Kultur

ARD-Sonntagskrimi

Der Berlin-"Tatort" im Schnellcheck

Clankriminalität in der Studentenbude, Cops mit Gangsterattitüde: Der "Tatort" taucht in Berliner Widersprüche ein - und dazu gibt es reichlich Deutschrap.

Marcus Glahn/ rbb
Von
Sonntag, 05.05.2019   16:00 Uhr

Das Szenario:

Stress auf der Straße, Furor in der Familie. Nach dem Mord an einer jungen Streifenpolizistin in der Koksstation eines Araberclans tun sich die kaputten Lebensentwürfe von Polizeibeamten auf: Kommissarin Rubin (Meret Becker) scheint den Bezug zu ihrem Sohn zu verlieren, der als Praktikant bei dem eskalierten Einsatz dabei war. Der Polizeiveteran Stracke (Peter Trabner), der bei dem Vorfall mit einem Schuss ins Bein davongekommen ist, verlor einst seinen Sohn an die Drogen und scheint nun ein gefährlich eigenwilliges Verhältnis zu Recht und Ordnung entwickelt zu haben.

Der Clou:

Der mit deutschem Gangsterrap vorangetriebene Kiezkrimi beginnt wie ein Abklatsch der Mafiaserie "4 Blocks" - wendet sich dann aber in ein klassisches Polizistendrama über einen Beamten, der nicht mehr an Rechtsstaatlichkeit glaubt.

Das Bild:

Bob-Marley-Plakat an der Wand, bunt zusammengestottertes Mobiliar in der Altbauküche - die Drogenumschlagplätze der Mafia sind auch nicht mehr das, was sie mal waren. In diesem "Tatort" nutzen die Gangster die Anonymität des Kurzzeitmietmarktes und verticken ihr Koks aus spätstudentischen Kiezlöchern. Oder wie Kommissar Karow (Mark Waschke) die Tücken der Berliner Airbnb-Ökonomie auf den Punkt bringt: "Drogendealer, Touristen, Hauptsache 80 Euro am Tag."

Der Spruch:

"Finger weg vom meinem Sohn, Alter!" Knallt Kommissarin Rubin dem Kollegen Karow vor den Latz, als der ihren Sohn unter seine Fittiche nimmt. Die Wut von Rubin ist verständlich: Karow kümmert sich nicht um den Jungen, weil er es gut mit ihm meint, sondern weil er Informationen will.

Der Song:

"Paradies" von Fler. Die Hymne auf das Leben als Möchtegerngangster erklingt gleich am Anfang, als Streifenpolizisten ihre Tour rund ums berüchtigte Kottbusser Tor machen. Vielleicht ein bisschen viel Gangsterfolklore.

Die Bewertung:

Sechs von zehn Punkten. Wie dieser "Tatort" am Anfang ein Clan-Thriller im Stil von "4 Blocks" antäuscht, um dann die Familienmodelle überforderter Polizisten als Melodram auszuleuchten, das hat schon was. Am Ende wirkt der Krimi in seinem verdichteten Personenensemble, in dem jeder mit jedem bekannt ist, aber etwas zu konstruiert.

Die Analyse:

Lesen Sie bitte hier weiter!


"Tatort: Der gute Weg", Sonntag, 20.15 Uhr, ARD

insgesamt 15 Beiträge
godspeedlildoodle 05.05.2019
1. Na toll :-(
Den beiden Ermittlern konnte ich zugegebenermaßen noch nie viel abgewinnen. Und auch, wenn ich die Bewertung hier teilweise nicht nachvollziehen kann, ermutigt mich eine 6 nicht gerade zum Einschalten. Schade.
Den beiden Ermittlern konnte ich zugegebenermaßen noch nie viel abgewinnen. Und auch, wenn ich die Bewertung hier teilweise nicht nachvollziehen kann, ermutigt mich eine 6 nicht gerade zum Einschalten. Schade.
newline 05.05.2019
2. @godspeedlildoodle
Sechs Punkte sind hier schon fast eine Empfehlung zum Einschalten. Tatorte, die hier in den höchsten Tönen gelobt wurden, fand ich, mit wenigen Ausnahmen, fürchterlich, verrissene dagegen ganz in Ordnung. Sind halt Tatorte, [...]
Sechs Punkte sind hier schon fast eine Empfehlung zum Einschalten. Tatorte, die hier in den höchsten Tönen gelobt wurden, fand ich, mit wenigen Ausnahmen, fürchterlich, verrissene dagegen ganz in Ordnung. Sind halt Tatorte, für mich in der Mehrheit kriminalistisches Bauerntheater.
schulz.dennis.84 05.05.2019
3. Wieso gibt es bei Spiegel Werbung für Tatort-Krimis?
Ich persönlich schaue schon seit Jahren keine Tatorte mehr an. Ich habe mich vor Jahren so über dieses politisch korrekte Erziehungsfernsehen insbesondere bei Tatort-Krimis geärgert. Ich bin mir vorgekommen wie damals die [...]
Ich persönlich schaue schon seit Jahren keine Tatorte mehr an. Ich habe mich vor Jahren so über dieses politisch korrekte Erziehungsfernsehen insbesondere bei Tatort-Krimis geärgert. Ich bin mir vorgekommen wie damals die Menschen in der ehemaligen DDR, die auch diese Manipulationsversuche in Dauerschleife nicht mehr ertragen konnten und zum Westfernsehen gewechselt sind. Aber jetzt mal ganz konkret: Wieso macht Spiegel Werbung für eine Sendung der öffentlich-rechtlichen Anstalten?
derhatschongelb 05.05.2019
4. @velbart
Sie meinen sicher die Polizei!
Sie meinen sicher die Polizei!
freidenker49 05.05.2019
5. So wie bei Spiegel online
Bestimmte Artikel nur gegen Extrazahlung erworben werden müssen, so sollte es auch mit dem Tatort sein. Dann würden die Anzahl der Zuschauer langsam gegen Null gehen. Wahrscheinlich ist jetzt schon die Besucherzahl dramatisch [...]
Bestimmte Artikel nur gegen Extrazahlung erworben werden müssen, so sollte es auch mit dem Tatort sein. Dann würden die Anzahl der Zuschauer langsam gegen Null gehen. Wahrscheinlich ist jetzt schon die Besucherzahl dramatisch gesunken, da die Konkurrenz von Netflix und Sky mit niedrigen Gebühren und tollen Angeboten eine dramatische Konkurrenz ist

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