Kultur

RBB-"Polizeiruf" mit Fabian Hinrichs

Wolfsgeheul trifft Stasi-Schauer

In der Lausitz machen die Leute Jagd auf Wölfe. Als einsamer Tierschützer stellt sich Fabian Hinrichs gegen eine schwerbewaffnete Dorfgemeinschaft. Was ein astreiner Ossi-Western hätte werden können, verkommt zum beliebigen Geschichtsaufarbeitungs-"Polizeiruf".

ARD
Von
Freitag, 13.12.2013   11:25 Uhr

Die Wölfe sind wieder da. Und mit ihnen ist dieser komische, wortkarge, wütende Typ gekommen, der sich einen verrotteten Zirkuswagen Mitten ins Nirgendwo der Lausitz gestellt hat. Stefan Waldner (Fabian Hinrichs) nennt die Tiere meine Wölfe, die Menschen scheinen nicht so seins. Ein nervöses Flackern liegt in den Augen des Tierschützers; nur wenn er vor einem der Tiere steht, wird er ruhig.

In starken Panoramabildern setzt dieser "Polizeiruf" den Einzelgänger Waldner ins Bild. Im Hintergrund dampft dramatisch ein Kohlekraftwerk, der Mann streift durch die ausgedörrte Landschaft. Wo er Menschen trifft, wird es unangenehm: Andauernd wird ihm von irgendjemandem ein Jagdgewehr vor die Nase gehalten. Denn die Einwohner des nahegelegenen Dorfes Kaskow finden, dass die Wölfe ein Problem sind, aber um dieses Problem zu beseitigen, müssten sie erstmal Stefan Waldner beseitigen. Einmal wird von einem Unbekannten dessen alter Zirkuswagen zusammengeschossen.

Ein Krimi wie ein Italo-Western. Die Sonne sengt, die Finger an den Abzügen sitzen locker, die Gitarre zupft einen trägen Blues. Und Waldner ist der Fremde, der die eingeschworene Gemeinschaft durcheinanderbringt. Der Mann ohne Geschichte.

Der mit dem Wolf ranzt

Oder, schade, eben doch nicht - er ist eher ein Mann mit zu viel Geschichte. Denn das darf es in Fernsehkrimis, die in den Neuen Bundesländern spielen, nicht geben: dass ein Fall nicht zurückführt in die dunklen Kapitel des ostdeutschen Unrechtsstaates. Dass das kleine Drama nicht verbunden wird mit dem großen politischen Ganzen. Und eben dieser Zwang bekommt diesem mit souveränen Aufnahmen aus der Lausitzer Wildnis inszenierten RBB-"Polizeiruf" leider gar nicht.

Um nicht missverstanden zu werden: Einige der besten deutschen Fernsehfilme handeln von nichts anderem als von DDR-Verbrechen, die sich in heutiger Gewalt entladen. Ganze Reihen wurden schon um dieses Prinzip herum konzipiert. Großartig, wie in der ZDF-Reihe "Solo für Schwarz" mit der inzwischen verstorbenen Barbara Rudnik vor dem Hintergrund der erdrückend schwermütig abgefilmten Schweriner Seenplatte kriminelle Rückstände des Überwachungsstaates hochgespült wurden. Ebenso großartig, wie in den Spreewald-Krimis mit Christian Redl im brandenburgischen Moor Torflage um Torflage verbrecherische Zeitgeschichte aufgedeckt wird.

Doch in diesem "Polizeiruf" von Drehbuchautor Rainer Butt ("Großstadtrevier") und Regisseur Ed Herzog ("Tatort: Die schöne Mona") wirkt der Stasi-Opfer-Plot wie eine bloße Behauptung. Warum ist denn nun der lonesome wolf zum lonesome wolf geworden? Na, weil die Republikflucht seiner Eltern gescheitert ist und er danach ins Heim gesteckt wurde. Und das alles hat sich vor 25 Jahren in dem Dorf Kaskow abgespielt, das Stefan Waldner nun mit seinen Wölfen heimsucht.

Erstaunlich, wie lange Kommissarin Olga Lenski (gespielt von der im RBB-"Polizeiruf" immer stärker unterfordert wirkenden Maria Simon) braucht, bis sie das herausfindet, obwohl der Plot doch arg vorhersehbar auf dieses Ereignis zusteuert. Was von den Filmemachern als ungeheuerliche Enthüllung geplant gewesen sein mag, kommt ein bisschen ranzig daher, einfach deshalb, weil man diese Geschichte etliche Male verbindlicher und dringlicher gesehen hat.

Hier wirkt der Exkurs in die dunkle DDR-Geschichte wie ein Bonus-Angstmacher. Motto: Wolfsgeheul trifft Stasi-Schauer.


"Polizeiruf 110: Wolfsland", Sonntag, 20.15 Uhr, ARD

insgesamt 5 Beiträge
glen13 13.12.2013
1.
Fabian Hinrichs ist ein Ausnahmeschauspieler. Besonders am Theater ist er herausragend. Was mit ihm jedoch bisher in Polizeiruf 110 angestellt wurde, ist schwer zu verstehen. Hart an der Grenze zur Geisteskrankheit muss er sich [...]
Zitat von sysopARDIn der Lausitz machen die Leute Jagd auf Wölfe. Als einsamer Tierschützer stellt sich Fabian Hinrichs gegen eine schwerbewaffnete Dorfgemeinschaft. Was ein astreiner Ossi-Western hätte werden können, verkommt zum beliebigen Geschichtsaufarbeitungs-"Polizeiruf". http://www.spiegel.de/kultur/tv/brandenburger-polizeiruf-mit-maria-simon-und-fabian-hinrichs-a-938305.html
Fabian Hinrichs ist ein Ausnahmeschauspieler. Besonders am Theater ist er herausragend. Was mit ihm jedoch bisher in Polizeiruf 110 angestellt wurde, ist schwer zu verstehen. Hart an der Grenze zur Geisteskrankheit muss er sich als beamteter Polizist wie ein hirnloser Depp verhalten. Vielleicht sollte man diese Art von Filmen als "Kleines Fernsehspiel" zeigen. Sehenswert ist dies ja aufgrund der ungewöhnlichen Aktuere, aber mit dem Leben hat das nichts zu tun.
hschmitter 13.12.2013
2. Ist doch langweilig
über die immer wieder selben Krimis mit vorhersehbaren Ausgang zu schreiben. Informieren sie mich bitte, falls es ARD/ZDF in der Krimiflut, in der sie den Zuschauer ertränken, mal EINEN sehenswerten Krimi sendet. Ich schau mir [...]
über die immer wieder selben Krimis mit vorhersehbaren Ausgang zu schreiben. Informieren sie mich bitte, falls es ARD/ZDF in der Krimiflut, in der sie den Zuschauer ertränken, mal EINEN sehenswerten Krimi sendet. Ich schau mir lieber am Sonntag auf arte "Frühstück bei Tiffany" an.
hschmitter 13.12.2013
3. Was ich noch vermisse
SOKOS mit einbeinigen, kleinwüchsigen, lesbischen Kommissarinnen (natürlich gleich ein Duo), einen Tatort mit Claudia Roth oder ein Ermittlerteam aus Angermünde-Nordost.
SOKOS mit einbeinigen, kleinwüchsigen, lesbischen Kommissarinnen (natürlich gleich ein Duo), einen Tatort mit Claudia Roth oder ein Ermittlerteam aus Angermünde-Nordost.
Blaue Libelle 13.12.2013
4. Diametral andersrum
Seit 37 Jahren finde ich im SPIEGEL erscheinende Film- und/oder TV-Kritik falsch, aber ich hoffe trotzdem, dass jemand vom Fernsehen das liest, denn minus mal minus ist ja plus!
Seit 37 Jahren finde ich im SPIEGEL erscheinende Film- und/oder TV-Kritik falsch, aber ich hoffe trotzdem, dass jemand vom Fernsehen das liest, denn minus mal minus ist ja plus!
EllenRinke 13.12.2013
5. Was für den Tatort gilt ...
... stimmt auch beim Polizeiruf: Lieber bei Leuten lesen, die etwas von der Materie verstehen. Zum Beispiel bei der Filmredaktion von TV Spielfilm. Die SPON-Verrisse sind einfach nur blödsinnig.
... stimmt auch beim Polizeiruf: Lieber bei Leuten lesen, die etwas von der Materie verstehen. Zum Beispiel bei der Filmredaktion von TV Spielfilm. Die SPON-Verrisse sind einfach nur blödsinnig.

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