Leben und Lernen

Verletzungen an Geschlechtsteilen

Kölner Kita kündigt mutmaßlichen Missbrauchsopfern

Ein Skandal erschüttert eine katholische Kita in Köln: Kinder sollen mehrfach von Fünfjährigen missbraucht worden sein - jetzt müssen die mutmaßlichen Opfer die Einrichtung verlassen.

SPIEGEL ONLINE

Kita in Köln

Von
Mittwoch, 20.02.2019   18:06 Uhr

Der Spielplatz ist noch verwaist an diesem Morgen. Nebenan, vor dem langgestreckten Klinkerbau im Kölner Stadtteil Bocklemünd, steht ein Kinderfahrrad mit gelbem Wimpel. Hier ist, neben dem Jugendheim der Gemeinde, eine katholische Kindertagesstätte untergebracht, an der es so massive Konflikte gibt, dass die Kita-Leitung eine radikale Entscheidung getroffen hat.

Neun Familien mit insgesamt zwölf Kindern sollen Ende März ihre Kitaplätze verlieren. Die Einrichtung hat den Eltern die Betreuungsverträge gekündigt - obwohl einige von deren Kindern mutmaßlich Opfer von Übergriffen wurden.

Zwei Fünfjährige - ein Mädchen und ein Junge - sollen andere Kinder an den Geschlechtsteilen verletzt haben. Nach übereinstimmenden Berichten ist von Doktorspielen die Rede, die aus dem Ruder gelaufen sind. Dabei sollen die Fünfjährigen Stöcke in Vagina und Anus von Mädchen eingeführt haben. Eltern hatten die Verletzungen bemerkt und die Kita-Leitung alarmiert.

Die Leitung reagierte zwar auf die Vorfälle und stellte unter anderem eine zusätzliche Erzieherin ein, handelte aber nach Meinung der Betroffenen trotzdem zu lax und zu langsam. Außerdem wollten einige Eltern die Namen der beiden Fünfjährigen erfahren. Die Kita lehnte das mit Verweis auf das Alter der Kinder ab.

"Vertrauensverhältnis unwiederbringlich zerrüttet"

So kam es zum Konflikt. Einer der Beteiligten: das Kölner Erzbistum. Denn Träger der Kita ist die katholische Kirche. Und die hat, weil der Streit um den richtigen Umgang mit den Vorfällen seit dem Herbst ausgeufert ist, den zwölf Kindern und ihren Eltern jetzt gekündigt.

"Aus Verantwortung für die Mitarbeiter und die Kinder" ist die Mitteilung überschrieben, die das Erzbistum Köln als Kita-Träger am Dienstagnachmittag verschickte. Sie klingt nach Kapitulation vor einer völlig verfahrenen Situation: Die Kündigung der neun Familien sei "das Ergebnis einer monatelangen Entwicklung, in der das Vertrauensverhältnis (...) unwiederbringlich zerrüttet wurde".

Erzieher seien wochenlangen, "teils persönlichen Anfeindungen" durch die Eltern ausgesetzt gewesen und immer wieder diffamiert worden, heißt es in der Erklärung der Kirche. Bei einem Vermittlungsgespräch im Januar sei dann deutlich geworden, "dass es seitens der Eltern kein Vertrauen in die pädagogische und persönliche Lösungskompetenz der Erzieher gibt".

Andersherum wohl auch nicht: Die Eltern, die die Kita kritisiert hatten, erhielten ein striktes Hausverbot, die Kita ihrer Kinder dürfen sie nicht mehr betreten. Ihre Kinder werden seither an der Tür von Erzieherinnen in Empfang genommen "und bei Abholung den Eltern auch wieder übergeben", teilte das Erzbistum mit. Der Elternbeirat der Einrichtung reagierte auf eine SPIEGEL-Anfrage bisher nicht.

Mindestens zwei Vorfälle

Die Kölner Kita-Aufsicht steht der Eskalation weitgehend hilflos gegenüber. "Wir haben am 5. Oktober von den Übergriffen erfahren", heißt es beim Landschaftsverband Rheinland (LVR). Der LVR ist für die Betriebserlaubnis jeder Kindertagesstätte in Köln und Umgebung zuständig und muss von den Kita-Trägern bei besonderen Vorkommnissen in Kenntnis gesetzt werden.

"Wir wurden über einen Vorfall vom 12. September informiert und haben dann gehört, dass es am 25. Juli bereits einen weiteren Vorfall gegeben hatte", sagt LVR-Sprecher Till Döring dem SPIEGEL. Den habe die Kita zwar mit externer Unterstützung, aber zunächst ohne Information des Landschaftsverbands aufarbeiten wollen.

Erst nachdem es im Herbst zu einem weiteren Übergriff gekommen sei, sei dann auch der LVR in Kenntnis gesetzt worden, sagt Döring. Daraufhin sei der Träger intensiv beraten worden - ganz, wie es bei solchen Fällen vorgesehen sei.

"Dabei ging es beispielweise um Elternabende, um eine Zusammenarbeit mit dem Kinderschutzbund und um eine bessere Personaldecke", so Döring. Weil es sich um einen privaten Kita-Betreiber handele, sei es jedoch allein Sache der Leitung, welche Betreuungsverträge die Einrichtung abschließe, sagt Döring.

Und damit eben auch, welche Betreuungsverträge gekündigt werden.

insgesamt 109 Beiträge
Spiegelleserin57 20.02.2019
1. sehr schlecht nachvollziehbar!
um was geht es überhaupt? Wussten die Kinder überhaupt was sie taten? Diese Frage sollte erst mal durch kompetente Fachleute geklärt werden. Man kann auch alles übertreiben! Dass Kinder grausam sein können wissen auch alle [...]
um was geht es überhaupt? Wussten die Kinder überhaupt was sie taten? Diese Frage sollte erst mal durch kompetente Fachleute geklärt werden. Man kann auch alles übertreiben! Dass Kinder grausam sein können wissen auch alle aber wissen keine Kinder überhaupt was sie tun? Nicht ohne Grund unterliegen Kinder eben dem besonderen Schutz weil sie eben nicht immer wissen was sie tun! Die Ursachen sollten forensische Psychologen klären die mit Kinderkriminalität Erfahrung haben.
fkfkalle3 20.02.2019
2. Schön, das der Träger
"Privat " ist. Damit wären denn alle Normen abgelegt.Dieser benannte Vorfall bedarf der Überprüfung, nicht um die Kinder zu brandmarken, sondern um die äusseren Umstände , auch mögliche Verstrickungen,, [...]
"Privat " ist. Damit wären denn alle Normen abgelegt.Dieser benannte Vorfall bedarf der Überprüfung, nicht um die Kinder zu brandmarken, sondern um die äusseren Umstände , auch mögliche Verstrickungen,, aufzudecken. Klar, dass die Eltern um die notwendige Aufklärung bitten. Was bleibt, ist die Schlussfolgerung, "Kathoiliken ", wohl die übliche Volksvedummung.
pipipupu 20.02.2019
3. Passend zum Artikel
bzgl. der Kündigung des Arztes aufgrund von Wiederheirat. Die Kirche macht was sie will.
bzgl. der Kündigung des Arztes aufgrund von Wiederheirat. Die Kirche macht was sie will.
fördeanwohner 20.02.2019
4. -
Natürlich ist der Auslöser für den Konflikt unfassbar, da die Übeltäter Kinder sind. Aber sie sind nun einmal Kinder. Und niemand würde auf die Idee kommen, dass Fünfjärige so etwas tun, weshalb auch niemand explitzit [...]
Natürlich ist der Auslöser für den Konflikt unfassbar, da die Übeltäter Kinder sind. Aber sie sind nun einmal Kinder. Und niemand würde auf die Idee kommen, dass Fünfjärige so etwas tun, weshalb auch niemand explitzit verbietet zu tun, was diese Kinder getan haben. Der Bericht sagt, weshalb den Eltern der mutmaßlichen Opfer gekündigt wurde, obwohl der Autor es offensichtlich selbst nicht gemerkt hat: Hier wurden Mitarbeiter massiv unter Druck gesetzt. Man verlangte die Namen der Übeltäter. Herzlichen Glückwunsch! Riecht nach Selbstjustiz. Die Kita betreiber haben gar keine andere Möglichkeit. Okay, Kita schließen. Aber ob das tatsächlich die Lösung wäre?
MisterD 20.02.2019
5. Dazu brauchen Sie keine Fachleute...
natürlich wissen 5jährige Kinder, dass sie jemanden weh tun, wenn der "Aua" schreit und weint. Aber was soll die Konsequenz daraus sein, wenn sie es offenbar wissen? Es sind 5jährige Kinder, denen man beibringen [...]
Zitat von Spiegelleserin57um was geht es überhaupt? Wussten die Kinder überhaupt was sie taten? Diese Frage sollte erst mal durch kompetente Fachleute geklärt werden. Man kann auch alles übertreiben! Dass Kinder grausam sein können wissen auch alle aber wissen keine Kinder überhaupt was sie tun? Nicht ohne Grund unterliegen Kinder eben dem besonderen Schutz weil sie eben nicht immer wissen was sie tun! Die Ursachen sollten forensische Psychologen klären die mit Kinderkriminalität Erfahrung haben.
natürlich wissen 5jährige Kinder, dass sie jemanden weh tun, wenn der "Aua" schreit und weint. Aber was soll die Konsequenz daraus sein, wenn sie es offenbar wissen? Es sind 5jährige Kinder, denen man beibringen muss, dass man sowas nicht machen darf. In einer KiTa ist das die Aufgabe der Erzieher/innen. Bei den heute üblichen Betreuungsschlüsseln sind die im Grunde nur noch dazu da, das Essen zu servieren und aufzupassen, dass die Kinder (überspitzt formuliert) sich nicht gegenseitig umbringen. Zu mehr kommen Sie nicht, wenn Sie auf 6 bis 8 Kinder gleichzeitig aufpassen müssen... Wenn aber selbst das nicht mehr funktioniert, dann muss man sich ernsthafte Gedanken machen, ob entweder die KiTa-Mitarbeiter völlig überlastet sind... oder ob sie schlicht gleichgültig sind und keinen Bock haben ihren Job zu machen... Das ist übrigens ne ernste Sache... wenn man zu den Kindern gehört, die wichtige Grundimpfungen nicht haben, dann kann so ein Stock vom Boden, der irgendwo reingesteckt wird, auch schnell lebensgefährliche Infektionen nach sich ziehen... Wundstarrkrampf ist nicht lustig...
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge!

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung

TOP