Kultur

ARD-Sonntagskrimi

Der neue Wien-"Tatort" im Schnellcheck

Schnitzel und Gulasch, Korruption und Mord: Der Wien-"Tatort" führt in die kriminellen Zonen des österreichischen Politikbetriebs. Hochaktuell - aber leider viel zu kulinarisch.

Hubert Mican/ ORF/ ARD
Von
Sonntag, 02.06.2019   18:40 Uhr

Das Szenario:

Korruption in jeder Variation: Nach dem tödlichen Überfall auf eine Politikerfamilie werden Eisner (Harald Krassnitzer) und Fellner (Adele Neuhauser) mit verschiedenen Formen des Macht- und Amtsmissbrauchs konfrontiert. Der Innenminister versucht die Ermittlungen zu behindern, eine reiche ukrainische Geschäftsfrau wird der illegalen Parteienfinanzierung verdächtigt, und der Vater der Opferfamilie, der sich als Saubermann der österreichischen Politik zu inszenieren versucht, scheint Frau und Tochter tyrannisiert zu haben. Abgründe der Alpenrepublik.

Der Clou:

Das Politische ist privat. Dieser "Tatort", der irritierend viele Parallelen zum aktuellen Regierungschaos in Österreich aufweist, versucht Prozesse der Korruption von der kleinen sozialen Zelle bis zu großen politischen Zusammenhängen nachzuzeichnen.

Das Bild:

Ein großes, saftiges Stück Kalbsfleisch in Großaufnahme, das zu Schnitzel, Gulasch und Filetstreifen verarbeitet wird. Bei dieser Eröffnungssequenz des "Tatort" wird ein Fleischmesser benutzt wie es später auch zum Angriff auf die Politikerfamilie zum Einsatz kommt. Eine etwas manieristische Verquickung von Kulinarik und Verbrechen.

Der Spruch:

"Manchmal geht es in Österreich schneller als man denkt." Ein Drehbuchsatz, der lange vor den aktuellen Ereignissen in Österreich geschrieben wurde und nun vor dem Hintergrund des Ratzefatz-Regierungssturzes geradezu prophetisch wirkt.

Der Song:

"Gruppa Krovi/Blood Type" von Kino. Dieser geschmackvolle Postpunk-Hit von der Formation um den russischen Musiker Viktor Tsoi stammt aus dem Jahr 1988 und wird angespielt, als die österreichische Polizei in hilflosem Aktionismus den Wohnwagen einer osteuropäischen Prostituierten stürmt.

Die Bewertung:

5 von 10 Punkten. Erscheint auf den ersten Blick spektakulär, greift in der Analyse allerdings ein bisschen zu kurz. Das pompöse Korruptionsdrama wirkt vor der prolligen, dreckigen und rohen Realität des Strache/Kurz-Österreichs fast ein bisschen zu schön.

Die Analyse:

Lesen Sie bitte hier weiter!

"Tatort: Glück allein", Sonntag, 20.15 Uhr, ARD

insgesamt 9 Beiträge
newline 02.06.2019
1. Man kann
einem fiktiven Stück doch nicht die Realität zum Vorwurf machen.
einem fiktiven Stück doch nicht die Realität zum Vorwurf machen.
peeka(neu) 02.06.2019
2. Natürlich
werde ich den "Tatort" im Kontext der Ibizagate-Ereignisse sehen. Aber gleichzeitig habe ich gerade gelesen, dass die Musik der russischen Band "Kino" zum Einsatz kommt. Endlich kann meine Freundin nicht mehr [...]
werde ich den "Tatort" im Kontext der Ibizagate-Ereignisse sehen. Aber gleichzeitig habe ich gerade gelesen, dass die Musik der russischen Band "Kino" zum Einsatz kommt. Endlich kann meine Freundin nicht mehr behaupten, ich würde nur Musik für alte Menschen hören...
Häbsch 02.06.2019
3. düster
wie seit Monaten die Szenen in den Tatorts, miserabel ausgeleuchtet, kaum ein Gesicht zu erkennen, viel Gegenlicht... Das soll wohl kineastische Kunst sein?! Wenn wenigstens die Sprache verständlich wäre, könnte man vermuten, [...]
wie seit Monaten die Szenen in den Tatorts, miserabel ausgeleuchtet, kaum ein Gesicht zu erkennen, viel Gegenlicht... Das soll wohl kineastische Kunst sein?! Wenn wenigstens die Sprache verständlich wäre, könnte man vermuten, wer da gerade spricht. Nach einer Viertelstunde abgeschaltet.
pietschko 02.06.2019
4.
ich fand den tatort gut. insbesondere im vergleich zum tatort letzte woche. spannend bis zum ende. viele witzige uund charmante details. schöne, persönliche dialoge mit atmosphäre und glaubhaftigkeit. mittlerweile ein team, das [...]
ich fand den tatort gut. insbesondere im vergleich zum tatort letzte woche. spannend bis zum ende. viele witzige uund charmante details. schöne, persönliche dialoge mit atmosphäre und glaubhaftigkeit. mittlerweile ein team, das liefert. kompliment nach österreich.
power.piefke 03.06.2019
5. @Häbsch
wenn Sie die Atmosphäre des Films nicht mochten, geschenkt, Ihre Sache. Ihre mangelnden Deutschkenntnisse können Sie den Machern allerdings nicht zum Vorwurf machen. Aus meiner Sicht war das einer der besseren Tatorte. Über [...]
wenn Sie die Atmosphäre des Films nicht mochten, geschenkt, Ihre Sache. Ihre mangelnden Deutschkenntnisse können Sie den Machern allerdings nicht zum Vorwurf machen. Aus meiner Sicht war das einer der besseren Tatorte. Über Geschmack lässt sich aber streiten....

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