Leben und Lernen

Trump-Sprecher Sean Spicer

Job mit Schleudersitz

Wenn Loyalität über Fakten geht: Trump-Sprecher Sean Spicer zeigt schon in seinen ersten Amtstagen, wie stark sich Pressesprecher manchmal verbiegen müssen. Er ist nicht der Erste.

REUTERS
Von
Dienstag, 24.01.2017   17:36 Uhr

Der Job hat seine Tücken, keine Frage. Manchmal muss man als Pressesprecher Deutungen seines Arbeitgebers verkünden, die mit der eigenen Meinung nicht unbedingt übereinstimmen. Manchmal muss man aggressiv sein, wenn man lieber versöhnlich wäre. Manchmal muss man lügen, wider besseren Wissens.

Sean Spicer, Sprecher des Weißen Hauses und damit das neue Sprachrohr Donald Trumps, zeigt in diesen Tagen auf beeindruckende Weise, zu welchen Realitätsverbiegungen er aus Loyalität zu seinem Chef heraus in der Lage ist. Dessen Amtseinführung sei die meistgesehene aller Zeiten gewesen, behauptete der 45-Jährige - und wurde sogleich der Lüge überführt. Medien präsentierten Fotos, die seine Aussage widerlegten.

Spicers Entgegnung, man könne Fakten eben unterschiedlich interpretieren, rief nur noch mehr Spott hervor. Er muss allerdings aufpassen, dass er nicht gegen die eiserne Regel für Pressesprecher verstößt: Nie selbst zum Thema werden. Denn dann könnte es schnell vorbei sein, der Job ist ein Schleudersitz.

Als im Sommer 2014 Obamas damaliger Sprecher Jay Carney ging, twitterte sein Amtsvorgänger Ari Fleischer, Sprecher unter George W. Bush, lakonisch: "Ich heiße Jay Carney willkommen im Ex-Pressesprecher-Club. Egal, was man von Jay oder seinem Boss halten mag: Es ist ein harter und wunderbarer Job."

Bei manchen Sprechern geht die Loyalität sogar über ihre Amtszeit hinaus: Selbst im Nachhinein geben sie den Sündenbock für Verfehlungen ihrer Chefs - klicken Sie sich durch die Galerie der entlassenen Pressesprecher.

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Pressesprecher auf Schleudersitzen: Verpeilt, verplant, verquatscht
insgesamt 20 Beiträge
reflektiert_ist_besser 24.01.2017
1. Pressesprecher beim Lügenbaron
Pressesprecher beim Lügenbaron ist ein zutiefst undankbarer Job. Und Sean Spicer ist eigentlich schon am ersten Tag verbrannt. Wer so offensichtlich lügt wie er es gemacht hat, der kann gleich aufgeben. Zumal die Nötigungen vom [...]
Pressesprecher beim Lügenbaron ist ein zutiefst undankbarer Job. Und Sean Spicer ist eigentlich schon am ersten Tag verbrannt. Wer so offensichtlich lügt wie er es gemacht hat, der kann gleich aufgeben. Zumal die Nötigungen vom Trumpeltier auch für einen Menschen mit nur einem Rest an Anstand auf Dauer nicht auszuhalten sind. Also: die Tage sind gezählt.
p.rubirosa 24.01.2017
2. Im Grunde glaubwürdig
Die Frage in diesem Fall ist doch, ob sich Spicer überhaupt verbiegen musste und entgegen seinem persönlichen Wissensstand verstoßen hat. Denn so vehement, wie er auf diese seine Faktenlage bezüglich der Menschenmenge bei der [...]
Die Frage in diesem Fall ist doch, ob sich Spicer überhaupt verbiegen musste und entgegen seinem persönlichen Wissensstand verstoßen hat. Denn so vehement, wie er auf diese seine Faktenlage bezüglich der Menschenmenge bei der Inauguration während der PK gepocht hat ("..period!"), schien er tatsächlich daran zu glauben, was er da von sich gegeben hat.
eks2040 24.01.2017
3. Trump... Presse-Sprecher
Die Viewer der Amtseinfuehrung in Anzahl ist eigentlich nicht der Rede wert. Aber die Presse macht alle Anstrengungen, den Praesidenten zu verunglimpfen. Spicer sprach von Viewern einschliesslich TV und anderer Social Media, die [...]
Die Viewer der Amtseinfuehrung in Anzahl ist eigentlich nicht der Rede wert. Aber die Presse macht alle Anstrengungen, den Praesidenten zu verunglimpfen. Spicer sprach von Viewern einschliesslich TV und anderer Social Media, die Pressse von den in Washington anwesenden und vor dem Weissen Haus aufgestellten Besuchern. Was der Artikel nicht bringt, ist die Tatsache, dass der Rerpraesentant des Reporter-Pools berichtete, dass Pres. Trump die im Oval Office vorhandene Bueste von Martin Luther King abgeraeumt hatte, eine echte Falschmeldung, die an die interesssierten 3000 Media Oranisationen ging, und spaeter mit einer kurzen Entschuldigung beglichen wurde. Es ist schon ein starkes Stueck, auch fuer die D-Presse nur Halbwahrheiten zu berichten.. und das gegen besseren Wissens. Schade.
H.Schulz 24.01.2017
4. Comical Ali
Muhammad as-Sahhaf, auch Comical Ali genannt, der Pressesprecher von Saddam Hussein, verkündete mit Vehemenz, dass die irakischen Truppen die Amerikaner an allen Fronten zurückschlagen würden, während im Hintergrund bereits [...]
Muhammad as-Sahhaf, auch Comical Ali genannt, der Pressesprecher von Saddam Hussein, verkündete mit Vehemenz, dass die irakischen Truppen die Amerikaner an allen Fronten zurückschlagen würden, während im Hintergrund bereits amerikanische Panzer durch Bagdad rollten. Vermutlich hat Comical Ali nun einen Beraterjob der neuen Trump-Administration bekommen. Übrigens schien zur Inauguration des neuen Präsidenten auch die Sonne. Fotos, die Regenmäntel zeigen, sind eine grobe Photoshop-Fälschung. Überhaupt ist Regen zur Unzeit Teil der chinesischen Klima-Verschwörung. Comical Jean, weiter so, Real-Satire macht am meisten Spaß. I love "alternative facts". Wir sind gespannt auf die nächsten Folgen von "The NEW PRESIDENT apprentice"
jogo_ep-fan 24.01.2017
5.
Ähm.... Mr. Trump und Mr. Spicer scheint die Besucheranzahl offenbar sehr wichtig zu sein. Unwichtigkeiten behandelt man nicht über zwei Pressekonferenzen hinweg und bei Unwichtigkeiten gibt es auch keinen Grund zu lügen, [...]
Zitat von eks2040Die Viewer der Amtseinfuehrung in Anzahl ist eigentlich nicht der Rede wert. Aber die Presse macht alle Anstrengungen, den Praesidenten zu verunglimpfen. Spicer sprach von Viewern einschliesslich TV und anderer Social Media, die Pressse von den in Washington anwesenden und vor dem Weissen Haus aufgestellten Besuchern. Was der Artikel nicht bringt, ist die Tatsache, dass der Rerpraesentant des Reporter-Pools berichtete, dass Pres. Trump die im Oval Office vorhandene Bueste von Martin Luther King abgeraeumt hatte, eine echte Falschmeldung, die an die interesssierten 3000 Media Oranisationen ging, und spaeter mit einer kurzen Entschuldigung beglichen wurde. Es ist schon ein starkes Stueck, auch fuer die D-Presse nur Halbwahrheiten zu berichten.. und das gegen besseren Wissens. Schade.
Ähm.... Mr. Trump und Mr. Spicer scheint die Besucheranzahl offenbar sehr wichtig zu sein. Unwichtigkeiten behandelt man nicht über zwei Pressekonferenzen hinweg und bei Unwichtigkeiten gibt es auch keinen Grund zu lügen, dass sich die Balken biegen und keinen Grund der Presse zu drohen.

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