Leben und Lernen

Schule lehnt Kind von AfD-Politiker ab

Stellt euch dem Streit!

Eine Berliner Waldorfschule will das Kind eines AfD-Politikers nicht aufnehmen. Ihre Lehrer versuchen, die Politik aus dem Schulalltag herauszuhalten. Was für ein Fehler.

DPA

Schulen, Stätten der Meinungsbildung (Symbolbild)

Ein Kommentar von
Montag, 17.12.2018   15:01 Uhr

"Eine Schule ist wie das Brennglas der Gesellschaft." Dieses Zitat geht gerade bundesweit durch die Presse. Es stammt vom Geschäftsführer einer Berliner Waldorfschule, deren Kollegium entschieden hat, das Kind eines hochrangigen AfD-Politikers abzulehnen.

Der Geschäftsführer hat recht und deshalb ist diese Entscheidung inkonsequent. Schulen sind Brenngläser, keine Bollwerke. Die Politik, die mancher gern aussperren würde, ist längst drin. Bundesweit sympathisieren Schulleiter, Lehrer, Schüler, Eltern mit der AfD. Sie sitzt in allen Landtagen und im Bundestag.

Warum sollte eine einzelne Schule also ein einzelnes Kind ausschließen, das für seine Eltern nichts kann? Es mag der Imagepflege dienen. Waldorfschulen versuchen schon seit Jahren, den Stempel loszuwerden, Zufluchtsstätte für Eltern und Lehrer mit rechten Ansichten zu sein.

Es mag sich auch gerecht anfühlen, weil AfD-Politiker Lehrer anderswo gezielt einschüchtern. Auch an der Berliner Waldorfschule empfinden manche Eltern und Lehrer die politischen Sprüche des besagten Vaters offenbar als Bedrohung.

Auch Lehrer dürfen kontroverse Meinungen vertreten

Trotzdem, wir müssen uns dem täglichen Streit stellen: Welche Werte sind uns wichtig? Was trennt uns, was hält uns zusammen? Wie können wir der Intoleranz entgegentreten? Diese Dinge müssen wir immer wieder neu aushandeln, nicht nur im Bundestag, auch in den Schulen.

Das ist mühsam und zeitraubend, viele Lehrer sind darauf schlecht vorbereitet und vermeiden lieber den Konflikt. Das ist der leichtere Weg, doch es ist der falsche. Wir müssen uns fair und konstruktiv streiten, gerade in den Schulen, die Kinder und Jugendliche mit einer reifen Haltung verlassen sollen.

Dass Lehrer dabei keine eigene Meinung äußern dürfen, ist ein Missverständnis. Sie dürfen niemanden mit ihrer Ansicht überrumpeln. Und sie müssen für die freiheitlich-demokratische Grundordnung eintreten. Solange sie beides befolgen, dürfen auch Lehrer durchaus kontroverse Meinungen vertreten - auch im Klassenzimmer.

Die Berliner Waldorfschule überlässt diesen wichtigen Austausch nun anderen. Und die AfD kann sich wieder als Opfer einer feindlich gesinnten Mehrheitsgesellschaft inszenieren. Das ist ein Punktsieg, den sie nicht verdient hat.

insgesamt 105 Beiträge
hasselblad 17.12.2018
1.
Die Tiefbraunen von der "Alternative" bloßzustellen und auszugrenzen ist per se eine prima Idee, aber deren Kinder in Sippenhaft zu nehmen ist ein Fehler, was können die denn für die Verblendung ihrer Eltern. [...]
Die Tiefbraunen von der "Alternative" bloßzustellen und auszugrenzen ist per se eine prima Idee, aber deren Kinder in Sippenhaft zu nehmen ist ein Fehler, was können die denn für die Verblendung ihrer Eltern. Stattdessen sollte man sie erst recht bilden, um rechtsextremer Indoktrination im Elternhaus entgegenzuwirken. Ihnen adäquate Bildung zu verweigern, bloß weil die Eltern dumm sind, führt doch erst recht dazu, dass sie am Ende als neue Generation fähnchenschwenkender Hutbürger ins Erwachsenenleben entlassen werden, und die, die es schon gibt, sind Blamage genug, es müssen nicht noch welche nachwachsen.
fungel99 17.12.2018
2. Bitte um Aufklärung
Wann genau hat die AfD sich in diesem Fall als "Opfer" inszeniert? Das ist schon der Gipfel der perfiden Geschmacklosigkeit: erst sämtliche AfD Mitglieder und -wähler permanent als Nazis beschimpfen, dabei nicht einmal vor [...]
Wann genau hat die AfD sich in diesem Fall als "Opfer" inszeniert? Das ist schon der Gipfel der perfiden Geschmacklosigkeit: erst sämtliche AfD Mitglieder und -wähler permanent als Nazis beschimpfen, dabei nicht einmal vor Kindern halt machen...und sich hinterher noch hinstellen und ihnen vorwerfen, sie würden sich als Opfer inszenieren.
carlitom 17.12.2018
3.
Eine Waldorfschule ist eine Privatschule. Sie darf sich ihre Schüler aussuchen wie jede andere Privatschule auch. Und Rechte abzulehnen ist vor allem dann besonders verständlich, weil es hier eben nicht nur um die Schüler geht, [...]
Eine Waldorfschule ist eine Privatschule. Sie darf sich ihre Schüler aussuchen wie jede andere Privatschule auch. Und Rechte abzulehnen ist vor allem dann besonders verständlich, weil es hier eben nicht nur um die Schüler geht, sondern gerade bei Waldorfschulen die Elternarbeit und die Klassengemeinschaft (also Schüler und Eltern) eine wichtige Rolle spielen. Am absurdesten ist es ja immer, dass gerade diejenigen, die Diskriminierung und Rassismus zum Markenkern ihres Engagements gemacht haben, es dann als Diskriminierung ansehen, wenn man mit solchen Typen nichts zu tun haben will. Dann schreien sie am lautesten. Viel leiser sind sie, wenn es um die Diskriminierung Schwuler oder Schwarzer geht. Da findet man leider keine Kämpfer gegen Diskriminierung in ihren Reihen. Tja,...
a.usemann 17.12.2018
4. "Wir müssen leider draussen bleiben"
In "unserer" Waldorfschule gab es einen Jungen mit rechten Parolen, den haben die Lehrer bestens wieder runter bekommen.Wenn aber ein rechtes Elternhaus dahinter steht, dann ist das schwierig. Wie dem auch sei, wir [...]
In "unserer" Waldorfschule gab es einen Jungen mit rechten Parolen, den haben die Lehrer bestens wieder runter bekommen.Wenn aber ein rechtes Elternhaus dahinter steht, dann ist das schwierig. Wie dem auch sei, wir Waldorfeltern sind nicht dafür zuständig, den Austausch mit rechts zu unterstützen, nicht mal dafür da, ihn zu tolerieren. Wer öfters mal mit hartrechts diskutiert hat weiss, dass es da keine echte Diskussion gibt und das Ganze recht anstrengend wird. Dieser Kommentar ist recht nett zu verstehen von aussen, wo sowohl der Schreiber als auch die Mehrheit der LeserInnen stehen wird, von innen möchte ich kurz und bündig sagen, ich möchte keinen rechten Dreck im Umfeld meiner Kinder und auf Elternabenden möchte ich dem auch nicht begegnen.Die machen nämlich alles irgendwie schmutzig, womit sie in Berührung kommen. Man kann die Ablehnung ebenso als Signal betrachten, dass für hartrechts kein Platz geboten wird im Sinne von "wir müssen leider draussen bleiben." Solche Signale würde ich mir viel öfter wünschen.(!) Dass Waldorf immer noch gegen das "Rechts-Stigma" kämpft lässt sich für so einen Artikel aus großer Distanz zwar fein behaupten ist aber ein ganz altes Mißverständnis , das längst aufgeklärt worden ist und eigentlich kaum noch diskutiert wird. Im real life ist das Waldorfklientel im Zweifel sogar eher recht weit links.
carlitom 17.12.2018
5.
Angesichts dessen, wie häufig die Waldorfschulen (gerne von Hatern mit zwei l geschrieben, was deren Ahnung vom Thema belegt) angegriffen, mit dümmsten Behauptungen und Unterstellungen verhöhnt werden und sogar auf eine [...]
Zitat von hasselbladDie Tiefbraunen von der "Alternative" bloßzustellen und auszugrenzen ist per se eine prima Idee, aber deren Kinder in Sippenhaft zu nehmen ist ein Fehler, was können die denn für die Verblendung ihrer Eltern. Stattdessen sollte man sie erst recht bilden, um rechtsextremer Indoktrination im Elternhaus entgegenzuwirken. Ihnen adäquate Bildung zu verweigern, bloß weil die Eltern dumm sind, führt doch erst recht dazu, dass sie am Ende als neue Generation fähnchenschwenkender Hutbürger ins Erwachsenenleben entlassen werden, und die, die es schon gibt, sind Blamage genug, es müssen nicht noch welche nachwachsen.
Angesichts dessen, wie häufig die Waldorfschulen (gerne von Hatern mit zwei l geschrieben, was deren Ahnung vom Thema belegt) angegriffen, mit dümmsten Behauptungen und Unterstellungen verhöhnt werden und sogar auf eine Stufe mit Rechten oder Sekten gestellt werden, ist es ganz besonders wichtig, solchen Idiotien dummer Menschen nicht noch Nahrung zu geben, indem man solche Elternschaften in die Schulgemeinschaft integriert. Und nein, es ist keine Sippenhaft. Waldorfschule ist nicht wie staatliche Schule, wo die Eltern, wenn sie Lust haben, ein Mal im Jahr zum Elternabend oder zum Weihnachtsbazar kommen. Waldorfschule ist ganzjähriges Engagement und Beteiligung der ganzen Familie. Solche Menschen darf man nicht in seinen Reihen dulden, wenn man die Wahl hat. Eine Privatschule hat die Wahl. Das "arme" Kind Rechtsradikaler findet problemlos einen Platz in einer staatlichen Schule. Keine Sorge.
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