Kultur

Amazon Prime Video

Aufräumen im Serienangebot

Was ist mit "Herr der Ringe"? Und wie endet "Transparent"? Die Streamingplattform Amazon Prime Video hat Einblicke in ihre Serienpläne gegeben. Drei Shows werden nicht fortgesetzt.

Richard Shotwell/ Invision/ AP

Von links: Gary Carr, Anne Hathaway and Cristin Milioti aus dem Ensemble der Amazon-Serie "Modern Love" bei der Television Critics Association

Von
Sonntag, 28.07.2019   15:31 Uhr

Der Elefant im Raum hat Elbenohren. Seitdem bekannt geworden ist, dass Amazon Prime Video eine Serienadaption von "Herr der Ringe" plant, ist die Blockbuster-Show immer Thema, sobald sich die Streamingplattform zu ihrem Angebot äußert. So geschehen auch bei der Sommerausgabe der TCA, der Television Critics Association - einer Art Pressekonferenz-Reihe, bei der die US-amerikanischen Sender und Streaminganbieter verkünden, was ihre Pläne für den Herbst sind.

Bei der TCA gab Amazon bekannt, dass J.D. Payne und Patrick McKay, die die Serienadaption von "Herr der Ringe" entwickelt haben, nun auch als Showrunner und ausführende Produzenten bestimmt worden sind. Ihnen zur Seite stehen wird eine Reihe von Autorinnen und Produzenten, die unter anderem an "Breaking Bad", "Hannibal", "Stranger Things" und "Die Sopranos" beteiligt waren. "Unsere Gefährten", nannten Payne und McKay ihr Team in Anspielung auf den ersten Teil von Peter Jacksons Kinoversion von "Herr der Ringe".

Die Dreharbeiten sollen allerdings erst 2020 beginnen, weshalb Neuigkeiten zu dieser Produktion immer auch ein wenig davon ablenken, was Amazon demnächst zu bieten hat. Dazu gehört nicht zuletzt "Modern Love", eine sogenannte Anthologieserie nach der erfolgreichen Artikelserie der "New York Times" mit demselben Namen. In der Rubrik erzählen stets wechselnde Autorinnen und Autoren von einer Beziehung in ihrem Leben - sei es zu einem Partner, einem Elternteil, einer Freundin oder einem Kind - und wie sich diese Beziehung verändert hat.

Rausschmiss nach #MeToo-Vorwürfen

"Modern Love" wird acht solcher wahrer Geschichten aufgreifen und als jeweils halbstündige Folge mit wechselnden Stars, Autoren und Regisseuren umsetzen. Als Darsteller sind unter anderem Tina Fey ("30 Rock"), Andrew Scott ("Fleabag"), Julia Garner ("Ozark"), Anne Hathaway und John Slattery ("Mad Men") dabei. Als Showrunner wird John Carney ("Sing Street") die Produktion leiten. Mit einem Teaser-Trailer gab Amazon erste Einblicke in "Modern Love". Ab 18. Oktober sollen dann alle Folgen verfügbar sein.

Mehr noch als Ausblicke auf kommende Serien dominierten Abschiede und Absagen Amazons Pressekonferenz. So wurde das Ende von Amazons ursprünglicher Erfolgsserie "Transparent", mit der der Streaminganbieter seine ersten Emmys und Golden Globes gewann, eingeläutet: Statt einer fünften und letzten Staffel wird die Serie um die trans Frau Maura Pfefferman, die kurz nach der Rente beginnt, ihre Identität offen zu leben, mit einer Musical-Folge enden. Darin werden sich Mauras Kinder von ihr verabschieden und ihre Trauer in Songs ausdrücken.

Das ungewöhnliche Serienfinale, das am 27. September veröffentlicht wird, ist auch eine Reaktion auf das abrupte Ausscheiden von Hauptdarsteller Jeffrey Tambor. Er hatte über vier Staffeln hinweg Maura gespielt und dafür unter anderem zwei Emmys gewonnen, war aber wegen Vorwürfen des sexuellen Übergriffs Anfang 2018 aus der Serie gedrängt worden. Er wird nun auch nicht mehr in der abschließenden Folge zu sehen sein.

Die Musik für das "Musical-Finale" stammt von Faith Soloway, der Schwester von Showrunnerin Jill Soloway. Mit "College" hat Jill Soloway bereits die nächste Serie für Amazon entwickelt. Über den Stand dieses Projekts wurde jedoch nichts Neues bekannt gegeben. Mit der Neuverfilmung von "Red Sonja", für die Soloway jüngst als Regisseurin angeheuert wurde, dürfte sie aber auch sonst genug zu tun haben.

Während schon länger bekannt ist, dass "Transparent" endet, war das Aus für drei vergleichsweise junge Serien eine Neuigkeit: So verkündete Amazon-Studios-Chefin Jennifer Salke, dass es keine weiteren Staffeln von "The Romanoffs", "Too Old to Die Young" und "Patriot" geben würde.

Raus aus der Nische

"The Romanoffs" war die erste Serie von Showrunner Matthew Weiner nach "Man Men". Die teure Prestigeproduktion über Nachkommen der russischen Zarenfamilie hatte aber nicht annähernd die Resonanz bei Kritik und Publikum, die "Mad Men" zuvor hatte. Ihre Absetzung erschien deshalb naheliegend, ebenso wie das Aus für Nicolas Winding Refns "Too Old to Die Young", die schon zu ihrem Start im Juni wie aus der Zeit gefallen zu sein schien mit ihrem expliziten Auteur-Anspruch.

"Patriot", eine Agenten-Krimi-Comedy, war hingegen in den USA von der Kritik gefeiert worden. Da die Serie aber weder größere Aufmerksamkeit noch Preise für Amazon einbrachte, wird sie nun auch nicht weitergeführt.

Sowohl "The Romanoffs" als auch "Patriot" und "Too Old to Die Young" waren vom vormaligen Amazon-Studios-Chef Roy Price in Auftrag gegeben worden. Wegen Belästigungsvorwürfen musste Price im Oktober 2017 seinen Posten räumen. Seitdem strukturiert seine Nachfolgerin Salke das Serienangebot um - raus aus der Nische, möglichst nah ran an einen Serien-Blockbuster. Auch deshalb spielt die "Herr der Ringe"-Adaption implizit in diverse Entscheidungen mit rein. Eben wie ein echter Elefant im Raum.

insgesamt 11 Beiträge
Weltgeisterer 28.07.2019
1. Durchsichtige Profitinteressen
Dass Amazon jetzt keine 20 Jahre nach der Jackson-Version noch eine Serie auflegen will, ist ein durchsichtiges Manöver: Man möchte anscheinend das Fantasy-Vakuum nach Game of Thrones mit einer eigenen Serie füllen und hofft, [...]
Dass Amazon jetzt keine 20 Jahre nach der Jackson-Version noch eine Serie auflegen will, ist ein durchsichtiges Manöver: Man möchte anscheinend das Fantasy-Vakuum nach Game of Thrones mit einer eigenen Serie füllen und hofft, dass GoT-Fans auch zuschauen wollen wie sich Frodo mehrere Staffeln lang nach Mordor bewegt. Wenn das mal nicht zu einem gigantischen Flop wird.
arthurstorm 28.07.2019
2. Armer John
Ist wirklich Schade, dass Patriot abgesetzt wurde. Ist eine wirklich schöne Serie mit zum Teil bösartigem Humor.
Ist wirklich Schade, dass Patriot abgesetzt wurde. Ist eine wirklich schöne Serie mit zum Teil bösartigem Humor.
Augustusrex 28.07.2019
3. Vielleicht
wird eine neue Verfilmung von "Herr der Ringe" besser als die von Peter Jackson. Das war doch Kindergarten. In allen Schlachten floss da kein Tropfen Blut, und das nur, damit es kindgerecht wird. Weiterhin waren z.B. [...]
wird eine neue Verfilmung von "Herr der Ringe" besser als die von Peter Jackson. Das war doch Kindergarten. In allen Schlachten floss da kein Tropfen Blut, und das nur, damit es kindgerecht wird. Weiterhin waren z.B. Helms Klamm und Minas Tirith befetigungsmäßig so selten dämlich entworfen, dass eigentlich jeder Angreifer glatt zum Zentrum durchmarschiert wäre. Es gibt noch einiges Andere, was hoffentlich besser werden wird.
schwarzrotgold 28.07.2019
4.
Vollste Zustimmung und tiefste Enttäuschung. Beide Staffeln waren Top-Qualität. Höchstbedauerlich, dass es nicht weitergeht.
Zitat von arthurstormIst wirklich Schade, dass Patriot abgesetzt wurde. Ist eine wirklich schöne Serie mit zum Teil bösartigem Humor.
Vollste Zustimmung und tiefste Enttäuschung. Beide Staffeln waren Top-Qualität. Höchstbedauerlich, dass es nicht weitergeht.
achterhoeker 28.07.2019
5. Jammerschade
Jammerschade ist das Serien von den öffentlichrechtlichen Sendern wegen gähnende Langeweile eingestellt werden. So werden noch 3000 Serienteile pro Thema mit weltfremden Ideen vollgepumpt und als alleinseeligmachende [...]
Jammerschade ist das Serien von den öffentlichrechtlichen Sendern wegen gähnende Langeweile eingestellt werden. So werden noch 3000 Serienteile pro Thema mit weltfremden Ideen vollgepumpt und als alleinseeligmachende Weltanschauung dem Volk "aufs Brot" geschmiert.

Mehr im Internet

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung

TOP