Kultur

Trailer zur dritten "Babylon Berlin"-Staffel

"Und in der Seele brennt nichts als Schmerz"

Menschen im Sturm auf die Banken, Gesichter im Drogenrausch: Sehen Sie hier exklusiv den ersten Trailer zur dritten Staffel "Babylon Berlin", die nächstes Jahr im deutschen Fernsehen läuft.

Foto: Frédéric Batier/ ARD/ SKY
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Montag, 07.10.2019   11:19 Uhr

Eine Frau mit pechschwarzer Bubikopf-Frisur singt auf einem Filmset einen düsteren Schlager mit leid- und lustvoll gerolltem R, "Und in der Seele brennt nichts als Schmerz". Menschenmassen stürmen in ein Bankgebäude, Stiefel marschieren, und vor dem lädierten Gesicht des Helden sieht man die Füße eines Mannes zappeln, der sich offensichtlich erhängt hat. Der erste Trailer zur lang erwarteten dritten Staffel von "Babylon Berlin" ist ein fatalistischer Entfesselungsakt.

Weltwirtschaftskrise, Umbruch in der Filmindustrie, Faschismusaufmarsch - das alles klingt schon in den 1:20 Minuten langen Ankündigungsfilm an.

Die neue Folgen der Mammutserie (Produktion: X Filme Creative Pool in Koproduktion mit ARD Degeto, Sky, WDR und Beta Film) orientieren sich an Volker Kutschers Roman "Der stumme Tod", die Handlung beginnt zehn Monate nach den Ereignissen der ersten beiden Staffeln: Kommissar Rath (Volker Bruch) wird zu einem Filmset gerufen, an dem eine berühmte Schauspielerin von einem Scheinwerfer erschlagen wurde.

Foto: Frédéric Batier/ ARD/ SKY

Neben Bruch und Co-Star Liv Lisa Fries treten ein weiteres Mal Lars Eidinger, Thomas Thieme, Fritzi Haberlandt und Karl Markovics an.

Neu kommen Ronald Zehrfeld, Meret Becker, Peter Jordan und Bernhard Schütz dazu. War das erste "Babylon Berlin"-Paket in zwei Staffeln mit jeweils acht Folgen à 45 Minuten unterteilt, so wird der Nachschub nun in einer Staffel aus 12 Folgen gereicht. Bei Sky starten die neuen Folgen im kommenden Winter, bei der ARD im Herbst 2020. Für Regie und Drehbuch zeichnen wieder Tom Tykwer, Henk Handloegten und Achim von Borries im Verbund verantwortlich.

Die drei Filmemacher hatten schon direkt nach der Fertigstellung der ersten beiden Staffeln mit der Entwicklung der Fortsetzung begonnen, doch dann zog sich das Projekt, weil die ARD als größter Geldgeber kein definitives grünes Licht geben wollte. Es begann ein zähes Hickhack, auch weil im öffentlich-rechtlichen Senderverbund intern kontrovers darüber diskutiert wurde, ob man mit dem teuren Projekt nicht eher der privaten Konkurrenz zu Ruhm und Publikum verhelfe als sich selbst.

Ekstase, Angst, Verfall

Tykwer hatte damals aus der Schreibstube in einem Gespräch mit dem "Hollywood Reporter" erklärt, dass es in den neuen Folgen noch stärker um das Thema Drogen gehen solle - zum Beispiel um Heroin, das damals in Apotheken erhältlich gewesen sein soll, und um Versuche mit Methamphetamin.

Über Details aus der neuen Staffel wird von Produzentenseite noch ein großes Geheimnis gemacht. Dass nicht alle Drogenexperimente in der Serie gut ausgehen, kann man allerdings schon in der Trailer-Szene ahnen , in der Christian Friedl als Polizeifotograf Gräf im Wahn sein Spiegelbild anschreit.

Ekstase, Angst, Verfall werden also auch diesmal die Themen bei "Babylon Berlin" sein - mit möglicherweise vielen Verweisen auf unsere Gegenwart, die sich im rasenden Umbruch befindet.

Dass dabei von der Serie auch die massiven Veränderungen in der Filmbranche zum Thema gemacht werden, ist natürlich von besonderer Bedeutung: Denn der beschriebene Umbruch vom Stumm- zum Tonfilm, der damals viele Stummfilmstars die Karriere kostete, war so massiv wie der jetzige zwischen klassischem Fernsehen und Streaming-Produktionen. "Babylon Berlin", diese hybride Koproduktion von ARD und Sky, die beim letzten Mal über beide Ausspielkanäle funktioniert hat, könnte da allem geballten Fatalismus in der Handlung zum Trotz einer ganzen Branche Hoffnung spenden.

insgesamt 19 Beiträge
.patou 07.10.2019
1.
Dann kann man ja nur hoffen, dass diesmal mehr Sorgfalt in das Schreiben logischer Handlungsabläufe investiert wird und mehr Know-how in die Special Effects. Sonst bleibt wie am Ende der zunehmend langatmigen 2. Staffel nur [...]
Dann kann man ja nur hoffen, dass diesmal mehr Sorgfalt in das Schreiben logischer Handlungsabläufe investiert wird und mehr Know-how in die Special Effects. Sonst bleibt wie am Ende der zunehmend langatmigen 2. Staffel nur wieder die ernüchternde Erkenntnis, dass Serien, die qualitativ über dem Rest der deutschen Produktionen stehen, im internationalen Vergleich dennoch über Mittelmaß nicht hinauskommen. Und solange das so bleibt, greife ich lieber zu Peaky Blinders.
Little_Nemo 07.10.2019
2. Krumme Messlatten
Da ging es mir genau umgekehrt: ich habe bei "Babylon Berlin" bis zum Schluss mitgefiebert und fand "Peaky Blinders" ziemlich langatmig. Bin bei letzterem bislang auch noch nicht über die erste Staffel [...]
Zitat von .patouDann kann man ja nur hoffen, dass diesmal mehr Sorgfalt in das Schreiben logischer Handlungsabläufe investiert wird und mehr Know-how in die Special Effects. Sonst bleibt wie am Ende der zunehmend langatmigen 2. Staffel nur wieder die ernüchternde Erkenntnis, dass Serien, die qualitativ über dem Rest der deutschen Produktionen stehen, im internationalen Vergleich dennoch über Mittelmaß nicht hinauskommen. Und solange das so bleibt, greife ich lieber zu Peaky Blinders.
Da ging es mir genau umgekehrt: ich habe bei "Babylon Berlin" bis zum Schluss mitgefiebert und fand "Peaky Blinders" ziemlich langatmig. Bin bei letzterem bislang auch noch nicht über die erste Staffel hinausgekommen, obwohl ich die Staffeln II-IV auf der Festplatte habe. Ehrlich gesagt liegt es bei mir auch ein wenig am Soundtrack von Nick Cave, den ich alles andere als stilgerecht finde und der das ganze, zusammen mit der allzu cleanen Hochglanz-Optik, oft ein bisschen wie einen sehr langen Musik-Clip erscheinen lässt.
ancoats 07.10.2019
3.
Ich sehe das ähnlich. Bei so viel Aufwand und Lorbeeren hatte ich seinerzeit auch etwas anderes erwartet als nur wieder die übliche Malaise der meisten deutschen Produktionen dieser Art: praktisch jeder Szene sieht man das [...]
Zitat von .patouDann kann man ja nur hoffen, dass diesmal mehr Sorgfalt in das Schreiben logischer Handlungsabläufe investiert wird und mehr Know-how in die Special Effects. Sonst bleibt wie am Ende der zunehmend langatmigen 2. Staffel nur wieder die ernüchternde Erkenntnis, dass Serien, die qualitativ über dem Rest der deutschen Produktionen stehen, im internationalen Vergleich dennoch über Mittelmaß nicht hinauskommen. Und solange das so bleibt, greife ich lieber zu Peaky Blinders.
Ich sehe das ähnlich. Bei so viel Aufwand und Lorbeeren hatte ich seinerzeit auch etwas anderes erwartet als nur wieder die übliche Malaise der meisten deutschen Produktionen dieser Art: praktisch jeder Szene sieht man das Künstliche / Kulissenhafte an, vor allem die Sprache ist wenig alltagsnah und gemahnt eher ans Theater, und die Erzählweise bleibt stets vergleichsweise konventionell-bieder. Warum das immer noch alles eher die Regel als die Ausnahme ist, bleibt mir ein Rätsel. Vor allem, weil es ja parallel in den letzten Jahren durchaus auch sehr gute deutsche Fernsehfilmproduktionen gegeben hat, bei denen das alles stimmte. Mein Verdacht: sobald es ans vermeintlich"Große", zudem mit Blick auf den internationalen Markt, geht, werden hierzulande immer die gleichen, einschlägigen Produktionsgesellschaften und Regisseure bedacht, anstatt tatsächlich mal mit neuem, frischen Personal etwas zu wagen. Da kommt dann eben wieder nur der gängige Brei heraus, der schon diverse schöne Film-/Serienideen letztlich ruiniert hat.
bakero 07.10.2019
4.
Die unnötigen Actionszenen und besonders die Special Effects in der letzten Staffel (auf dem Zug) hätte man sich trotzdem sparen können. Besonders dann, wenn man offensichtlich nicht genug Etat hat, das anständig [...]
Zitat von Little_NemoDa ging es mir genau umgekehrt: ich habe bei "Babylon Berlin" bis zum Schluss mitgefiebert und fand "Peaky Blinders" ziemlich langatmig. Bin bei letzterem bislang auch noch nicht über die erste Staffel hinausgekommen, obwohl ich die Staffeln II-IV auf der Festplatte habe. Ehrlich gesagt liegt es bei mir auch ein wenig am Soundtrack von Nick Cave, den ich alles andere als stilgerecht finde und der das ganze, zusammen mit der allzu cleanen Hochglanz-Optik, oft ein bisschen wie einen sehr langen Musik-Clip erscheinen lässt.
Die unnötigen Actionszenen und besonders die Special Effects in der letzten Staffel (auf dem Zug) hätte man sich trotzdem sparen können. Besonders dann, wenn man offensichtlich nicht genug Etat hat, das anständig umzusetzen. Trotzdem: Eine der besten deutschen Serien, die jemals produziert worden ist. Auch wenn ich mich frage, warum da zwei Jahre (!) dazwischenliegen, warte ich gerne auf die neue Staffel.
.patou 07.10.2019
5.
Kann ich so nicht nachvollziehen. Mal abgesehen davon, dass Nick Cave ja nur einen kleinen Teil des übrigens hervorragenden Soundtracks ausmacht, passt dieser meines Erachtens sehr gut zur Dynamik der Serie. Die Handlung ist [...]
Zitat von Little_NemoDa ging es mir genau umgekehrt: ich habe bei "Babylon Berlin" bis zum Schluss mitgefiebert und fand "Peaky Blinders" ziemlich langatmig. Bin bei letzterem bislang auch noch nicht über die erste Staffel hinausgekommen, obwohl ich die Staffeln II-IV auf der Festplatte habe. Ehrlich gesagt liegt es bei mir auch ein wenig am Soundtrack von Nick Cave, den ich alles andere als stilgerecht finde und der das ganze, zusammen mit der allzu cleanen Hochglanz-Optik, oft ein bisschen wie einen sehr langen Musik-Clip erscheinen lässt.
Kann ich so nicht nachvollziehen. Mal abgesehen davon, dass Nick Cave ja nur einen kleinen Teil des übrigens hervorragenden Soundtracks ausmacht, passt dieser meines Erachtens sehr gut zur Dynamik der Serie. Die Handlung ist spannend und stringent, die Schauspieler durchgehend überzeugend, allen voran Cillian Murphy. Alles Dinge, die mir bei Babylon Berlin fehlen. Die Hauptfiguren fand ich vor allem langweilig. Mich hat zu keinem Zeitpunkt ernsthaft interessiert, wie es mit dem Kommissar weitergeht. Das ganze "dekadente" Drumherum, ohne das sich eine 20er-Jahre-Serie wohl schlechter vermarkten lässt, wirkte zudem ziemlich aufgesetzt, da es sich auf stets ähnliche Tanzszenen vor der ewig gleichen Bühnendarbietung beschränkte. Es reicht halt nicht, wenn man Verruchtes versucht dadurch zu bebildern, dass ab und zu eine Diseuse mit rauchiger Stimme eingeblendet wird, die offenbar nur ein einziges Lied im Repertoire hat. (Pluspunkte allerdings für Bryan Ferry.) Außerdem war das Serienfinale der 2. Staffel hinsichtlich der Flugzeug- und Zug-Sequenzen auf dem Niveau 40 Jahre alter B-Movies. Vielleicht sollten wir uns einfach auf ein "agree to disagree" verständigen. :-) Ist wohl eine Geschmacksfrage. Aber geben Sie den weiteren Peaky-Blinders-Staffeln wenigstens eine Chance.

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