Leben und Lernen

Auf Patrouille am Amazonas

Polizisten, die auf Büffeln reiten

Zur Regenzeit ist die brasilianische Insel Marajo komplett überschwemmt. Mit Autos und Pferden kommt man da nicht weit. Aber die Polizisten wissen sich zu helfen: Sie gehen mit Wasserbüffeln auf Streife.

DPA
Donnerstag, 05.01.2017   08:16 Uhr

Schon nach einer Minute wird die Patrouillentour von Sergeant Vitelli Cassiano abrupt gestoppt. Ein Kuhfladen platscht auf die staubige rote Sandpiste. Dann setzt sich der Wasserbüffel wieder in Bewegung. Seit 23 Jahren ist Cassiano stolzes Mitglied der einzigen Reiterstaffel der Welt, die auf Wasserbüffeln auf Streife geht.

Die brasilianische Insel Marajo ist die größte Flussinsel der Welt, mit rund 40.000 Quadratkilometern ist sie fast genauso groß wie die Schweiz. Sie liegt im Norden Brasiliens, im Mündungsgebiet des Amazonas, ein Teil grenzt direkt an den Atlantik.

Schon am Fähranleger der verschlafenen Hauptstadt Soure wird für Eis aus Büffelmilch geworben. Das Logo der Eisfirma ziert ein lachender schwarzer Büffel mit elegant geschwungenen Hörnern. Das Wappen der Polizei in Soure zeigt einen schwarzen Büffel in einem blauen Fluss.

Ob als Nutz- oder Haustier, einen Büffel hat hier fast jede Familie. Es gibt Büffelmilch, Büffelkäse, Büffelfleisch. "Das ist unser Leben. Und unser Essen", sagt Cassiano.

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Polizei in Brasilien: Auf Streife mit einem Wasserbüffel

Mindestens 200.000 Wasserbüffel soll es auf der ganzen Insel geben, Schätzungen reichen bis zu einer Million. Der Legende nach stammen sie ab von Tieren, die sich um das Jahr 1890 von einem vor der Küste verunglückten Frachtschiff retten konnten. "Die andere Version besagt, dass sie über Großgrundbesitzer hierhin gekommen sind, die sie aus Asien eingeführt haben", sagt Polizeichef Oscar Guimaraés. Klima und Landschaft, alles sei perfekt hier für sie.

Marajo hat viele sumpfige Mangrovenwälder. In der Regenzeit ist das von vielen Flüssen durchzogene Gebiet mit Autos und Pferden kaum zu durchqueren, alles ist überschwemmt. So kam die Polizei auf die Idee mit der Büffelstreife.

Wenn ein Dieb durch einen der Flüsse flüchte, könne er per Büffel besser gestellt werden, sagt Guimaráes. Bis zu 30 km/h schnell können die Tiere werden.

Der Wechsel vom Pferd zum Büffel sei nur "eine kleine Adaption", sagt Guimaráes: "Das Pferd bremst man über das Maul, den Büffel über die Nase." Die Zügel sind an Nasenringen befestigt.

Fünf Büffel hat die Polizei im Einsatz, drei Autos, zwei Motorräder. Sergeant Cassiano kommt morgens um acht zum Hauptquartier, die Büffel stehen auf dem benachbarten Fußballplatz, alle haben einen Namen. Baratchina, 10 Jahre alt, wird erst einmal gewaschen, das Fell ist mit Lehm verklebt. Dann geht es los.

In den Sümpfen wird der Polizist heftig von Moskitos attackiert, Baratchina sinkt fast komplett ein. Auf den Straßen grüßt Cassiano majestätisch vom Sattel, mit einem Mopedfahrer hält er einen Plausch. Gibt es hier überhaupt schwere Verbrechen?

"Höchstens ein Mord pro Jahr", sagt Kommandant Guimaráes. Es gebe vor allem Probleme mit Drogenhandel. "Und es werden viele Büffel gestohlen."

vet/dpa

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