Leben und Lernen

Bafög-Erhöhung

Studenten und Azubis bekommen mehr Geld

Ab diesem Donnerstag bekommen Bafög-Empfänger mehr Geld: In zwei Stufen wird die Hilfe von 735 auf 861 Euro monatlich angehoben. Doch an der Reform gibt es auch Kritik.

Uli Deck/ DPA

Studenten bekommen ab sofort mehr Geld

Donnerstag, 01.08.2019   09:39 Uhr

Mehr Geld, mehr Begünstigte: Studenten und Schüler bekommen künftig mehr finanzielle Unterstützung. Das sieht die Bafög-Reform vor, die zum 1. August in Kraft getreten ist. Der Höchstbetrag steigt in zwei Stufen von 735 auf 861 Euro im Monat. Parallel zum Bafög steigt auch die Berufsausbildungsbeihilfe für Azubis.

Zudem sollen mehr junge Menschen als heute die staatliche Leistung bekommen. Dafür wird eigenes Vermögen und auch das Einkommen der Eltern nicht mehr so streng angerechnet: Die entsprechenden Freibeträge werden schrittweise angehoben. Laut Bildungsministerin Anja Karliczek (CDU) profitieren davon auch Familien, die nur knapp über den bisherigen Einkommensgrenzen liegen. Bafög kann unter anderem beantragen, wer studiert oder als Schüler nicht mehr bei den Eltern wohnt.

Für die Aufstockung des Bafög plant die Bundesregierung allein in dieser Wahlperiode mehr als 1,2 Milliarden Euro zusätzlich ein. Mit der Reform soll ein Trend umgekehrt werden: In den vergangenen Jahren war die Zahl der Geförderten deutlich gesunken und fiel 2017 erstmals seit 15 Jahren unter 800.000.

Seit Ende 2018 war über die Bafög-Erhöhung diskutiert worden, ein entsprechendes Gesetz hatte der Bundestag im Mai beschlossen. Weil die Bundesländer einen Teil der Fördergelder zahlen, war auch die Zustimmung des Bundesrats notwendig. Kritiker hatten bis zuletzt weitreichendere Maßnahmen gefordert.

Kritik kommt auch vom Deutschen Studentenwerk, das die Reform grundsätzlich begrüßt. Doch: Die Förderhöchstdauer müsse um mindestens ein Semester verlängert werden, weil nur eine Minderheit der Studenten die Regelstudienzeit einhalten könne, sagt Achim Meyer vom Deutschen Studentenwerk. Zudem sei eine regelmäßige Anpassung der Beträge an die Preisentwicklung wünschenswert.

Vom studentischen Dachverband fsz heißt es: "Langfristiges Ziel muss sein, das Bafög eltern-, alters- und herkunftsunabhängig zu ermöglichen und es wieder zu einem Vollzuschuss zu machen."

nil/dpa

insgesamt 10 Beiträge
interessierter Laie 01.08.2019
1. na klar...
altersunabhängig finde ich in Ordnung. Dann könnten bspw. auch Arbeitslose Ü35 Unterstützung für eine (weitere) Berufsausbildung erhalten. Das wird ohnehin künftig zunehmen, denn Qualifikationen werden künftig schneller [...]
altersunabhängig finde ich in Ordnung. Dann könnten bspw. auch Arbeitslose Ü35 Unterstützung für eine (weitere) Berufsausbildung erhalten. Das wird ohnehin künftig zunehmen, denn Qualifikationen werden künftig schneller überflüssig. Herkunftsunabhängig verstehe ich nicht! Wenn das Ausland bedeutet, werden wir uns vor Sparfüchsen von dort kaum retten können, denn in vielen Ländern kostet die Uni selbst schon ordentlich Geld. Macht das Sinn? Und elternabhängig ist einfach Schwachsinn. Das BafÖG wird aus Steuern bezahlt. PförtnerInnen zahlen Steuern, damit (auch) Vorstandsvorsitzende ihre Kinder kostenlos auf die Uni schicken können?
www.die-politiker.de 01.08.2019
2. Überfällige Erhöhung
Die Anpassung des Bafögs ist mehr als überfällig. Allerdings, warum wird das Bafög nicht basierend auf Studienstandort ausgezahlt. Die Lebenshaltungskosten variieren bekanntlich stark von Stadt zu Stadt.
Die Anpassung des Bafögs ist mehr als überfällig. Allerdings, warum wird das Bafög nicht basierend auf Studienstandort ausgezahlt. Die Lebenshaltungskosten variieren bekanntlich stark von Stadt zu Stadt.
ypselon 01.08.2019
3. hmmm
wenn ich nun meine erste schulische berufsausbildung beendet habe, ohne bafög erhalten zu haben und nun in eine ganz andere richtung studieren möchte, erhalte ich dann elternunabhängiges bafög ? die eltern sind nun ja nicht [...]
wenn ich nun meine erste schulische berufsausbildung beendet habe, ohne bafög erhalten zu haben und nun in eine ganz andere richtung studieren möchte, erhalte ich dann elternunabhängiges bafög ? die eltern sind nun ja nicht mehr unterhaltspflichtig. nun bin ich mal auf die antworten gespannt. ich habe einen eigenen haushalt.
katrin.huensche 01.08.2019
4. @interessierter Laie
Immer wieder diese -mit Verlaub engstirnigen- Pauschalisierungen...nur weil dort vom Höchstsatz geschrieben wird, heißt das nicht, dass Studierende automatisch Anrecht drauf haben. Elternunabhängiges BAföG bekommt man [...]
Immer wieder diese -mit Verlaub engstirnigen- Pauschalisierungen...nur weil dort vom Höchstsatz geschrieben wird, heißt das nicht, dass Studierende automatisch Anrecht drauf haben. Elternunabhängiges BAföG bekommt man insbesondere (oder gar nur?) wenn das Studium eine Zweitausbildung (nicht zu verwechseln mit Zweitstudium!) ist. Bsp: Ich hab ne Ausbildung zur Fremdsprachenassistentin gemacht und mich dazu entschieden, Abi nachzuholen und Urbanistik zu studieren: bekomme den bisherigen Höchstsatz. Bin jedoch weit und breit in der Studierendenlandschaft eine Ausnahme. Jemand, der direkt nach dem Abi studiert, ist an das Einkommen der Eltern gebunden und hat oft nicht mehr als 100 euro plus etwas Kleingeld raus. Während meiner (schulischen) Ausbildung hatte ich keinen einzigen Cent erhalten, weil ein Elternteil laut BAföG-Satz zu viel verdient. In Anbetracht dessen, dass Bildung eigentlich für jeden zugänglich sein sollte und Kinder wegen solchen Regulierungen aus Nicht-Akademikerhaushalten weniger studieren können als Kinder aus Akademikerhaushalten, bin ich auch auf dem Standpunkt, dass BAföG elternunabhängig sein sollte. Ich komme übrigens auch aus einem Nicht-Akadademiker Haushalt. Herkunftsunabhängig find ich in der Hinsicht fair, weil diese Studierenden zum Beispiel keine GEZ Befreiung beantragen können (wie jemand, der Anrecht auf BAföG oder sonstige Sozialleistung hat) - für jemanden, der anstelle BAföG neben dem Studium noch drei Jobs machen muss, kein Stipendium o.ä. hat (und sich eigentlich auf letzteres konzentrieren sollte), um sich den Lebensalltag finanzieren zu können, ist das viel. Auch hier wieder ist meine WG gutes Beispiel: mit allen Mädels, die nicht nur aus dem Ausland kommen, sondern zusätzlich 30 sind, sind an der GEZ-Zahlung beteiligt. Ich würde ihnen empfehlen, sich mal mittags in die Mensa von der Uni ihrer (nächstgelegenen) Stadt zu setzen und sich Mal mit Studierenden zu unterhalten, wie sie ihren Lebensunterhalt neben BAföG bestreiten, dann bauen sie auch automatisch diese Vorurteile ab.
katrin.huensche 01.08.2019
5. @ypselon
Jep, hast du! (Bin auch so jemand). Anders wäre es meines Wissens, wenn du vorher schon mal studiert hättest. Aber selbst da gibt's meines Wissens auch Ausnahmen, z.b. du entscheidest dich nach dem 1. spätestens 2. Semester [...]
Jep, hast du! (Bin auch so jemand). Anders wäre es meines Wissens, wenn du vorher schon mal studiert hättest. Aber selbst da gibt's meines Wissens auch Ausnahmen, z.b. du entscheidest dich nach dem 1. spätestens 2. Semester noch mal um und wechselst den Studiengang komplett. :)

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