Kultur

Umstrittenes ARD-"Framing Manual"

"Begrifflichkeiten, die keineswegs als Empfehlung anzusehen sind"

Seit Tagen sorgt ein Dokument der ARD für Diskussionsstoff. Darin geht es um Sprachstrategien, mit denen der Senderverbund sein Image aufpolieren will. Nun meldet sich die beteiligte Linguistin zu Wort.

DPA/ Eleonora Palmieri

Elisabeth Wehling

Dienstag, 19.02.2019   14:49 Uhr

Die 89-seitige Abhandlung trägt den Titel "Framing Manual". Die Quintessenz des von der ARD in Auftrag gegeben Gutachtens: Der Senderverbund braucht ein "moralisches Framing", um sein Image aufzupolieren. Eine Sprache, die positive Assoziationen weckt. Schon wurde Kritik laut, dass mit Gefühlen anstatt mit Fakten argumentiert werde .

Nun hat sich die renommierte Linguistin Elisabeth Wehling dazu geäußert. Sie war maßgeblich an dem Papier beteiligt. "In jeder Debatte der Demokratie geht es um Fakten", schreibt Wehling in ihrer "Klarstellung zur aktuellen Debatte". Diese würden von unterschiedlichen Seiten durch Worte unterschiedlich interpretiert - je nach Standpunkt. Eine bewusstes Einordnen der Fakten sei daher zentral. "Denn: Sprache schafft Bewusstsein."

Vor diesem Hintergrund weist die Linguistin, die an der University of Berkley arbeitet, darauf hin, dass es sich bei dem zwei Jahre alten Dokument um eine Arbeits- und Diskussionsunterlage handele, um daraus Kommunikationsgrundlagen abzuleiten. "Darum befinden sich auch Begrifflichkeiten darin, die keineswegs als Empfehlung anzusehen sind."

Dabei dürfte sie Begriffe wie "medienkapitalistische Heuschrecken" als Synonym für Privatsender meinen oder um "unser gemeinsamer, freier Rundfunk ARD", um das Wirgefühl der Zuschauer zu erzeugen.

ARD und ZDF drohen Etatkürzungen

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk in Deutschland sieht sich, ebenso wie Sender in einigen anderen europäischen Ländern, einem massiven Vertrauensverlust ausgesetzt. "Staatsfunk", "Zwangssteuer" und "Lügenpresse" lauten die Kampfbegriffe, mit denen die Gegner Stimmung gegen die abgabefinanzierten Anstalten machen. Im März wird über eine Reform der Finanzierung beraten, die ARD und ZDF kleinere Etats bescheren könnte.

Um dem schlechten Image entgegenzuwirken, hatte die ARD daher das Gutachten in Auftrag gegeben, an dem eben auch Wehling beteiligt war. Die renommierte Linguistin war es dann, die den in Fachkreisen schon lange bekannten Begriff Framing in die öffentliche Debatte gebracht hatte. 2016 erschien ihr Buch "Politisches Framing: Wie eine Nation sich ihr Denken einredet - und daraus Politik macht".

brs

insgesamt 49 Beiträge
jujo 19.02.2019
1. ....
Ich habe Frau Wehling sowohl in einer Sendung auf 3Sat mit Scobel und in einer ARD Talkrunde mit Plasberg erlebt. Jedesmal hatte ich den Eindruck, das nicht nur ich, sondern auch die Teilnehmer z.B. bei Plasberg überfordert [...]
Ich habe Frau Wehling sowohl in einer Sendung auf 3Sat mit Scobel und in einer ARD Talkrunde mit Plasberg erlebt. Jedesmal hatte ich den Eindruck, das nicht nur ich, sondern auch die Teilnehmer z.B. bei Plasberg überfordert waren. Selbst als sie versuchte weniger akademisch zu erklären , hellten sich die Mienen kaum auf. Das die Frau etwas von ihrem Metier versteht ist auch damit zu erklären, das sie die Wahl von Trump vorausgesagt hatte. Ich würde mir wünschen, das sie dem Team des Herausforderers von Trump mitarbeitet, sollte er nocheinmal antreten. Immerhin entstammt sie einer sozialdemokratisch gesinnten Familie.
unaufgeregter 19.02.2019
2. Framing
In der vergangen Zeit konnte ich mich oft nicht des Eindrucks erwehren, dass ich von der ARD "erzogen" werden soll. Es fing an fürchterlich zu nerven und ich sehe diesen Sender nicht mehr. Danke für die Info. Letztlich [...]
In der vergangen Zeit konnte ich mich oft nicht des Eindrucks erwehren, dass ich von der ARD "erzogen" werden soll. Es fing an fürchterlich zu nerven und ich sehe diesen Sender nicht mehr. Danke für die Info. Letztlich ist Framing für mich Manipulation und die kann ich nun wirklich nicht gebrauchen.
Mehrleser 19.02.2019
3.
Hier erleben wir Framing durch die Verwendung des Begriffs "Framing" - schöne Metabene...
Zitat von unaufgeregterIn der vergangen Zeit konnte ich mich oft nicht des Eindrucks erwehren, dass ich von der ARD "erzogen" werden soll. Es fing an fürchterlich zu nerven und ich sehe diesen Sender nicht mehr. Danke für die Info. Letztlich ist Framing für mich Manipulation und die kann ich nun wirklich nicht gebrauchen.
Hier erleben wir Framing durch die Verwendung des Begriffs "Framing" - schöne Metabene...
fatherted98 19.02.2019
4. framing?
....musste ich erst mal nachschauen....naja....durch die Blume heißt es den Gegenüber zu manipulieren ohne das er es merkt....nur....das wird die ARD nicht schaffen....den die plumpe Berichterstattung ist so einseitig und [...]
....musste ich erst mal nachschauen....naja....durch die Blume heißt es den Gegenüber zu manipulieren ohne das er es merkt....nur....das wird die ARD nicht schaffen....den die plumpe Berichterstattung ist so einseitig und tendenziös dass auch der naivste Zuschauer es bemerkt. Da hilft auch keine Linguistin mehr.....die soweit ich mich an die Plasberg-Sendung erinnere....eh keiner richtig versteht (was bei dem Job bzw. der Berufsbezeichnung ja nun der absolute Witz ist).
Bondurant 19.02.2019
5. Peinlich
ist ihr das jetzt, verständlich. Man lese selbst: Inhalt des Auftrages des MDR während seines ARD-Vorsitzes war es, die Kommunikation der öffentlich-rechtlichen ARD als Institution zu analysieren und auf Basis der [...]
ist ihr das jetzt, verständlich. Man lese selbst: Inhalt des Auftrages des MDR während seines ARD-Vorsitzes war es, die Kommunikation der öffentlich-rechtlichen ARD als Institution zu analysieren und auf Basis der wissenschaftlichen Erfahrung aufzuzeigen, *welche Alternativen zu welchen Worten mit welchen Bedeutungsinhalten besetzt sind*. http://www.elisabethwehling.com/klarstellungzuraktuellendebatte also viel klarer kann man eine sogenannte Imagekampagne nicht umreißen. Man könnte das auch Propagandaauftrag nennen. Nicht die falschen Worte wählen. Wie war das noch: was gestern noch Entlassung hieß, heißt heute Freisetzung? Das war ja nun wirklich ein Schuss ins Knie. Herzlichen Glückwunsch, ARD und Frau Wehling (die übrigens nicht Professorin an der Universität Berkeley ist). Das Schlimmste ist das mangelnde Unrechtsbewusstsein.

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