Leben und Lernen

Erst- bis Sechstklässler

Wo Kinder gern zur Schule gehen - und warum

Was Schüler leisten, wird oft vermessen - sie selbst kommen aber selten zu Wort. Eine Studie hat nun untersucht, wie zufrieden Kinder mit ihrer Schule sind. Ein Ergebnis: Mit Mängeln gehen sie gelassener um als Eltern.

Robert Schlesinger/ DPA

Grundschüler in der Pause: 90 Prozent der Schüler in Thüringen gehen gern zur Schule

Von
Freitag, 06.09.2019   14:15 Uhr

Kinder in Deutschland gehen meistens gern zur Schule. Allerdings nimmt ihre Begeisterung im Laufe der Schulzeit ab, wie eine repräsentative Befragung im Auftrag des Kinderkanals Kika ergeben hat.

Während Erst- und Zweitklässler noch zu rund 90 Prozent sagen, dass sie zufrieden sind, sinken die Zustimmungswerte bei Fünft- und Sechstklässlern auf 73 Prozent. Betrachtet man alle sechs Klassenstufen zusammen, gehen acht von zehn Kindern gern oder sehr gern zur Schule. Tendenziell geben das Mädchen etwas häufiger an als Jungen.

Informationen zur Studie

Wer hat die Studie durchgeführt und finanziert?
Die Studie wurde vom ARD- und ZDF-Kinderkanal Kika in Auftrag gegeben und finanziert. Durchgeführt hat sie das Marktforschungsinstitut iconkids and youth.
Wie wurden die Daten erhoben?
373 Interviewer haben vom 21. Februar bis 29. März 1296 Erst- bis Sechstklässler anhand eines standardisierten Fragebogens befragt. Bei der Stichprobe wurde auf eine repräsentative Verteilung von Alter und Geschlecht, Migrationshintergrund, Klassenstufe, Schulform, Bildungsgrad der Eltern, Familienstand, Einwohnerzahl der Gemeinde sowie Bundesland geachtet. Die ermittelten Ergebnisse sind demnach repräsentativ für Erst- bis Sechstklässler in Deutschland.
Was war das Ziel der Untersuchung?
Ziel der Befragung war es, die Sicht der Kinder auf ihre Lebenswelt Schule in die Arbeit an den Formaten und Sendungen beim Kika einfließen zu lassen.

Die zufriedensten Schüler gibt es demnach in Thüringen. Hier mögen neun von zehn Kindern die Schule und den Unterricht. Im Nachbarland Sachsen-Anhalt sowie in Rheinland-Pfalz gibt es die meisten jungen Kritiker. Hier gehen durchschnittlich nur sieben von zehn Befragten gern oder sehr gern zur Schule.

Hier gehen die meisten Schüler gern zur Schule

Prozentsatz der Schüler nach Bundesländern, die nach eigenen Angaben sehr gerne oder gerne zur Schule gehen.

Am besten gefällt den Kindern, dass sie in der Schule Freunde treffen und in die Pause gehen können. Klassenlehrer stehen bei den Kindern ebenfalls hoch im Kurs. Auch die Aussicht, am Unterricht teilzunehmen, freut die große Mehrheit der Erst- bis Sechstklässler. Hausaufgaben und Leistungskontrollen rufen hingegen nur bei knapp drei von zehn Kindern Vorfreude hervor.

Schulkinder in Deutschland würden allerdings gern später mit der erste Stunde starten. Sie wünschen sich der Umfrage zufolge im Schnitt einen Schulbeginn um 8.40 Uhr. Die Interviewer hatten gefragt: "Wann hättest du den Beginn der ersten Stunde am liebsten?" Fast alle Kinder gaben als Antwort eine konkrete Uhrzeit an, zumeist lagen die Angaben zwischen 8.30 und 8.50 Uhr.

Das Votum der Kinder deckt sich mit Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin, die für einen späteren Schulstart plädiert. Bereits eine halbe Stunde weniger Schlaf könne die Leistungsfähigkeit in der Schule um 30 Prozent reduzieren. In Deutschland beginnt die Schule meistens um acht Uhr. Das ist früher als in vielen Nachbarländern, die oft erst ab halb neun starten.

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Bei Vorschlägen, was an ihrer Schule verbesserungswürdig wäre, nennen 30 Prozent der befragten Kinder bei offener Antwortmöglichkeit den Pausenhof. Auf Platz zwei des Rankings steht "Nichts", gefolgt von den Räumen und den Toiletten.

Beim Essen, der Technik oder der Sauberkeit sehen hingegen nur ganz wenige Kinder Verbesserungsbedarf. Dabei sind das die Themen, die die Gemüter und die Politik oftmals umtreiben. Viele Menschen haben gruselige Erinnerungen an die Toiletten ihrer Schulzeit, das Thema war sogar im letzten Bundestagswahlkampf präsent.

Über das Essen an Schulen macht sich regelmäßig die Deutsche Gesellschaft für Ernährung einen Kopf - und übt meist Kritik. Und die Digitalisierung und der Digitalpakt trieben die Bildungspolitik zuletzt um wie kaum ein anderes Thema. Die jungen Schüler, so scheint es, sind hier deutlich gelassener.

Die Technik wäre in den meisten Bundesländern allerdings noch ausbaufähig, wie ebenfalls aus der Befragung hervorgeht.

Über die Qualität des Unterrichts sagen die Kennziffern nichts aus. Didaktiker sagen, ein Gerät pro Schüler muss nicht sein und die Technik könne fehlende pädagogische Konzepte nicht ausgleichen. Manch Lehrer wünscht sich zudem die Kreidetafel zurück.

So verbreitet sind elektronische Schultafeln

Prozentsatz der Schüler nach Bundesländern, die in mindestens einem Raum ihrer Schule ein Whiteboard haben

Ihr Handy darf nur eine Minderheit der Befragten in der Schule nutzen: An über zwei Dritteln der Schulen gibt es laut den Erst- bis Sechstklässlern ein Handyverbot. Dürften die Kinder darüber bestimmen, würde die Mehrheit der Befragten das Handy für die Pause und für Ausflüge erlauben.

Die Mitbestimmung bei den Handyregeln ist den älteren Schülern mit 85 Prozent wichtiger als den Erst- und Zweitklässlern, von denen 60 Prozent bei der Handynutzung mitsprechen wollen. Am wichtigsten ist den Kindern, bei der Klassensprecherwahl mitzuentscheiden. 65 Prozent würden zudem gern auf die Gestaltung des Unterrichts Einfluss haben.

Die Leistung von Grundschülern wird oft statistisch erfasst, etwa im IQB-Bildungstrendoder dem Iglu-Vergleichstest. Die Möglichkeit, ihre Meinung zu sagen und so Einfluss zu nehmen, haben Schulkinder hingegen kaum. Zumindest der OECD-Bildungsbericht aus dem Vorjahr hat in diesem Bereich nachgelegt: Erstmals wurde untersucht, ob sich Kinder und Jugendliche an ihrer Schule integriert fühlen und wie zufrieden sie mit ihrem Leben sind.

Mit Material von dpa

insgesamt 20 Beiträge
andreasclevert 06.09.2019
1. Sanitäranlagen
Der Tenor ist in Ordnung. Es ist längst nicht alles so schlimm, wie es manchmal von der Presse (auch SPON....) verkauft wird. Dennoch kann ich mir die Wiedergabe des kleinen Dialogs vom Elternabend der Erstklässler hier an einer [...]
Der Tenor ist in Ordnung. Es ist längst nicht alles so schlimm, wie es manchmal von der Presse (auch SPON....) verkauft wird. Dennoch kann ich mir die Wiedergabe des kleinen Dialogs vom Elternabend der Erstklässler hier an einer Bonner Grundschule nicht verkneifen: Wie der Zufall will, stellen sich zwei Mütter bzw. Väter vor mit dem Hinweis, dass ihr Gatte bzw. Gattin auch schon auf diese Grundschule gegangen seien. Die erfahrene Grundschullehrerin dazu: "Seien Sie versichert, an den Sanitäranlagen hat sich seither nichts geändert."
irobot 06.09.2019
2.
Als wir 25jähriges Abi-Jubiläum hatten, wurden wir vom Gymnasium eingeladen zur Abschlussfeier des aktuellen Jahrgangs. Anschließend gab es noch eine Führung. Und was soll ich sagen. Die Tische und Stühle haben wir damals [...]
Zitat von andreasclevertDer Tenor ist in Ordnung. Es ist längst nicht alles so schlimm, wie es manchmal von der Presse (auch SPON....) verkauft wird. Dennoch kann ich mir die Wiedergabe des kleinen Dialogs vom Elternabend der Erstklässler hier an einer Bonner Grundschule nicht verkneifen: Wie der Zufall will, stellen sich zwei Mütter bzw. Väter vor mit dem Hinweis, dass ihr Gatte bzw. Gattin auch schon auf diese Grundschule gegangen seien. Die erfahrene Grundschullehrerin dazu: "Seien Sie versichert, an den Sanitäranlagen hat sich seither nichts geändert."
Als wir 25jähriges Abi-Jubiläum hatten, wurden wir vom Gymnasium eingeladen zur Abschlussfeier des aktuellen Jahrgangs. Anschließend gab es noch eine Führung. Und was soll ich sagen. Die Tische und Stühle haben wir damals auch schon benutzt. Und das bereits in der Mittelstufe,
Frietjoff 06.09.2019
3.
Natürlich nicht. Deutsche Schulen sind überhaupt nicht schlimm. Ganz viel ist toll. Aber es gibt eben auch noch einige alte Zöpfe, die aus Tradition partout nicht abgeschnitten werden dürfen, obwohl das eigentlich sehr [...]
Zitat von andreasclevertDer Tenor ist in Ordnung. Es ist längst nicht alles so schlimm, wie es manchmal von der Presse (auch SPON....) verkauft wird. Dennoch kann ich mir die Wiedergabe des kleinen Dialogs vom Elternabend der Erstklässler hier an einer Bonner Grundschule nicht verkneifen: Wie der Zufall will, stellen sich zwei Mütter bzw. Väter vor mit dem Hinweis, dass ihr Gatte bzw. Gattin auch schon auf diese Grundschule gegangen seien. Die erfahrene Grundschullehrerin dazu: "Seien Sie versichert, an den Sanitäranlagen hat sich seither nichts geändert."
Natürlich nicht. Deutsche Schulen sind überhaupt nicht schlimm. Ganz viel ist toll. Aber es gibt eben auch noch einige alte Zöpfe, die aus Tradition partout nicht abgeschnitten werden dürfen, obwohl das eigentlich sehr sinnvoll wäre. Dazu gehört, dass Fremdsprachenunterricht ab der 1. Klasse in Deutschland immer noch die Ausnahme ist. In fast allen anderen europäischen Ländern (zumindest in denen, in denen die Muttersprache weder Englisch noch Französisch ist) ist es hingegen die Regel. Ich habe im Verwandten- und Freundeskreis viele Kinder, die mit mir ab 7 Jahren wunderbar Englisch sprechen. Deutsche Kinder kucken da noch mit 9 völlig dumm aus der Wäsche. Und das wirkt eben bis in das Erwachsenenalter nach. Deutsche sprechen nun mal im europäischen Vergleich ziemlich bescheiden Englisch (auch wenn sie das Gegenteil glauben). Im Übrigens sind Whiteboards nicht automatisch interaktiv. Die allermeisten sind es nicht. Ich kenne interaktive Whiteboards vor allem als »Smartboards«. Aber wenn man die Dinger nicht mal richtig benennen kann, ist es auch kein Wunder, wenn es sie in Deutschland kaum gibt.
andreasclevert 06.09.2019
4.
Ich möchte jetzt wirklich nicht unter der Gürtellinie... Und es führt auch ein bisschen weg vom Thema. Aber guck mal: https://deutschlernerblog.de/gucken-oder-kucken-gute-frage/ Ich meine damit, wer für sich für einen [...]
Zitat von FrietjoffNatürlich nicht. Deutsche Schulen sind überhaupt nicht schlimm. Ganz viel ist toll. Aber es gibt eben auch noch einige alte Zöpfe, die aus Tradition partout nicht abgeschnitten werden dürfen, obwohl das eigentlich sehr sinnvoll wäre. Dazu gehört, dass Fremdsprachenunterricht ab der 1. Klasse in Deutschland immer noch die Ausnahme ist. In fast allen anderen europäischen Ländern (zumindest in denen, in denen die Muttersprache weder Englisch noch Französisch ist) ist es hingegen die Regel. Ich habe im Verwandten- und Freundeskreis viele Kinder, die mit mir ab 7 Jahren wunderbar Englisch sprechen. Deutsche Kinder kucken da noch mit 9 völlig dumm aus der Wäsche. Und das wirkt eben bis in das Erwachsenenalter nach. Deutsche sprechen nun mal im europäischen Vergleich ziemlich bescheiden Englisch (auch wenn sie das Gegenteil glauben). Im Übrigens sind Whiteboards nicht automatisch interaktiv. Die allermeisten sind es nicht. Ich kenne interaktive Whiteboards vor allem als »Smartboards«. Aber wenn man die Dinger nicht mal richtig benennen kann, ist es auch kein Wunder, wenn es sie in Deutschland kaum gibt.
Ich möchte jetzt wirklich nicht unter der Gürtellinie... Und es führt auch ein bisschen weg vom Thema. Aber guck mal: https://deutschlernerblog.de/gucken-oder-kucken-gute-frage/ Ich meine damit, wer für sich für einen früheren Fremdsprachenunterricht an der Grundschule einsetzt, sollte tunlichst im öffentlichen Raum mit einer einwandfreien deutschen Rechtschreibung aufwarten. Ich hoffe mal, da habe ich kein Faß, ähm Fass, aufgemacht. Nichts für ungut :-).
Bibabutzemann 06.09.2019
5. Warum nur so junge Schüler?
Ich hätte es interessanter gefunden, wenn auch ältere Schüler/-innen befragt worden wären. Zu vielen Dingen können die viel differenzierter und reflektierter Rückmeldung geben. Bei uns an der Schule ist die technische [...]
Ich hätte es interessanter gefunden, wenn auch ältere Schüler/-innen befragt worden wären. Zu vielen Dingen können die viel differenzierter und reflektierter Rückmeldung geben. Bei uns an der Schule ist die technische Ausstattung zwar vielleicht akzeptabel mit einigen Mängeln, aber es stört sehr dass die Lehrer und Lehrerinnen damit nicht umgehen können. Die Toiletten kann man benutzen, aber zu viel berühren will man da auch nicht, auch wenn das einen Fünftklässler nur wenig stört. Ich denke dass das nicht repräsentativ für alle Schüler ist, sondern nur für die jüngere Hälfte. Die meisten Schüler/-innen haben im sechsten Schuljahr aber noch weitere sechs Jahre vor sich.

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