Leben und Lernen

Fotoprojekt über junge Frauen in den USA

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Die Fotografin Eva Verbeeck reiste durch die USA. Ihr Motiv: junge Frauen. Hunderte hat sie porträtiert - und zeigt sie in ihrer Verletzlichkeit und Stärke.

Eva Verbeeck
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Montag, 30.09.2019   20:29 Uhr

Die zehnjährige Hailey trägt ein Cheerleader-Outfit, einen kurzen pink-blauen Anzug mit Pailletten und eine große blaue Schleife auf dem Kopf, sie sitzt vor einer blauen Mauer und blickt in die Ferne. Sie ist eines von rund 400 amerikanischen Mädchen, die von Fotografin Eva Verbeeck für ihre Serie "America's Girls" porträtiert wurden.

Verbeeck wuchs in Belgien auf. Als Kind sah sie sich viele amerikanische Hochglanzmagazine an und träumte davon, wie all die schönen Frauen auszusehen, die sie in den Anzeigen sah. Mittlerweile ist sie 27 Jahre alt, lebt selbst in den USA und sieht alles etwas differenzierter und kritischer.

"Die Erwartungen, die an Frauen gestellt werden, können es jungen Mädchen schwer machen", sagt Verbeeck dem SPIEGEL. Sie wolle Porträts machen, die ein anderes und realistischeres Bild zeichnen und die medial vermittelten Konzepte von Schönheit hinterfragen.

Sie traf Mädchen im Alter von sechs bis 16 Jahren, da sie diese Übergangsphase besonders interessierte: "Junge Mädchen scheinen einen unglaublich schnellen Wandel in ihrer Jugend zu erleben, und für viele ist das die schwierigste Zeit ihres Lebens." Der eigene Körper entwickele sich, und viele seien sehr unsicher.

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So sehen wir aus: Fotoprojekt über junge Frauen in den USA

Verbeecks Bilder zeigen Mädchen und junge Frauen, deren Hobby es ist, Musik zu machen oder zu tanzen, die Rodeo reiten oder Schießen lernen. Auch wenn die Porträts recht klassisch sind, gelingt es Verbeeck trotzdem, das Individuelle der Personen in kleinen Gesten und Blicken einzufangen - durch ein angehobenes Kinn, einen kecken Blick oder den Hauch eines Lächelns in den Mundwinkeln.

Bevor sie fotografierte, sprach Verbeeck lange mit den Projektteilnehmerinnen, stellte ihnen viele Fragen. Sie versuchte herauszufinden, was sie interessiert, was sie an sich selbst schön finden, wie sie sich in dieser Phase ihres Lebens fühlen. Erst wenn eine gewisse Intimität zwischen ihnen herrschte, richtete sie die Kamera ein. Sie ließ die Mädchen eine Position einnehmen, in der sie sich wohl fühlten - und drückte den Auslöser.

Auch wenn die jungen Frauen wussten, dass sie beobachtet und fotografiert werden, versuchte Verbeeck immer, ihnen so viel Zeit zu geben, bis sie nicht mehr posierten - sondern einfach sie selbst waren.

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