Von , und
Dienstag, 15.10.2019   18:02 Uhr

Big Thief - "Two Hands"
(4AD/Beggars/Indigo, seit 11. Oktober)

Die ungebrochene Verehrung, die dieser Band aus Brooklyn vor allem von US-amerikanischen Popkritikern entgegengebracht wird, ist unheimlich. Man findet so gut wie keine Kritik an den bisher vier Alben von Big Thief; deren Sängerin und Songwriterin Adrianne Lenker wird als fragile Muse des Indie-Rocks angebetet. Sie sieht aus wie ein Goth-Girl, trägt zerrissene T-Shirts und rasiert sich auch schon mal den Kopf kahl, gleichzeitig trägt sie ihre Lieder von Selbstsuche und Naturmystik aber so kindlich süß vor, dass man das Gesamtbild wahrscheinlich am besten auf den Begriff Hardcore-Verletzlichkeit bringt.

Nachdem im Frühjahr ihr "Wir sitzen auf der grünen Wiese und warten auf die Aliens"-Album "U.F.O.F." bei Trend-Magazinen wie Pitchfork und Stereogum bereits für Ohnmachtsanfälle und Verzückung gesorgt hatte, legen Big Thief nun mit "Two Hands" noch mehr Gehauchtes und Gezupftes nach - und wieder wird nahezu einhellig geschmachtet. Man fragt sich so langsam, was hier eigentlich der Big Deal ist.

Denn auf den ersten Blick scheint auch "Two Hands" nichts weiter als ein (jetzt wieder vernehmlicher) mit Grunge-Artifakten verkratztes Update jener aufreizend entschleunigten Folk-Verinnerlichungen zu sein, die beispielsweise die Cowboy Junkies oder Mazzy Star vor bald 30 Jahren perfektioniert haben. Aber Pop verdaut sich ja, ebenso wie angeblich die Historie per se, kontinuierlich selbst, so dass die feierliche Rückkehr ans Lagerfeuer des Folkrocks vielleicht geradezu zwingend dem Zeitgeist folgt.

Auch damals, Am Übergang der Achtziger- in die Neunzigerjahre, machten Gesellschaft und Geschichte große Schritte, die für Überforderung und Rückzugsbedürfnisse sorgten. Heute kommt zum rapiden Wandel der Ereignisse nicht nur ein allgemeines Gefühl drohender Apokalypse (Trump, Brexit, Klimawandel, Kapitalismus-Blues), sondern auch noch ein ständiges Gezeter und Geheule darüber auf Twitter und anderen Sozialmedien. Das klassische Aufbegehren und der Noise des Rock'n'Rolls würde in diesem Getöse schlicht verpuffen, gäbe es denn überhaupt noch relevante Impulse aus diesem Spektrum. Behutsam geklampfte Achtsamkeit zu fatalistischem Sirenengesang ist also die rebellische Geste du jour - und Big Thief sind die Hohepriester dieses Freak-Folk-Revivals.

Denn wir waren ja Mitte der Nullerjahre, als Post-9/11-Reaktion sozusagen, schon einmal an so einem Punkt, als sich Indie-Musiker wie Devendra Banhart oder Animal Collective ins Gestrüpp ihrer Bärte und Naturverbundenheit flüchteten. Vollender dieser Verkrümelungs-Musik war und ist der hypersensible Pop-Solipsistiker Bon Iver. Gegen seine Experimente mit Elektronik und Autotune-Gesang setzen Big Thief mit ihrer Frontfrau Lenker nicht nur eine in diesem Genre mausiger Männer immer noch seltene Weiblichkeit, sie locken das durch zu viel Artifizielles in Charts und Pop-Diskurs entfremdete Publikum auch mit konsequenter Authentizität. "Two Hands" ist so überbetont live in einem Blockhütten-Studio in der Wüste zwischen USA und Mexiko aufgenommen, dass man die trockenen Holzdielen förmlich knarren hört, wenn sich die Musiker in ihrem trägen, warmen Sound immer weiter aufeinander zubewegen: Fade into you - zum Kuscheln gegen das Böse da draußen.

Andreas Borcholtes Playlist KW 42

SPIEGEL ONLINE

Playlist auf Spotify

 1. Jaimie Branch: Prayer For Amerikkka Pt. 1 & 2

 2. Petter Eldh & Koma Saxo: Koma Tema

 3. Caribou: Home

 4. Michael Kiwanuka: Hero

 5. Moor Mother feat. Saul Williams: Black Flight

 6. Matana Roberts: Her Mighty Waters Run/ Wild Fire Bare/ Fit To Be Tied

 7. Battles feat. Xenia Rubinos: They Played It Twice

 8. Lucy Dacus: In The Air Tonight

 9. The Düsseldorf Düsterboys: Oh Mama

10. Sufjan Stevens, Timo Andres: IV

"Two Hands" sei, so die Band, das erdverbundene Gegenstück zum gerade mal fünf Monate alten "U.F.O.F.", das Heil und Hoffnung in den Sternen und im Spirituellen verortete. Mit Neil-Young-Gegniedel ("Not") und handfesterem Gestus werden dieselben bangen Fragen nun an Mutter Natur gerichtet. Der Weltschmerz ist grenzenlos und die Sehnsucht nach Geborgenheit dringt aus jeder flehentlich gesungenen Verszeile: "The wound has no direction Everybody needs a home and deserves protection", formuliert Lenker in "Forgotten Eyes". "Not", das zentrale Stück des Albums, ist eine Aneinanderreihung von Ungültigkeiten, ein mit Gitarrenlärm in die Ewigkeit klirrendes Manifest der Realitätsverweigerung: "Not beginning/ Not the crowd/ Not winning/ Not the planet…" und so weiter.

Aber wenn alles nichts ist, wo liegt denn dann der tröstende Nukleus, der für Kritiker und Publikum so magnetische Kern dieser Musik? In der Liebe und Gemeinsamkeit der Ur-Höhle natürlich, die sich Big Thief eingerichtet haben. Aus diesem Kokon reicht uns diese Intimitäts-Kommune beide Hände zur Regression: Somehow we exist/ In the folds, and now we'll kiss/ Both hands, the mystery before us", singt Adrianne Lenker verführerisch wie die Schlange Kaa zum einschmeichelnden Zischeln und Schrummeln ihrer Musiker. Aber soll man Dieben vertrauen? (5.0) Andreas Borcholte

Preisabfragezeitpunkt:
14.10.2019, 11:14 Uhr
Ohne Gewähr

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Big Thief
Two Hands

Label:
4ad/Beggars Group / Indigo
Preis:
EUR 9,09

Carla dal Forno - "Look Up Sharp"
(Kallista/Cargo, ab 18. Oktober)

Wie immer im Leben gilt auch bei Carla dal Forno: Bloß nicht von der Blockflöte täuschen lassen. Gleich im zweiten Song auf dem zweiten Album der australischen Weltbürgerin spielt eine solche Flöte auf, genauso windschief und Schulaula-mäßig, wie man es von der gängigsten aller Tatwaffen aus der musikalischen Früherziehung kennt. Aber "Look Up Sharp" ist deshalb noch lange keine kindliche oder gar freundlich gesinnte Platte. Die Künstlerin schwenkt um auf Synth- und Psych-Pop - und entscheidet in zehn streckenweise garstigen Liedern, was aus den Leichen in ihrer Kühltruhe werden soll.

Dal Fornos Debütalbum "You Know What It's Like" klang vor drei Jahren wie Musik aus einem verschlungenen Geheimgangsystem unter dem Berghain: Dub, Nico-Gesang, körperlose Chöre. Was einen eben so umtreibt, wenn man in Berlin lebt und zum Labelkollektiv Blackest Ever Black gehört. Aber nun wohnt dal Forno in London und macht alles allein. Im Stil einer freudlosen Alleinunterhalterin bedient sie auf "Look Up Sharp" Synthesizer, Bass, Gitarre, Percussion und Computer. Ihre Stimme erinnert noch immer an Nico, ihre Songs aber klingen jetzt wie die Ein-Zimmer-Apartment-Version von Warpaint.

Abgehört im Radio

Mittwochs um 23 Uhr gibt es beim Hamburger Web-Radio ByteFM ein Abgehört-Mixtape mit vielen Songs aus den besprochenen Platten und Highlights aus der persönlichen Playlist von Andreas Borcholte.

Was aus Berlin geblieben ist, sind offene Rechnungen. "So Much Better" gehört trotz seiner hoppelnden Bassfigur zu den böseren Kiss-offs der jüngeren Popgeschichte: Ein Ex-Lover ist zurück in der Stadt, und dal Forno wägt die Vor- und Nachteile einer Begegnung ab. "I'm glad I caused you pain", bekennt sie ohne erkennbare Restempathie in der Stimme. Und schließlich, nach vollzogenem Treffen: "I'm happy that you're still the same and I am so much better." Das Leben geht weiter, und der Bass hoppelt rüber zum nächsten Stück.

Vier Instrumentals mit Cello, Marimba und der erwähnten Blockflöte setzen strategische Ruhepunkte zwischen dal Fornos Abrechnungen. Sie bezeugen die musikalische Weiterentwicklung der Künstlerin, bleiben jedoch weit hinter den aufwühlenden Effekten ihrer erzählenden Stücke zurück. "Don't Follow Me" etwa berichtet nicht aus dem Internet, sondern versteht sich als Antwortsong auf das bald 40 Jahre alte "A Forest" von The Cure. Damals sang Robert Smith über Männer, die sich von einer imaginierten Frau in den Wald locken ließen. Heute nimmt dal Forno die Rolle dieser Frau ein und erteilt den Creeps eine Lektion in Opfer-Täter-Verkehrung.

Das Tonband rauscht dazu unheilvoll, ein Synthesizer stellt die Zeichen auf Retro-Science-Fiction, und der Bass löst sich in irgendeiner giftigen Chemikaliensoße auf. So witzig und gemein kann Carla dal Forno sein. (6.5) Daniel Gerhardt

Preisabfragezeitpunkt:
14.10.2019, 11:10 Uhr
Ohne Gewähr

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Carla Dal Forno
Look Up Sharp

Label:
Kallista / Cargo
Preis:
EUR 12,29

Jaimie Branch - "Fly Or Die II: Bird Dogs Of Paradise"
(International Anthem/Indigo, ab 18. Oktober)

Die 36-jährige Trompeterin Jaimie Branch ist deshalb so eine wichtige Kämpferin für Geschlechtergleichheit im Jazz, weil sie solche Fragen eindeutig beantwortet. Mit Dynamit, mit ihrer Musik also. Kraft als Souveränität: Im ersten Song, "Birds Of Paradise", hören wir zwei Minuten lang nur die Mbira, ein Kalimba-ähnliches Instrument, und etwas gezupftes Cello, bis Branch den ersten Ton spielt. Welcher Bandleader macht ihr das nach?

Im zentralen Stück "Prayer For Amerikkka Pt. 1 & 2" spielt die Band einen schleppenden Blues, und es dauert erneut zwei Minuten, bis die Trompete die ersten Schreie mit dem Dämpfer in die hohe Lage setzt. Und jetzt singt Branch! Fast wie eine Predigerin im Süden (Branch ist weiß, kommt aus einem unguten Teil von Brooklyn, war lange in Chicago, lebt jetzt wieder an der Ostküste). "We got a bunch of wide eyed racists!", wir haben ein Problem mit naiven Rassisten. Eine zwölfsaitige Gitarre setzt ein, der Groove fängt an zu fliegen - die Predigt mündet in eine mexikanisch-amerikanische Grenzgeschichte. Eine Latin-Harmonie in Moll übernimmt, und Branch setzt eine Mariachi-Trompete obendrauf. Wichtiger als der Text, ist die schiere Intensität des Vortrags. Logisch, dass dieses Album ein Mix aus Liveaufnahmen und Studiosessions in London nach Abschluss der letzten Tournee ist.

"Fly Or Die" hieß ihr Debüt als Bandleaderin vor zwei Jahren auf dem coolen Label International Anthem aus Chicago. Jamie Branch landete damit gleich auf der Karte globaler Connaisseure. Deshalb knüpft der Titel des Nachfolgers so direkt daran an. Den Kern ihrer Band konnte man letztes Jahr auch in Deutschland sehen: Lester St. Louis am Cello, Jason Ajemian am Kontrabass und der famose Chad Taylor am Schlagzeug. Beim letzten Jazzfest in Berlin spielte Branch virtuos mit Momenten, die im internationalen Zirkus selten geworden sind: Läuft die Form gerade aus dem Ruder, soll das so sein? Torkelt sie, weil sie einen im Tee hat - oder ist das eine musikalische Trance? Obwohl Branch dem Jazz zuzurechnen ist, lässt sie sich auch hier in keine Kategorie stecken: Country, Folk, Blues - die Nachbarschaft von Volksmusik und Free Jazz erinnert manchmal an den frühen Ornette Coleman.

Immer ein guter Zeitpunkt: Wir hören einer Künstlerin zu, die ihr Instrument brutal beherrscht, aber sich davon gerade befreit. Sie sagt: Vergiss Technik, es geht nur um den Sound, aber sie sagt es auf dem Höhepunkt ihrer Könnerschaft. Das ist eine andere Perspektive als Punk, obwohl Punk als Haltung bei Branch alles beeinflusst.

In einem gelungenen Promo-Video bringt sie es lapidar auf den Punkt: Ich will herumreisen, Musik spielen, Spaß haben, you know. Dass in diesem Spaß auch die Überwindung von Schmerz und noch immer sehr viel Chaos drinsteckt, macht dieses Album zu jeder Zeit deutlich. Wir müssen allen Göttern gleichzeitig dankbar sein, dass Jaimie Branch zehn Jahre Heroin überlebt hat. (8.9) Tobi Müller

Preisabfragezeitpunkt:
14.10.2019, 11:05 Uhr
Ohne Gewähr

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Jaimie Branch
Fly Or die II: Bird Dogs of Paradise

Label:
International Anthem / Indigo
Preis:
EUR 10,62

Sufjan Stevens - "The Decalogue" (performed by Timo Andres)
(Asthmatic Kitty/Cargo, ab 18. Oktober)

Es gibt zwei Arten von Sufjan-Stevens-Alben: die einen fürs Publikum, die anderen für den Künstler selbst. Erstere erscheinen heute nur noch alle fünf Jahre, gerade oft genug, um die nach wie vor gültigen Herrschaftsverhältnisse unter den Songwritern zu bestätigen. Letztere setzen sich aus moderner Klassik und elektronischen Soundtracks zusammen, aus strebsamer Rapmusik und planetarischem Progrock, Compilations mit liegengebliebenen Songs oder exakt einhundert Weihnachtsliedern. Neu im Katalog nun: "The Decalogue", der zehnteilige Pianoscore zu einer Tanzperformance von Justin Peck. Ein Album aus der zweiten Kategorie.

Während Stevens seine Folk- und Popsongs gern um Ambient-Outros, Noise-Sprenkel und andere Nervositäten erweitert, komponiert er seine vermeintlich avantgardistischen Arbeiten aus der anderen Richtung. Fun fact für Stevens-Fanatiker: "The Decalogue" ist das ruhigste Album in der bald 25-jährigen Karriere des US-Songwriters. Die Strenge und Formverliebtheit von Pecks Choreografien spiegeln sich in den Klavierstücken, kleinere Experimente mit Asymmetrien bringen Tanz und Musik zusammen. Stevens selbst bezeichnet "The Decalogue" als Sammlung von Etüden nach romantisch-modernistischer Tradition. Als hätte ein Klavierschüler versucht, Claude Debussy zu beeindrucken.

Die Rolle dieses Klavierschülers übernimmt der eigentlich überqualifizierte Komponist Timo Andres, ein Weltenwandler zwischen Brahms und Boards Of Canada, der wie auch Peck zu Stevens' innerem Brooklyn-Zirkel gehört. Von den durchwachten Nächten, die letzterer über Klaviatur und Notenblättern verbracht haben will, ist in Andres' Interpretation nichts mehr zu hören. Bei ihm klingt "The Decalogue" leichtfüßig und -gewichtig, aller Strenge und Traditionsverpflichtung zum Trotz. Es gibt Momente auf diesem Album, in denen die Musik beinahe ins Hüpfen zu geraten scheint.

In einem Interview mit dem "New Yorker" hat Stevens Anfang des Jahres verraten, wie er und Peck zueinander gefunden haben. Der Choreograf schrieb dem Komponisten einen langen Brief und bat um Erlaubnis, eines seiner Stücke für eine Tanzperformance verwenden zu dürfen. Stevens antwortete, dass ihm das egal sei, weil er eh keine Ahnung von Ballett habe. Was also erwartet Menschen, denen es genauso geht, auf "The Decalogue"? Der Eingang zu einer neuen Welt, beispielsweise. Musik, die Beschäftigung fordert, aber auch mit denselben Aha-Momenten belohnt, die jeden guten Popsong auszeichnen. Und vielleicht sogar das Ende der Unterscheidung zwischen Stevens-Alben erster und zweiter Klasse. (8.0) Daniel Gerhardt

Preisabfragezeitpunkt:
14.10.2019, 11:07 Uhr
Ohne Gewähr

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Sufjan Stevens & Timo Andres
The Decalogue

Label:
Asthmatic Kitty / Cargo
Preis:
EUR 14,49

Wertung: Von "0" (absolutes Desaster) bis "10" (absoluter Klassiker)

insgesamt 35 Beiträge
heisters 15.10.2019
1. Jaimie, yeah
Ich könnte jetzt eine Lobhudelei auf Jaimie Branch halten - ich lasse es und verweise auf die im November laufende Tour, u.a. am 18.11.19 in Krefeld im Foyer des Stadttheaters. :-)
Ich könnte jetzt eine Lobhudelei auf Jaimie Branch halten - ich lasse es und verweise auf die im November laufende Tour, u.a. am 18.11.19 in Krefeld im Foyer des Stadttheaters. :-)
Papazaca 15.10.2019
2. "Abgehört." Eine musikalische Gewissensprüfung in 4 Akten
Viel schöner als die neue Scheibe von Big Thief ist die Besprechung. Vielleicht ist es besser, Kritiken zu lesen als die besprochene Musik hören? Ach, eine Frage: Sind Anja Rützel und Andreas Borcholte verwandt oder [...]
Viel schöner als die neue Scheibe von Big Thief ist die Besprechung. Vielleicht ist es besser, Kritiken zu lesen als die besprochene Musik hören? Ach, eine Frage: Sind Anja Rützel und Andreas Borcholte verwandt oder verschwägert, ich meine schreibmäßig? Oder vielleicht auch musikmäßig? Ach ja, Carla dal Forno. Bei dem Namen kann man echt eifersüchtig werden. Besonders, wenn man Müller oder Schmidt heißt. Die Musik erdet dann aber sehr schnell. Eher langweilige Instrumentierung + Engels-Stimme. Wobei die Geflatter-Musik offen läßt, welcher Engel wohin flattert. Und wozu. Von Jaimie Branch hätte ich jetzt viel erwartet. die Kritik hörte sich vielversprechend an, sprach von Ornette Coleman. Hmm... Aber was genau ist das jetzt? Die Vorstellung auf dem 13 Minutenstück ist eher fragmentarisch, da hatte ich mehr erwartet. Kommen wir zu Sufjan Stevens: Warum der jetzt impressionistische Klavier Etüden a la Debussy spielen muß, erschließt sich mir nicht ganz. Wer diese Musik mag, sollte sich lieber Debussy-Aufnahmen von Arturo Benedetto Michelangeli kaufen, ein wahres Genie, leider schon gestorben. Trotzdem, immer wieder schön, "abgehört" zu hören und besonders zu lesen. Aber das Glück, das musikalisch der Blitz einschlägt, hat man leider eher selten ...
superstrom 15.10.2019
3.
Nur weil alle (völlig zurecht) das Big Thief Album toll finden, es doof zu finden ist so ein bisschen Schülerzeitungs Attitüde. Für mich ist es eine klare 9.5/10 und widerlegt die von mir bislang vehement vertretene These, [...]
Nur weil alle (völlig zurecht) das Big Thief Album toll finden, es doof zu finden ist so ein bisschen Schülerzeitungs Attitüde. Für mich ist es eine klare 9.5/10 und widerlegt die von mir bislang vehement vertretene These, dass Gitarrenmusik am Ende ist und nicht mehr imstande, etwas Neues hervorzubringen.
santosilver 16.10.2019
4. Null interessant
Nicht eins der besprochenen Alben weckt mich Interesse und wie so oft sind die Texte viel zu lang. Und diese Vermädchigung der Musik geht mir sowas von auf die Nerven. Wie magisch zieht das Studentenkritik nach sich, ein Elend
Nicht eins der besprochenen Alben weckt mich Interesse und wie so oft sind die Texte viel zu lang. Und diese Vermädchigung der Musik geht mir sowas von auf die Nerven. Wie magisch zieht das Studentenkritik nach sich, ein Elend
ambulans 16.10.2019
5. einerseits -
andererseits - dieses "abgehört" zeigt wirklich zwei verschiedene gesichter. big thief und dal forno sind mir zu verhuscht/verhallt, diese kleines mädchen-stimmen nerven - aber, da: jaimie branch erinnert an die große [...]
andererseits - dieses "abgehört" zeigt wirklich zwei verschiedene gesichter. big thief und dal forno sind mir zu verhuscht/verhallt, diese kleines mädchen-stimmen nerven - aber, da: jaimie branch erinnert an die große zeit des britischen punk/jazz, etwa the pop group oder rip, rig & panic. sufjans kooperation mit andrews (kannte ich bisher nicht) ist natürlich impressionistisch, purer debussy - und gefällt sehr (woven hand hat ähnliches mal mit blush versucht). interessante mischung diesmal ... mfg, dr. ambulans (alle kassen)
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