Leben und Lernen

Scheinstudent in Hamburg

Bafög-Betrüger erbeutet rund 68.000 Euro

Er hat 19 Bafög-Anträge gestellt und kam 14-mal damit durch: Ein Scheinstudent hat in Hamburg rund 68.000 Euro erschlichen. Nun ermittelt die Polizei.

imago

Campus der Uni Hamburg (Archivbild)

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Dienstag, 05.03.2019   12:13 Uhr

Am Anfang waren es nur Unstimmigkeiten bei einigen Bafög-Anträgen, mittlerweile ist klar: Es geht um eine Betrugsserie. In Hamburg hat ein Unbekannter rund 68.000 Euro vom Bafög-Amt erschlichen, indem er sich als bedürftiger Student ausgab.

Die Polizei Hamburg bestätigte dem SPIEGEL, dass sie einer Betrugsserie nachgeht: "Wir ermitteln wegen der Erschleichung von Förderleistungen", sagte Polizeisprecher Rene Schönhardt. Zuerst hatte die "Bild"-Zeitung darüber berichtet. Dort heißt es, die Uni Hamburg, die Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) und die HafenCity Universität seien unter anderem betroffen. Die Uni Hamburg teilte dem SPIEGEL jedoch am Dienstagabend mit, ihr sei "zum jetzigen Zeitpunkt kein solcher Fall bekannt".

Insgesamt geht es um 19 Anträge, die der Student zwischen 2015 und 2018 gestellt hat. 14 davon sollen bewilligt worden sein. "Es handelte sich um ein systematisches Vorgehen mit erheblicher krimineller Energie", sagte die Pressesprecherin des Studierendenwerks Hamburg, Martina Nag, dem SPIEGEL. Der falsche Student habe für die Bafög-Anträge eine Scheinidentität erfunden und Immatrikulationsbescheinigungen gefälscht.

Umfangreiche Dokumentenfälschung

Um das Bafög zu erhalten, habe der Scheinstudent ein anderes Konto benutzt. Es sei nicht ungewöhnlich, sich das Bafög auf ein anderes Konto, etwa das der Eltern, überweisen zu lassen, sagte Pressesprecherin Nag. Das sei zulässig und in bestimmten Fällen auch notwendig. Nur müsse dafür ein Personalausweis vorgelegt werden. Die Legitimation erfolgte laut Nag "in den festgestellten Fällen mit gefälschten Dokumenten". Der Scheinstudent habe demnach einen oder mehrere gefälschte Personalausweise benutzt.

Zu möglichen Fehlern des Studierendenwerks äußerte sich Nag nicht. Der Betrug sei letztendlich durch interne Prüfungen aufgefallen. Ein solcher Betrugsfall dürfe und solle zwar nicht vorkommen, könne aber bei der entsprechenden kriminellen Energie und Vorgehensweise nicht vollständig ausgeschlossen werden.

Die mutmaßlich betroffenen Hochschulen äußern sich zu den Betrugsfällen nicht. Die Pressesprecher der HafenCity Universität und der HAW teilten auf SPIEGEL-Anfrage lediglich mit, dass man sich zu laufenden Verfahren nicht äußern könne, da sie sonst beschädigt werden könnten.

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