Leben und Lernen

Forschungsgelder

Uni-Professoren werben im Schnitt 266.000 Euro ein

Die Summe der Drittmittel, die von deutschen Professoren eingeworben wurden, ist im vergangenen Jahr weiter gestiegen. Besonders erfolgreich beim Sammeln von Forschungsgeldern waren drei technische Universitäten.

Oliver Berg / DPA

Professor bei der Arbeit (an der RWTH Aachen)

Dienstag, 10.09.2019   15:50 Uhr

Der Staat als Arbeitgeber dürfte sich freuen: Professorinnen und Professoren in Deutschland werben im Schnitt mehr Drittmittel ein, als sie an Gehalt kosten. Jeder Lehrstuhlinhaber an einer Uni kam im vergangenen Jahr im Durchschnitt auf 266.200 Euro externe Forschungsgelder. Das zeigt eine Auswertung des Statistischen Bundesamts.

Im Vergleich zum Jahr 2016 war das ein Plus von 3,2 Prozent. Die medizinischen Einrichtungen an Universitäten sind dabei nicht berücksichtigt. Sie nehmen nach Angaben der Statistiker eine Sonderstellung ein und verfügen über deutlich höhere Drittmitteleinnahmen. Jeder Professor einer medizinischen Einrichtung warb im Schnitt 587.300 Euro ein.

Insgesamt nahmen die Hochschulen - ohne Verwaltungsfachhochschulen - 2017 Drittmittel in Höhe von rund 7,8 Milliarden Euro ein. Drittmittel werden vorwiegend für einzelne Forschungsprojekte oder Forschungsbereiche eingeworben.

Die Fächergruppe mit den höchsten Drittmitteleinnahmen je Professor an den Universitäten war 2017 mit 579.600 Euro die Humanmedizin. An zweiter Stelle folgten die Ingenieurwissenschaften mit 579.400 Euro.

Wesentlich geringer waren die Drittmitteleinnahmen mit 132.100 Euro je Professor in den Geisteswissenschaften sowie in den Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften mit durchschnittlich 125.300 Euro.

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Noch einmal deutlich niedriger waren die Einnahmen durch Drittmittel an anderen, nicht-universitären Hochschulen: An den Fachhochschulen belief sich die durchschnittliche Summe pro Professor auf 33.500 Euro, an den Kunsthochschulen auf 19.500 Euro.

him/AFP

insgesamt 14 Beiträge
Newspeak 10.09.2019
1. ...
Die Auflistung dieser Zahlen erscheint mir relativ sinnlos, weil man zum einen Aepfel mit Birnen vergleicht (z.B. die Drittmittel der Unis, ohne Angabe, wie gross diese Unis eigentlich sind) oder eben nur triviale Informationen [...]
Die Auflistung dieser Zahlen erscheint mir relativ sinnlos, weil man zum einen Aepfel mit Birnen vergleicht (z.B. die Drittmittel der Unis, ohne Angabe, wie gross diese Unis eigentlich sind) oder eben nur triviale Informationen entnehmbar sind (grosse Unis bekommen mehr Drittmittel, teure Faecher bekommen mehr Drittmittel). Selbst die Durchschnittsangabe pro Professor ist nicht sehr informativ. Es gibt Professoren, die haben eine Gruppe von 50 Leuten und solche, die haben vielleicht 5 Mitarbeiter. Wer wird wohl die meisten Drittmittel bekommen? Im Grunde handelt es sich um ein dummes System. Das Geld ist sowieso da und muss verteilt werden. Man bindet nur Kraefte durch sinnlose gegenseitige Konkurrenz, weil man damit angeblich Exzellenz sicherstellen will, nur komischerweise gewinnt sein Jahrzehnten kein Deutscher mehr den Nobelpreis (zumindest nicht, wenn es darum geht, dass der Forscher in Deutschland ausgebildet wurde, und hier seine Forschung betreibt, und auch nicht, wie Hell, zwischendurch vergrault wurde, und seine Forschung nur retten konnte, weil man in einem anderen Land an ihn geglaubt hat).
TS_Alien 10.09.2019
2.
Der Nobelpreis wird überschätzt. Wie viele andere Preise auch. Spitzenforschung macht sich nicht an Preisen fest. Wer sich in einem bestimmten Gebiet auskennt, der weiß, dass es viele bahnbrechende Ergebnisse gibt, von denen [...]
Der Nobelpreis wird überschätzt. Wie viele andere Preise auch. Spitzenforschung macht sich nicht an Preisen fest. Wer sich in einem bestimmten Gebiet auskennt, der weiß, dass es viele bahnbrechende Ergebnisse gibt, von denen kaum eine bzw. kaum einer der beteiligten Forscher mit einem Preis ausgezeichnet wird. Es reichen die Anerkennung und der Respekt der Fachkollegen. Ich kenne keinen Professor mit 50 Mitarbeitern. An einer Uni sind viele Stellen durch Drittmittel finanziert. Bei 50 Mitarbeitern müsste ein Professor einige Millionen im Jahr an Drittmittel einwerben. Das ist ungewöhnlich viel bzw. kaum zu schaffen. Denn viele Projekte laufen nur wenige Jahre, so dass ständig Anschlussfinanzierungen durch neue Projekte notwendig wären.
gesichter 10.09.2019
3.
In Köln würde man sagen: Wem sing Brot ich ess, dem sing Leed ich's sing. Deshalb pfeifen auch die so wichtigen Gesellschaftswissenschaften finanziell auf dem letzten Loch, weil sie nicht so viel Geld Einbetteln können.
In Köln würde man sagen: Wem sing Brot ich ess, dem sing Leed ich's sing. Deshalb pfeifen auch die so wichtigen Gesellschaftswissenschaften finanziell auf dem letzten Loch, weil sie nicht so viel Geld Einbetteln können.
kunibertus 10.09.2019
4. Darin sehe ich ein großes Problem.
Eigentlich sollte ein Prof forschen und lehren. Aber er benötigt mehr als die Hälfte seiner Arbeitszeit damit, Förderanträge bei allen möglichen Zuwendungsgebern zu schreiben, damit er einen Assistenten - befristet - [...]
Eigentlich sollte ein Prof forschen und lehren. Aber er benötigt mehr als die Hälfte seiner Arbeitszeit damit, Förderanträge bei allen möglichen Zuwendungsgebern zu schreiben, damit er einen Assistenten - befristet - beschäftigen kann, der ihn dann wenigstens bei den Vorlesungen unterstützt. Der ständige Vergleich zu den eingeworbenen Mitteln pro Professor führt dann letztlich dazu, dass in den Dekanatsbesprechungen "Noten" verteilt werden. Der Kollege X ist ein hervorragender Kollege , er hat gegenüber Kollegen Y mehr als dreimal soviel Drittmittel eingeworben. Dabei kommt überhaupt nur ein Teil der eingeworbenen Drittmittel im Fachbereich an. Es gibt Hochschulen, an denen bis zu 50% im Haushalt verschwinden. Das jeweilige Land geht bei der unzureichenden Hochschulfinanzierung leider mit Recht davon aus, dass sich die Einrichtungen schon helfen und die Finanzierungslücken schließen werden. Letztlich leiden - wie schon gesagt - an der Drittmittelfinanzierung Forschung und Lehre.
kayakclc 10.09.2019
5. Seltsam
Ich in meiner Naivität dachte, die Drittmittel würde die Drittmittelgeber für die beantragten Projekte bereitstellen: Dazu muss Personal angestellt werden und Geräte nach Antrag gekauft. Wie so da 50% im Haushalt [...]
Zitat von kunibertusEigentlich sollte ein Prof forschen und lehren. Aber er benötigt mehr als die Hälfte seiner Arbeitszeit damit, Förderanträge bei allen möglichen Zuwendungsgebern zu schreiben, damit er einen Assistenten - befristet - beschäftigen kann, der ihn dann wenigstens bei den Vorlesungen unterstützt. Der ständige Vergleich zu den eingeworbenen Mitteln pro Professor führt dann letztlich dazu, dass in den Dekanatsbesprechungen "Noten" verteilt werden. Der Kollege X ist ein hervorragender Kollege , er hat gegenüber Kollegen Y mehr als dreimal soviel Drittmittel eingeworben. Dabei kommt überhaupt nur ein Teil der eingeworbenen Drittmittel im Fachbereich an. Es gibt Hochschulen, an denen bis zu 50% im Haushalt verschwinden. Das jeweilige Land geht bei der unzureichenden Hochschulfinanzierung leider mit Recht davon aus, dass sich die Einrichtungen schon helfen und die Finanzierungslücken schließen werden. Letztlich leiden - wie schon gesagt - an der Drittmittelfinanzierung Forschung und Lehre.
Ich in meiner Naivität dachte, die Drittmittel würde die Drittmittelgeber für die beantragten Projekte bereitstellen: Dazu muss Personal angestellt werden und Geräte nach Antrag gekauft. Wie so da 50% im Haushalt verschwinden? Kann es sein, das hier Drittmittel mit Overhead verwechselt wurden, die zu 100% von der Uni für Verwaltungskosten verwendet werden müssten, und daher in der Uni-Verwaltung bleiben?

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