Leben und Lernen

Studienfinanzierung

DGB will Radikalumbau beim Bafög

150 Euro mehr pro Monat, keine Altersgrenzen, keine Rückzahlung: Der Deutsche Gewerkschaftsbund fordert massive Reformen beim Bafög - weit über die aktuellen Pläne der Regierung hinaus.

DPA

Studierende in Köln (Archivbild)

Von
Donnerstag, 27.12.2018   14:59 Uhr

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) fordert eine grundlegende Bafög-Reform und eine deutliche Aufstockung der staatlichen Studienfinanzierung. "Sie muss es Studierenden ermöglichen, sich voll auf das Studium konzentrieren zu können", sagt Elke Hannack, stellvertretende DGB-Vorsitzende, zu dem noch nicht veröffentlichten Beschluss des Vorstands. Das Papier liegt dem SPIEGEL vor.

Eine ausreichende finanzielle Absicherung fürs Studium biete das heutige Bafög nicht - auch nicht mit den von der Bundesregierung angekündigten Verbesserungen, heißt es im Beschluss des Gewerkschafts-Dachverbands. Bafög erhielten aktuell nur noch 12,7 Prozent der mehr als 2,8 Millionen Studierenden: "Das ist ein völlig inakzeptabler Zustand."

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Die von der großen Koalition angestrebte Trendwende beim Bafög sei zu begrüßen, so der DGB - allerdings sei die geplante Erhöhung ab Ende 2019 nicht ausreichend. Der Gewerkschaftsbund fordert stattdessen:

Zusätzlich fordert der DGB, dass das Bafög in mehreren Reformschritten zu einer Vollförderung ausgebaut wird. Den Plänen zufolge müssten Studenten dann ab 2025 keinerlei Bafög-Leistungen mehr zurückzahlen. Aktuell muss die Hälfte der empfangenen Bafög-Zahlungen nach Ende des Studiums zurückgezahlt werden, der Gesamtbetrag ist auf höchstens 10.000 Euro gedeckelt.

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"Die vom Bildungsministerium vorgelegten Eckpunkte für eine Bafög-Anpassung reichen bei Weitem nicht, um die Förderung zukunftsfest zu machen", sagt DGB-Vize Elke Hannack.

Die vorgeschlagenen Änderungen seien ohnehin nur ein Teil der notwendigen Reformen in der Studienfinanzierung, heißt es in dem 12-Seiten-Papier des DGB. Was dringend entwickelt werden müsse, sei "eine schlüssige Gesamtarchitektur zur Finanzierung lebensbegleitenden Lernens, die die verschiedenen Förderinstrumente in ein transparentes Gesamtsystem zusammenführt".

insgesamt 38 Beiträge
f.j.meinemeinung 27.12.2018
1. Bafög abschaffen spart viel Bürokratie
Für alle Studenten 1000 ? , Eltern unabhängig.Und später alles ohne Zinsen abbezahlen bzw. Staffelung der Rückzahlung nach Leistung . Auch im Handwerk für den Meiterbrief. So einfach könnte es gehen.
Für alle Studenten 1000 ? , Eltern unabhängig.Und später alles ohne Zinsen abbezahlen bzw. Staffelung der Rückzahlung nach Leistung . Auch im Handwerk für den Meiterbrief. So einfach könnte es gehen.
draco2007 27.12.2018
2.
Also fangen alle Master-Studenten nach ihrem Abschluss mit 60.000 (5 Jahre) Schulden an? Kein toller Anreiz...wenn man dann locker 10 Jahre oder mehr erstmal Schulden abbezahlen muss...
Zitat von f.j.meinemeinungFür alle Studenten 1000 ? , Eltern unabhängig.Und später alles ohne Zinsen abbezahlen bzw. Staffelung der Rückzahlung nach Leistung . Auch im Handwerk für den Meiterbrief. So einfach könnte es gehen.
Also fangen alle Master-Studenten nach ihrem Abschluss mit 60.000 (5 Jahre) Schulden an? Kein toller Anreiz...wenn man dann locker 10 Jahre oder mehr erstmal Schulden abbezahlen muss...
bissig 27.12.2018
3.
Wer sagt denn, dass man nach 5 Jahren so viele Schulden haben muss? Ich kam mein ganzes Studium ohne Bafög aus - musste halt im Semester und in den Semesterferien entsprechend arbeiten. Dazu keine großen [...]
Zitat von draco2007Also fangen alle Master-Studenten nach ihrem Abschluss mit 60.000 (5 Jahre) Schulden an? Kein toller Anreiz...wenn man dann locker 10 Jahre oder mehr erstmal Schulden abbezahlen muss...
Wer sagt denn, dass man nach 5 Jahren so viele Schulden haben muss? Ich kam mein ganzes Studium ohne Bafög aus - musste halt im Semester und in den Semesterferien entsprechend arbeiten. Dazu keine großen Flugurlaube/Weltreisen, nicht jeden Abend auf Piste, kein neues Auto, und auch 'nur' ein WG-Zimmer. Zugegeben - ich habe auch nicht in München/Hambug/Berlin studiert - muss man aber auch nicht. EIne einfache Förderung für alle würde ich begrüssen, aber unabhängig davon, ob jemand studiert oder eine Ausbildung macht. Persönlich bin ich der Meinung, dass heutzutage zu viele Schüler das Abitur schaffen, und zu viele an die Universitäten strömen, die dort nicht hingehören, weil sie in den Schulen einfach nicht ausreichend darauf vorbereitet wurden (von der eigenen Eignung mal abgesehen - dafür können die Schüler aber nix).
Hamberliner 27.12.2018
4. 70er und 80er Jahre zum Vergleich
Als ich studierte bekam ich Bafög. Eine Mischung aus Darlehen und den Zahlungen, die mein geschiedener Vater mir verweigerte und deren Inkasso ich dem Studentenwerk überlassen konnte. Ich konnte wenn auch extrem sparsam davon [...]
Als ich studierte bekam ich Bafög. Eine Mischung aus Darlehen und den Zahlungen, die mein geschiedener Vater mir verweigerte und deren Inkasso ich dem Studentenwerk überlassen konnte. Ich konnte wenn auch extrem sparsam davon leben, Wolldecke um die Beine statt zu heizen und so. Über zusätzliches Einkommen mit gelegentlichen Studentenjobs brauchte ich niemandem Rechenschaft abzulegen, der Freibetrag war quasi unendlich. Die Rückzahlung des Darlehens nach dem Studium war leicht zu ertragen, weil nur bei ausreichendem Einkommen Zahlungsverpflichtung bestand. Richtig hart war nur der Wegfall nach der Förderungshöchstdauer. Das sind die Eckdaten, aus denen ich eine Empfehlung für eine Reform des heutigen Bafög herleiten würde, nämlich - kostendeckend, - großzügige Höchstdauer, - großzügiger Freibetrag bei Einkünften aus eigener Arbeit, - Unterhaltsansprüche gegen Eltern überleitbar statt Gerichtsprozess, - ganz oder zum Großteil rückzahlbar, - Unterbrechung der Rückzahlung bei Erwerbslosigkeit. Warum sollte eine gute Investition in die Zukunft denn nicht einen Schuldenberg nach sich ziehen? Niemand muss gleich zu Beginn des Berufslebens völlig über seine Verhältnisse leben, indem er sich für hunderttausende Euro auf Pump ein Haus kauft. Im übrigen überrascht es mich, dass sich der DGB einmischt. Sonst vertreten die Gewerkschaften doch immer die Interessen derjenigen, die einen Arbeitsvertrag haben, gegen die Interessen derjenigen, die keinen haben.
karlsiegfried 27.12.2018
5. Alles für Studenten und nichts für Lehrlinge und Meisterschüler
Na klar doch. Abiturienten werden gepäpäppelt und die ungebildeten anderen dürfen alleine bezahlen. Daraus entsteht dann auch Fachkräftemangel oder nicht?
Na klar doch. Abiturienten werden gepäpäppelt und die ungebildeten anderen dürfen alleine bezahlen. Daraus entsteht dann auch Fachkräftemangel oder nicht?

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