Kultur

Neues Kraftklub-Album

"Das kann ja nur schiefgehen"

Pfefferminzlikör und Wodka servierten Kraftklub ihren Kumpels, als sie ihnen ihr neues Album vorspielten. Am Ende waren alle ziemlich zufrieden und enthemmt. Den Fans dürfte es mit "In Schwarz" ähnlich ergehen.

Universal Music/ Christoph Voy
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Montag, 15.09.2014   11:31 Uhr

Uä-uähö, uä-uähö. Uä-uähö, uä-uähö. Und wieder diese Schrei-Gröl-Laute. Schon bei "Eure Mädchen" tauchten sie auf, dem ersten Song des ersten Albums von Kraftklub. "Mit K" hatten es die fünf jungen Männer aus Chemnitz genannt, weil viele Leute das zweite Substantiv im Bandnamen immer mal wieder mit c schrieben. Das Album stieg vor zweieinhalb Jahren sofort auf Platz eins in die Charts ein.

Nun ist das neue Album da, "In Schwarz". "Weil uns schwarze Polohemden besser stehen als weiße", sagt Felix Brummer. Der Sänger sitzt in einem Hamburger Hotel in einer Art Lounge-Zimmer.

Die Lieder auf dem neuen Album heißen "Alles wegen Dir", "Deine Gang", "Wie ich" oder "Mein Rad". Sie handeln davon, was im Leben der Bandmitglieder und im Leben ihrer Freunde in den vergangenen zwei Jahren so passiert ist. Wie es sich anfühlt, plötzlich ein bisschen berühmt zu sein. Wie es ist, Single zu werden oder völlig betrunken jemanden anzurufen, in den man verliebt ist.

"2012 war das Jahr der Trennungen, 2013 sind dann alle wieder zusammengekommen", sagt Brummer und spricht auch für seinen Freundeskreis. "Unser Leben allein würde nicht ausreichen, um eine Platte damit zu machen."

Brummer ist bemüht, er bietet gleich etwas zu trinken an, so als wohnte er hier in diesem Lounge-Zimmer. Neben ihm Steffen Israel, er spielt Gitarre bei Kraftklub. Die beiden haben in Wirklichkeit andere Nachnamen, aber Brummer und Israel klingt halt interessanter als Kummer und Tidde. "Das kann ja nur schiefgehen", sagt Israel über das neue Album. Die Erwartungen daran seien zu hoch. "Aber wenn man sich klarmacht, dass man beim zweiten Album nur versagen kann, lässt sich besser mit dem Druck umgehen."

Na ja, und die Fans sind jetzt Mainstream

Für die Aufnahme von "In Schwarz" konnten sich die Chemnitzer mehr Zeit nehmen. "Früher stand immer jemand da und sagte, ihr habt das Studio aber nur für zwei Tage gemietet", sagt Brummer. Nun haben sie mehr Budget und Zeit, um in Ruhe arbeiten zu können - eine Folge des Erfolgs. Eine weitere: Mädels werfen BHs auf die Bühne, was die Jungs allerdings eher amüsiert. "Das schmeichelt einem, aber man darf das nicht so ernst nehmen", sagt Felix Brummer. "Wir sind erfolgreich mit der Musik, die wir mögen." Das macht ihn stolz. Aber er sagt, er wäre auch stolz, wäre er ein erfolgreicher Schreiner.

Am Tag vor dem Interview hatte der Pressemann sehr aufgeregt das Album präsentiert und sich gleich entschuldigt: "Lied vier springt und Lied acht ist nicht mit dabei. Sorry." Dann legte er die Platte auf und rauchte. Alle Lieder sind schnell und rockig. Sie lassen erahnen, wie das Publikum in den Tanztempeln der Städte und auf den Freiflächen der Festivals abgehen wird, wie sich die Leute aneinander werfen, wie sie auf und ab hüpfen werden, sich anschreien und mitsingen.

"In Schwarz" ist also erst einmal eine Fortsetzung des Debüts. Die Fans bekommen, was sie erwarten - aber noch ein bisschen mehr. Gleich im ersten Lied pinkelt der Kraftklub seinen Verehrern selbstironisch an die Beine. "Unsere Fans haben sich verändert, unsere Fans haben sich verkauft. Unsere Fans sind jetzt Mainstream", heißt es da. Da spielt Kraftklub mit den Vorurteilen, die auf sie einprasseln und reagiert bockig auf Fans, die sie beschuldigen, "jetzt aber wirklich Kommerz" zu sein, wie Felix Brummer sagt. Die Fans sind eben schuld, lautet die Antwort. In etwa so wie Berlin, die Stadt, die Kraftklub im ersten Album als Hipsterhochburg mit Einsamkeitsgarantie niedergesungen hat.

So viel professioneller hört sich "In Schwarz" nun übrigens gar nicht an. Der Sound ist im wesentlich gleich geblieben, die Schnelligkeit ist noch da, der Stil insgesamt. "Der darf auch bloß nicht zu sehr verändert sein", sagt Brummer. "Das erwarten die Fans von uns." Irgendwie soll halt alles anders sein, aber alles auch gleich bleiben.

Und so gibt sich die Band froh, dass auch sonst alles irgendwie gleich geblieben ist, zumindest im Bandkosmos. Steffen Israel sagt, die Freunde von früher seien geblieben, niemand habe sich zu einem Blutsauger entwickelt, ja, sie seien alle sogar überrascht, dass Kraftklub nicht durchgedreht wäre. Man hätte sich ja auch hinstellen und sagen können: Endlich verdammte Rockstars! Die Jungs wohnen noch in WGs und wenn sie in Berlin sind, übernachten sie in den Räumlichkeiten ihres Managements.

Das neue Album haben Kraftklub-Mitglieder ihren Kumpels schon vorgespielt, dazu servierten sie Wodka und Pfeffi, grünen klebrigen Pfefferminz-Likör aus dem Osten. Eigentlich wollten sie nur ein paar Lieder zusammen hören, doch dann lief das Album komplett durch. Und am Ende waren alle ziemlich zufrieden und auch ziemlich betrunken.

insgesamt 10 Beiträge
piccolo-mini 15.09.2014
1.
"Sie servierte Pfefferminz-Likör und Wodka servierten Kraftklub" Selbst für eine kurze Kontrolle des Vorschautextes ist heute keine Zeit mehr.
"Sie servierte Pfefferminz-Likör und Wodka servierten Kraftklub" Selbst für eine kurze Kontrolle des Vorschautextes ist heute keine Zeit mehr.
alexanderschulze 15.09.2014
2. Kraftklub
kann man auch nur im besoffenen Zustand ertragen. Also nur konsequent. Warum ist eigentlich die komplette Musikszene aus dem Osten so grottig?
kann man auch nur im besoffenen Zustand ertragen. Also nur konsequent. Warum ist eigentlich die komplette Musikszene aus dem Osten so grottig?
hobbyleser 15.09.2014
3. Autsch
Bei der Frage würde ich das Problem eher beim Fragenden suchen.
Zitat von alexanderschulzekann man auch nur im besoffenen Zustand ertragen. Also nur konsequent. Warum ist eigentlich die komplette Musikszene aus dem Osten so grottig?
Bei der Frage würde ich das Problem eher beim Fragenden suchen.
remmbremmerdeng 15.09.2014
4.
Eine der überflüssigsten Bands der Gegenwart, wenn nicht ein Spiegelbild der aktuellen Jugendgeneration - Politische/gesellschaftliche Halbbildung mischt sich mit handgreiflicher Revoluzzer-Attitüde. Weil's halt schick ist, [...]
Eine der überflüssigsten Bands der Gegenwart, wenn nicht ein Spiegelbild der aktuellen Jugendgeneration - Politische/gesellschaftliche Halbbildung mischt sich mit handgreiflicher Revoluzzer-Attitüde. Weil's halt schick ist, gegen irgendwas zu sein.
Chemnitzer 15.09.2014
5.
@remmbremmerdeng: Wo sehen Sie denn bitte eine "Politische/gesellschaftliche Halbbildung mischt sich mit handgreiflicher Revoluzzer-Attitüde" - könnten Sie das näher erklären? ich habe nämlich schon so eine [...]
@remmbremmerdeng: Wo sehen Sie denn bitte eine "Politische/gesellschaftliche Halbbildung mischt sich mit handgreiflicher Revoluzzer-Attitüde" - könnten Sie das näher erklären? ich habe nämlich schon so eine Vermutung woraus fas bei Ihnen hinausläuft und dann findet man das Halbwissen eher bei Ihnen.

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