Leben und Lernen

Dschungelcamp statt Krankenbett

Lehrerin schwänzt Schule - Strafbefehl!

Lehrerin Viktoria Volk meldete sich krank - und flog nach Australien, wo ihre Tochter Nathalie am RTL-Dschungelcamp teilnahm. Nun verhängte ein Gericht eine Geldstrafe von 7000 Euro.

RTL/ Stefan Menne

Nathalie Volk im Dschungelcamp: Mutterbesuch mit Folgen

Mittwoch, 07.12.2016   17:58 Uhr

Erst beantragte sie Sonderurlaub - doch als der nicht bewilligt wurde, meldete sich Viktoria Volk, Mathe- und Physiklehrerin am Gymnasium Soltau, arbeitsunfähig. Daraufhin flog sie nach Australien, um ihrer Tochter Nathalie beizustehen, die dort zu der Zeit an der RTL-Sendung "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus" teilnahm.

Jetzt hat das Amtsgericht Soltau einen Strafbefehl von 7000 Euro gegen die Lehrerin verhängt. Die Staatsanwaltschaft Lüneburg habe die Geldstrafe "wegen Gebrauchs eines unrichtigen Gesundheitszeugnisses" beantragt, teilte eine Sprecherin mit.

Der Beschuldigten wird vorgeworfen, beim Schulleiter des Gymnasiums Soltau eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung für den Zeitraum 07.01. bis 29.01.2016 eingereicht zu haben, obwohl sie wusste, dass eine Erkrankung nicht vorlag. Der Strafbefehl geht davon aus, dass die Lehrerin eine Ärztin durch wahrheitswidrige Angaben dazu veranlasst hatte, ihr die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung wegen eines Erschöpfungszustandes auszustellen - um ihre Tochter im Januar 2016 ins "Dschungelcamp" begleiten zu können.

Schulbehörde leitete Disziplinarverfahren ein

"Der Strafbefehl ist nicht rechtskräftig", sagte die Sprecherin am Mittwoch. "Wir werden den Strafbefehl nicht akzeptieren, innerhalb der laufenden Frist Einspruch einlegen und erforderlichenfalls den rechtlichen Weg ausschöpfen", teilte Andreas Hebestreit, der Anwalt der Lehrerin, mit. "Meine Mandantin war tatsächlich erkrankt, anderslautende Mutmaßungen weisen wir entschieden zurück."

Gegen die Ärzte würde nicht weiter ermittelt, hieß es. Es bestehe kein hinreichender Tatverdacht für ein vorsätzliches unrichtiges Ausstellen der Gesundheitszeugnisse.

Die Landesschulbehörde leitete ein Disziplinarverfahren ein. "Wir warten darauf, dass uns der Strafbefehl zugeht und werden dann die notwendigen Schritte einleiten", sagte eine Sprecherin. Die Möglichkeiten reichten vom Verweis bis zur Entfernung aus dem Beamtenverhältnis.

Nach ihrer Rückkehr aus Australien war die Mutter zunächst wieder an der Schule im Einsatz gewesen, wie der NDR damals berichtete. Damals ließ sie über ihren Anwalt mitteilen, sie habe sich nichts zuschulden kommen lassen. Sie sei erkrankt, nachdem ihre Beurlaubung abgelehnt worden war. Es bestehe kein Zusammenhang zwischen dem abgelehnten Urlaub und der Krankschreibung. Sogar zwei Ärzte hätten die Lehrerin krankgeschrieben. Und weil keine Residenzpflicht bestehe, hätte die Lehrerin nicht unentschuldigt gefehlt.

Bereits im Februar hatte dann jedoch die niedersächsische Landesschulbehörde mitgeteilt, dass Viktoria Volk nicht mehr an der Schule tätig ist. Allerdings wollte sich die Behörde nicht dazu äußern, ob Viktoria Volk freigestellt worden ist oder ob sie die Schule freiwillig verlassen hat.

lgr/dpa

insgesamt 40 Beiträge
kapamb 07.12.2016
1. Das passiert jeden Tag
Das ist doch gängige Praxis in der Arbeitswelt. Wer keine Lust zum Arbeiten hat, geht zum Arzt und lässt sich einfach krankschreiben. Die Ärzte machen das fast immer mit, fragen noch wie lange man die Krankschreibung wünscht. [...]
Das ist doch gängige Praxis in der Arbeitswelt. Wer keine Lust zum Arbeiten hat, geht zum Arzt und lässt sich einfach krankschreiben. Die Ärzte machen das fast immer mit, fragen noch wie lange man die Krankschreibung wünscht. Der Arbeitgeber darf das finanzieren. Staatsanwälte hätten viel zu tun wenn diese diesen Betrug konsequent verfolgen würrden und den willigen Ärzten gehörte gleich die Approbation entzogen
hmutt 07.12.2016
2. Strafe
Da fragt es sich, womit sie mehr gestraft ist, mit den 7000EUR oder mit so einer dämlichen Tochter...
Da fragt es sich, womit sie mehr gestraft ist, mit den 7000EUR oder mit so einer dämlichen Tochter...
hadriani 07.12.2016
3. Krank und nach Australien fliegen ... deutsche Lehrer ....
... das hätte ich mal machen sollen, mich krankschreiben lassen und dann wochenlang nach Australien fliegen. Spätestens bei der Rückkehr hätte man mich vor die Tür gesetzt. Es geht nicht darum, ob im Krankheitsfall jemand [...]
... das hätte ich mal machen sollen, mich krankschreiben lassen und dann wochenlang nach Australien fliegen. Spätestens bei der Rückkehr hätte man mich vor die Tür gesetzt. Es geht nicht darum, ob im Krankheitsfall jemand permanent zu Hause rumsitzt oder im Bett liegt. Der Unterschied liegt doch hier klar auf der Hand, dass ein nicht genehmigter Urlaub mittels Krankschreibung (irgendwelche Probleme lassen sich immer finden) erpresst wird. Wenn die Tochter sich im Dschungelcamp darstellen will, ist das eine Sache. Aber es ist eine Frechheit, dass deshalb Urlaub verlangt wird, ihre Kolleginnen und Kollegen den Dienst übernehmen müssen bzw. in letzter Konsequenz, dies auch auf dem Rücken der Schüler ausgetragen wird. Ein Beamter hat dem Staat zu dienen, deshalb wird er auch entsprechend finanziell versorgt. Bekanntlich sind die Urlaubszeiten der Lehrer deutlich geregelt.
alaba27 07.12.2016
4. @ 1
Das mag sein - und ich finde es verwerflich. Wenn man vorher auch noch Urlaub beantragt, dann ist der Vorsatz offensichtlich => fristlose Kündigung !
Das mag sein - und ich finde es verwerflich. Wenn man vorher auch noch Urlaub beantragt, dann ist der Vorsatz offensichtlich => fristlose Kündigung !
seikor 07.12.2016
5. bevor hier das Lehrer-Bashing los geht...
... erst einmal Post 1 lesen - ja, es geht um eine (1!) Lehrerin. Und das Urteil ist noch nicht einmal rechtskräftig!? Es ist also noch nicht einmal erwiesen (wie auch immer das gehen soll), ob die Lehrerin nicht wirklich krank [...]
... erst einmal Post 1 lesen - ja, es geht um eine (1!) Lehrerin. Und das Urteil ist noch nicht einmal rechtskräftig!? Es ist also noch nicht einmal erwiesen (wie auch immer das gehen soll), ob die Lehrerin nicht wirklich krank war? Dann gilt die Unschuldsvermutung. Viel interessanter und auch zahlenmäßig häufiger dürfte der Fall sein, dass sich Schüler über ihre Eltern oder über ärztliche Atteste Entschuldigungen holen, weil sich nicht auf ihre Klassenarbeiten gelernt haben. Aber das ist ja nicht einmal in Zeiten der unsäglichen Pisa-Studien berichtenswert...
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