Leben und Lernen

Betrugsskandal an US-Eliteunis

400.000 Dollar Schmiergeld für den Fußballtrainer

Studienplatz gegen Bestechungsgeld: 33 reiche Familien in den USA sind angeklagt, ihren Kindern Plätze an Eliteunis gekauft zu haben. Einer der Akteure des Skandals war der Frauen-Fußballtrainer an der Yale University.

Getty Images

Bibliothek der Yale-Universität

Samstag, 16.03.2019   17:51 Uhr

Rund 25 Millionen Dollar an Bestechungsgeldern sollen in den vergangenen Jahren geflossen sein, um Kindern reicher Eltern Studienplätze an Eliteunis in den USA zu besorgen. Unter den Beschuldigten, gegen die das FBI wegen Korruption ermittelt, sind mehrere Prominente wie die Schauspielerinnen Felicity Huffman und Lori Loughlin.

Schlüsselfigur des Betrugsskandals an der renommierten Yale-Universität ist Rudy Meredith. Das berichtet die "New York Times". Meredith war bis November 2018 Trainer des Frauen-Fußballteams in Yale und hatte dann überraschend seinen Rücktritt erklärt.

Der 51-Jährige hatte sich dem Bericht zufolge im April 2018 in einem Hotel in Boston mit einem Elternpaar getroffen. Er forderte 450.000 Dollar, um im Gegenzug der Tochter einen Studienplatz über das Fußballer-Kontingent in Yale zu besorgen.

Doug Engle/Star-Banner via AP

Fußballtrainer Rudy Meredith

2000 Dollar zahlten die Eltern sofort in bar, der Rest sollte auf ein Bankkonto überwiesen werden. Dafür wollte er die Unterlagen so frisieren, dass die Tochter als Sportstudentin in Yale angenommen werden könnte. Doch das FBI, das bereits ermittelte, nahm das Gespräch heimlich auf. Nachdem die Eltern kurz danach weitere 4000 Dollar an den Trainer überwiesen hatten, wurde Rudy Meredith festgenommen.

Der Trainer kooperierte daraufhin mit den Ermittlern - und berichtete von einem Deal, den er im November 2017 mit dem Berater William Singer geschlossen hatte. Singer hatte ihn demnach mit einem Mann bekannt gemacht, dessen Tochter unbedingt an die Yale-Universität sollte. Gemeinsam fälschten sie deren Unterlagen - so dass es so aussah, als sei die angehende Studentin wichtige Spielerin in einer prominenten Vereinsfußballmannschaft in Kalifornien.

Nachdem die junge Frau zugelassen worden war, erhielt Rudy Meredith von Singer 400.000 Dollar als Lohn, heißt es in dem Bericht. Frühere Spielerinnen der Yale-Fußballmannschaft erklärten gegenüber der "New York Times", ihnen seien vereinzelt immer mal wieder Mitspielerinnen aufgefallen, die von der sportlichen Leistung her eigentlich nicht ins Team gehört hätten. Einige dieser Spielerinnen seien aus reichen Familien gewesen - was zu Spekulationen geführt habe, ob deren Eltern möglicherweise Geld im Austausch für begehrte Studienplätze gespendet hätten.

"Affront gegen tief verwurzelte Werte"

In zwei Fällen habe ein Trainer in Yale gefälschte Sportatteste in einem Bewerbungsverfahren ausgestellt, bestätigte die Universität am Freitag in einer Erklärung. Eine der Bewerberinnen sei angenommen, die andere abgelehnt worden, so Uni-Präsident Peter Salovey: "Diese kriminellen Handlungen sind ein Affront gegen die tief verwurzelten Werte unserer Gemeinschaft, wie Fairness und Ehrlichkeit."

Vermittler William Singer soll insgesamt 25 Millionen Dollar dafür kassiert haben, dass er die Ergebnisse von Prüfungen und Einstufungstests fälschte oder dafür sorgte, dass Studienbewerber als besonders gute Athleten eingestuft worden - obwohl sie ihre angeblich ausgeübte Sportart gar nicht oder nur wesentlich schlechter beherrschten als angegeben. Außer Yale sollen auch mehrere andere Eliteunis in den USA betroffen sein.

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Wenn Studienbewerber in Yale ihre Bewerbungen unterschreiben, so Präsident Peter Salovey, bestätigten sie, dass der Inhalt wahr und vollständig sei. "Obwohl ich mich nicht zu bestimmten Disziplinarmaßnahmen in Bezug auf einzelne Studierende äußere, ist es unsere langjährige Praxis, die Zulassung von Studenten aufzuheben, die ihre College-Bewerbungen gefälscht haben."

Die vermeintliche Fußballerin dürfte ihren Studienplatz demnach bald verlieren.

him

insgesamt 15 Beiträge
oifrr 16.03.2019
1.
So schlecht ist unser Bildungswesen nicht. Öffentliche Schulen und Hochschulen sind kostenlos und vom Staat finanziert. Und genau so muss es auch bleiben. Nur die Leistung darf zählen, v.a. bei Elitestudiengängen, die es auch [...]
So schlecht ist unser Bildungswesen nicht. Öffentliche Schulen und Hochschulen sind kostenlos und vom Staat finanziert. Und genau so muss es auch bleiben. Nur die Leistung darf zählen, v.a. bei Elitestudiengängen, die es auch in D gibt. Die wertvollen Studienplätze dürfen niemals von verwöhnten Betrügern besetzt werden.
vliege 16.03.2019
2. Ein weiteres Beispiel
für Geld regiert die Welt. Ob im "kleinen" wie in diesem Beispiel oder im ganz großen Stil. Irgendwo sitzen die Buddys oder Amigo und lassen sich für ihre nicht selten dubiosen Netzwerke bezahlen. Dazu gehört mMn [...]
für Geld regiert die Welt. Ob im "kleinen" wie in diesem Beispiel oder im ganz großen Stil. Irgendwo sitzen die Buddys oder Amigo und lassen sich für ihre nicht selten dubiosen Netzwerke bezahlen. Dazu gehört mMn ebenfalls der ausufernde und immer ungenierter ausgeübte Lobbyismus samt unnützer Beratertätigkeiten. Am Ende können sich die Eliten beinahe jedes Gesetz oder Vorteile, zum Nachteil anderer oder der Allgemeinheit erkaufen.
botschinski 16.03.2019
3. Wieder sowas...
Die Oberschicht erschleicht sich Akademikertitel mit Geld und/oder gefälschten Dissertationen, Betrug wo man hinsieht, überall. Dazu dann Enteignung der Kleinsparer und Mietexplosionen durch Geldausweitung und Nullzinspolitik, [...]
Die Oberschicht erschleicht sich Akademikertitel mit Geld und/oder gefälschten Dissertationen, Betrug wo man hinsieht, überall. Dazu dann Enteignung der Kleinsparer und Mietexplosionen durch Geldausweitung und Nullzinspolitik, schlechte Löhne und soziale Sparmassnahmen bei einer florierenden Wirtschaft, korruptionsverdächtige Beratermandate, ungesühnte Industrieskandale (Diesel, Glyphosat, Plastik) und so vieles mehr. Und gleichzeitig fragt sich dann der Spiegel (Print) woher all die Wut der Kleinbürger kommt und ich mich ob das die vielzitierten westlichen Werte sind.
checkitoutple 16.03.2019
4. Konsrquent waere allen die illegal auf eine Uni gelangt sind die
Diplome oder Titel.zu entziehen. Ausseedem.sollten die Unis dazu verpflichtet werden alle welche bei den betruegenden Mitatbeitern ihre Zugangsberechtigung erhalten haben noch einmal.auf Eignung zu ueberpruefen. Kinder von [...]
Diplome oder Titel.zu entziehen. Ausseedem.sollten die Unis dazu verpflichtet werden alle welche bei den betruegenden Mitatbeitern ihre Zugangsberechtigung erhalten haben noch einmal.auf Eignung zu ueberpruefen. Kinder von Wohlhabenden sollten auf jeden Fall noch einmal alle Zeugnisse im Original und Beglaubigt vorlegen muessen. Aber die Unis wollen das ja gar nicht sie leben ja sehr gut davon Kinder aus reichen Familien auch bei totaler Unfaehigkeit ein Prardikat Examrn auszustellen.
karlheinz-hesse 16.03.2019
5. Was und von wem schreiben Sie.
Den Artikel haben Sie aber schon gelesen. Der Wutbürger kann in anderen Foren seine Luft ablassen, wenn es um die Dinge geht worüber Sie schreiben. Aber Sie haben aber auch mit bekommen, dass es sich Hier um Unis der USA [...]
Zitat von botschinskiDie Oberschicht erschleicht sich Akademikertitel mit Geld und/oder gefälschten Dissertationen, Betrug wo man hinsieht, überall. Dazu dann Enteignung der Kleinsparer und Mietexplosionen durch Geldausweitung und Nullzinspolitik, schlechte Löhne und soziale Sparmassnahmen bei einer florierenden Wirtschaft, korruptionsverdächtige Beratermandate, ungesühnte Industrieskandale (Diesel, Glyphosat, Plastik) und so vieles mehr. Und gleichzeitig fragt sich dann der Spiegel (Print) woher all die Wut der Kleinbürger kommt und ich mich ob das die vielzitierten westlichen Werte sind.
Den Artikel haben Sie aber schon gelesen. Der Wutbürger kann in anderen Foren seine Luft ablassen, wenn es um die Dinge geht worüber Sie schreiben. Aber Sie haben aber auch mit bekommen, dass es sich Hier um Unis der USA geht?

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